Washington: A New Order Rising

Als die Musikgötter die Muse überraschend über Norwegen ausgossen, trafen sie ausgerechnet a-ha. Heute, rund 20 Jahre nach „Take On Me“, ist es fast eine Selbstverständlichkeit, dass Norwegen großartige Bands hervorbringt. Unter dem doch sehr un-norwegischen Namen Washington debütiert jetzt ein junges Trio, das mit „A New Order Rising“ ein Album vorlegt, das die Kinnlade direkt nach unten wandern lässt.

Weiterlesen

Oh wie so unterirdisch!

„Leonie Swann hat „Glennkill“ in bester angelsächsischer Erzähltradition geschrieben. Kein Wunder – sie hat englische Literatur studiert. „

Vollständig erblasst lehnen wir uns zurück und denken anlässlich dieses wahrhaft unterirdischen →Zitates über Ursache und Wirkung nach. Zigtausende studieren Deutsch in Deutschland. Sie werden einmal in bester deutscher Erzähltradition schreiben. Zigtausende Jean Pauls, Kellers, Fontanes, Manns – es wird nicht zum Aushalten sein. Und wir gedenken der besten angelsächsischen Erzähltradition: Swift. Sterne. Dickens. Trollope. Collins. Bulwer-Lytton. Und dann klappen wir „Glennkill“ auf. Und wären wir nicht schon vollständig erblasst, jetzt wären wir’s bestimmt.

Authentisch?

freitagsessay.gif

Romane sind fiktiv, und manche beruhen auf Tatsachen, sind in ihrer Wurzel „authentisch“. Doch sind sie damit auch schon „wahr“?
Die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts veröffentlichten „Causes célèbres et intéressantes“ des französischen Juristen Francois Gayot de Pitaval sind der Proto- und Archetyp jener Sammlungen von „wahren Kriminalfällen“, die seither einen eigenen Zweig im Geäst des Krimis ausbilden. Pitaval sah sich durchaus als Lehrer des Volkes, in dem die dargereichten wahren Geschichten reinigenden Schrecken verbreiten sollten. Die „Authentizität“ stand im Dienste der Belehrung, das schlechte, aus dem Leben gegriffene Beispiel, wird passgenau in die Leben der Leser verpflanzt, eine Art moralischer Herzschrittmacher.

Weiterlesen

City of the Dead

Tatort: Deutschlandfunk, Freitag 6:35Uhr. Pfarrer Matthias Viertel (Hofgeismar) macht sich → „Gedanken zur Woche“ zu New Orleans und weiß dabei auch anrührende Geschichten zu erzählen:

Da sind z.B. die Krankenschwestern, die in dem Hospital der Armen ausgeharrt haben, um die Pflegebedürftigen nicht aufzugeben; da ist der Jazzfreund, der noch einmal loszieht um den über 80jährigen Fats Waller aus seiner Wohnung zu holen, weil diese Blueslegende einfach nicht in den Fluten umkommen soll…

Das geht zu Herzen, ist aber auch ein ganz schön gruselig, schließlich ist Fats Waller bereits seit 1943 tot.

Diskursladen

64.gif

Über Krimis im Allgemeinen und Frau Leon im Besonderen, über Klassiker und ihr Gelesenwerden, über das Alter und die Tücke von Kürzeln – darüber diskutiert man gerade in Ludgers Krimiblog. Doch da es uns der Webmaster nicht vergönnt, in seiner Abwesenheit eine Partie Online-Poker zu spielen, deaktiviert er für drei Wochen die Kommentarfunktion. Um nun die Diskussion nicht abzuwürgen, geht sie hier weiter. Also: Macht euch →dort schlau und gebt hier euren Senf dazu. Ihr wisst ja: Leserbindung. Le-ser-bin-dung. Wir habens nötig. Ihr auch.

Fluchten

Dass Herr Ludger Menke, →Blogbetreiber, den Rechtsstaat Deutschland überstürzt in Richtung nicht ganz so rechtstaatliches Ausland verlassen wird, ist eine Tatsache. Dass er Gefälligkeitsgutachten (=Rezensionen) für die krimiverarbeitende Industrie verfasst und die nicht unbeträchtlichen „Honorare“ haarscharf am Finanzamt vorbeigeschmuggelt hat, ist ein Gerücht, das wir hiermit in die Welt setzen.

Weiterlesen

Palim Palim

Dieter Hallervorden – Mit 70 hat man noch Träume!, 8.9.2005. ARD.
O gnädiger Mantel des Vergessens!
Lang, lang nicht mehr gesehen. Dass Hallervorden nicht mein Ding ist, das war mir noch klar. Aber erst beim Betrachten der Geburtstagssendung in der ARD wurde mir (wieder) klar, wie schrecklich öde und unlustig „Didi“ ist – ganz gleich ob er sich an Slapstick oder Politkabarett versucht.
Und dass Oberlangweiler Ingo Oschmann (wenn Sie nicht lachen…) einer der Topgäste war, sagt doch schon fast alles.

Matthew Pearl: Der Dante Club

Boston 1865. Eine Gruppe von Autoren und Forschern um den gefeierten Dichter Henry Wadsworth Longfellow beginnt das Projekt einer Übersetzung von Dantes „Göttlicher Komödie“. Nicht nur eine künstlerische Herausforderung. Traditionalistische und nationalistische Kreise opponieren mit Rufmord und sonstigen Intrigen gegen das Vorhaben, das Land steckt unmittelbar nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs in gesellschaftlichen Turbulenzen, dennoch wird das Projekt 1867 erfolgreich abgeschlossen.

Weiterlesen

Kaizers Orchestra: Maestro

Dass das Kaizers Orchestra dem Wahnsinn gerne mal die Hand schüttelt, haben die Norweger mit den zwei bisher erschienen Alben hinreichend bewiesen. Bei ihrem neuen Werk „Maestro“ fragt man sich aber, ob der Titelsong nicht etwas über’s Ziel hinaus schießt. Wenn der überschnappende Backgroundchor in bester Rocky-Horror-Manier „Swing din hammer“ skandiert, ist das verdammt nah am Kasperletheater.

Weiterlesen

I can’t relax in Deutschland

Lang hat’s gedauert, endlich regt sich wahrnehmbarer Protest: Einige politische und pokulturelle Initiativen sowie Bands haben sich zusammengeschlossen, um gegen den Ruck in der deutschtümelnden Popmusik zu protestieren. Ob sie erfolgreich etwas bewegen können oder unfreiwillig nur neue Identifikationsangebote als ‚die anderen/guten Deutschen‘ abgeben werden, steht noch aus, aber auf alle Fälle bemühen sie sich redlich.

Weiterlesen

Die Woche des Authentischen

Die Schriftsteller schöpfen aus der Wirklichkeit, dem Faktischen, Authentischen. So weit so richtig so gut. Aber was kommt dabei heraus, wenn die Schriftsteller – die von Kriminalromanen im Besonderen – nicht nur aus dem Authentischen schöpfen, sondern es zur Grundlage ihrer Arbeit machen?

Über den Umgang mit Tatsachen in Kriminalromanen soll es für den Rest dieser Woche gehen. Nicht um die hanebüchene Beweisführung eines Dan Brown, obwohl dieser Fall in geradezu vorbildlicher Weise zeigt, wie anfällig schlichte Gemüter für das sogenannte „Faktische“ sind, zumal dann, wenn es im Gewand des Mysteriums und der Aufklärung daherkommt. Beginnen wir lieber mit einer stichwortartigen Sammlung von Gedanken und Indizien zum Thema.

Weiterlesen

Das Märchen von der Vollbeschäftigung

Die Kräfte, die sich am Vollerwerbsmodell festkrallen, rechnen mit Wundern. Umverteilung der Arbeit soll das Schlimmste verhindern. Das ist schon oberflächlich betrachtet grober Unfug. Selbst in längst vergangenen Zeiten, als die meisten Menschen nur stupide, leicht einstudierbare Arbeit in Fabriken leisteten, ließ sich das kaum realisieren. Wenn Arbeit aber vor allem geistige Tätigkeit ist, also Wissensarbeit – wie sollte Umverteilung dann funktionieren? Durch Gehirntransplantationen?

Automation und Fortschritt, Wissensarbeit und Kapitalismus vernichten Arbeitsplätze. Und das ist gut so. Es geht nämlich auch anders.
Lesetipp: →  Der Lohn der Angst (Brand Eins)

Alligatoren husten uns was

283.gif

Gestern keine neuen →„Alligatorpapiere“. Was haben wir uns Sorgen gemacht! Sind die Jungs zur Science Fiction übergeschwenkt oder gar zur Hochliteratur und beglücken uns künftig mit einem Nachrichtendienst zu Leben, Werk und Wirkung deutscher Balladendichter des Hochmittelalters? – Nein! Sie sind wieder da! Ist bloß ne Sommergrippe! Gute Besserung – und oben einen illustrierten Gesundheitstipp: Immer warm halten und tüchtig schwitzen!

Morag Joss: Half broken things

Was passiert, wenn Verlierer ein Zipfelchen des Glücks erhaschen? Jean, 64 Jahre alt, ist Haussitterin und hat die Aufgabe, für neun Monate in einem herrschaftlichen Haus zu wohnen. Mit der Zeit finden in diesem einsamen und abgeschiedenen Haus drei von der Gesellschaft verlassene und ob der Ausweglosigkeit ihrer Lebenssituation verzweifelte Menschen zusammen. Statt nur das Haus zu betreuen, richten sie sich dort ein und schaffen sich ihr eigenes, von der Realität abgekoppeltes Reich. Endlich einmal, so scheint es, haben die drei Glück, endlich einmal können sie dem „schlechten Stern“, unter dem ihre Leben stehen, entkommen.

Weiterlesen

Morag Joss: Half broken things

Was passiert, wenn Verlierer ein Zipfelchen des Glücks erhaschen? Jean, 64 Jahre alt, ist Haussitterin und hat die Aufgabe, für neun Monate in einem herrschaftlichen Haus zu wohnen. Mit der Zeit finden in diesem einsamen und abgeschiedenen Haus drei von der Gesellschaft verlassene und ob der Ausweglosigkeit ihrer Lebenssituation verzweifelte Menschen zusammen. Statt nur das Haus zu betreuen, richten sie sich dort ein und schaffen sich ihr eigenes, von der Realität abgekoppeltes Reich. Endlich einmal, so scheint es, haben die drei Glück, endlich einmal können sie dem „schlechten Stern“, unter dem ihre Leben stehen, entkommen.

Weiterlesen