Stell dir das vor: Ein Rezensent erhält ein Buch zur Besprechung, von dem er von vornherein weiß, dass es ihm nicht gefallen wird. Sagen wir: die Reprintausgabe eines Heftromans aus den 50er Jahren, „Inspektor Gnadenlos und das blonde Gift aus Husum“, ein Produkt deutscher Brachialprosa. Nein, er mag es nicht. Er hasst es. Er muss / soll es aber besprechen. Was tut er?
WeiterlesenHans Clarin
Der deutsche Schauspieler („Das Wirtshaus im Spessart“, „Pippi Langstrumpf“, „Weißblaue Geschichten“) und Synchronsprecher (er war u.a. Cookie in „77 Sunset Strip“, „Hui-Buh – Das Schlossgespenst“ und vor allem die Stimme vom Pumuckel) stirbt 75jährig an Herzveragen.
Weltniveau?

Martin Buchhorn, einst verantwortlich für Fernsehspiele beim Saarländischen Rundfunk, sorgt mit seinen Aussagen zur Schleichwerbung beim SR für Wirbel (FAZ: → Vorwürfe gegen ARD-Programmchef).
Er selbst habe bezahlte Schleichwerbung in seine Filme integriert, um „trotz schwindender Etats und steigender Kosten Spitzenprodukte herzustellen’, erklärte Buchhorn.
Wohlgemerkt, wir reden hier (u.a.) über die SR-Tatorte mit Max Palu!!!

Sommerkrimi -7-
Mit einem Städtetripp nach Shanghai beschließen wir heute unsere kleine Reihe mit Sommerkrimis. Irgendwo vertraut, was uns an Verbrechen dort erwartet, aber doch auch fremd, überraschend und lehrreich.
WeiterlesenKaiser Chiefs: Employment
Für eine Nähmaschine sind die Kaiser Chiefs ganz schön musikalisch! Zackig, mit der Präzision und Geschwindigkeit der ratternden Nadel feuern sie ihre Akkorde und Silben ab, dass die einem nur so um die Ohren fliegen. Und obwohl ihre Songs sound-technische Gesamtkunstwerke sind – fett und funkelnd, mal geschmeidig, mal scharfkantig -, schaffen sie´s, so einfach und struppig wie der Straßenköter von der nächsten Ecke rüberzukommen.
WeiterlesenDie Chance der schlechten Gesellschaft

Nun, das war einmal ein angenehmer Sommerurlaub. Wenig Sommer, wenig Stress, dafür gute Lektüre. Intelligente amerikanische Thriller und, was für eine Überraschung, intelligente neue deutsche Krimis.
WeiterlesenDicke Luft
Oh, oh, lieber Alfred Miersch, da hast du was Schönes angerichtet! Diesen wundervollen Krimiblog in der heutigen Ausgabe der nicht weniger wundervollen →Alligatorpapiere als „Nonprofit-Beobachter“ abzustempeln, bringt Chef Walter zur Weißglut. Nonprofit! Und das ihm, dem Knechter der Geknechteten, dem Ritter des Mehrwerts, dem Maximierer des Profits! Wer einen Einblick in die materialistische Seele unseres Chefredakteurs erlangen möchte, sei hier dringend an →Kapitel 16 des legendären „Promimassakers“ verwiesen. Auf dass man das Wort „nonprofit“ nie mehr im Zusammenhang mit Hinternet nenne! Geld muss fließen wie Krimiblut und Milch&Honig!!!
Savinien Cyrano de Bergerac: Reise zum Mond und zur Sonne
Als Draufgänger mit spitzer Nase kennt man Savinien Cyrano de Bergerac. Ein perfekter Poet, der erkennen muss, dass alle Poesie nicht so viel zählt wie ein makelloses Gesicht. Sehr traurig. Und sehr falsch. Im wirklichen Leben war dieser Cyrano de Bergerac ein Pionier der Science Fiction, aber auch hier ohne happy end.
„Reise zum Mond und zur Sonne“, so sind die beiden, in ihrer Handlung zusammenhängenden Romane betitelt, die nun endlich in deutscher Sprache und einer anerkennenswert präzisen Rekonstruktion vorliegen. Es sind nicht allein die schrulligen Erfindungen und Einrichtungen, die beide Romane als Vorläufer der Science Fiction ausweisen. Walkman, Essen, von dem man durch Riechen satt wird und Verse als Währung – dieser Bergerac (1619 – 1655) war ein Erfinder par excellence, und wenn der Held mit Hilfe von Solarantrieb die Sonne erreicht, so hat diese Vision fast schon Jules-Verne-Format.
WeiterlesenNorbert Horst: Todesmuster
Authentische Polizeiarbeit ist eine triste Sache. Berufsalltag halt und daher nur in Maßen krimitauglich. Da ist es fast ein Glück, dass die meisten Autoren nichts von Polizeiarbeit verstehen, ihr Wissen von Vorgängern übernehmen, die auch nichts davon verstanden haben oder ein recherchiertes Faktengerüst mit den Ergebnissen ihrer Phantasie behängen.
Norbert Horst versteht etwas von Polizeiarbeit; sie ist sein täglich Brot. So gesehen, beginnt man die Lektüre von „Todesmuster“ mit einer gewissen Befürchtung ob der drögen Dinge, die einem da wohl geschildert werden. Es braucht indes nur wenige Seiten, diese Befürchtung als unbegründet ad acta zu legen.
WeiterlesenThings to come
Jüngst verschlug mich ein widriges Schicksal in eine von diesen großen Buchkettenfilialen. Na gut, dachte ich mir, nutze ich doch die Gelegenheit, mal zu sehen, was es Neues in der Abteilung Science Fiction gibt. Der Weg führte mich vorbei an diversen Ständen und Regalen mit historischen Krimis, Schwedenkrimis, Regionalkrimis, Schafkrimis, Krimihörbüchern ins hinterste Eck des Ladens, wo sich zwei mickrige Regalböden laut Etikett die Bereiche Science Fiction und Fantasy teilten. In Wahrheit bestand das Angebot fast ausschließlich aus Fantasy-Kram à la Marion Zimmer Bradley und – vor allem – haufenweise Terry Pratchett.
WeiterlesenVerfall

„Vom Verfall einer Familie“ handelt Thomas Manns nobelpreisgekrönter Roman „Buddenbrooks“. Den Verfall eines Krimiblogs kann man zur Zeit in Echtzeit verfolgen. Ludger Mähnke, Deutschlands renommiertester →Kritiker von Schafskrimis, hat sich nun die Krimiforenbesucher vorgeknöpft und ihnen, als ein wahrhaft zorniger Gott, →zehn Gebote vom Berg Sinai seiner Zweitwohnung in St. Georg vor die Füße geknallt. Muss das wirklich sein? Ist Mähnkes Absage an den seriösen Journalismus nicht schlimm genug? Darf man seine Leser wirklich so beschimpfen? – Traurig sitzen wir im Frühstücksraum der Hinternet-Redaktion und beißen sinnierend in unsere Käsebrote. (Abbildung: Ludger Mähnke schockiert einen Forumsbesucher)
Wahlplots -4-

Merkwürdig still ist es um Deutschlands Krimiautorenelite geworden. Lesereisen wurden abgesagt, Autorenblogs bleiben ungepflegt. Denn die Autoren schreiben. Sie schreiben Wahlthriller, Wahlwhodunnits, Wahlregionalkrimis, ja selbst ein Wahlkatzenkrimi und ein Wahlweinkrimi sind in Arbeit. Die Zeit drängt, denn spätestens Anfang September müssen die Offsettrommeln rotieren.
Wir haben in bewundernswerter Recherchearbeit einige der Plots ermittelt und stellen sie bis Ende des Monats in loser Folge vor. Heute präsentieren wir: A-MAN JAGT E-WOMAN.
WeiterlesenSampler: Thai Beat A Go-Go 2+3
Als während des Vietnamkriegs GIs in Thailand stationiert waren, brachten sie Musik mit, was nicht ohne Spuren blieb. In den 60ern und 70ern blühte eine thailändische Popkultur, deren Soundtrack auf dieser Samplerreihe wiederveröffentlicht wird.
WeiterlesenBrock Peters
Einer der erfolgreichsten schwarzen Hollywoodschauspieler der 60er und 70er Jahre stirbt 78jährig an Krebs.
WeiterlesenCharles Benoit: Relative danger
Im US-amerikanischen Krimi kann man über die letzten Jahre eine Verschiebung, weg von verwurbelten Rätseln hin zum erzählenden Roman beobachten. Charles Benoits Erstling „Relative Danger“ ist ein gutes Beispiel für die neue Stilistik. Er ist ein Krimi gewordener Reiseroman, geschrieben für eine Nation, bei der man das Gefühl hat, dass für sie die Juden der Gegenwart die Moslems sind.
WeiterlesenSchlagt mich
… aber ich sage es trotzdem: Mehr als die Hälfte der Leser von Belletristik sind Analphabeten; nicht das Wort selbst ist ihnen Geheimnis, es ist der Wortsinn, der ihnen zu schaffen macht. Sie schicken die Wörter wie Bandnudeln durch ihre eindimensionalen Gehirne, lassen sie im Sud ihrer Klischees und Vorurteile köcheln – und wundern sich dann, wenn eine matschige Masse im Bewusstsein ankommt, ein Morast, ein Sumpf, kurz: eine Welt- und Lebensanschauung ganz in Kotzgrün. Das nenne ich noch Leserbeschimpfung.
Weiterlesenarchive.org revisited
Ein Blick auf archive.org zeigt, dass sich in den letzten Wochen das Angebot wieder erweiter hat. U.a. um

- Hitchcocks „The Man Who Knew Too Much“(das Original von 1934, nicht zu verwechseln mit Hitchs eigenem Remake von 1956 mit James Stewart und Doris Day!)
- John Hustons „Beat the Devil“ (1953), dtsch.: „Schach dem Teufel“, mit Humphrey Bogart und Gina Lollobrigida
- „The Inspector General“ (1949, dtsch: „Der falsche Revisor“) mit Danny Kaye
- „Mr. Moto’s Last Warning“, der 6. Film um den japanischen Detektiv Kentaro Moto, gespielt von Peter Lorre (der auch in „The Man Who Knew Too Much“ und „Beat the Devil“ mitspielt)
Zu den Akten
Stetig wächst die Textsammlung authentischer Kriminalfälle →„Aus Gerichtlichen Akten“ der lobenswerten und verdienstvollen „eBook-Bibliothek“. Spätes 18. Jahrhundert, historisch, aber auch literarisch interessant!
Schule der Rezensenten -2-
Buchbesprechungen sind ein Relikt des bürgerlichen Feuilletons und taugen nur noch dazu, pseudointellektuelle Aufgeregtheiten und Scheingefechte in Szene zu setzen, wenn etwa Kritiker X den neuen Walser plattmacht und Kritiker Y dem entgegenhält. Ansonsten versandet alles in der schönen neuen Welt der Sechszeiler und Trendberichterstattung.
WeiterlesenLeerstellen
Journalismus goes Literaturtheorie. Das kann ja nur ins Leere laufen:
„Detailgenauigkeit ist eine Stärke der Lokalkrimis. Im Roman „Das Schapdetten-Virus“ beschreibt der Münsteraner Krimiautor Jürgen Kehrer eine Autofahrt so präzise, daß der Leser keinen Shell-Atlas mehr braucht: „Wir nahmen die Autobahn bis Nottuln, dann die B 67.“ Die sogenannten Leerstellen, von denen in der Literaturtheorie die Rede ist, die Momente, in denen sich die Phantasie des Lesers verselbständigt, sind in solchen Büchern eher rar.“
– So lehren es uns die Herren Hammelehle und Lindemann in ihrem →Beitrag zu „Regionalkrimis“ in der „Welt am Sonntag“. Und was lernen wir daraus? Spricht die Literaturtheorie von „Leerstellen“, dann meint sie damit, dass man einen Shell-Atlas braucht. Respektive: Schriebe Herr Kehrer „Wir nahmen die Autobahn und dann die Bundesstraße.“, könnte sich die Phantasie verselbständigen. Everything goes.
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