Glasseater: Everything Is Beautiful When You Don’t Look Down

Eine ungewöhnliche Mischung ist das, was uns das südkalifornische Quintett Glasseater auftischt. Sie haben tatsächlich den Mut, melodischen Punkrock mit (im weitesten Sinne) Metal Edge zu verbinden. Sie wurden bereits mit No Use For A Name und Face To Face (allerdings mit „bigger balls“!) verglichen. James Wisner hat „Everything Is Beautiful…“ produziert und all die verschiedenen Färbungen – von melodischem Gesang bis zur Brüllattacke, von atmosphärischen bis hin zu gewaltig-massiven Schnellfeuer-Riff-Attacken – verknüpft.

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Stephen Duffy & Lilac Time – Keep Going

Stephen Duffy? Genau: „Tin Tin“, früher Mitglied bei Duran Duran und mit „Kiss Me“ wahrscheinlich der einzige Hit. Die Schatten der Vergangenheit hat er hinter sich gelassen und präsentiert mit seiner Combo The Lilac Time ur-britische Songwriter-Kunst. Wer Roddy Frame oder Divine Comedy mag, kann mal sein Ohr für „Keep Going“ schon mal öffnen. Ganz große Nummern wie „So Far Away“ sind zwar etwas selten, aber Stephen Duffy überrascht mit einem zeitlosen, sympathischen Popalbum, das auf Dauer leider ein bisschen langweilig ausgefallen ist.

Death Cab For Cutie: Transatlanticism

Das Album „Transatlanticism“ ist ein „Grower“. Es wächst mit jedem Hören, es wächst über sich hinaus und es wächst dir ans Herz.
Auch, wenn es in jeder Kritik steht, es lässt sich vieles damit erklären: Marcus Wiebusch (Kettcar) und Thees Uhlmann (Tomte) sind die Köpfe des Hamburger Labels Grand Hotel van Cleef und wenn man weiß, dass Marcus mit seinem inzwischen stillgelegten Label B.A. Records die Weakerthans nach Deutschland holte, weiß man auch, warum Death Cab For Cutie auf GHVC willkommen waren.

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Materialien gegen die Sauberkeit des Rezensenten -1-

(In loser Folge, aus aktuellem Anlass: Einblicke in den Alltag, fernab von theoretischer Moraldiskussion. So isses halt und nicht anders.)

Ich gründe demnächst ein Kleinverlag in Saarbrücken. Nur Krimis. Natürlich bin ich finanziell klamm und starte mit einem einzigen Titel, aus taktischen Gründen wird es ein Saarland-Krimi sein. Kohle für PR hab ich nicht. Ich schicke eine Palette Rezensionsexemplare hinaus in die große weite Welt von Spiegel, Zeit, taz und Stern, aber eigentlich weiß ich: verschwendete Mühe, verschwendetes Geld.

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Boysnightout: Make Yourself Sick

Irgendwann haben sich alle Genres die Hörner abgestoßen, man hat seine Favoriten eingesammelt und wenn niemand die Schubladenkruste aufbricht, haben es Nachkömmlinge extrem schwer. Boysnightout aus Kanada surfen an den bekannten Emo-Größen vorbei und schaffen es relativ zielsicher, ihren Vorbildern ein bisschen Gischt in die Augen zu spritzen. Gute Songs sind schon da, wenn jetzt noch die Eigenständigkeit mit aufs Brett kommt, könnte für Boysnightout nach oben noch eine Menge drin sein.

(7 Fritten)

Boysnightout: Make Yourself Sick
(Ferret)

Harmful: Sanguine

Manchmal durchzuckt mich dieses musik-patriotische Gefühl, dass es seit einigen Jahren wieder zunehmend gute Musik aus Deutschland gibt. Speziell im Rocksektor haben die Musiker hierzulande extrem aufgeholt und müssen nicht mehr fürchten, international belächelt zu werden. Ganz aktuell haben Harmful mit ihrem fünften Longplayer „Sanguine“ diesen Quantensprung geschafft und reihen sich locker in die großen Namen des Alternative-Rock ein.

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Crowfish: Requiem For A Broken Heart

Der Pop-Punk der bulgarischen Band Crowfish hört sich mehr nach Progrock an als nach irgendetwas anderem. Die Jungs aus Varna haben beim Komponieren etwas zu sehr auf ihren Kopf denn ihren Bauch gehört. Zu kalt und künstlich sind die Songs. So als wollten Dream Theater eine beliebige Emo-Pop-Band covern. Es fällt daher schwer, mit „Requiem For A Broken Heart“ warm zu werden.

(4 Fritten)

Crowfish: Requiem For A Broken Heart
(Freecore/Alive AG)

The Fire Theft: s/t

Mit Jeremy Enigk, William Goldsmith plus Nate Mendel ist mit The Fire Theft der Kern von Sunny Day Real Estate zurückgekehrt. „The Fire Theft“ macht den Hörer fassungslos – die einen vor Entsetzen, die anderen vor Erstaunen. Die Argumente für oder gegen das Album sind die gleichen: große Emotionen, weit reichende Spannungsbögen, versponnene Instrumentalspielereien und ein unüberhörbarer Hang zum 70er Jahre Art-Rock.

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Rotes Haus: 73,29 minutes to save the world

Eine bunte Anzeigenkampagne weckte diesen Herbst Interesse am potenziellen „next big thing“: modern, international, hip und engagiert. „Rotes Haus“ enttäuschen diese Erwartungen. Der Hamburger Elektropoprock erinnert immer wieder stark an Chumbawamba und eine gewollte aber nicht gekonnte dünne Asian Dub Foundation-Kopie. Dazu kommt nicht besonders ausdrucksstarker Gesang, lethargischer Sprechgesang und ein paar eckig-holprige Raps.

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Dieter Bohlen – Hinter den Kulissen

Na, das wollen doch alle: hinter die Kulissen schauen. Und – soviel ist klar: hier wird hinter die Kulissen geschaut. Lauter Geschichten aus dem Showbiz, von Schönen und Reichen. Von Sternchen und Ludern, von Schlagerstars und Hollywood-Diven, von Musikproduzenten und Wirtschaftsbossen… Ach, es ist eine Fundgrube für Klatsch-Fans. So, wie man´s erwarten durfte.

Das Wichtigste wissen wir eh schon: Thomas Anders ist böse, Hartmut Engler nervig, die Superstars intrigant. Und wenn nicht, hätten wir´s uns eh gedacht. Oder glauben´s auch jetzt nicht.

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Stoppok: Bla-Bla Nonstop

Ich geb’s zu – ich musste Stefan Stoppok erst live sehen, um mich mit seinem Werk nochmal intensiver zu beschäftigen. Ich hab‘ ihn irgendwann mal in die Schublade „Ruhrpott-Knödler“ gelegt und ihn dort fälschlicherweise nicht mehr raus gelassen. Asche auf mein Haupt, zuerst hat mich sein akustischer Auftritt bei den Acoustic Stories II überzeugt, danach sein vor kurzem erschienenes Album „Bla-Bla Nonstop“.

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Pennywise: From The Ashes

Wenn es eine Band gibt, von der man keine Innovation erwarten darf, dann ist das sicherlich Pennywise. Die alten Recken prügeln auch auf „From The Ashes“ in munterer Punkmanier ihre Hymnen unters Volk. Dass man ihnen die Stagnation nicht übel nimmt, liegt zum einen daran, dass sie immer noch riesige Nummern schreiben („Falling Down“, „Judgement Day“), zum anderen aber auch an der Ambition, mit der das Quartett nachdrücklich am Hirn des Hörer rüttelt.

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