Billy Talent: Billy Talent

Was ist das? Eine Band, die ganz gewöhnlichen Rock spielt und die man definitiv in keine Schublade stecken kann? Man ringt nach Einflüssen, sucht nach Parallelen und kommt nur zu dem Schluss, dass das alles schonmal da war, aber eben nicht in dieser Form. Das Quartett Billy Talent hat sich mehr als zehn Jahre den Hintern abgespielt, um jetzt mit seinem Debütalbum vom Stand weg den großen Wurf zu landen.

Weiterlesen

Chartskritik 29.9.2003

Mh, wo fang ich denn heut mal an? Also gut, bei den Damen. Was ist das denn für ein Fummel, Evanescence-Sängerin Amy, bitteschön, den sie da tragen? Irgendwas Weinrotes mit ganz vielen Ledergürteln, bis unter die Achseln. Bei Dee Snider ausgeliehen? Bei Osbournes ausm Kleiderschrank geklaut? Ach bitte, der ganze Leder- und Schlaufenscheißdreck bei den Metal-Bands war doch in den 80ern schon peinlich. Aber ansonsten: „Going under“ (Platz 20) ist natürlich super!

Weiterlesen

Favez: Bellefontaine Avenue

Die fleißigen Schweizer haben auf ihrem vierten Album die Zügel selbst in die Hand genommen und „Bellefontaine Avenue“ komplett in Eigenregie eingespielt und produziert. Zierte das zweite und dritte Werk noch der große Name von John Agnello, kann man das Fazit ziehen, dass die Sympathen aus Lausanne dem Herrn fleißig auf die Finger geschaut haben. Das Album klingt frisch und unverbraucht und pendelt auf angenehme Weise zwischen jugendlichem Heißsporn und Erfahrung.

Weiterlesen

Jill Parr: Orbit

Jill Parr ist so eine Art rothaarige Vanessa Amorosi, von der man ein bisschen Pop-Appeal abziehen kann und übrig bleibt eine wahrlich beeindruckende Stimme. Das macht zwar „Orbit“ nicht wirklich spektakulär, aber wenn ihr auch eine Partnerin habt, die das Autoradio bei Leann Rimes lauter dreht, könntet ihr mit Jill Parr einen Überraschungserfolg landen.

(6 Fritten)

Jill Parr: Orbit
(Butterfly/Gerth)

Kju: The Pices Fit

Ein merkwürdiger Bandname, eine umso bessere Band aus dem bundeskanzlerischen Hannover. Emorock, der nicht vom Fliessband kommt, und insbesondere durch Sänger Tobias Hartwig eine ganz eigene Note aufgedrückt bekommt. Lebendig, kraftvoll, bewegend, treibend und zum Moshen animierend. Ach ja. Guido Lucas hat produziert, dass heißt mal wieder: Der Sound ist vom Feinsten.

(8 Fritten)

Kju: The Pices Fit
(Swellcreek/Soulfood)

Req: Car Paint Scheme

Verdammt bizarr und abstrakt, was sich Req da wieder ausgedacht hat. Der frühere Graffiti-Künstler aus Brighton verdingt sich nun als visionärer Beat-Bastler. Reime sucht man auf „Car Paint Scheme“ vergebens. Alles worauf es ankommt, sind die komplexe Beat-Figuren, die lediglich von einigen wenigen Geräuschen begleitet werden. Strange stuff!

(5 Fritten)

Req: Car Paint Scheme
(Warp/Zomba)

Nothing In Common: Leaving Without Moving

„Ten songs about disgust and dislike“ auf knapp 34 Minuten Albumlänge – das Motto klingt altbekannt. Die 1996 gegründete Band ist – auch wenn sie sich im Bandinfo mit Händen und Füssen dagegen wehrt -in die Schublade „Emo“ zu stecken. Ätsch. Da macht sie ihren Job einigermaßen gut. Es fehlt ihr jedoch an Hits, an einem schlagkräftigen und ausdrucksstarken Sänger und pfiffigen Ideen. Mehr als Durchschnitt ist das nicht.

(5 Fritten)

Nothing In Common: Leaving Without Moving
(Killer Release Records/Cargo)

Peter Frampton: Now

Peter Frampton gehört in den großen Topf mit Jim Capaldi und Eric Clapton, sprich – alternde Rockstars, die mehrheitsfähige, nette Musik machen. Gemeinsam mit dem Sessiongitarristen Gordon Kennedy hat Peter Frampton 13 Songs geschrieben und sie mit einer etwas unnötigen Coverversion von „While My Guitar Gently Weeps“ ergänzt. Solide wie ein Bobby-Car, aber ungefähr auch so spannend.

(6 Fritten)

Peter Frampton: Now
(Framptone/SPV)

Royce Da 5’9“: Build & Destroy

„Ladies, don’t fuck with a nigger like me“, heißt es in „We’re Live (Danger)“. Aha. So einer ist er. Ein Gangster, ein Uzi-Schwinger, ein Frauen-Flachleger, einer, vor dem man Angst haben soll. Zumindest verpackt er seine Straßensprache in tolle Beats und Samples. Und reimen kann er eh, der sich da nennt Royce Da 5’9“.

(6 Fritten)

Royce Da 5'9'': Build & Destroy
(Trouble Records/Groove Attack)

Jester: Not Ready For The World

Eine wundervolle Platte zum Versinken. Die Zeit anhaltender TripHop mit Headz-Anleihen und einem leichten Hauch von Jazz. Man könnte es auch nu Jazz, Nu Soul oder Nu Irgendwas nennen. Die Charakteristika wären die gleichen: treibend, ruhig, den Puls gen Null gehen lassend, verträumt, entspannt und verdammt cool. Eine Platten zum Zudecken, Ankuscheln und Wegdösen.

(8 Fritten)

Jester: Not Ready For The World
(DJ.Sets/Alive AG)

The Weakerthans: Reconstruction Site

Ein Song, 1:44 Minute und direkt alles an musikalischer Konkurrenz weggewischt, was im näheren Umfeld steht. Das kanadische Quartett Weakerthans musiziert so, als hätte es sich jeden Ton genau überlegt, stülpt aber dem Hörer die Illusion über, dass es gerade munter drauflos spielt. Wenn es ein Song erfordert, lassen die Jungs sogar ein Gitarrensolo vom Stapel, das sich gewaschen hat, ohne in Poserkitsch zu verfallen.

Weiterlesen

The Walkabouts: Shimmers

Es ist eigentlich leicht: Wenn man ein Best-Of-Album zusammenstellt, klebt man alle Hits hintereinander und wartet, bis es Weihnachten ist. Oder man hat nur einen Hit, macht es sicher noch leichter und stellt einfach die Lieder zusammen, die man gerne mag und die zusammenpassen. Voller Unachtsamkeit veröffentlicht man das Ding kurz nach dem Hochsommer und dabei heraus kommt eines der stimmigsten Best-Of-Alben der vergangenen Jahre.

Weiterlesen