Was schreibt man über eine Band, die noch nie ein schlechtes Album herausgebracht hat? Kurz und knapp: „Tauscht bei einem Kaufladen eurer Wahl die nötige Menge Euros gegen dieses Album ein“. Die Neo-Prog-Rocker Enchant musizieren seit ihrem Debüt „A Blueprint Of The World“ auf höchstem Niveau und alle Alben zeichnen sich jeweils durch eine leichte Soundverschiebung aus. Die druckvolle Transparenz von „Blink Of An Eye“ wurde beibehalten, diesmal aber mit einer leichten Retro-Schlagseite belegt.
WeiterlesenBlackmore’s Night: Ghost Of A Rose
Ritchie Blackmore hat wieder zugeschlagen. So langsam gewöhne ich mich an die Stimme von Candice Night; es ist aber auch unüberhörbar, dass sie sich von ihrem Klein-Mädchen-Charme weg bewegt. „Ghost Of A Rose“ bietet gewohnte Kost mit ausnahmsweise gelungenen Coverversionen und besserem Songmaterial als auf „Fires At Midnight“. Ganz Optimistische können sogar schon fast Gitarrensoli ausmachen.
(6 Fritten)
Blackmore's Night: Ghost Of A Rose
(Steamhammer/SPV)
Frl. Katjas Nähkästchen, Folge 27
Urlaubszeit. Lesezeit. Aber nicht, was Ihr denkt: ich mit Buch am Strand. Oh nein. Au contraire: ich hol mir den Strand ins Haus. Auch wieder nicht, wie Ihr denkt, so mit Schippe und Eimer, neenee. Mit Büchern. Unter anderem mit – Merian-Heften! Die müssen für Leute gemacht sein, die nicht verreisen, denn die Karten, die da drin sind, kann man am Urlaubsort gar nicht gebrauchen: viel zu unhandlich. Und ansonsten ist das große Literatur, die ist ja allein schon dadurch definiert, dass sie überzeitlich, mehrdeutig und interpretabel ist. Koordinaten wie Zeit und Raum sind da ganz störend, aber zumindest die Koordinate „Raum“ wär ja für eine gelungene Urlaubsplanung dann doch vonnöten. Und außerdem schreiben da so Leute wie Tom Wolfe oder Susan Sonntag – jedenfalls aus dieser Liga, und da kann man sich schon denken, worauf das hinauslaufen soll.
WeiterlesenQueensryche: Tribe
Queensryche mit dem Bad Religion-Syndrom? Brett Gurewitz heißt hier Chris DeGarmo, ist der Band seit einigen Jahren abhanden gekommen und seitdem will es nicht mehr so wirklich klappen. Obwohl Chris DeGarmo nicht als festes Bandmitglied zurückgekehrt ist, war er bei einigen Sessions dabei, und es liegt auf der Hand, ihn mitverantwortlich zu machen. Mitverantwortlich für ein richtig gutes Queensryche Album. Die klare, druckvolle Produktion erinnert an „Empire“, während der eher düstere Stil auch direkt hinter „Promised Land“ gepasst hätte.
WeiterlesenFrom.Zero: My So-Called Life
Ich halte an meiner Theorie fest, dass die „Explicit Content“-Vermerke inzwischen fest in die Covergestaltung integriert werden. Bei From.Zero kommt noch der Zusatz „Strong Language“ dazu, die Bandmitglieder wurden von einem blinden Frisör gestylt, ins Böse-Gucken-Training geschickt und zwangsgepierct. Nützt aber alles nix – die Jungs klingen nicht halb so böse wie sie aussehen.
WeiterlesenIan Kearey: Preaching To The Convertible
Er war Gründungsmitglied der BLUE AEROPLANES, zupfte dann den Bass bei der OYSTER BAND und arbeitete als Sessionmusiker – er beherrscht zahllose Saiteninstrumente (am besten die Gitarre) – u. a. für Peter Astor und Caroline Trettine. Inzwischen lebt Kearey etwas zurückgezogen im südenglischen Badeort Brighton und schiebt – was seine Karriere als Musiker betrifft – eine ruhige Kugel.
WeiterlesenLiz Phair: Liz Phair
Ist schon lustig; wenn Liz Phair singt „rock me all night“ versteht Jeder das böse Wort mit F. Das Cover und die Booklet-Gestaltung tun ihr Übriges, um Liz Phairs Ruf aufrecht zu erhalten und sie ja nicht als braves Hausmütterchen zu sehen. Dabei dürften die etwas anzüglicheren Texte wie z.B. „H.W.C.“ heute wirklich niemandem mehr die Schamesröte ins Gesicht treiben. Anyway, auf der anderen Seite bilden die teils offensiven Texte und ihre unschuldige Stimme immer noch ein nettes Kontrastprogramm.
WeiterlesenWir sind Helden: Die Reklamation
Früher war das einfacher mit Helden – Tarzan war ein Held, den durfte man gut finden, ja, man musste ihn sogar gut finden. Heute ist das schwieriger, wenn man schon Wochen vorher gesagt bekommt, wen man gut zu finden hat. Auf einmal sind Popmusiker Helden und die Begeisterung schlägt einem noch vor dem ersten Album unisono entgegen. Wer also in Opposition gehen will, hat mit dem Opener „Ist das so?“ noch alle Trümpfe in der Hand: Laues NDW-Revival mit einer Stimme, die direkt an Ixi oder Frl. Menke erinnert.
WeiterlesenThe Who: Live AtThe Royal Albert Hall
Im November 2000 mitgeschnitten und noch mit John Entwistle am Bass zeigt sich die Band bestens aufgelegt. Soundtechnisch überraschend roh prescht die Band mit „I Can’t Explain“ in ihr Set, und drückt dann bis zum sechsten Song (The Kids Are Alright“) ordentlich aufs Gaspedal. Danach beschreibt der Auftritt einen schönen Spannungsbogen, wenn im Anschluss die melodischen Stücke folgen, danach Pete Townsend mehr als gekonnt die Akustische bedient, um sich dann über einen erneuten Melodieblock in harte Gefilde zurückzuarbeiten.
WeiterlesenSpineshank: Self-Destructive Pattern
„Violent Mood Swings“ heißt der Hammer-Song, der das neue Album von Spineshank eröffnet. Mit einer Urgewalt drischt der Schlagzeuger auf die Felle ein, die Gitarrensaiten zittern im Stakkato, die Drum-Machine läuft mit Volldampf, der Bassist gibt alles und Sänger Jonny Santos schreit sich die schwarze Seele aus dem Hals. Einen besseren Song hätten sie nicht an den Anfang stellen können. Rotzig, laut, brutal, fast schon mit Punk-Flair donnert „Violent Mood Swings“ los und läutet ein 40-minütiges Krachgewitter ein, das zum Beispiel von dem an härtere Tool oder Deftones erinnernden Track „Smothered“ aufgelockert wird.
WeiterlesenMichael Schenker Group: Arachnophobiac
Fast so schnell wie sich bei Michael Schenker das Personalkarussell dreht veröffentlicht er neue Scheiben. Mal mit UFO, mal akustische Instrumentalprojekte oder eben mit der Michael Schenker Group. Während es Bassist und Drummer der letzten Scheibe „Be Aware Of Scorpions“ schon wieder geschmissen hat, ist Goldkehlchen Chris Logan schon das zweite Mal dabei. Michael Schenkers Ruf kann noch so exzentrisch sein – wenn man auf klassischen Hardrock steht, ist er immer noch eine der ersten Adressen.
WeiterlesenNothingface: Skeleton
Wer sich von der Single „Ether“ verleiten lässt, das Album zu kaufen, wird bereits beim Opener „Machination“ derbe überrascht. Wer von den Gesichtslosen ebensolchen Modern-Rock erwartet hat, bekommt von der gebotenen Wucht erstmal die Knochen zermalmt.
WeiterlesenThe Lost Patrol: Songs About Running Away
Aber wer wird denn gleich weglaufen? Dennis Lyxzén alias The Lost Patrol hat vielleicht Lieder übers Weglaufen geschrieben, eine ähnliche Reaktion auf seine Musik muss er keineswegs befürchten. Es sei denn, der potenzielle Käufer kann rein gar nichts mit einem guten Singer/Songwriter-Album anfangen. Der ehemalige Frontmann von Refused und heutige Kopf von The (International) Noise Conspiracy hat mit Freunden aus Bands wie eben jenen Refused und Randy ein klassisches Folk-Album aufgenommen, das keine Vergleiche mit Szenegrößen zu scheuen braucht.
WeiterlesenA Static Lullaby: And Don’t Forget To Breathe

Ihre ersten Sporen hatten sich A Static Lullaby in den USA auf Tourneen mit Glassjaw, Hatebreed und Snapcase verdient. Ihr selbstproduziertes und von ihnen in Umlauf gebrachtes Demo verkaufte sich über 5000-mal. Somit wurde aus dem unbekannten Newcomer schnell ein hoch gehandelter Emo-Act. Auf Ferret Music, einem kleinen Label aus New Jersey, erscheint ihr Debütalbum „…And Don’t Forget To Breathe“.
WeiterlesenThe Hidden Hand: Divine Propaganda
Der Betreiber dieses kleinen wie feinen Berliner Labels ist ein großer Doom-Fan der ersten Stunde. Daher darf dieses Genre nicht im Label-Programm fehlen. Er schickte bereits seine eigene Band Sheperd ins Rennen und setzt dem Doom-Wahn nun noch eins drauf. Er konnte nämlich die neue Band der Doom-Ikone Scott „Wino“ Weinrich verpflichten. Der ehemalige Saint Vitus- und Spirit Caravan-Sänger kehrt mit The Hidden Hand zurück.
WeiterlesenThe Dackel 5: Arthur Lee, Belmondo, du und ich

„Aber wir haben uns entschieden zwischen Bon Jovi und Bon Scott…
Aber wir haben und entschieden zwischen Rudi Carell und Rudi Dutschke „
Schwuppdiwupp, die deutschen Bands mit Alltagstexten schießen wie Dönerbuden aus dem Boden. Wer glaubt, dass The Dackel 5 nur auf einen Zug aufgesprungen sind, merkt schnell, dass die Combo ihr Ticket schon lange gelöst hat. Alle Songs von „Arthur Lee, Belmondo, du und ich“ wurden bereits 2001 aufgenommen und völlig unerklärlich erst im März dieses Jahres gemastert.
WeiterlesenSin City Six: Home Of The Brave
Ein dreifach donnerndes „Yeah!“ auf Sin City Six. Rotzrock der alten Schule mit einem ungewöhnlich präsenten Rolling Stones Einschlag, der jedem gefallen müsste, der die frühen Gluecifer oder The Hellacopters mag. Zudem ist „Home Of The Brave“ für dieses Genre erstaunlich breit gefächert.
(7 Fritten)
Sin City Six: Home Of The Brave
(Locomotive/Point)
Seekersplanet: Something Special
Bis auf wenige Ausnahmen sind die Staaten des ehemaligen Jugoslawien musikalisch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Mit diesem Exotenbonus ausgestattet, trötet uns jetzt ausgerechnet eine Punk-Ska-Band in die Ohren.
Weiterlesen//delaware: …And Everything Reminds Me

Wären die Jungs von //delaware Maler, dann wären ihnen wahrscheinlich die Farben von Emil Nolde zu blass. Die drei Norweger malen auf ihrem Album deutlich und in den buntesten Farben, so dass es die Oma schön findet und der Lehrer eine 6 wegen fehlender Abstraktion reindonnert. Man kann diese musikalische Naivität zwar fast nicht fassen, aber man kann sie genießen.
WeiterlesenEdguy: Burning Down The Opera – Live
Edguy gehören sicher zu den fleißigsten Hardrock-Combos in unserem Land. Innerhalb weniger Jahre haben sie sich von einer Provinzcombo zu Vorzeige-Metalern entwickelt und fahren schon eine ganze Weile beachtliche Erfolge auch außerhalb Deutschlands ein. Nach fünf Studioalben und zwei Soloalben von Tobias Sammet („Avantasia“) ist der Live-Nachschlag fast schon überreif.
Weiterlesen