Es gibt Alben, über die mag man als Kritiker gar nicht schreiben. Ganz selten sagt dann das Gehirn „Nein“, während die Ohren begeistert sind. Also, Ratio über Bord, kein Gejammer über Innovation und eigenes Profil – mir gefällt „Hosh“. Das selbstbetitelte Album des deutschen Quintetts steht zwar komplett im Schatten amerikanischer Vorbilder, hat aber trotzdem Farbe abbekommen. Das schlägt sich dann in so starken Songs wie „It’s Not Your Fault“, „Metaphor For You“ oder „Corn Mummy“ nieder.
WeiterlesenMitchel Forman Trio: Patience
Das Instrumentalalbum „Patience“ ist gleichermaßen spannend wie entspannend. Der Jazzpianist Mitchel Forman geht in den ersten drei Stücken erstaunlich melodisch zu Werke und lässt den Jazz nur durchschimmern („Patience“). Erst im weiteren Verlauf entlockt er seinen Tasten eben diese Klänge, bei denen Jazz-Hasser immer proklamieren, dass hier irgend jemand nicht mehr die richtigen Töne findet („Speedy“).
WeiterlesenMichael Fitz: Gleichgewicht
Wer den Fehler begangen hat, in die ARD-Serie „Die Boegers“ länger als fünf Minuten reinzuschauen, sollte sein Urteil nicht auf die neue CD von Michael Fitz übertragen. Sein fünftes Werk „Gleichgewicht“ ist ein solides Popalbum mit deutschen und englischen Texte sowie je einem französischen und italienischen Beitrag. „Chi“ driftet zwar ein wenig in Richtung Francesco Napoli ab, aber Michael Fitz ist als Typ zu glaubwürdig um ihn als Schnulzenträllerer abzutun.
WeiterlesenGas Giant: Pleasant Journey In Heavy Tunes
Dänemark rockt wieder! Nachdem es schon länger kein nennenswertes Lebenszeichen aus dem Kreise der dänischen Musikergilde gab, brechen Gas Giant den Bann des Schweigens. „Too Stoned“ singen sie im Opener ihres Debüts und untermauern den Refrain dieses Singalong-Glanzstückes mit psychedelischen Sounds à la Monster Magnet und Fu Manchu. Die gehören wohl zu ihren größten Faves, hört man im Verlauf der Scheibe doch einige Male deutliche Parallelen zu den Amis heraus – siehe „All Creatures“ und „Super Sun Trigger“.
WeiterlesenBalduin: Creative Cookery
Loops und Beats genügten Balduin, der in den Schweizer Alpen aufwuchs, um seine kreativen Kochkünste in die Tat umzusetzen. Das Menü besteht fast ausschließlich aus Nu Jazz-Zutaten, die den oben genannten elektronischen Weg auf den Teller des Hörers gefunden haben. Eine gelungene Abwechslung für den Magen.
(7 Fritten)
Balduin: Creative Cookery
(Crippled Dick Hot Wax/EfA)
G. Rag Y Los Hermanos Patchekos: 0321H

Oh doch, sie haben richtig gelesen. Bandname stimmt und Albumtitel sowieso. Nein, ist nicht die Katalognummer, ist der Titel und man sollte ihn folgendermaßen aussprechen: oh-dreieinazwanzg-ha. Ganz bestimmt. Die Musik ist ebenso wenig ein Irrtum. Die 11-köpfige Band stammt aber nicht aus Texas oder der mexikanischen Einöde, sie kommt schnurstracks aus München und klingt doch alles andere als bavarisch.
WeiterlesenNew American Shame

Rotzrock-Offensive aus Seattle
Manche Alben liegen Monate nach ihrer Veröffentlichung immer noch wie Blei im Regal und entwickeln sich erst nach einiger Zeit zum Megaseller. „Throwing Copper“ von Live ist dafür sicherlich ein Paradebeispiel. Das Debüt von New American Shame wartet auch schon gut sechs Monate auf den Wendepunkt des Bekanntheitsgrades und der Verkaufszahlen. Sieht man mal von den Lobeshymnen eines deutschen Hardrock-Magazins ab, ist das Quintett faktisch unbekannt.
WeiterlesenIced Earth: Horror Show
Lang erwartet und bereits im Vorfeld heiß diskutiert: Das siebte Langeisen von Iced Earth. Die Zusammenarbeit mit Hansi Kürsch von Blind Guardian bei Demons & Wizards scheint Jon Schaffer nachhaltig beeinflusst zu haben. „Horror Show“ hat in Sachen Chören und Bombast eine kleine Schlagseite in diese Richtung bekommen. Macht aber Nix, macht gar Nix. Geschwindigkeits- und Härtefanatiker werden zwar jammern, weil das neue Werk kein gnadenloser Nackenbrecher geworden ist, aber dafür haben Iced Earth ein überraschend abwechslungsreiches Album eingezimmert.
WeiterlesenNikolo Kotzev: Nostradamus
Die Zeiten stehen schlecht für melodischen Hardrock – lange vorbei die Tage, an denen diese Art von Musik die breite Masse begeistert hat. Schade für die Rockoper „Nostradamus“, die so nie die Aufmerksamkeit bekommen wird, die sie verdient. 21 Stücke auf Doppel-CD über den französischen Arzt und Astrologen Michel de Notre-Dame. Der bulgarische Gitarrist Nikolo Kotzev hat in drei Jahren dieses Werk erarbeitet und bemüht zum Einen die sattsam bekannte Kombination aus Orchester und Rock, zum Anderen ist die Oper so homogen und einfallsreich, dass man das Geschehen förmlich vor sich sieht.
Weiterlesen999 Meisterwerke (1)
Die Byzantinische Hochzeit

„Byzantinische Hochzeit“ – der Titel des Bildes ist erklärungsbedürftig. Denn die vier Personen in Bildvorder- und Mittelgrund sind auf den ersten Blick westeuropäischer Prägung. Kein Koran, kein holographisches Nippes-Bild, kein Döner drängt ins Bild. Rein optisch könnte es sich auch um eine Hochzeit in der Marien-Kirche von Meckenheim-Süd handeln. Tatsächlich aber stellt das Ciragan Palast Hotel am Bosporus-Ufer die Szenerie. Als Meister der Subtilität verrät der unbekannte Fotograph der Bild-Agentur „Reuters“ dies mit keinem Detail.
WeiterlesenThe Peepshows: Today We Kill…Tomorrow We Die
Das erste Album der Schweden -„Mondo Deluxe“- war selbst im skandinavischen R’n’R-Boom ein wahres Fest aus Enthusiasmus und der nötigen Kick-Ass-Attitüde. Der Nachfolger kam jetzt überraschend schnell und ihm fehlt so ein bisschen das Feuer des Debüts. Aber selbst wenn man das abzieht, bleibt noch genug übrig.
WeiterlesenNew Found Glory: s/t

Nichts Neues von der Hampelmann- und Gute-Laune-Front. New Found Glory aus Coral Springs (Kalifornien) machen eben das, was viele andere schon vor ihnen gemacht haben: lustigen, eingängigen Punkrock ohne jedweden Tiefgang. Die Seichtwasserfahrt auf ihrem selbstbetitelten Album geht schnell ins Ohr und ebenso schnell wieder raus.
WeiterlesenParagon Of Beauty: Comfort Me, Infinity
Keine Ahnung, ob es beabsichtigt ist, dass das Pseudonym des Sängers Monesol (fast) ein Anagramm von „lonesome“ ist, würde aber gut passen. Paragon Of Beauty tummeln sich im selben Teich wie Düsterrocker á la Katatonia, haben in ihren Songs aber einen stärkeren Alternative-Touch.
WeiterlesenThe Kids Of Widney High: Let’s Get Busy
Mike Patton hat das gewisse Etwas, das Gespür, ganz besondere Talente zu entdecken und zu fördern. Dazu gehört mit Sicherheit die Musikklasse der Widney High School, einer Schule in Los Angeles, die sich auf behinderte Kinder spezialisiert. Jetzt bekam sie die einmalige Chance, ein Album einzuspielen. Ihre Vertonung von Alltagsproblemen ist herzzerreißend und höchst amüsant.
WeiterlesenHot Water Music: A Flight And A Crash
Seit 1994 gehören Hot Water Music zum festen Bestandteil der Emo-Szene und veröffentlichen in einem nicht enden wollenden Arbeitsanfall regelmäßig neue Scheiben. Ob 10-Inch, Single, Album oder Sampler-Beitrag, ihre Lust am Musikmachen scheint nicht zu bändigen zu sein. Wer glaubt, unter der Geschäftigkeit würden zwangsläufig die Qualität der Songs leiden, dem muss ich widersprechen. Das Quartett aus Gainesville in Florida kann sich glücklich schätzen, mit Ideenreichtum gesegnet zu sein.
WeiterlesenDepeche Mode: Exciter
Knapp war es. Hätte Dave Gahan vor Jahren Erfolg gehabt mit seinen selbstzerstörerischen Zügen, wären eine der interessantesten Bands aus den Achtzigern ausradiert worden. Wer Depeche Mode-Fan ist, der wird wahrscheinlich schon seit vielen Jahren ihre Songs mit Anmut hören und ist jedes Mal gespannt, wenn es heißt, ein neues Album sei in der Mache.
WeiterlesenThe Dickies: All This And Puppet Stew

Es gibt sie noch und sie rocken wie früher. Was ihre Nachfahren oft verzweifelt probieren, gelingt The Dickies noch im hohen Alter: stilvollen Punkrock zu erschaffen. Seit Ende der Siebziger sind sie zugange und trotz vieler Labelschwierigkeiten und mal längeren, mal kürzeren Pausen leben sie und haben die Lust an der Musik nicht verloren.
Weiterlesenselber
Ja, es ist wieder so weit: „Erdbeeren zum selber Pflücken“. Ich versuche immer, wenn ich an besagtem Feld vorbeifahre, das schreckliche, inzwischen vom Duden legitimierte, Wort „Selber“ zu übersehen. Hilft nichts, bei uns gibt es sogar „Spargel zum selber Stechen“. Was kommt als Nächstes? Baumwolle? Zum Pulli selber Machen? Deutschland, das Convenience-Volk, macht es sich wieder selber.
WeiterlesenTerra Firma: Harms Way
Die Band um ex-Saint Vitus-Sänger Lord Chritus (kein Tippfehler!) ist zurück und scheint in den vergangenen Monaten oft Sheavy gehört zu haben. Ozzy-mäßiger Gesang, ein Hauch Siebziger-Studio-Sound und Black Sabbath-Songstrukturen. Huldigung galore, meine Damen und Herren!
(7 Fritten)
Terra Firma: Harms Way
(Steamhammer/SPV)
