Lektion 8: Textverarbeitung der dritten Generation

Ganz zu Anfang der, wie wir Experten sagen, „computer history“ konnten Textverarbeitungen nicht einmal das, was sie in ihrem Namen versprachen. Man tippte einige Sätze ein, wartete auf die Verarbeitung und gab, als diese vergeblich auf sich warten ließ, den Speicherbefehl. In diesem Moment hatte man verloren, denn das Speichern der Texte war nicht vorgesehen, geschweige denn das Ausdrucken.

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Lektion 7: Frequently Asked Questions 1

Immer wieder erreichen mich Hilferufe aus dem Kreis der werten HINTERNET-Gäste, drängende Schicksalsfragen zumeist wie „Panik! Was soll ich nur machen? Die Diskette klemmt im RAM-Speicher!“. Aus diesem Grunde seien an dieser Stelle und in loser Folge die wichtigsten Fragen exemplarisch behandelt, zu Nutzen und Frommen aller, amen.

Maik Honecker aus den neuen Ländern zum Beispiel nervt mich mit folgendem: „Lieber PC-Doktor! Ich bin noch Frischling in der IT-Branche und lerne gerade das ABC des Computerjargons. Eine Abkürzung konnte mir bis jetzt niemand erklären, auch die Fachpresse schweigt skandalöserweise. Die Abkürzung lautet: PDS. Was soll das sein? Weißt du’s?“

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Goldfrapp: Felt Mountain

Wenn die Sängerin von Goldfrapp auf der Bühne steht – mit Brianna-Corrigan-Gedächtnis-Frisur und Wallekleid -, dann sieht sie aus, als wäre sie gerade aus dem Orchester von André Rieu geflohen. Brianna Corrigan war übrigens die Sängerin der Beautiful South. Ihr Lockenköpchen sah aus wie das von kleinen Plastikpüppchen, die nach Erdbeer riechen. Und es könnte zum Insignum guter Popmusik werden.

Denn auch Goldfrapp machen das, was von allen Menschen der Welt wohl am besten die Briten können: aus den berühmten 8 Tönen kleine Melodien so zu drapieren, dass sie wie der Schlüssel zu einer verzauberten, besseren Welt klingen.

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Veranda Music: Leblon

„Art Rock“, würde man gern sagen, wenn es nicht die pure Beleidigung wäre. Aber was „Veranda Music“ da mit ihrem zweiten Longplay auf die Beine gestellt haben, hat schon etwas ungemein Kunstvolles -ohne dabei je maniriert zu wirken. Stattdessen: Melodienseligkeit, schwelgerisch-spröde Riff-Ritte, Psychedelic, Leichtigkeit, Lounge und LowFi – und mitunter sogar hemdsärmeliger Rock mit Verzerrern. Aber eben auch Virtuosität, Transparenz, Chromatik, filigrane Latin-Harmonien (Leblon ist ein Stadtteil von Rio de Janiero), angejazzte Percussions, Hammond, Vibes und eine traumwandlerisch stilsichere Poesie nach Noten.

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Nightmares On Wax: DJ-Kicks

Die mittlerweile etablierte DJ-Kicks-Serie aus dem Berliner Hause Stud!o K7 hat nach Kruder & Dorfmeister, Kemistry & Storm, Stereo MC’s und Kid Loco ein weiteres Highlight anzubieten. Dieses Mal wurden Nightmares On Wax an die Plattenteller und Mischpulte gebeten, um die Remixkunst unter Beweis zu stellen. George Evelyn, der Nightmares On Wax-Mastermind, kam diesem Wunsch gerne nach. Der bei Warp unter Vertrag stehende DJ und Produzent aus Leeds hat mit den Alben „A Word Of Science: The 1st And Final Chapter“, „Smoker’s Delight“ und „Carboot Soul“ drei Klassiker des Elektrogenre komponiert, denen jede(r) globaldenkende Musikbegeisterte(r) wohl schon in der ein oder anderen Form begegnet sein dürfte/sollte.

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Bananafishbones: My private rainbow

Da schien es schon, als seien Bananafishbones die hyperaktiven Nervtöter aus der letzten Bank… Und tatsächlich: sollte der Off-Beat je olympisch werden, ist das Trio ganz vorn mit dabei. Aber so schlimm, wie es die Vorab-Single „Glam“ vermuten ließ, wurde es nun doch nicht. Im Gegenteil, „My private Rainbow“ hält überraschend groovigen Americana parat – mal so pur, dass sich auch Son Volt und Co. warm anziehen müssen, bevorzugt aber immer noch als Plattform für Mätzchen à la Guerilla-TexMex: höher, schneller, weiter…

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Lektion 6: Datenträger – ein Beruf mit Zukunft

Die Geschichte des Datenträgers beginnt knapp vier Monate nach der Erfindung des Feuers. Erst mit seiner Hilfe war es möglich, an die Wände der Wohnhöhlen gemalte Zeichen überhaupt als solche wahrzunehmen. Natürlich waren die ersten so entstandenen Daten von der Banalität jeder Pionierleistung: „1a-Mammut zum Selberschlachten“ wurde da geschrieben, oder „Neanderthaler raus!“.

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Sparks: The Angels

Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn liegt in L.A., der Heimat der Mael-Brüder. Und „The Angels“ liegt musikalisch irgendwo zwischen Münchener Freiheit und üppigem Synthie-Geplucker, das seine New Wave-Wurzeln noch nicht ganz aus den Augen verloren hat. Aber was heiß schon „New Wave“ bei den Sparks? Einer bestimmten Stilrichtung waren sie eh nie zuzuordnen, machten einfach nur guten, manchmal schrillen Pop und grinsten mit irrem Blick von ihren Plattencovern.

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David Poe: David Poe

Wer seine Songs 1997 aufnimmt, sie erst drei Jahre später veröffentlicht und immer noch frisch wie eine Sommerbrise klingt, der verdient das Prädikat „zeitlos“. David Poe kommt aus New York, ist als Singer/Songwriter bei Sony in Ungnade gefallen und wird uns jetzt von Ulftone näher gebracht. Unter Regie von Produzenten-Ass T Bone Burnett sind elf introvertierte Songs entstanden, die jeden glücklich machen, der auf einfallsreiche Arrangement und überraschende Wendungen steht.

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Leona Naess: Comatised

Warum Leona Naess nicht bald auf dem kommerziellen Niveau einer Sarah McLachlan oder Sheryl Crow sein sollte, ist nicht einzusehen. Sie sieht gut aus, orientiert sich am erfolgreichen Rezept, ihre für akustische Klampfe konzipierten Songs mit moderatem Rock und monotonen Drums aufzumöbeln – ja, und singen kann sie auch ganz nach Bedarf: mal fordernd, mal flehend, mal femme fatal, mal Familienmami.

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Boxhamster: Saugschmerle

Kult – wenn irgend etwas so -sagen wir- seltsam ist, dass man es nicht beschreiben kann, wird daraus ganz schnell „Kult“. Nicht richtig schlecht, aber auch nicht wirklich gut, aber halt kultig. So schwärmt auch der Vertrieb: „Mein Gott, diese Band hat Leben gerettet! Es gibt sie seit Äonen und das letzte Album liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Leben gerettet? Von wem? Wo? In Oberhessen? Weltweit? Hab‘ ich wieder irgendwas nicht mitbekommen? Zurück zum Kult.

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Szenen einer Ehe (4)

Nasskaltes Wetter, Feierabend, im Fernsehen flimmern die Ereignisse aus Sydney in meine Wohnstube, auf dem Herd kocht cremige Tomatensoße, im Topf sprudeln Gnocchi, es riecht nicht nach Zigarettenrauch in der ansonsten leblosen Wohnung und der Geruch nach Stallungen ist auch verschwunden. Merkwürdig. Wo ist meine Frau??? Ach ja, die ist ja wieder eine Woche nach Karlsruhe strafversetzt worden, um dort unter abenteuerlichen Jugendherbergsverhältnissen die Tierpflegerschule zu besuchen. Das heißt: Ich bin Strohwitwer – also ein Ehemann, der vorübergehend ohne seine Frau lebt. Das hat nicht nur Nachteile, meine Herren.

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Blue Haze – Songs Of Jimi Hendrix

Jetzt gibt’s Nachhilfe für alle Gitarristen. Die meisten, die ich kenne, sprechen von Jimi Hendrix als die Inspirationsquelle und bringen mit Mühe und Not fünf Songs von ihm zusammen. Jetzt ist Nachsitzen angesagt: Die Lehrer sind u.a. Walter Trout, Taj Mahal, Eric Burdon und Alvin Youngblood Heart. Die sechzehn Unterrichtsstunden behandeln so bekannte Themen wie „Hey Joe“ oder „All Along The Watchtower“.

Ganz im Ernst, gerade dieser Gassenhauer wird von Taj Mahal & The Hula Blues Band lustvoll zerpflückt und mittels Ukulele und Hawaiian Steel Guitar komplett neu interpretiert und geographisch verlegt. Walter Trout bleibt mit „Hey Joe“ nah am Original, während Eric Bibb „Angel“ kurzerhand zur Pianoballade umgestrickt hat. Fast alle Songs wurden erst in diesem Jahr aufgenommen und dienen nur einem Zweck: Der vorbehaltlosen Hendrix-Huldigung 30 Jahre nach seinem Tod am 18. September. Da sich hier nur gestandene Musiker oder junge Talente versammelt haben, die in der selben Tradition stehen, ist das Tribute-Album eine feine Sache. Bluesrock von den Großmeistern des Genres gespielt – von brillanten Gitarristen wie eben Walter Trout, Aynsley Lister oder Vernon Reid (ex-Living Colour).

Aufgrund der beteiligten Musiker und der emotionalen Interpretationen für Hendrix-Fans genauso interessant wie für die „Nachsitzer“.

V.A.: Blue Haze - Songs Of Jimi Hendrix
(Ruf Records)