Im Moment bin ich „schwer auf Punk“ und wie immer, wenn ich diese Phase habe, fällt mir auf, wie hart es ist, brauchbare neue Acts „zu entdecken“. (Sollte jemand diese Seerosen-Giesser-Bands, die den ganzen Tag auf Viva gespielt werden, als Punk bezeichnen, möge er sich bitte einen Tag vor die Anlage schnallen und Nachhilfe bei den alten Meistern nehmen.) Da freut es einen schon, wenn sich Bands auf die Ursprünge besinnen.
WeiterlesenThe Want: Greatest Hits Vol. 5
Mir fliegt der Helm weg und das sogar mit Ansage. Der zuständige Herr von der Plattenfirma lag goldrichtig, als er mir dieses Meisterwerk mit Entzücken anzupreisen versuchte. „Greatest Hits Vol. 5“ ist ganz nach meinem Geschmack. Da wird noch in traditioneller Art und Weise schweinegerockt. The Want sind der bis vor kurzem mir unbekannte Bastard aus Led Zeppelin und Black Sabbath.
WeiterlesenModest Mouse: The Moon & Antarctica
Eines ist gewiß: wenn dieses Jahr zu Ende geht, wird „The Moon & Antarctica“ zu den spannendsten Longplays der vergangenen 12 Monate gehören. Weil das vierte „Modest Mouse“-Album davon erzählt, wo die Rockmusik der Zukunft sich hinbewegen könnte. Noch sitzt das Seattle-Trio zwischen allen Stühlen. Zwischen der Folk-Seligkeit des Americana, zwischen der poetischen Tristesse des Grunge und der rohen Kraft der Noise-Fraktion. Mit „The Moon & Antartica“ erfinden die drei zwar nicht das Rad neu, aber ihre behutsamen Verschmelzungen und versteckten Fährten weisen den Weg voraus. Vor allem aber in Sachen Klarheit und Intensität setzen sie Maßstäbe, „Moon…“ ist von atemberaubender Dichte und geradezu beunruhigender Energie. ´Hypnotisch´ nennt man es, wenn Songs unter einem Übermaß an Atmosphäre trotzdem nicht zur formlos wabernden Masse mutieren. Und ´episch´, wenn ein Werk auch beim dritten Duchlauf noch immer Neues zu sagen hat. Ja, Modest Mouse malen Landschaften. In düsteren, aber frischen Farben.
WeiterlesenHappy Revolvers: Suicide Nation
Das Leben ist ja bekanntlich ein Kampf zwischen Ying und Yang: das ewige Hin und Her. Wenn man sein Wohlgefühl, seine Lebensbedeutung nicht in dem einen Bereich findet, muss man in dem anderen Gebiet suchen.
Für die meisten Männer sind diese Bereiche Cars and Girls, aber für einen nicht-autofahrenden Schwächling wie mich sind sie klar Sport und Musik. Oder genauer gesagt: Fußball und Punk-Rock.
Chewy: Whattookyousolong
Chewy machen die Musik, die einem irgendwie bekannt vorkommt. Aus dem Gitarren-Rock-Repertoire auf MTV. Aus dem besseren dort. Was sich bei Take 3 („Our Lives in Super-8“) zur Ahnung steigert, wird bei Take 5 („Second Hand Magic“) endgültig zur Gewißheit. Das hab ich schon gehört!
WeiterlesenCarnivals of Souls: Ritorno a Casa
Die neue „Carnival of Souls“ (COS) ist nicht irgendein Album, sondern das Comeback des Jahres! Sechs Jahre hatten sich die Gitarren-Gringos des Instrumental-Rocks dünne gemacht, von Auflösung war die Rede. Doch jetzt sind sie wieder da, und mit ihnen knapp 60 Minuten, in denen man keine Sekunde lang den Gesang vermisst.
Carnival of Souls sind immer noch auf dem Retro-Trip, pflegen die Gitarrentraditionen der 50er- und 60er-Jahre. Rock´n´Roll und Italo-Western lassen grüßen, auch die Shadows, Dick Dale, Ukulelen-Künstler aus der Südsee und sämtliche Tex-Mex-Gitarreros. Carnival of Souls sprühen nur so vor Ideen, düsen rasant mit ihren Twangy-Gitarren durch die Surf-Musik, feuern Maschinengewehr-Salven aus ihren Saiten oder lassen es sich auf Hawaii gutgehen.
WeiterlesenJohn Hiatt: Crossing Muddy Waters
Gleich zu Beginn verschreckt John Hiatt bei „Lincoln Town“ die Zuhörer erstmal mit einer knödeligen Stimme, an der schon echte Fans schwer zu schlucken haben. Aber was danach kommt, gehört zu dem Besten, was der amerikanische Songwriter in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Back to the roots – purer Folk, Country und Blues – außer Fußstampfen ohne Drums eingespielt.
Groupie: Minigolfen
„Groupie“, „Minigolfen“ und der unsägliche Songtitel „Poppen aufm Klo“ – man liest´s und denkt sich: Ojeh, billiger, pubertärer Trash. Und tatsächlich muß man gerade besagtes „Poppen…“ nicht mögen, unter den übrigen Tracks finden sich allerdings echte Perlen.
WeiterlesenInterview: Rocko Schamoni
Hinter-Net!: Nie hat man Rocko Schamoni so scharf und unverblümt Kritik äußern hören, wie auf dem aktuellen Album „Showtime„. Täuscht der Eindruck, oder bist Du in Deiner Musik politischer den je? Und wenn ja, woher kommt das?
Schamoni: Das hat unter anderem damit zu tun, dass sich meine private Situation komplett verändert hat. Ich bin seit vier Jahren Vater und hab eine andere Einstellung zur Welt bekommen. Es sind Dinge in den Vordergrund gerückt, die ich vorher nicht so genau betrachtet habe, vor allem der Aspekt „Gesellschaft“. Aber es hat auch mit einer Art „Delay“ zu tun. Ich gerate immer zwei Jahre später an die Themen, an die Jochen (Distelmeyer, „Blumfeld“-Sänger und Schamoni-Freund, d. Red.) zwei Jahre vor mir gerät. Wenn man so will, ist die letzte Platte von mir meine private „L´état et moi“.
WeiterlesenPhat World (6)
Heute mit Mary J. Blige, Common, DJ Cam, Drag-On, Eminem, En Vogue, Kurupt, Outsidaz, Tony Touch und ABS, Deichkind, DJ Desue, Doppelkopf, Patrice.
WeiterlesenLolita No. 18: Yalitamin
Vier durchgeknallte, rotzfreche Japanerinnen kommen daher und wollen uns vormachen, wie Punkrock auf Japanisch gemacht wird. Das kann mitunter ganz seltsam klingen – zumindest was den Gesang betrifft. Da ist das Geschrei der Damen aufgrund der besonderen asiatischen Intonation noch kreischender und hysterischer als man das ansonsten von All Girl-Punkrockern gewohnt ist. Sängerin Masayo, Gitarristin Ena, Bassistin Kim Rin und Schlagzeugerin Aya sind – das kann ich dem Cover der CD entnehmen – typische Ausgeburten des Punkrock. Verrückte Kleidung, bunte Haare (einmal die Farbpalette rauf und wieder runter bitte) und geben sich in frechen, wilden Posen.
WeiterlesenGiant Robot: Crushing You With Style
„Erzähle es weiter: Giant Robot sind eines der interessantesten Ereignisse dieses Jahrzehnts. Das ist Tatsache“, meinte Monsieur Laurent Garnier zu Giant Robot. Das Wort „interessant“ beschreibt die Aktivitäten der Band punktgenau-ungenau! Denn das ist eine der CDs, die Du selbst nach dem siebten Hören nicht gerne rezensierst. Nicht etwa, weil sie schlecht wäre. Im Gegenteil! Nein, weil sie so schwer zu greifen ist.
WeiterlesenFrl. Katjas Nähkästchen, Folge 18
Der Sommer kommt auf valiumgetränkten Füßen. Vielleicht ist er auch nur noch nicht richtig wach, wer weiß. Vielleicht ist es auch nur, dass ich den Sommer meines Lebens kommen spüre. Dies wird ein melancholisches Nähkästchen… Woran ich das merke, das mit dem Sommer? Daran, dass die Frauen mit kleinen Kindern langsam jünger sind als ich? Nö. Daran, dass ich mir gerade „The Girl from Ipanema“ gekauft hab? Ja. Du liebe Güte, wenn man auf sowas steht, ist man alt. Es braucht schon eine milde Depression, um sowas gut zu finden. So wie Stan Getz damals, als er sich dachte: Ich schreib mal einen Latin-Song, der alle Klischees von wegen „feurig“, „temperamentvoll“ und so… Lügen straft. Statt dessen heb ich die Apathie aufs Schild. Und eine Sängerin, die kaum den Mund aufkriegt und gleich vorm Mikro einschläft. Kommt trotzdem gut. Und ist dennoch gewagt, sowas auf einen Sampler namens „Jazz Samba“ zu packen. Aber da ist noch mehr von der Sorte drauf: „Tristeza“, „Cried, Cried“, „If you went away“… Na, dieser Sommer kann ja heiter werden.
WeiterlesenThe Aluminum Group – Introducing…
Guter Lounge-Pop ist eine Gratwanderung. Zwischen zarter, verträumter Schwerelosigkeit und herber Sprödigkeit. Wirklich guter Lounge-Pop klingt nicht kitschig, sondern sophisticated. Und da hat die Aluminum Group aus Chicago (Frank und John Navin) derzeit die Nase vorn. Der Album-Titel „Introducing…“ ist wörtlich zu nehmen, denn in Deutschland ist es die erste Veröffentlichung des Duos, und sie umfasst das Beste aus den bisherigen drei Alben „Piano“, „Wonder Boy Plus“ und „Pedals“.
Egal, wie üppig die Arrangements (Streicher, Hörner, Flöten und etliche weitere Bläser, funky E-Gitarren, dezente Noise-Effekte, Sitar, Vibes und Moogs) – die Aluminum Group inszeniert ihren Sound mit leichter Hand. Mal als in sich versunkenes Tastenspiel, als schlanker Akustik-Pop oder jazzy mit Fusion-Flair und elegantem Swing.
Bomfunk MCs: In Stereo
Da wollte mir doch tatsächlich einer die Bombfunk MCs unterjubeln. Aber leider kann ich damit herzlich wenig anfangen. Hört sich an, als hätte dieser eine Typ mal wieder HipHop-Sounds durch den Synthie und den Sampler gejagt. Ich meine den, der schon Run DMC zu zweifelhaften Ehren verholfen hat. Ja, genau der. Aber der war hier nicht am Werk.
WeiterlesenNephew: Swimming Time
Gewöhnlicher, leider nur mittelklassiger Indie-Rock mit dezent britischer Prägung und auch kleineren Anleihen an US-amerikanischen Alternative Rock der Post-Grunge-Ära. Allerdings stammen Nephew aus Dänemark. Sie sind bemüht, doch das reicht noch nicht aus, um unsereins hinter dem Ofen hervorzulocken.
(4 Fritten)
Nephew: Swimming Time
(Martian Records/Indigo)
Sigur Rós: Ný Batteri
Ja, sie sind die derzeit beste Band auf dem Gebiet der atmosphärischen Gitarrenmusik. Sie laufen selbst Do Make Say Think, Godspeed You Black Emperor!, Immense und Mogwai den Rang ab. Diese Meinung müsst ihr natürlich keineswegs teilen. Allerdings kann ich euch sagen, dass Sigur Rós noch jeden, dem ich ihr Material vorgespielt habe, in ihren Bann gezogen haben. Okay, ich gebe zu, dass ihre Musik obskur erscheint, da der Gesang eine selbst erfundene Überblendung von Isländisch und „Hopelandish“ (so der Anglizismus) ist. Nicht nur das ist einzigartig und bestaunenswert an dem isländischen Quartett.
WeiterlesenNew Concept: Wheel of Love
Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich noch nicht später als 1988? Doch, nur in Chemnitz ist die Zeit stehengeblieben. Dort bedient eine Band namens „New Concept“ (!) ein paar Synthesizer, die sich erfolgreich geweigert haben, auch nur den Sprung in die 90er anzutreten.
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