Kirmes: Summer Games

Das Buch zur CD ist schon etwas länger auf dem Markt: Florian Illies „Generation Golf“. Nun also der Soundtrack dazu: Kirmes´ „Summer Games“.
Nein, natürlich stehen beide in keiner direkten Beziehung, aber indirekt finden sich doch viele Parallelen. Die ´88er sind vermutlich die erste Generation, die ihre eigene Vergangenheit als Revival feiert. Twentys, Fifties, Sixties und Seventies wurden stets von Nachgeborenen aus der Mottenkiste gezerrt – wer live „dabei“ war, wandte sich mit lautem „Bäh!“ angeekelt ab. Anders bei den 80er-Jahren. Das Ende der 90er war noch nicht in Sicht – da erinnerten sich die Mittzwanziger schon wehmütig an ihre Jugend, feierten NDW-Parties und das Comeback von Modern Talking…

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Matchbox Twenty: Mad Seasons By

Ist es Zufall, dass das 21. Wort im Opener das Wörtchen „Smooth“ ist oder ist es ein augenzwinkernder Hinweis auf die mehr als erfolgreiche Kooperation von Rob Thomas und Santana? So oder so zeigt „Mad Seasons By Matchbox Twenty“ deutlich, dass die Band auch weiterhin in den vorderen Regionen mitspielen will und so die größtmögliche musikalische Schnittmenge anpeilt. In einem Interview mit der Zeitschrift „Gitarre & Bass“ stellt Sänger Rob Thomas ganz klar fest, dass Matchbox Twenty eine Radioband sind. Ziemlich wohltuend, wenn man sowas selbst bemerkt!

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Peter Case: Flying Saucer Blues

Betrachtet man die Charts, stellt man in der Regel fest, dass Chartplatzierungen im umgekehrten Verhältnis zur Qualität stehen. Wen wundert es da, dass kaum jemand Peter Case kennt? 1989 überraschte er die Welt mit „The man with the Blue postmodern fragmented neo-traditionalist Guitar“ (was für ein Zeilenschinder!). Inzwischen sind elf Jahre vergangen und er wird wahrscheinlich ein ewiges Talent bleiben. Was für eine Verschwendung! „Flying Saucer Blues“ ist schlichtweg genial.

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After Forever: Prison Of Desire

Man kennt das ja: Die berühmten Vergleiche, die bei neuen Bands immer bemüht werden. „Klingen wie…“ springt einem aus jeder Anzeige, jedem Pressetext entgegen. Bei den Holländern After Forever mussten die Landsleute von The Gathering herhalten, erweitert mit Nightwish und Therion. Aber ausnahmsweise passen die Vergleiche wie der Arsch auf die Schüssel. Die Sängerin Floor Jansen klingt wie Anneke von The Gathering und streckt sich in den opernhaften Passagen nach Tarja von Nightwish aus. Abgeschmeckt wird „Prison Of Desire“ mit dem Bombast von Therion.

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June & The Exit Wounds: A Little More Haven Hamilton, Please

Typischer Fall von links angetäuscht. Schon der seltsame Bandname weist in eine völlig falsche Richtung. Es gibt keine June, das Sextett um Sänger und Songschreiber Todd Fletcher aus Champaigne, Illinois ist ein reiner Männerverein. Und die Austrittswunden im Bandnamen suggerieren eine Härte, die den Musikern gänzlich fremd zu sein scheint. Schließlich ist „A Little More Haven Hamilton, Please“ auf Marina erschienen, dem Label, das uns schon Bands wie die Bathers, Sugartown oder die Pearlfishers bescherte.
Da wundert es nicht, dass Fletchers Domäne der Popsong ist und zwar nicht der direkt ins Ohr gehende, sondern der fein ziselierte, kunstvoll produzierte. Es ist dann nur konsequent, dass zumeist das Klavier die Melodie trägt während die Gitarren eher sparsam eingesetzt und zumeist in den Hintergrund gemischt werden. Und dass zu Fletchers Helden besonders Brian Wilson von den Beach Boys zählt, hört man deutlich – von Produktionsdetails bis zu den Harmoniegesängen.

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Die Welttraumforscher: Das Licht Loon

Es muss irgendwann Mitte der-70er Jahre gewesen sein, als sich Emerson, Lake&Palmer für Sessions den friesischen Bauernhof einer Krautrock-Kommune mieteten. Als sie schließlich fertig waren und abreisten, vergaßen sie all ihre Instrumente. Aber da war es schon zu spät, denn die Krautrocker waren wieder eingezogen, bestaunten die vielen Geräte, drehten an den Knöpfchen und entdeckten, dass man damit Musik machen konnte…

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Dionysos: Haiku

Musizierende Straßenköter sind seit jeher eine Domäne der Franzosen. Schräg, bunt und laut! Mit kindlicher Fröhlichkeit, rauhem Charme und anarchischem Stilmix holperten sich Bands wie Les Negresses Vertes und Mano Negra einst in die Herzen der Fans. Und das nicht nur bei Ethno-Liebhabern, obwohl das Multi-Kulti-Prinzip die Seele ihrer Musik war. Was mit marrokanischen, algerischen Klängen, mit Latino und heimischischer Folklore ging, muss mit Brit-Pop also erst recht funktionieren. Denn wer steht den Franzosen ferner als alle Maghreb-Einwanderer, Belgier und Deutsche zusammen? Richtig, die Engländer. Folglich ist Brit-Pop die abgedrehteste Ethno-Spielart auf dem französischen Markt!

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Eric Bibb: Roadworks

Die Ähnlichkeiten zwischen Keb Mo und Eric Bibb sind frappierend: Für beide ist der Blues keine sehr traurige Angelegenheit, beide tragen gerne Hüte, beide sind gute „Thumb-Picker“ und im ersten Moment kann man ihre Stimmen kaum auseinanderhalten. Warum also Eric Bibb statt dem bekannteren Pendant hören? Weil „Roadworks“ unheimlich intensiv und emotional ist. Ein Teil der 14 Songs wurde live mitgeschnitten, die anderen irgendwo unterwegs in verschiedenen Studios, ein Lied sogar im Badezimmer.

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Gry: Public Recording

Schwer verdauliche Kunstkacke war das mindeste, was man von einem Projekt rund um FM Einheit (Ex-Einstürzende Neubauten) erwarten durfte. Doch es kam ganz anders. Mit der Dänin Gry holte er sich eine ehrfurchtehrbietende Gänsehautstimme hinters Mikro, instrumentale Unterstützung fand er unter anderem bei Sjang Coenen, Alexander Hacke, Saskia von Klitzing, Caspar Brötzmann und der Band Aether, als deren Frontfrau die abtrünninge Gry üblicherweise fungiert. Die Aufnahmen im Münchner Marstall gestaltete Einheit als öffentliches Happening, dem der Name des neuen Album Rechnung trägt: „Public recording“. Und was soll man sagen? Es groovt!

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Western Electric: Western Electric

Western Electric, das ist eher ein Kollektiv als eine Band. Aus der Asche verschiedener Combos formiert, haben sich zahlreiche Musiker um Produzent Sid Griffin versammelt. „Americana“ oder „Neo-Folk“ wären zwei Etiketten, die passen würden. Mit einem festen Anker in der Country-Musik sind neun Tracks entstanden, die neben „normalen“ Instrumenten verstärkt auf Banjo, Steel Guitar oder Mandoline zurückgreifen.

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16 Horsepower: Secret South

Ho, Brauner! Davis Eugene Edwards reitet wieder durch die mentale Prärie. Aber anstatt die Weiten des kargen Landes zu vertonen, sind 16 Horsepower auch auf ihrem neuen Album gewohnt klaustrophobisch. Mit „kompakt“ kann man ihren Sound gar nicht beschreiben, „eng“ trifft es eher. Und Edwards singt nicht, er proklamiert. Seit ich 16 Horsepower kenne, überlege ich, an wen mich seine Stimme noch erinnert. Und jetzt die Erleuchtung: Schlagt mich tot (nein, so was tun wir bei Hinternet nicht – Red.), aber er klingt wie eine manische Mischung aus Mike Peters (The Alarm) und Liam Ó Maonlaí (Hothouse Flowers).

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Interview: Pariah

The Glaswegian underground is rising

Imagine a band that sounds like Immense, Mogwai or the Icelandic newcomer Sigur Ros. Imagine this band is called Pariah and was formed six months before they recorded their first demo, a 3-track CD including the songs „The Night-Time Driver“, „Sleeps With Cactii“ and „Youths Can Help“. Imagine they are all 19 years old and live in Glasgow (one of them just moved from Edinburgh to Glasgow). Imagine – while doing this interview – we, that is: David (19, keyboard, bass), Andy (19, guitars, samples) and me, were standing in a Glaswegian pub called „Nice’n’Sleazy“ pouring down about three jugs of lager. Here is the result of it.

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No Fun At All: State Of Flow

Mist, hier hätte genau die selbe Einleitung wie zu der neuen Millencolin gepasst. Anyway, „State Of Flow“ braucht 47:25 Minuten für zwölf Songs – in der Vergangenheit hätte eine halbe Stunde gereicht. Also auch hier ist etwas Ruhe eingekehrt, aber keine Langeweile. An manchen Stellen blitzt ein bißchen amerikanischer Gitarrenrock durch, doch die meisten Songs erinnern ziemlich an die vergangenen Scheiben von Bad Religion.

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