Steve Marriott’s All Stars: Clear Through The Night

Wer hätte das gedacht! Von seinem tragischen „Rauch(er)-Tod“ ab mußten die Fans glatte acht Jahre warten, bis endlich ganz offiziell und somit legal eine Doppel-CD mit ausgewählten Stücken aus seinem umfangreichen akustischen Nachlaß erscheinen konnte. Toni Marriott, die Witwe des legendären Shouters und Songwriters, hatte sich lange Zeit quergelegt, mit einstweiligen Verfügungen früher angesetzte Veröffentlichungen torpediert. Was bislang auf den Markt kam, waren entweder lieblos edierte, halbprofessionelle Live-Mitschnitte aus den späten 80er bzw. sehr frühen 90er Jahren oder zusammengehauene Bootleg-CDs mit zwar raren Studioaufnahmen, dafür in meist miserabler Klangqualität. Einzig das kurz nach Steves Ableben von seinem ehemaligen Keyboarder Tim Hinkley im Selbstverlag(!) erschienene Album „Scrubbers“ lohnte wirklich, wenngleich es weder autorisiert, geschweige denn klangtechnisch bearbeitet worden war.

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Plexiq: Bambi Dragon Don´t Spit No Fire

Die englischsten Hamburger der Tanzmusik legen nach ihrer Japan-Export-12″-Collection „Blech“ mit ihrem Debut „Bambi Dragon Don´t Spit No Fire“ noch einen Zahn in Sachen handwerklich saubere Produktion zu. Mit Iain Burgess (zahlreiche Produktionen mit Steve Albini) und Elektro-Tüftler Thomas Fehlmann holte man die Schnittmenge zeitgenössischer Musik zwischen klassischer Bandbesetzung (Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard) und Sampledelica ins Studio.

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Catatonia: Equally Cursed and blessed

Hurra! Catatonia sind wieder da! Dieses walisische Quintett mit dem weiblichen Vocal-Faktotum namens Cerys Matthews – nee, im Ernst: die Frau gehört zum Aufregendsten und Unvergleichlichsten, was die Rockwelt derzeit zu bieten hat! Kratzig und blechern die Stimme, hört sich nicht wirklich gesund an, ist aber eine ganze Welt für sich!

„Equally cursed and blessed“ ist das dritte Album der Band, die letztes Jahr mit dem exqisiten Vorgänger „International Velvet“ den Durchbruch schaffte, vielleicht erinnern sich manche noch an die Single „Mulder and Scully“…

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Nightmares On Wax: Car boot soul

„Car boot soul“ ist im Grunde ein Instrumental-Werk, und der musikalische Navigationsdienst ortet die Scheibe irgendwo zwischen Trip Hop und Funk-Jazz. Synthetik mit nervösen Rhythmen zu coolem Gewaber in gemäßigtem Tempo: für meinen Geschmack leider etwas uninspiriert, denn zum einen fehlen packende Melodien – ach was, hier fehlen Melodien schlechthin, wahrscheinlich lenken die beim Chill Out zu sehr ab. Aber so nudelt das Teil halt fade vor sich hin…

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DJ Krush: Kakusei

Einer der Musiker der ersten Stunde des Genres Trip-Hop meldet sich nach seiner letzten für MoWax produzierten LP „Holonic-The Self Megamix“ vom letzten Jahr in verändertem Soundgewand zurück. Spartanisch und abstrakt heißt die Devise für das erste Major-Projekt. Zurückgezogen auf die Wirkung des Beats mit so viel Harmonieschnipseln wie gerade nötig, wirkt diese weitestgehend programmierte und auf wenige Samples reduzierte Platte wie eine Studie, was man mit verschiedenen Drumsounds und Rhythmusverschiebung im traditonellen Breakbeatbereich an Variation erreichen kann.

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Plexiq: 20000

Die erste Scheibe von Plexiq „Bambi Dragon Spits No Fire“ erinnerte mich an den Versuch einer deutschen Band „international“ zu klingen, was durch Infozitate auch noch belegt wurde. So auch beim zweiten Streich „20000“. Warum haben deutsche Promoter immer wieder das Problem, dass sie scheinbar erklären müssen, dass vorliegendes, englischsprachiges Produkt „Made in Germany“ mit native speakern gleichziehen kann, wenn es um Songwriting, Produktion, Image, etc. geht? Im Fall von z.B. Faithless oder Snap gibt es diese Bergründungsarmut WARUM eine deutsche Band das RECHT hat, eine moderne Tanzscheibe auf den Markt zu bringen nicht, weil die Musik für sich alleine sprechen kann, und zwar im Sinn von Verkaufszahlen, medialer Präsenz und natürlich kommerziellem Potential.

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Talking about the revolution, Vol.3

Nun sitz ich hier und wunder mich, wie ich es jetzt doch tatsächlich wieder geschafft habe, mich zu einer neuen Ausgabe meiner Kolumne aufzuraffen. Doch, wie auch immer, die Gründe für die Re-Aktivierung sind differenziert und werden für euch zunächst verschlossen bleiben. Aber einer der ausschlaggebenden Gründe war mit Sicherheit die Wieder-Veröffentlichung des ersten Suicide-Albums (Blast First/EMI). Ein frühes Meisterwerk der New Yorker Punk-Szene der Siebziger Jahre. Dabei sollte der Suicide-Neuling sich allerdings nicht zu vorschnellen Brat-Gitarren-Assoziationen hinreißen lassen, denn die New Yorker Punk-Szene war, anders als die Londoner Szene, nicht so sehr vom Pub-Rock dominiert. Vielmehr war sie ein Sammelbecken für Musiker, Filmemacher und Performer, die sich nicht in den mittlerweile etablierten Hippie- Kulturbetrieb eingliedern wollten. Ein guter Platz für viele, wie z.B. Lou Reed, Jim Jarmusch, Patti Smith und eben auch: Suicide. Im CBGB’s fand sich eine Bühne, und der Rest ist Geschichte.

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Vom Kosovo bis Rußland

Der Chefredakteur warnt schon lange vor Heiner Bremer, aber nie konnte er Dr. Zapp überreden, mal gemeinsam das RTL-Nachtjournal zu glotzen – doch jetzt (in der Nacht zum 7. April) ist es passiert, und prompt muß der Ressort-Leiter der Abteilung „Fernsehkritik“ das Gesehene in seiner Kolumne therapeutisch verarbeiten.

Hilfe, hilfe, hilfe! Wie oft kann man in die Scheiße greifen bei der Präsentation der neuesten Kosovo-News? Sehr oft, und nicht alle Fahrlässigkeiten gehen dabei auf das Konto Heiner Bremers, nein, er hat auch genau die Berichterstatter, die sein Magazin verdient!

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Frl. Katjas Nähkästchen, Folge 11

Hallohallo, könnt Ihr mich verstehen? Ich war sehr erkältet, die Stimme ist noch nicht wieder ganz da, und ein bißchen verschnupft kling ich auch noch, aber ich denk, es wird gehen. Ja, mich hatte es richtig erwischt, denn ich war so doof, mich direkt an den ersten schönen Tagen (die berühmte „Übergangszeit“) zu dünn anzuziehen, und zack – schon war´s passiert. Das waren diese herrlich warmen Sonnentage vor circa zwei Wochen, wo mir Oskar so leid tat, denn hier in Saarbrücken war´s wochenlang eklig verregnet und naßkalt, und dann gibt´s endlich mal gutes Wetter, und man ist auch grad beruflich weniger eingespannt – und darf trotzdem nicht raus oder höchstens in den Garten, weil vorne die ganzen Journalisten lauern…! Naja, nu isser ja weg, und in der Saarbrücker Zeitung war ein klasse Photo, wie sich Familie Lafontaine aus dem Staub macht: sie vorne (ungeschminkt!) in diesem kuriosen uralt-Benz, angestrengt übers Lenkrad gebeugt, daneben der Sohn mit der gruseligen Prinz-Eisenherz-Frisur, und er hinten (im „Fond“), auf der Rückbank, einen Arm nach vorne gestreckt und auf irgendwas deutend, jedenfalls in klassischer Pascha-Pose (Fahr da rechts! Siehst du das Schild da?! Da lang! oder so…).

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Beangrowers: Astroboy

Einer Band aus Malta (!) gehört schon vorab meine ganze Sympathie, denn wer schenkte uns vor wenigen Jahren beim Grand Prix de la Chanson Eurovisien den einzigen Punkt?! Ja-ha, das war Malta! Die Beangrowers sind ein Trio: eine Frau und zwei Typen, allesamt Jahrgang ´77, die seit vier Jahren gemeinsam Musik m machen. Der Label-Waschzettel verweist auf Pixies-Einflüsse, und ich weiß, was er meint, denn lange hab ich nicht mehr eine solch spannende und frische CD in Händen gehalten!

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Geschmeido: Zwischen den Mahlzeiten

Großer Gott, lange hab ich beim Rezensieren nicht mehr aus den Label-Waschzetteln zitiert, aber diesmal tu ich´s wieder, denn hier kommt Freude auf: Album und Single sind „behutsam produziert und können sich eines gewissen amtlichen Touches nicht erwehren“, in jedem Song findet sich eine „kleine Melodie, die auch ein Kind hätte erfinden können, hätte es sich nur an die Aufgabe gewagt und ab und zu ein paar Bier gesoffen“, „was im Hintergrund der durchaus klassisch-gitarristischen Instrumentierung noch orgelt und fönt, is so subtil eingesetzt, daß man dem Synthie nun endlich sein verdientes Comeback im Poprock gönnen möchte. Trotzdem, Europa braucht die Gitarre, und zwar so schnell wie möglich“, anderslautende Argumente werden beim Hören „geknickt wie Schilf im Sturm“. Kompliment!

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The Rotosonics: P. M. Undercover

Der Terminus „Band“ ist hier fehl am Platz: „The Rotosonics“ sind eine „Kapelle“! So anglophil und technisch ihr Name auch anmutet, so altmodisch ist doch ihr Retro-Sound: historisch zwischen 50s und 60s angesiedelt und strikt instrumental! Im Vordergrund stehen dabei elektronische Tasten-Geräte, allerdings weniger moderne Synthie-Klänge, auch nicht space-ige Moogs, sondern flächige Orgel-Harmonien, jedoch wiederum nicht ganz so plüschig wie eine echte Hammond. Schade! Für den optimistischen Easy Listening-Touch reicht´s trotzdem, und klassische Tanz-Rhythmen sorgen für nostalgisches Ach-Damals…-Flair. Der Baß arbeitet konservativ an der Basis, und die Gitarre macht sich gern den Hall-Effekt der Surfer zunutze.

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The Soundtrack of our lives: Instant Repeater ´99″

Weiß der Himmel, warum sich die renommierte Musik-Journaille zu schade ist, „The Soundtrack of our lives“ eines Rezensenten-Blicks zu würdigen! Geht das schmale Schweden-Budget schon für die Kenntnisnahme der Roxette-Reunion drauf? Oder liegt es daran, daß die sechs Skandinavier mit längst erprobten, nichtsdestotrotz probaten Zutaten und verdächtigem Stampf-Rhythmus für Laune sorgen? Zuviel 80er-Simplizität? Who cares?!

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Idlewild: When I Argue I See Shapes

Das Gitarrenintro hört sich fast identisch nach „Crash“, einstiger Hit der leider verschiedenen Primitives an. Dann prescht man auch mit gleicher Dringlichkeit nach vorne und wenn der Sänger einsetzt, schaue ich aufs Cover: Ist das vielleicht ein Adorable-Nachfolger??? Nee, kann nicht sein, die Jungs sind ja gerade mal der Pubertät entwachsen. Verdammt coole Single für den Start.

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