Krimistreik

Vor Wochenfrist noch präsentierte die „Deutsche Krimilesergewerkschaft“ stolz ihr einmillionstes Mitglied – jetzt macht sie ernst. Wie die Nachrichtenagenturen soeben vermelden, hat die DKLG – Wahlspruch: „Mehr Qualität im Krimi! Dafür kämpfen wir!“ – zu einem unbefristeten Streik ihrer Mitglieder aufgerufen.

Weiterlesen

Sehen, hören, riechen

titel_alternativ_1.jpg

Erinnern wir uns: Die Geschichte des uns heute geläufigen Krimigenres beginnt mit einem Hoch auf die Logik. Geniale Detektive erkennen die Verbrechen und ihre Urheber, indem sie Zeichen lesen, miteinander verknüpfen und Schlüsse ziehen. Später wurde das anders. Dazu drei Zitate, eins aus einem alten Krimi, zwei aus aktueller Produktion.

Weiterlesen

Vierzehn

zitate_scoop_klein.jpg

Als ich vor jetzt 22 Jahren meine erste Zeitschrift gegründet habe, hatte ich null Leser. Nach der ersten Ausgabe waren es 21 Abonnenten. Nach der fünften 60. Und ganz am Schluss: 75. Und das war nun wirklich was für Hardcore-Leute! Und ist heute, kein Witz, eine gesuchte Rarität!

Weiterlesen

Reginald Hill: Mord auf Widerruf

Geübte LeserInnen dieses Blogs ahnen es bereits: Aha, ein Hill. Den wird der Rezensent über den grünen Klee loben. Jawohl. Wir loben Reginald Hills „Mord auf Widerruf“ über den grünen Klee. Nicht, weil der Titel 2003 schon einmal unter dem Titel „Die dunkle Lady meint es ernst“ erschienen ist. Nicht, weil diese „dunkle Lady“ laut Personenregister „frei nach Shakespeare“ agiert. Auch nicht, weil der Rezensent vor lauter Lesevergnügen irgendwann den Kriminalfall aus den Augen verloren hat. Sondern weil Hill, indem er launig erzählt, selbst diesen Fall niemals aus den Augen verliert.

Weiterlesen

P.J. Parrish: A Killing Rain

078601606X.jpg

Was immer sie sich auch erhofft hatten, an diesen Abend konnten sie es vergessen. Schon von Anfang an stand das erste „Tete-à-tete“ zwischen Louis Kincaid, Privatdetektiv, und Susan Outlaw, Anwältin und alleinerziehende Mutter, unter einem schlechten Stern. Während er sich mühte, den Premiumtisch in einem netten Restaurant zu ergattern, bereitete sie ein gemütliches Essen daheim vor. Und während sie es noch aussortieren, steht plötzlich Austin, ihr früherer Ehemann vor der Tür und will einen auf treusorgenden Vater machen.

Weiterlesen

Schlechter Krimi Wirklichkeit

titel_1_klein.jpg

Müsste man die Wirklichkeit, wenn sie ein Buch wäre, auf dem „Kriminalroman“ steht, nicht schleunigst und verärgert aus der Hand legen? Einspruch: Gibt ja keine Wirklichkeit. Einspruch: Es gibt eine Wirklichkeit, die offizielle, die unserem Bewusstsein unterschobene, die aus den vielen, vielen Wirklichkeiten künstlich destillierte. Die Wirklichkeit als Roman, nach Genregesetzen konstruiert, die Wirklichkeit, wie sie als Krimi auf ganzer Linie misslingt.

Weiterlesen

Dünne Männer bei 3sat

Detektiv Nick Charles und seine Frau Nora, na, wer hat die erfunden? Richtig. Dashiell Hammett. Und wer hat sie gespielt? Falsch. Auch falsch. Ganz falsch. Es waren William Powell und Myrna Loy, inszeniert von W.S. Van Dyke. Zu Tagesmensch-freundlichen Zeiten werden die dünnen Männer jetzt von 3sat gesendet, immer montags um zwei Uhr (mittags). Am 2. April kommt „Der dünne Mann“; am 16. April „Nach dem dünnen Mann“; am 23. April „Noch ein dünner Mann“, am 30. April „Der Schatten des dünnen Mannes“ und am 7. Mai, „Der dünne Mann kehrt heim“. Alle dünnen Männer entstanden zwischen 1934 und 1944.

Makro-scoop

Nein, die Routine des Bloggens macht mir immer noch Spaß. Aber die Routine ist ein Feind der Versuchung, die Versuchung aber immer Vorstufe des Versuchs, der Versuch Vorstufe des Neuen, das Neue eine potentielle Tür zum bisher Unbekannten. Unklare Worte. Also konkret: Es wird eine deutsche Krimizeitschrift geben. Sie heißt makro-scoop, erscheint quartalsweise, ist ein Experiment, hat mindestens 16, höchstens 32 Seiten und einen einzigen Autor. Die kleinste Krimizeitschrift der Welt?

Weiterlesen

John Connolly: Nocturnes

John Connolly als Meister der kleinen Form? 15 Geschichten, deren kürzeste 11 und die längste 121 Seiten lang ist. Grenzgänge und –überschreitungen zur Phantastik, der Thrillerautor als Schöpfer kurzer Horrorminiaturen – kann das gut gehen? Es geht, und wie. Schon in seinen recht umfangreichen Romanen ist Connolly ein hervorragender Schöpfer mannigfaltiger Stimmungen, die Beschränkung auf wenige Seiten zeigt, WIE gut er wirklich ist. Ihm reichen Andeutungen, kurzes Aufflackern von Gewalt, um Düsternis und Bedrohung sehr anschaulich darzustellen.

Weiterlesen