Harry Hunsicker: Still River

Harry Hunsicker führt in seinem Erstling „Still River“ mit der Stadt Dallas einen selten bespielten Ort ein. Ausführlich geleitet uns Privatdetektiv Lee Henry Oswald während seiner Tätigkeit durch diese Stadt und zeigt uns, wo Weiß und Schwarz, Arm und Reich, Gut und Böse sich aufhalten. Lee H. Oswald, der den Namen des vermutlichen Kennedy-Mörders von seinem Vater erhalten hatte, ist eine dieser Gestalten, die der 1. Golfkrieg hochgespült hat und welche in den letzten Jahren die Bücher vieler US-amerikanischer Krimiautoren bevölkern: Im Nahkampf und mit Spezialwaffen bestens trainierte und in deren Anwendung erprobte Männer

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Büttenrede 2007

Er war der Höhepunkt beim diesjährigen Event der Hinternet-Arbeitsgruppe „Saisonalbedingte Heiterkeit“. Der Auftritt von Herrn Diplompsychologen Florian Bricke-Doornkaat als „Krimiirrenarzt“ überzeugte durch subtile Diagnose und grobes Witzeplotting. Hätte man einem Akademiker gar nicht zugetraut! Wir wollen unseren Lesern diese Sternstunde deutscher Kriminalkomik nicht vorenthalten und drucken nachfolgend die Büttenrede Herrn Bricke-Doornkaats ab.

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Vorschau: historische Krimis

Historische Krimis? Das sind doch die Dinger, in denen bevorzugt Köche ermitteln und man neben „historischen Fakten“ auch noch „historische Rezepte“ hingeknallt bekommt. Alles „sauber recherchiert“, versteht sich, dabei ist man schon froh, dass der römische Gladiator oder napoleonische Soldat nicht dauernd auf die Armbanduhr schaut, die er leider beim Kostümwechsel abzulegen vergessen hat.

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Pieke randaliert

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Nein, man möchte wirklich nicht neben ihr auf der Tribüne stehen. Sie guckt einen von der Seite an. Fragt dann: „Sag mal, hörst du eigentlich meine Kriminalreportagen?“ Man murmelt: „Äh, ich hab doch nur so’n altes Kofferradio, da krieg ich nur Europawelle Saar rein“ – und zack, hat sie schon ausgeholt, einem den Siegelring auf die Backe gedrückt, auf der nun für alle Zeiten wie ein Brandzeichen steht: „RBBinfoRADIO 93,1“. Oder (sie hat nämlich zwei Ringe zur Auswahl): „Tagesspiegel“. „Am Sonnabend,17.Februar 2007“, sagt die Biermann dann lakonisch, „kannste meine neue Reportage ‚Vorbeugen statt keilen‘ um 11 Uhr 45 hören. Oder die Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 05:45. Und im ‚Tagesspiegel‘ kannste sie lesen. Es geht natürlich um Fußball, aber das hast du dir schon gedacht.“ Dann sollte man beflissen nicken und fragen, worum es denn diesmal geht.

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Paul Freeman: Die Legenden von Ophir

Ein Krimi aus Zimbabwe – da assoziiert man unwillkürlich Blettenberg und Blaudez, also den Blick von außen auf einen turbulenten Kontinent, zumal auch der Autor von „Die Legenden von Ophir“, Paul Freemann, kein Einheimischer ist, sondern Engländer, der als Lehrer im Lande tätig gewesen war. Ein Krimi mit einer gehörigen Portion Erste-Welt-Kritik also, noch dazu aus einem Staat, der als Musterbeispiel für das Wüten eines autokratischen Herrschers gelten kann. Aber nein: „Die Legenden von Ophir“ entstand noch in der Zeit der demokratischen Hoffnung Mitte der neunziger Jahre und entwickelt sich rasch zu einem geradezu klassischen Whodunnit.

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Charlie Huston: Der Prügelknabe

„Ich, mein anderes Ich und meine Katze“ (Charlie Huston, „Der Prügelknabe“, S. 300)

Hier ist er: der seltene Fall, dass ein deutscher Titel – fast – besser ist als das Original. Denn Henry „Hank“ Thompson ist genau das, zumindest zu Beginn des Romans, was auf dem deutschen Buchdeckel prangt: ein Prügelknabe. Aus unerfindlichen Gründen heftig malträtiert, verliert er eine Niere, wird erneut bedroht, zusammen geschlagen, gefoltert und steht immer wieder auf. Genau wie Bud, der Kater, mit dem alles anfing. Zumindest dieser Teil der Geschichte. Denn Charlie Huston ist so klug zu wissen, dass es DEN Anfang gar nicht gibt.

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Linksliberal

Man wäre ja schon gerne dabei, wenn es am 9. und 10. März 2007 in →Schloss Genshagen nahe Berlin wieder einmal heißt: „Krimis in Deutschland, Frankreich und Polen – Spiegelbild der Gesellschaft?“. Eins der Themen: „Die großen Geschichten der kleinen Leute. Wessen Geschichte erzählen Krimis?“ Darunter aber unvermittelt noch eine zweite Frage: „Die Leser von Krimis: das linke Bildungsbürgertum?“ Und gleich eine dritte: „Gibt es noch Krimis fürs ‚Volk'“? Ich gestehe, von Frage zu Frage verwirrter zu werden.

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Paul Levine: Solomon vs. Lord

Der 12jährige Bobby ist nur eine Nebenfigur in Paul Levines „Solomon vs. Lord “, aber dennoch eine der tragenden Figuren des Buches. Er hat eine Inselbegabung (Savantsyndrom). Eine sehr seltenen Kombination – die Kinogänger werden es dank „Rain Man“ wissen –von Defiziten, meistens im emotionalen Bereich, und singulären Hochbegabungen in einzelnen intellektuellen Bereichen.

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Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (5)

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Fassen wir bündig zusammen. Von „literarischen Krimis“ spricht, wer Entwicklungen ignoriert, einen unvollständigen Literaturbegriff hat, keine große Faktenkenntnis oder sich darin gefällt, „Krimi“ und „Literatur“ gegeneinander auszuspielen. Was literarisch sein soll, möge sich gefälligst vom Genre entfernen. Vergessen wollen wir aber bei alledem nicht die Wohlmeinenden, denen es um das Ansehen des Kriminalromans zu tun ist, welches unter allen Umständen – und seien es solche fragwürdiger Herkunft – befördert werden soll.

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Wider die Gleichmacherei

aus einem Beitrag in der Wochenendausgabe der Süddeutschen von Dirk Stempel, im Hanser-Verlag für Rechte und Lizenzen zuständig, zum aktuellen „Übersetzerstreit“:

Die Höhe des Seitenhonorars. Es war bisher frei verhandelbar zwischen Übersetzer und Auftraggeber und wird bestimmt unter anderem durch das Medium, für das übersetzt wird (Hardcover, Taschenbuch, Presse, Funk…), durch die Qualität der Geschäftsbeziehung und natürlich durch den Text selbst. Denn es wird auch zukünftig ein Unterschied sein zwischen einem Text von Celan und einem Kriminalroman.

Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (4)

„Als er abends im Bett lag und versuchte einzuschlafen, dachte er, so ist das Leben, eine Unmenge von Rolltreppen, die niemals anhalten, und niemand weiß, von wo und von wem sie gesteuert werden, sicher ist nur, dass es ohne das geringste Mitgefühl, ohne Logik oder gar Absicht geschieht. Manchmal führen sie in die richtige Richtung und wir sind eine Zeit lang glücklich.“

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Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (3)

Die Literatur ist schon ein merkwürdiges Land mit noch merkwürdigeren Bewohnern. Sprache, so sagen wir, ist ein Werkzeug. In unserer Normalwelt ziehen wir mit dem Vorschlaghammer in den Steinbruch der Wirklichkeit und legen mit dem Skalpell das Innere der Menschen frei. Im Lande Literatur ist alles ganz anders. Dort kann man auch mit dem Vorschlaghammer auf die Psyche klopfen und mit dem Skalpell im Steinbruch arbeiten.

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Greg Iles: @E.R.O.S

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Zuerst das Positive: Der Roman ist streckenweise spannend und über weite Teile flüssig zu lesen. Die Biographien der Protagonisten werden halbwegs nachvollziehbar entwickelt und sind, wenn man die maßlose Übertreibung zugunsten des Spektakulären in Kauf nimmt, mit etwas gutem Willen durchaus nachvollziehbar. Außerdem ist der Einblick in die Computertechnologie Mitte der 90er heutzutage sehr spaßig zu lesen (rasend schnelles 14400bps Modem etc). Es ist viel Zeit vergangen seit damals. Von nun an geht’s allerdings bergab…

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A.a.O.

DIe Fortsetzung meiner Reise ins Herz der Finsternis gibts wohl erst morgen. Wer jetzt aber thematisch Blut geleckt hat, kann →hier weiterlesen, wie man den armen Reisenden, der sich so mühselig durch den Dschungel der Begrifflichkeiten machetet, auch noch auf Ab- und Umwege leiten will. Böser, böser JL! Aber das gehört zum literarischen Entdeckungsreisen, ohne das wärs ja keins, sondern ein Sonntagsspaziergang. Also: Danke, lieber, lieber JL!

Duane Swierczynski: The Wheelman

Lennon war schon an vielen Bankeinbrüchen beteiligt, aber dennoch: Wie’s geht, weiß er nicht; denn Lennon ist „The Wheelman“, also derjenige, der Bankräuber nach dem Bruch heimbringt. Nur dieses Mal geht so fast alles schief was schief gehen kann. Am Ende ist das erbeutete Geld weg und die Kollegen sind fort. Lennon bleibt alleine zurück und plötzlich wird er von der russischen Mafia, der italienischen Mafia, kriminellen Expolizisten und weiteren Personen, die er nicht zuordnen kann, verfolgt. Und als wäre das alles nicht genug, taucht da auch noch diese Frau auf, die schwanger ist und an der er sehr hängt.

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