Hard-Fi: Stars Of CCTV

Was tun, wenn man in Staines, im Westen Londons gelegen, groß wird, wo außer Ali G. kein Prominenter herkommt? Wo selbst die Infrastruktur keine vernünftigen Alternativen zu bieten hat:„Hier gibt’s keinen Plattenladen, keinen Klamottenladen, keinen Club, keinen Nachtbus, keine Spätzug – gar nix. Wenn du abends in Central London warst, musst du mit einem Taxi zurück. Das kostet 80 Pfund“, jammern die Jungs von Hard-Fi. Da braucht man sie auch gar nicht zu fragen, warum sie sich mit beschissen bezahlten Jobs durchschlagen mussten und teilweise auf Stützte angewiesen waren. Immerhin hatten sie die glorreiche Idee, eine Band zu gründen und mit der ihren Idolen The Clash, Dexy’s Mignight Runners, Curtis Mayfield, Lee „Scratch“ Perry, den Rolling Stones und den Happy Mondays nachzueifern.

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Jon Dee Graham: First Bear On The Moon

Als er im Mai 2005 mit den Resentments auf Europa-Tournee war, schien er ein wenig verschlossen und muffig. Spielte aber auf Gitarren, Dobro und lap-steel gewohnt meisterhaft und mit großem Enthusiasmus, sang seine Lieder mit Inbrunst und Leidenschaft. In den Zwischenansagen erwähnte Graham den Zwist mit seiner (amerikanischen) Plattenfirma, die sein angestrebtes neues Plattenprojekt verworfen hatte. Der Singer/Songwriter mit der kräftigen, dabei brüchig wirkenden Stimme (Tom Waits lässt grüßen!) reagierte prompt und veröffentlichte – offenbar auf eigene Kosten – einen Radiomitschnitt, ergänzt durch drei Stücke, die er noch im April, kurz vor Beginn besagter Tour, in einem kleinen Studio im heimischen Austin (Texas) aufgenommen hatte.

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Iggy Pop: A Million In Prizes & Live At Avenue B

Iggy Pop hat sich in seiner fast 40jährigen Karriere nie geschont. Seine Bühnenshow und seine exzessive Art sind legendär und sein Name steht wie kein anderer für die schlechten, aber verlockenden Seiten des Rock’n’Roll. Wenn man den knapp 60jährigen heute ankuckt, weiß man nicht, ob ‚durchtrainiert‘ oder ‚mumifiziert‘ der richtige Ausdruck ist, aber er scheint von seiner Energie nichts verloren zu haben.
Hört man die Songs der jetzt vorliegenden Anthology, stellt man schnell fest, wie sehr ein wildes Drumherum auch die Vorstellung der Songs prägt. Gerade in den Anfangstagen waren The Stooges aus heutiger Sicht gesehen musikalisch relativ zahm, aber 1969 hatte „I Wanna Be Your Dog“ alles am Start um die Leute zu erschrecken.

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John Hiatt: Master Of Disaster

Ich wäre gerne den Beweis angetreten, dass bei John Hiatt ein seltsames Cover immer auf ein großartiges Album schließen lässt, aber leider funktioniert das nicht.
„Little Head“ war seltsam gestaltet und nur OK, „Crossing Muddy Waters“ war schön gemacht und ein Jahrhundertwerk. Aber was soll sich der US-Songwriter auch um die Optik kümmern, wenn er die Ohren so superb verwöhnt, wie mit „Master Of Disaster“?! Nach zwei guten Alben schwingt er sich jetzt wieder in die Höhen seiner besten Werke auf.

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Midnight Choir: All Tomorrow’s Tears

Am Besten jetzt schon an Weihnachten denken. Ein geschmackvolles Doppelpaket zum Preis einer CD kann zwar den Schmerz der Trennung nicht wegwischen, zeigt aber 28 Songs lang, wie großartig Midnight Choir waren. Und da es zu viele Menschen gibt, die dieser Band nie die nötige Aufmerksamkeit geschenkt haben, sollte man mit „All Tomorrow’s Tears“ genau das tun – verschenken.

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Belle & Sebastian – Push Barman To Open Old Wounds

Eigentlich hätten uns Belle Sebastian nicht beweisen müssen, wie gut und vor allen Dingen beständig gut sie sind. Doch Glasgows Pop-Experten Nummer eins konnten nicht anders. Ihr ehemaliges Label Jeepster hatte sich nämlich die Freiheit gegönnt, all ihre Singles und EPs der Jahre 1997 bis 2001 auf eine Doppel-CD zu packen, um das umfangreiche Schaffen des schottischen Konglomerats zu dokumentieren. Und das waren einige Singles und EPs.

Denn mit den A- und B-Seiten kam Jeppster auf stattliche 25 Songs. Insofern dürften sich nun all diejenigen freuen, die nicht so bekloppt sind wie einige Belle & Sebastian-Fanatiker, die im Internet horrende Preise für das rare Vinyl bezahlen. Von nun kann man die Komplettierungssucht auch mit geringerem finanziellen Aufwand stillen.

Dass sich die Anschaffung von „Push Barman To Open Old Wounds“ lohnt, das muss wohl nicht noch einmal betont werden. Nur so viel noch: Keiner ihrer Songs hatte es bis dato verdient, auf eine B-Seite verdammt zu werden. Man höre sich nur das hypnotische „You Made Me Forget My Dreams“ von der „Lazy Line Painter Jane“-EP an.


Belle & Sebastian
Push Barman To Open Old Wounds
Jeepster/Soulfood
VÖ: 27.5.2005