King’s X: Live All Over The Place

Als Freund des texanischen Groove-Trios kann man sich über zu wenige Veröffentlichungen nicht beschweren, aber das Beste haben sich King’s X mehr als 15 Jahre aufgespart. Nach zehn Studioalben und unzähligen Sideprojects ist „Live All Over The Place“ tatsächlich das erste Livealbum der Band. Wer die Drei jemals on stage gesehen hat, hat auch schon den ein oder anderen andächtigen Kniefall hinter sich und kann sich dieses Erlebnis jetzt endlich ins CD-Regal stellen. Leider lässt die Aufnahmequalität ein bisschen zu wünschen übrig, aber das Livefeeling wird gut transportiert.

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Mick Hanly: Wish Me Well

Schade, dass er sich hierzulande so rar gemacht hat. Der irische Singer/Songwriter, der auf den britischen Inseln und in den USA nach wie vor äußerst beliebt ist und auch als Live-act geschätzt wird, bereist nur noch sehr selten den europäischen Kontinent. Er habe erkennen müssen, sagt er, dass seine (oft komplexen) Songtexte oft nicht verstanden würden – und dies frustriere ihn eben.Deshalb toure er praktisch nicht mehr außerhalb des anglophonen Sprachbereichs. Eine nicht ganz nachvollziehbare, aber zu respektierende Position. Ich wünschte mir, so manche simplen englischsprachigen Texte nicht verstehen zu müssen! Dabei „funktionieren“ Hanlys Songs & Ballads nicht nur über die lyrics. Er weiß nämlich Melodien zu schmieden, die letztlich hängen bleiben.

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Lyn Leon: Glass Lounge

„Glass Lounge“ besticht in erster Linie durch eine glasklare Produktion, in zweiter Linie durch großartige Songs. Carolyn Leonhart, die Vokalistin der Band, vereint Pop und Jazz auf geschickte Weise und wird detailverliebt umspült von den eidgenössischen Soundtüftlern Stephan Diethelm und Matthias Eser. Man kann und will sich nicht festlegen, ob der Pop- oder der Jazz-Anteil auf „Glass Lounge“ überwiegt; fest steht nur, Lyn Leon spielen in der absoluten Oberklasse.

(8 Fritten)

Lyn Leon: Glass Lounge
SPV

Alpha Safari: Commercial Suicide

Entombed + Misery Loves Company = Indierock. Dass diese Rechnung aufgeht, hätte ich nicht gedacht. Hinter Alpha Safari verbergen sich mit Ulf Cederlund (Entombed) und Patrick Wirén (Misery Loves Company) zwei bekannte Namen, die mit ihren Hauptbands um einiges wilder am Start sind. Hier frönen sie einer guten Mischung aus Post-Rock, Indie und Alternative und jubeln 12 coole Songs unters Volk.

(7 Fritten)

Alpha Safari: Commercial Suicide
Threeman

Cocún: Zoë In Exile

Mhm, ein schöner Albumtitel konkurriert mit einem kitschigen Cover und einem Sänger, bei dem sich der optische Vergleich zu Ville Valo geradezu aufdrängt. Um dieses Kontrastprogramm fortzusetzen, erinnert die Musik des Berliner Quintetts am ehesten an Mainstreamrockbands wie Matchbox Twenty oder im schlimmsten Fall auch Nickelback. Jetzt die Überraschung: Cocún kriegen die Kurve trotzdem.

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Culture Club: 20 Year Anniversary DVD

Ich habe schwer geschmunzelt, als ich die Culture Club DVD aus dem Postkasten gezogen habe. Nach einem augenzwinkernden Auftakt kann man sich aber recht schnell davon verabschieden, dass sich Culture Club bei ihrem Jubiläumskonzert zum nostalgischen Kasper machen. Alle Hits sind drauf, Boy George ist gut bei Stimme und entgegen der Vermutung demontiert sich die Band nicht selbst. Dafür Respekt und den Nostalgiedaumen nach oben.

(6 Fritten)

Culture Club: 
20 Year Anniversary DVD - Live At The Royal Albert Hall
ABC/SPV

Three.Minute.Poetry: We’re Gonna Need A Bigger Boat

Ich glaube, so groß muss das Boot gar nicht werden. Three.Minute.Poetry sind nach ihrem guten Vorgängerwerk „Slowly Learning That Love Is Okay“ ziemlich ins Emo-Mittelfeld abgerutscht. Gefällig und nett, laut und leise, nach wie vor sympathisch, aber es gibt dickere Fische im Emo-Teich, sodass Three.Minute.Poetry wahrscheinlich selten auf den Teller kommen.

(5 Fritten)

Three.Minute.Poetry: We're Gonna Need A Bigger Boat
Eat The Beat/Sony

Aereogramme: Seclusion

Ohne großes Tamtam erscheint von der bärtigsten Band Glasgows mit „Seclusion“ ein sechs Stücke starkes Mini-Album, auf dem Aereogramme alles toppen, was sie bisher selbst in den letzten Jahren erschaffen haben. Ganz viel Rock trifft auf schallende Noise-Parts, die im Zusammenspiel mit herrlichen Melodien (Glockenspiel, Streicher etc.) auferstehen und von massig Pathos, Melancholie, Zorn, Verzweiflung und Liebe in Craig B’s Stimme getragen werden.Mal laut, mal leise. Mal hart, mal zart. Doch immer intensiv und direkt.

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Lawn: Backspace

Wer Anneke van Giersbergen (The Gathering) als Duettpartnerin für einen Song gewinnen kann, der hat es schon fast geschafft. Die einprägsame Stimme von Anneke macht die erste Single „Fix“ definitiv zum Glanzlicht. Ansonsten kann die niederländische Combo Lawn nicht durchgängig diese Qualität halten. Die Post-Rock-Marschrichtung stimmt, aber den meisten Songs fehlt es an Tiefe, um langfristig hängen zu bleiben. Anspieltipps: Das rockende „Frontseat“ und das atmosphärisch gelungene „Polaroid“.

(6 Fritten)

Lawn: Backspace
Supermodern/Indigo

Blues Explosion: Damage

„This is the mother of all Blues Explosion records“, sagt einer der sicherlich coolsten Typen aus ganz New York City, namentlich Jon Spencer, über „Damage“, die siebte Platte seiner legendären Jon Spencer Blues Explosion. Pardon, seit diesem Album und nach 13 Jahren Bandgeschichte nennen Judah Bauer, Russell Simins und Mr. Spencer ihre kleine, aber feine Blues Rock-Institution nur noch Blues Explosion. Mit der Beschneidung des Namen kann gut gelebt werden, denn im Fall von „Damage“ wurde geklotzt und nicht gekleckert.

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Christian Bruhn

Was hat dieser Mann nicht alles komponiert: Schlager wie Marmor, Stein und Eisen bricht, Zwei Kleine Italiener, Liebeskummer lohnt sich nicht, Wärst du doch in Düsseldorf geblieben, oder Ein bisschen Spaß muß sein; TV-Musiken wie Heidi, Timm Thaler, Hey, Hey Wickie oder Captain Future ja selbst Werbemelodien wie die von Milkas zartester Versuchung.

Professor Christian Bruhn wird heute 70 Jahre alt. Ein schöner Anlass für ein kleines Interview. Damm damm:

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Carl Douglas – Kung Fu Fighting Remixes

Eigentlich eine Schande für Quentin Tarantino, denn er scheint diesen Song in seinen letzten Filmen trotz seines Musikgespürs einfach vergessen zu haben. Denn der gebürtige Jamaikaner Carl Douglas und sein „Kung Fu Fighting“ dürfte wohl jedem bekannt sein, und bestimmt haben einige der Leser in ihrer Kindheit David Carradine in der TV-Serie „Kung Fu“ auf seinem Weg durch den amerikanischen Westen begleitet und begeistert den Lautstärkeknopf bearbeitet, als die Titelmusik ein weiteres Abenteuer ankündigte.

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Soulwax: Any Minute Now

Ein Cover-Artwork, das zerrt. Man ist froh, es weglegen zu können und „Any Minute Now“, das dritte Album der belgischen Soulwax, zu hören. Nicht wegen des visuellen Wohls, sondern vielmehr wegen des auditiven Glücks. In den fünf Jahren nach „Much Against Everyone’s Advice“ hat sich im Hause der Genter einiges getan. Maßgeblich dürften die Brüder David und Stephen Dewaele an dieser innovativen Entwicklung Schuld sein.

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The Soundtrack Of Our Lives: Origin Volume I

Rechtzeitig zu der „Rolling Stone Roadshow“, die Mitte Oktober durch Deutschland rollen wird, haben The Soundtrack Of Our Lives (TSOOL) ein neues Studioalbum fertiggestellt. Der skandinavische Sechser, der aus der Asche von Union Carbide Productions emporstieg, hat auf einem kleinen Indie angefangen und sich klammheimlich in die Herzen europäischer Rock-Liebhaber gespielt.

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Helmet: Size Matters

Beachtlich, was die wieder zum Leben erweckten Helmet auf ihrem Comeback-Album zustande gebracht haben. Seit Jahren ranken sich Gerüchte um Page Hamilton, er wolle die Band reanimieren und allen zeigen, wie unersetzbar Helmet im Grunde sind.Ohne sie hätte es einen Großteil der heute erfolgreichen Nu Metal-Bands wohl nie gegeben. Leider wuchs mit jedem neuen Gerücht der Zweifel an der Wahrheit dieser Meldungen. Doch siehe da: Hamilton hat es wirklich ernst gemeint und nach sieben Jahren Abstinenz ein Album aufgenommen, das vielleicht nicht nach dem ersten Hören jeden alten Helmet-Fan überzeugen wird – aber nach drei, vier Testläufen für entspanntes Grinsen und zustimmendes Nicken sorgen wird.

Von seiner einstigen Stammbesetzung, die 1997 „Aftertaste“ eingespielt hatte, ist Hamilton niemand geblieben. Nur mit seinem früheren Live-Gitarristen Chris Traynor arbeitet er noch zusammen. Neu sind – bitte festhalten! – Frank Bello von Anthrax und John Tempesta (ehemalig Testament und White Zombie). Helmet mausern sich zu einer All Star-Band. So viele Band- und Live-Erfahrungen hinterlassen unwillkürlich ihre Spuren. Wie bereits gesagt: Hat man die anfängliche Skepsis über Bord geworfen, entpuppt sich „Size Matters“ als typisches Helmet-Werk. Mit harten, abgehackten Gitarren-Riffs, vielen Melodien und Hamiltons typischem Gesangsstil. Gerade an seiner Stimme hat er gearbeitet. Statt sie wie früher als Rhythmus-Instrument einzusetzen, ist sie nunmehr Melodiengeber – etwa in dem wuchtigen Song „Unwound“. Richtig was auf die Mütze gibt es in dem Kracher „Crashing Foreign Cars“. Ein Ohrwurm ist „See You Dead“, das mit monotonem Stakkato-Riffing beginnt und erst mit Einsetzen des Refrains seine ganze Schönheit entfaltet.

Kurzum: Helmet sind zurück und das mit einem Album, das ihnen in dieser Form niemand zugetraut hat. Gratulation.

Helmet: Size Matters
Interscope/Universal
VÖ: 4.10.2004