Herrn Menke schauderts

Die Älteren unter uns erinnern sich noch: Ludger Menke, das war mal ein Krimiblogger, der regelmäßig über Dies & Das der Szene berichtete. Heutzutage tut er es bloß noch sporadisch, und der „Ripper Award“ ist wohl nur für ihn erfunden worden, um Stoff für die Menke’sche Entrüstung zu liefern.

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Natsuo Kirino: Teufelskind

In ihrer japanischen Heimat gilt Natsuo Kirino als „Tabubrecherin“. Nun sind solche Etikettierungen natürlich mit Vorsicht zu genießen (das größte Tabu scheint es zu sein, keines brechen zu wollen), vor allem dann, wenn die so Genannte der Liebling des Publikums und der Kritik ist. Dass Kirino ein für Japan heißes Eisen angefasst hat, sei ihr aber bescheinigt. Schon in „Die Umarmung des Todes“, mit dem sie international bekannt wurde, wird die traditionelle Rolle der Frau genüsslich und kompromißlos dekonstruiert und zur bedrohlichen Collage aus Trauma, Verdrängung und latenter Gewalt montiert. „Teufelskind“ setzt diese Arbeit fort.

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Krimijahr 2008 – ein Rückblick II

2. Die im Dunkeln

Den alten Bertolt zu paraphrasieren, ergäbe auch dieses Jahr wieder Sinn. Die im Lichte sieht man eben, die im Dunkeln leider nicht. Eher solider Durchschnitt vom durchaus geschätzten John le Carré entert die Bestenlisten, „Am Rand der Welt“ des nicht weniger zu rühmenden Klassikers Ross Thomas verbleibt auch am Rande des öffentlichen Interesses.

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Ich bin zutiefst gerührt

Nein, wirklich. Soeben sind meine Exemplare von Emilie Heinrichs, „Leibrenten“ gekommen, erster Band der zehnteiligen Reihe „Criminalbibliothek 1850 – 1933“. Zwei Jahre habe ich dafür gekämpft, zunächst als Einzelner mit wenig Erfolg, dann ist mir →ein mutiger Verleger zugelaufen und jetzt liegt es endlich vor. So schön (mit Coverzeichnung von the one and only Raphael Wünsch), so wohlfeil (410 Seiten für 13,90 €, Klappbroschur) hätte ich es nicht machen können.

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Samstagmorgen, alt und neu

Und wieder was Neues am Krimisamstag im Titel-Magazin. Thomas Wörtche und seine Mann-/Frauschaft stellen viel Altes, neu Veröffentlichtes auf den kritischen Prüfstand. Den neuen Band der →Jean-Amila-Editon beispielsweise, →„Galgenfrist“ von Hubert Selby Jr. und die jetzt vorliegenen ersten sechs Hörbücher der →Radio-Tatort-Reihe. Hochaktuell die Besprechung von John le Carrés →„Marionetten“. Und mit einem Klassiker von →Randy Newman gleiten wir nicht nur ins Vorkriegsdeutschland zurück, sondern auch in ein hoffentlich sonniges Wochenende.

Krimijahr 2008: ein Rückblick

1. Der Mimikrymi

Welch erhebender Moment! So müssen sich die großen Entdecker gefühlt haben, als sie zum ersten Male ihre Füße auf noch nicht erforschten Boden setzten! – Vor Monaten schon hat wtd eine Expedition ausgerüstet und auf die Suche nach neuen kriminalliterarischen Kontinenten und Subgenres geschickt. Jetzt ist die Mannschaft, entkräftet aber glücklich, zurückgekehrt und präsentiert stolz die Frucht ihres unermüdlichen Forschens in einer rauen und lebensfeindlichen Umwelt: den Mimikrymi!

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Keine Zeit

Endspurt Krimijahrbuch. Natürlich wieder mit Karacho übers Seitenlimit. Alles schnell, schnell, aber sehr präzise. Bloß keine Fehler machen. Irgend etwas muss raus. Was? Keine Ahnung. Das und das fehlt noch. Kommt bis Sonntag? Weiß kein Mensch. Kürzen. Haben wir doch schon. Mehr kürzen? Ach Gott, ach Gott… Heute und morgen mit Noller den Jahresrückblick machen. Einfach losschreiben, wird schon werden, wird doch immer. Vorwort? Ich? Also dann… Hoffentlich bringen wir nichts durcheinander. Erstversion, korrigierte Versionen, Endversionen. Horror. Zwischendurch für den Großen Sklaventreiber rezensieren. Alte Krimis Korrektur lesen. Bloggen. Bloggen? Nö. Heute nicht. Also.

Carus & The True Believers – Three Boxes

Nee, mit den texanischen True Believers (kurzlebige Band von Alejandro Escovedo) hat die Truppe um Carus Thompson fast nur den Namen gemein. Der australische Singer/Songwriter lässt sich gleichwohl in die Sparte „melodiöser Roots-Rock“ verorten, der durchaus auch aus Austin/Texas stammen könnte.

Auch auf seinem zweiten Studioalbum liefert er wieder eine bunte Palette von feinen Songs und Balladen ab, die sich bald in den Gehörhängen festsetzen, ohne dass man ihrer schnell überdrüssig wird.

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Langer Anlauf

Wenn unsereiner die 150-Seiten-Marke glücklich überschritten hat, weiß er: Es ist an der Zeit, den Sack zuzumachen. Andere machen ihn da erst auf. Val McDermid beispielsweise, dessen neuestes Opus „Schleichendes Gift“ mir gerade beim Einschlafen hilft. Na schön: Wer an die 540 Seiten zu füllen hat, muss es langsam angehen. Soll auch keine Verdammung der dickleibigen Bücher sein, aber überlegenswert ist es doch, wie sich hier zwei Auffassungen gegenüberstehen: Opulenz versus Askese.

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Ein Verbrechergenie

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Ein Buchhändler, der nebenbei auch Krimis schreibt, kommt in der Liste der Abscheulichkeiten gleich nach dem Serienkiller, der jeden Freitag zum Blutspenden geht. Bei Ernst Moser, dem krimischreibenden Buchhändler aus Königsberg (Kaliningrad), wollen wir aber gnädig sein. Der Fall ist nämlich längst verjährt. In der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ kann man nun Mosers „Ein Verbrechergenie“ von 1908 aus dem Regal ziehen. Und lesen. Klar.

Winterkrimisamstag

Messieurs, wir erheben uns… Michael Crichton ist gestorben. Schon ein paar Tage her, aber gutes Nachrufen braucht seine Zeit. Lesen wir also, was Chefkriminalist Wörtche über →Crichton zu sagen hat. Na so ein Zufall. →„Schneemann“ heißt der neue Krimi von Jo Nesbø. Judith Hammer hält ihn für einen… genau. Und der Detektiv heißt Harry Hole und säuft wie ein solches. Merklich gelangweilter dagegen ist Miss Krimijahrbuch Beate Mainka von José Maria Guelbenzus →„Stört den Mörder nicht“. Na, da wollen wir nicht weiter stören. Sondern wenden uns dem obligatorischen →Krimigedicht zu, diesmal simultan zusammengereimt von Hans Arp und Walter Serner: „Der serbische Olymp oder der schlecht ermordete Detektiv“. Pfusch allenthalben.

Julian Barnes: Arthur & George

Einmal in seinem Leben hat Arthur Conan Doyle selbst Sherlock Holmes gespielt. Der Anwalt George Edalji, Sohn eines aus Indien stammenden, in der englischen Provinz für das Seelenheil verantwortlichen Pfarrers, war wegen Tierquälerei und anderer Delikte (u.a. soll er Drohbriefe an sich selbst geschrieben haben) zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden. Wirkliche Beweise gab es nicht, dafür eine Menge Manipulation, Dummheit und Rassismus. Ein Skandal also, und Arthur macht sich daran, George Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

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Pieke wird ausfallend

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„Nutte! Hitler-Sau! Kartoffelkopf!“ Nanu, was ist denn das für eine Begrüßung? Ach so: Es ist bloß der Titel von Pieke Biermanns neuer Kriminalreportage, die am Freitag, 21. November 2008 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27 Uhr zu hören und am Sonnabend, 22. November 2008 in DER TAGESSPIEGEL zu lesen sein wird. Oder, per Klick aufs Radio, von der Quelle abzurufen. Die Zeiten werden rauer und die Umgangsformen auch.

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Bastard!

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Nanu? Seit wann beliefert mich denn der Bastei Verlag mit seinen Heftchen? — Ach so: Das heißt „Bastard“. Namensirritationen sind wohl erwünscht. Auch sonst: Ganz wie Jerry Cotton und Co. Bis auf den Inhalt. Über den schreibt Herausgeber Franz Dobler: „Also ein Bastard von einem Pulp Magazin, oder ein Bastard von einem Literaturmagazin, in jeder Hinsicht das Gegenteil von glanzvoll aufgemachtem, teuren Quatsch.“

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