Gisa Klönne: Nacht ohne Schatten

Gewalt gegen Frauen. Zwangsprostitution. Benachteiligung im Beruf. Das klingt alles stark nach „Frauenthemen“, klingt aber nur so. Die Gewalt wird von Männern ausgeübt, die sexuellen Dienstleistungen werden von Männern gekauft, benachteiligt wird zu Gunsten von Männern. Es sind also allgemein wichtige Themen und ihr Platz in einer Kriminalliteratur, die auch Realitäten reflektiert, ist ein legitimer. Theoretisch. Praktisch jedoch hat Gisa Klönne in „Nacht ohne Schatten“ weder Realitäten reflektiert noch einen passablen Kriminalroman geschrieben. Das Ergebnis ist, hier wie dort, verheerend.

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Pieke zervt gewaltig

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In ihrer beliebten Reihe „Menschen – Orte – Kriminalität“ präsentiert Pieke Biermann am 25. April 2008 um 10:27 und 13:27 Uhr einen Menschen und eine geheimnisvolle Organistation:Heinz Jankowiak und die ZERV. Wer ZERV-mäßig endlich mitreden möchte, schalte also, wie alle vier Wochen freitags, RBBinfoRADIO 93,1 ein. Oder überprüfe, ob unter unserem formschönen Logo vielleicht wieder ein kleiner Link verborgen ist.

Die Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität war ein Kind der Wende und wurde knapp zehn Jahre alt. Mehr war nicht beabsichtigt. Das meiste, was sie zu ermitteln hatte, war nach dieser Zeit – auch nach zweimaliger Verlängerung – verjährt. Was nicht verjährt, zum Beispiel Mord, wird seitdem von den passenden Fachdienststellen des Landeskriminalamts weiterbearbeitet.

Den einen – Opfern des DDR-Unrechts – erschien die ZERV als zahnloser Tiger, die anderen – Tätern, Profiteuren, Ideologen – beschimpften sie als Vollstreckerin von Siegerjustiz. Der damalige Bundeskanzler Kohl erklärte sie zur “großen nationalen Aufgabe”, sein Innenminister Schäuble mochte dennoch nicht das Bundeskriminalamt damit betrauen. So kam die ZERV nach Berlin – nach dem Tatortprinzip: Die DDR war “von Berlin aus zentralistisch gelenkt” worden.

Ab 1991 wurde sie aufgebaut mit gut 300 Beamten aus der ganzen Republik verteilt über die ganze Stadt. 1994 endlich fand sich ein Ort, an dem alle zusammen Platz hatten, bis die ZERV schließlich Ende 2000 abgewickelt werden konnte: H2 lang und H2 rund – zwei Trakte des legendären Flughafens Tempelhof, der derzeit gerade mal wieder abgewickelt werden soll.

Heinz Jankowiak, Jahrgang 1948, hatte in jungen Jahren mehr Zeit mit Musik (ua. als Pianist beim “Reichskabarett”) als mit Jura verbracht und wurde Kriminalpolizist. Heute ist er Chef des LKA 1 (Delikte am Menschen) und stellvertretender LKA-Leiter. 1995 hatte er das eine der beiden ZERV-Referate übernommen, 1998 wurde er ZERV-Chef und damit bald ihr Abwickler.

Ein Gang durch ein Gebäude mit vielen historischen Schichten.

Paramount Styles: Failure American Style

Girls Against Boys (GVSB), der eine oder andere wird diese fantastische New Yorker Noise Rock-Band noch kennen, gibt es tatsächlich noch. Sie hatte gerade noch einige Konzerte in Europa gegeben (u.a. in Spanien und Griechenland). Das letzte Studioalbum stammt allerdings aus dem Jahr 2002. Ihr Frontmann Scott McCloud hat gerade das Debütalbum seines neuen Projekts Paramount Styles veröffentlicht.

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Volksbloggen -26-

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Kommentiert. Ihr könnt es doch. Und gehört nicht zur Gruppe „Einzeller entdecken das Internet“, die etwa jüngst Thea Dorn als „Mädchen“ und „Medienhure“in Kommentaren zu einem Artikel von →Welt Online beschimpfte (anderes wurde inzwischen gelöscht). Da wären wir auch schon beim Thema. Lesen Frauen Krimis anders als Männer? Schreiben sie gar anders? Ich bin ja grundsätzlich kein Freund einer solchen Geschlechtertrennung; doch gerade im Falle Dorn und auch – dazu morgen mehr – bei Gisa Klönnes „Nacht ohne Schatten“ hat man den Eindruck, sie könnte doch existieren. Eure Ansichten dazu – und zu was ihr sonst noch immer wollt – sind sehr gefragt.

Derek Nikitas: Pyres

„Coming of Age“ bezeichnet im englischsprachigen Raum Entwicklungsromane, in denen das Erwachsenwerden eines Menschen dargestellt wird. „Pyres“ erzählt die Geschichte von Lucia Moberg, geboren am 13.12., dem Tag der heiligen Lucia und nach dieser benannt. Sie ist die Tochter von Oscar, seines Zeichens Professor für englische Sprache am regionalen College, und ein mehr oder wenig gewöhnliches 15 jähriges Mädchen mit den üblichen Interessen, Sorgen, Problemen. Dann wird vor ihren Augen ihr Vater erschossen und später verliert ihre Mutter die Kontrolle über sich. Das Buch beschreibt, wie Lucia versucht, die Ordnung in ihrem Leben zu wahren und zu verstehen, was eigentlich nicht zu verstehen ist.

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Letzte Hand

Seine eigenen Ergüsse wieder und wieder lesen zu müssen, schlimmer noch: aufmerksam lesen zu müssen, Wort für Wort, das ist das Schlimmste, was man einem Autor antun kann. Aber es muss sein. Du kannst das Zeug 10x lesen, einen Fehler findest du immer noch, wahrscheinlich sogar zwei oder drei oder fünfundachtzig. Na, ganz so schlimm ist der letzte Durchgang der „Menschenfreunde“-Korrektur denn doch nicht geraten.

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Ian McLagan: Never Say Never

Ian McLagan & The Bump Band – Never Say Never (2008, CDr) - Discogs

Wer will es der in Texas lebenden Londoner Keyboarder-Legende verdenken, dass ihr neues Album nicht nur in puncto lyrics eher melancholisch, ja fast traurig ausfällt. Ian „Mac“ McLagan hatte sich verständlicherweise im vergangenen Jahr auch etwas aus der Musikszene zurückgezogen. Es galt den schmerzlichen Verlust seiner Frau Kim zu verarbeiten, die Anfang August 2006 bei einem Autounfall im Travis County ums Leben gekommen war.

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Glauser 2008

Herzlichen Glückwunsch an Lilian Faschinger (Roman), Bernhard Jaumann (Kurzgeschichte), Boris Koch (Jugendroman) und Sabine Deitmer (Ehrenglauser): Sie alle haben einen Glauser gewonnen und werden es verschmerzen können, dass ich die damit ausgezeichneten Texte nicht gelesen habe. →Gelesen habe ich aber Rainer Gross‘ „Grafeneck“, als bester Debütroman ebenfalls mit einem Preis bedacht. Und das freut mich wirklich. Für den Autor ebenso wie für den Verleger Günther Butkus und seinen wackeren Pendragon Verlag. Die Begründungen der Jury kann man →hier einsehen.

Schlechte Affen

Über Matt Ruffs „Bad Monkeys“ ist hier ja schon das eine und andere gesagt worden. Jetzt findet man beim →Titel-Magazin die Vollkritik. Denkwürdiges Buch. Und meine vierte von insgesamt 99 Rezensionen, die ich einem der geschätzt 197 Krimipäpste hierzulande als Fronarbeit liefern muss. Immer Samstags, wenn bei Titels drüben Krimitag ist.

Totale Trottel

Die Stones hatten uns als Support eine ganze Tour angeboten, und ich bin froh, dass wir die Offerte ausgeschlagen hatten. Uns gegenüber waren die vier Jungs zwar cool, aber deren Fans sind totale Trottel. Die haben vermutlich gar nicht bemerkt, dass es nach ihren Helden noch andere Musik gegeben hat. Die sind halt nicht musikbesessen. Die leiden an einer Stones-Obsession.

Luke Pritchard, Frontmann der Kooks, in einem Interview der Welt: → Warum The Kooks Robbie Williams nicht mögen

Thea Dorn: Mädchenmörder

(Unser Azubi Jochen mag die Frauen. Aber mögen die Frauen unseren Azubi Jochen? Wir hegen starke Zweifel. Frau Thea Dorn jedenfalls wird unser liebestrunkener Lehrling endgültig von der Liste der begehrenswerten Objekte für seine grenzenlose Libido streichen müssen. Aber vielleicht betört sein Totalverriss eine unserer Leserinnen? – Wir helfen gerne mit der Telefonnummer unseres notleidenden Jünglings aus!)

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Lee Child: Sniper

Wer sich mit einem Jack-Reacher-Roman auf die Couch fläzt, tut gut daran, alles zu vergessen, was man ihm / ihr bisher über die Qualitätsstandards von Kriminalliteratur der gehobenen Preisklasse erzählt hat. Psychologische Tiefe bei Handlungsführung und Figurenzeichnung etwa, das Ganze schön nah an der Realität, diese mit feinen literarischen Gerätschaften sezierend – all das findet man in den Romanen Lee Childs offenkundig nicht.

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Weltpremiere: Cover total

Exklusiv für wtd-LeserInnen, das Cover von „Menschenfreunde“ komplett von hinten nach vorne:

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Wie unschwer zu erkennen, prangt links oben das Porträt des Autors, darunter die wichtigsten Stationen seines an Abenteuern reichen Lebens (Klappe hinten). Auf der Rückseite lesen wir einen kernigen Ausschnitt aus dem Roman: Eine Frau wird beleidigt und rächt sich, indem sie einen Mann aufs Bett stößt.

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Ken Bruen: Priest

„Priest“ ist vermutlich das bisher beste Buch der Jack Taylor Serie von Ken Bruen. Nicht nur, dass Taylors Geschichte, die immer auch als Leinwand dient, auf der sich die einzelnen Episoden abspielen, nahtlos ans Vorgängerbuch anschließt und dessen Geschichte logisch fortentwickelt, sondern die Geschichte, die Priest erzählt, ist, wenn auch nicht besonders komplex, so doch vom Detektivischen her stimmig.
Schon der Anfang des Buches enthält im Kern all das, was an Themen wieder vorkommen wird und ist darüber hinaus berührend, witzig und flott, wie es nur wenige erste Szenen sind. Taylor hat es nach den Erlebnisssen des letzten Bandes erwischt: Fünf Monate lang verbringt er in der Irrenanstalt und lebt in einem Stupor, aufrechterhalten im Zweifel auch durch Psychopharmaka, ohne Kontakt und Erinnerung, bis dann einem Mitinsassen die passende Ansprache gelingt.

Die innere Leere und Zerstörung Taylors ist immens. Müde und ausgebrannt kommt er aus der Anstalt nach Hause und gerät schneller wieder unter Druck, als ihm gut tun kann. Ridge, die ihn abholt, Tochter eines alten (natürlich verstorbenen) Freundes und selber bei der Polizei, entdeckt einen Stalker, der sie verfolgt und bittet Taylor um Hilfe. Gleichzeitig bittet ihn Malachy, gehasster Priester und ehemaliger Vertrauter von Taylors verstorbener und gehasster Mutter, den Tod eines dekapitierten Priester zu untersuchen. Und dann ist da noch ein alter Freund, der abgestürzte und verschwand, nachdem seine kleine Tochter verstorben war.

Bei all dem wechselt Taylors Gemüts- wie Geisteszustand häufig. Momente von Klarheit und fast Heiterkeit wechseln mit rabenschwarzen Empfindungen, bei denen Taylor der nächsten Kneipe schnurstracks zusteuert und man als Leser die Guinness oder sonst welche Reklame für Alkoholika verdammt, weil sie Taylor auf die Idee bringen, die Alkoholabstinenz zu beenden. Lichtblick seines Lebens ist Cody, ein junger Mann, der sich an ihn ‚ran schmeißt, mit ihm eine gemeinsame Detektei aufziehen möchte und für den Taylor fast väterliche Gefühle hegt.

Das Leben, eine Achterbahn also; die Aufgaben lösbar, sind sie doch Folgen emotionaler Zustände, die Taylor nur zu vertraut sind. Das Ganze bruchlos miteinander verknüpft und erzählt, so poetisch und witzig, dass man weinen möchte. Wie immer bei Bruen verankert in der Popkultur und klug beobachtet. Darüberhinaus beschäftigt Bruen, Taylor und den Leser der Einbruch der US-amerikanischen Kultur in den irischen Sprach- und Gesellschaftraum. Kaum eine Seite vergeht, auf der Taylor nicht von einem Beispiel des Bedürfnisses der Iren berichten kann, sich in der amerikanischen Kultur zu verlieren.

Wenn man denn möchte, könnte man aber auch feststellen, dass „Priest“ ein Buch über den Fluch der bösen Taten ist. Nichts, so zeigt es, währt länger als das Gedächtnis einer Verletzung.

Ken Bruen: Priest. 
St. Martin Minotaur 2008. 304 Seiten. 9,99 €
(noch keine deutsche Übersetzung)