The Alligator’s English Edition

Nu gut. Wenn in Deutschland tote Hose ist, was Kriminachrichten anbelangt, dann reisen wir ins englischsprachige Ausland, wo es immer wieder Interessantes zu vermelden gibt. Über „Knockemstiff“ etwa. Nicht nur „a hamlet of a few hundred people about 10 miles from Chillicothe that had gravel roads, rundown housing, a few general stores and a rough-and-tumble reputation“, sondern auch Titel einer „collection of dark stories set in rural southern Ohio. While it’s fiction, the book is getting national acclaim for its imagery and sense of realism.“ Verfasst vom gebürtigen Knockemstiffer Donald Ray Pollock. Mehr gibts →hier.

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Pieke macht Muskeln

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Als geistige Nahrungsergänzungsmittel werden die Kriminalreportagen der Pieke Biermann von jeder Dopingagentur bedenkenlos durchgewunken. Anders bei Anabolika und Co. Hier hat sich die Kriminalität längst organisiert und der Zoll desgleichen. Fitnesswahn eben, Muckis „um jeden Preis“. Hören Sie unbedingt die neueste Reportage der von Natur aus bärenstarken Pieke, am Freitag, 9. Mai 2008 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27Uhr (Wiederholungen Wiederholungen Sonntag 13:45 und 18:45 und Montagnacht 04:45 Uhr) oder lesen Sie es am Sonnabend, 10. Mai 2008 in DER TAGESSPIEGEL. Oder hören / lesen Sie per Mausklick. Aufs Radio, klar.

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Alligatoren ausgeflogen

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So, so. Die schlamperten Alligatoren, die gestern Horst Eckert zu einem Verfasser alter Krimis gemacht haben (1868 geboren), haben die Kurve gekratzt, sind nach Italien ausgebüchst und werden erst nach dem 26. Mai zurückerwartet. Und wer soll die ganze Arbeit machen? WIR, die Blogs! Schön. Wer Erwähnenswertes zum Genre mitzuteilen hat, der tue dies →hier. Wir werden uns, so Material vorhanden ist, dann Nachmittags an die Zusammenstellung machen und sie dem harrenden Krimivolk formschön präsentieren. Hoffentlich ohne größere Fehler, denn was wir in Italien zu suchen hätten, wissen wir nicht.

Thomas Raab: Der Metzger sieht rot

Dass der Metzger, weil er hat nachsitzen müssen, jetzt rot sieht, das verdankt er seinem Schöpfer Thomas Raab, der diesen Restaurator und Eremiten aus Gewohnheit in einem der schönsten Debüts des Vorjahres in die Welt gebracht hat. Nicht ohne Folgen. Für den Autor gabs eine Glauser-Nominierung, für Willibald Adrian Metzger die dralle Danjela und für das lesende Publikum ein neues Abenteuer.

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Volksbloggen -28-

Um das heutige Volksbloggen ein wenig voranzutreiben, stellen wir eine grundsätzliche Frage: Warum lest ihr eigentlich Krimis – und welche? Seid ihr zu blöd für richtige Literatur? Oder clever genug, nicht zwischen richtiger und falscher Literatur zu unterscheiden? Wollt ihr einfach nur Spaß, Entspannung, Nervenkitzel? Oder erzählt euch ein Krimi mehr über die gesellschaftliche Wirklichkeit? Welche Art von Krimi mögt ihr rein gar nicht? Wie müsste euer idealer Krimi aussehen? – Okay, das war jetzt mehr als EINE Frage. Ich will hier auch mehr als eine Antwort lesen…

Peter Robinson: Piece of my Heart

Es scheint so, als wenn Peter Robinson stillste Gebete erhört hätte. Rätselkrimis der gehobenen Qualitätskategorie sind mittlerweile ziemlich selten geworden. Thriller, psychologisch inspirierte Krimis und literarisch dominierte Bücher haben sich ziemlich breit gemacht auf dem Feld des Krimis. Nicht, dass es bei diesen Defizite bezüglich Qualität und Unterhaltung gäbe, aber ab und an dürfte es dennoch ein stimmiger und überzeugender rätselbetonter Krimi sein.

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Die glorreichen Sieben

Wünsche der Leserschaft haben bei wtd Priorität. Zumal dann, wenn sie aus bezauberndem Munde geäußert stammen. Wohlan: Ab sofort findet man in der rechten Kolumne der wtd-Abteilung des Hinternet-Weblogs DIE GLORREICHEN SIEBEN, des Rezensenten Jahresfavoriten, die er hemmungs- und vorbehaltlos empfiehlt. – Natürlich auch auf die Gefahr hin, damit einige Verführte stinkig zu langweilen. Die Reihenfolge der Titel ist willkürlich und keine Rangfolge. Sie wird, so sich ein Titel qualifiziert, um diesen bereichert, wofür dann ein anderer ins Gras beißen muss. That’s life.

Freitagsbelohnung kommt

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Weil ja die Donnerstagsrezension wg. Doppelfeiertag erst Freitag kommen sollte, aber wg. Leserprotesten dann doch Donnerstag gekommen ist, kommt heute gar nichts, das heißt es kommt doch was, die Aufforderung nämlich, dafür heute am Freitag mal wieder in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ zu schmökern, was sich immer lohnt, auch wenn nichts Neues gekommen ist, aber gestern Mittag ist die A.K. Green mit „Eine rätselhafte Entführung“ reingekommen und die war mal eine große Nummer auf dem deutschen Krimimarkt, ist aber schon lange her, aber lesen sollte man das doch, weil von nichts kommt nichts. Und was am Montag kommt, weiß ich noch gar nicht.

Amir Valle: Freistatt der Schatten

„Eine Menge Scheiße“: So beginnt Amir Valles „Freistatt der Schatten“, vierter Teil und vorläufiger Höhepunkt seiner Havanna-Krimis. Und es trifft zu: Valles Kuba stinkt; nach Blut und Verwesung, nach Hoffnungs- und Skrupellosigkeit, nach Gier, nach Tod. Und doch ist es Amir Valles Kuba, auch wenn der Autor, dem man nach einem Auslandsaufenthalt die Rückkehr in seine Heimat verweigert, schon seit Jahren in Berlin lebt. Es ist auch Leonardo Paduras Kuba – dies nur, weil der Name natürlich fallen muss, wenn man von kubanischer Kriminalliteratur spricht -, und der mag die Scheiße anders beschreiben, aber so poetisch kann gar nichts sein, dass es den Gestank überlagern könnte.

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Volksbloggen -27-

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Eigentlich sollte ja Schluss sein mit dem Volksbloggen. Aber gleich nach der Drohung erreichten mich massenhaft LeserInnen-Mails: „Gib uns noch ne Chance, dpr! Wir versprechen, uns zu bessern! Wir werden kommentieren wie die wildgewordenen Schimpansen! Demokratie jetzt! WIR sind das Bloggervolk!“ u.ä. Also gut. Eine letzte Chance. Ich will hier wenigstens 100 Kommentare von wenigstens 90 verschiedenen LeserInnen sehen. Zu irgendwas. Sagt einfach mal Hallo, wenn euch sonst nichts einfällt. Oder sagt mir mal, ob ihr noch diesen Radio-Tatort hört. Über den man ja nach dem ganzen Rauschen im Vorfeld so rein gar nichts mehr hört… Oder was mich ganz arg interessiert: Wie ist das eigentlich mit Krimis außerhalb der Schriftform? Also Krimi im Film, im Radio, als Comic / Graphic Novel? Tangiert euch das überhaupt? Oder Krimi und Sci Fi gemixt oder Krimi und Western oder…

Katie Estill: Dahlia’s Gone

Das Buch ist gewissermaßen Pflichtlektüre für alle diejenigen, die zu den üblichen sinnlosen Versuchen zu Abgrenzung von Büchern ein Beispiel suchen. Geschrieben von einer Frau, mit drei Frauen im Mittelpunkt, zudem Frauenthemen im Bibelgürtel bei den Rednecks, Genderliteratur also? Der grausige Mord an einer jungen Frau, sexuell aufgeladen, fast schon ritualisiert wirkend, die Frauen drumrum voller Angst und Sorge zurücklassend, Suspense also?

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Joe Ely & Joel Guzman: Live Cactus!

Der „Grand Seigneur“ des Texas-Rock ist produktiv wie nie, haut momentan praktisch eine CD nach der anderen heraus, wobei er natürlich auch auf umfangreiche Archivbestände zurückgreifen kann.
Dass Ely besonders live zur Hochform auflaufen kann, belegt auch das in jüngerer Zeit (genauere Angaben fehlen) im „Cactus Cafe“ von Austin mitgeschnittene Konzert. Quasi auf Augenhöhe mit dabei ist sein langjähriger Sideman (Los Super Seven) Joel Guzman am Akkordeon.

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Foals: Antidotes

Auch wenn es in den letzten Wochen etwas leise um das Dance-Rock-Genre geworden ist, das uns im letzten Jahr noch die genialen Klaxons beschert hatte, tot ist der Dance-Rock noch nicht. Der neueste Beweis: das Quintett Foals aus Oxford. Sie gehören zu der Progressiv-Fraktion der Dance-Rocker. Mit Bläsern, abenteuerlichen Breaks, Samples und dem obligatorischen Händeklatschen haben sie ihre quirligen Songs versetzt, um jeden Anflug von Langeweile gleich im Keim zu ersticken.

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Krimiwelt-Bestenliste Mai 2008

Im April scheint die Kriminalliteratur nicht revolutioniert worden zu sein. Jedenfalls vermeldet →die neue Bestenliste nichts dergleichen. Noch immer regiert Robert Littell, vom Aufsteiger des Monats, Lee Childs „Sniper“ (von 7 auf 2) hart bedrängt. Auch Platz 3 – Linus Reichlins „Sehnsucht der Atome“ – muss sich eines Ehrgeizlings erwehren – Lawrence Blocks „Verluste“ (von 8 auf 4). Neulinge? Immerhin drei. Marek Krajewskis „Festung Breslau“, Matt Beynon Rees mit seinem „Verräter von Bethlehem“ und Stuart MacBrides „Der erste Tropfen Blut“.

Blood Red Shoes: Box Of Secrets

Gott sei Dank haben Blood Red Shoes für uns ihre Schatzkiste geöffnet und uns in ihr stöbern lassen. Diese birgt nämlich viele Überraschungen in Form wunderschöner, nur auf den ersten Blick sperriger Lieder. Wegen ihrer Konstellation (eine Frau und ein Mann) stehen Blood Red Shoes in einer Reihe mit The White Stripes und The Kills. Musikalisch verbindet sie auf jeden Fall auch die Vorliebe für karg instrumentierte Rock-Songs.

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Im Reich der Mitte

Via →Krimiblog.de erreichte uns am Mittwoch ein kleiner Vorgeschmack auf die Apokalypse. „Die Buchkultur“, diagnostizierte Grafit-Verleger Dr. Rutger Booß zum „Tag des Buches“ in der Westfalenpost, „wird bedroht von der unglaublichen Vielzahl überflüssiger Bücher, die sich gut verkaufen.“ Ei, wie das denn? Bisher sind wir davon ausgegangen, es sei gerade der aus solchen Büchern gezogene Profit, der es Verlagen erlaube, auch weniger Gängiges im Programm zu halten. Gleichwohl leuchtet des Verlegers Lamento auf den ersten Blick ein: Gäbe es weniger überflüssige Bücher, die sich gut verkaufen, gäbe es vielleicht mehr in ihrer Existenz legitimere Bücher, die der freundlichen Büchhändlerin aus den Händen gerissen werden. Vielleicht, na ja. Eher nicht, sagt mir mein hoffentlich noch halbwegs gesunder Menschenverstand, es sei denn, es gelänge uns, Charlotte-Link-Leser zu Fred-Vargas-Lesern und Stieg-Larsson-Besoffene zu James-Sallis-Afficionados umzuschulen. Haare kann man inzwischen einpflanzen; Gehirnzellen meines Wissens noch nicht. Also vergessen wir das schnell wieder.

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