„Um Kriminalromane zu schreiben, braucht man Weltkenntnis“, schreibt Tobias Gohlis in seiner →Ritzel-Rezension. Das versteh ich ja doch. Aber dann setzt er als Konsequenz hinzu: „deshalb geben erstaunlich viele Krimiautoren „Journalist“ als Erstberuf an“. Und jetzt bin ich baff. Heißt das, als Journalist verfüge man per se über „Weltkenntnis“? Kann doch wohl nicht gemeint sein, oder? Ich frag ja nur.
Mechtild Borrmann: Morgen ist der Tag nach gestern
Man vermisst sie manchmal, die solide gearbeiteten Kriminalromane, denen nicht jedes vertraute Muster gleich zum Versatzstück gerät. Mechtild Borrmanns zweiter Krimi „Morgen ist der Tag nach gestern“ besticht durch die Disziplin, mit der eine Geschichte dramaturgisch und sprachlich nach bekannten Regeln erzählt wird – und genau dadurch angenehm überrascht.
WeiterlesenMiyoshi Umeki
Die japanische Schauspielerin, die 1957 als erste Asiatin einen Oscar erhielt (für ihre Rolle in „Sayonara“), stirbt 78jährig in Licking, Missouri.
Chuck Ragan: Feast Or Famine
Chuck Ragan ist ein Arbeiter. Im echten Leben als Zimmermann, in der Musikwelt als Malocher für Malocher. Im musikalischen Dreieck aus Punk, Country und Singer/Songwriter ist „Feast Or Famine“ so erdig und ehrlich geraten, dass man es kaum fassen kann.
WeiterlesenLesenotiz Derek Raymond: Er starb mit offenen Augen
Mit der Ermordung des gescheiterten Schriftstellers Charles Staniland steigt der namenlose Detective Sergeant aus den Albträumen des Autors in das literarische London der achtziger Jahre. Er arbeitet in der Abteilung für unaufgeklärte Todesfälle, A 4, die sich in einem „Factory“ genannten Polizeigebäude befindet, „die mit Abstand unbeliebteste und unbequemste Truppe“.
WeiterlesenHilly Kristal
Der ex-Besitzer des legendären New Yorker Musikclubs CBGB stirbt 75jährig.
Dashboard Confessional: Dusk And Summer
Wer den Vielspürer Chris Carrabba mag, lässt ihm eine Menge durchgehen, kann aber auch verstehen, warum manche Menschen eine Gänsehaut der anderen Art bekommen. Trotzdem: Wer einmal von dem großen Dashboard Confessional-Gefühlskino mitgerissen wurde erträgt dann still leidend Titelsongs für Pro Sieben Serien oder — jetzt neu — Bonustrack-Duette mit deutschen Sternchen.
WeiterlesenAlan Furst: The Foreign Correspondent
Mit „The Foreign Correspondent“ schreibt Alan Furst seine Darstellung der Geschichte des 2. Weltkriegs fort. Wieder einmal stehen die kleinen, scheinbar unbedeutenden Figuren der Zeitgeschichte im Mittelpunkt seiner Darstellung. Eine Gruppe von italienischen Immigranten in Paris ist es diesmal. Mitten unter ihnen Carlo Weisz, Korrespondent vom Nachrichtendienst Reuter und Herausgeber der geheimen Zeitung der Gruppe, welche regelmäßig auf gefährlichen und verschlungenen Wegen nach Italien geschmuggelt wird.
WeiterlesenWilly Astor: The Sound Of Islands Vol. IV
Willy Astors Vision der Inselklänge ist inzwischen zu einem echten Bandprojekt angewachsen. Waren die ersten beiden Teile mehr oder minder reinrassige Gitarren-Alben, vollzieht der jetzt erschienene vierte Teil den Schritt zum fast gleichberechtigten Quartettklang. Speziell Pianist und Arrangeur Martin Kälberer bekommt viel Raum, so dass bei manchen Songs eher die Tasten als die Saiten dominieren.
WeiterlesenKapitel XV

Was bisher geschah: Wickius sitzt voll in der Scheiße! Nämlich in einem Kerker! Wo? Auf IDIOT, der künstlichen Südseeinsel! Was passiert dort? Sämtliche deutsche KrimiAutorInnen befinden sich auf IDIOT, um eine Weiterbildungsmaßnahme zu absolvieren! Sagt der komische Alte! Aber er lügt! Und Wickius deliriert said Stunden! Wow! Spannend! Klar, dass diese Folge mit einem sauguten Cliffhanger endet!
WeiterlesenHans-Jörg Felmy
Der deutscher Schauspieler („Haie und kleine Fische“, „Wir Wunderkinder“, „Buddenbrocks“), der 21 Tatort-Folgen lang den Kommissar Haferkamp gab, stirbt 76jährig in Eching.
Argumente
„Passma auf, Axel“, sag ich, „das Dumme ist: Ich weiß, wo du wohnst. Noch dümmer: Ich neige von Natur aus zu körperlicher und seelischer Gewalt. Am allerdümmsten: Ich müsste nicht einmal selbst nach Berlin kommen, ich kenn dort ein paar ziemlich harte Jungs, die mir noch einen Gefallen schuldig sind. Also?“ – Und sieh an: Heute endlich hat Kollege Bussmer seine →Besprechung des formidablen Paprotta-Porträts „Die Zeichen der Vier“ auf dem Blog. Danke, Axel!
Darf man? Darf man nicht?
Unsere verfeinerte Zivilisation hat einige begrüßenswerte Errungenschaften gezeitigt. Dass in Gesellschaft weder gerülpset noch gefurzet werden sollte, zum Beispiel. Selbst die deutsche Krimikultur, mag sie als solche auch selten erkennbar sein, hat ihre Höflichkeitsregeln. Die erste und wichtigste: Beschmutze, oh Schaffende/r, niemals dein eigenes Nest! Hm. Aber genau das ist mein Problem.
Denn spätestens ab Juli 2008 werde ich wohl alle Bedingungen erfüllen, um einen Mitgliedsantrag beim SYNDIKAT, der Vereinigung deutschsprachiger KrimiautorInnen, stellen zu können. Rein theoretisch jedenfalls. Das sind dann also alles meine Kolleginnen und Kollegen, wir sitzen im gemeinsamen Nest und bemühen uns, nicht mit Dreck aufeinander zu werfen. Genau das tue ich aber seit geraumer Zeit – nicht mit Dreck werfen, aber doch die eine, den anderen meiner zukünftigen Mitschaffenden rezensionsmäßig am Näschen fassen, sozusagen. Und das darf ich dann nicht mehr?
Ich bin ratlos. Nein, besser: zerrissen. In Zukunft keine Krimirezensionen mehr? Oder nur noch positive (das darf man nämlich merkwürdigerweise immer!)? Wer kann mir bei dieser Entscheidungsfindung helfen? Niemand? Doch! Eine! Anne!
An Frau Chaplet scheiden sich die Geister. Nicht nur, was ihre literarische Produktion betrifft, aber das gehört eh zum Berufsbild, dass dich die einen lieben und die anderen nicht ausstehen können. Nein, was man Anne Chaplet vor allem verübelt, ist ihre Frechheit, auch vor KollegInnenschelte nicht zurückzuschrecken.
Nehmen wir den →Tagebucheintrag vom 21. August 2007. Es beginnt mit einem geschickten Verweis auf Chaplets Tätigkeit als FOCUS-Krimikritikerin. Wir erinnern uns: Im Focus kritisieren KollegInnen (außer Chaplet noch Henrike Heiland, Manuela Martini, Ralf Kramp, Harry Luck und Horst Eckert) KollegInnen, und zwar straight to the rules, also ausschließlich lobeshymnend. In ihrem Tagebuch weicht Anne davon ab und verflucht ihre Tätigkeit, „für die man manchmal auch Kriminalromane eines Blickes würdigen muß, die man lieber nicht zuende liest. Da wird oft derart ins Klischee gegriffen, daß man Margit Schreiner versteht, wenn sie sich vom Gedanken verabschiedet hat, es auch einmal mit einem Krimi zu versuchen.“ (Der Frau Schreiner möchte man ins Gebetbuch schreiben, dass nur der oder die aus dem Klischee nicht herauskommt, die bereits hüfttief drinsteckt.)
Hernach kommt sie – das Fräuleinchen Anobella wird’s freuen – auf Juli Zeh zu sprechen, die ja gerade das Genre aufmischt. „Was ist da wohl Großes zu erwarten von einer Autorin, die sich mit Nabokov vergleicht und bei der selbstredend nichts an der Oberfläche bleibt? Hoffentlich mehr als so ein unglaublich dummes Geschwätz.“
Und nach einem Klatscher für die Herren Kirchhof und Spinnen fasst die Chaplet zusammen: „Mit manchem möchte man sich eben nicht gemein machen. Nicht mit den Verhunzern des Genres, die sich bei mäßigen Autoren ebenso finden lassen wie bei den Echtliteraten, die zum zigsten Mal die Gesetze des Genres lustvoll brechen möchten. Würg.“
Wer sich so artikuliert, braucht in Deutschland um sein Image nicht zu fürchten. Eine Neiderin, ein Schandmaul, eine Wegbeißerin, doch, es gibt eine Menge Vokabular in unserer Sprache, die den Umstand geißelt, dass da eine die eigene Zunft massakriert. Tut man nicht. Kein Arzt tut das, kein Lehrer, kein Kritiker, kein Elektroanlageninstallateur. Man teilt natürlich aus, aber bitteschön immer extern. Der Arzt schimpft über den Lehrer, der Autor über den Kritiker, der Kritiker über die doofen Leser – Hauptsache, die Küken im eigenen Nest müssen keine Federn lassen.
Nun ist ja wer im Krimigewerbe zu tun hat, nicht per definitionem weltfremd und weiß also, dass einer und einem jeden die eigene Haut lieber ist als die fremde und eine negative Äußerung natürlich eine hinterhältige Waffe, mich in den Kleinkriegen des „Marktes“ zu behaupten. Nur: Als Generalverdacht taugt das nicht. Zumal ja wer wem ans Bein pinkelt auf das Zurückpinkeln vorbereitet sein muss. Ein wenig Aufmischen täte der Szene ganz gut, wobei wie so oft nicht alles so heiß gegessen wie gekocht wird. Mir gefällt ein Buch nicht, ich versuche zu erklären, warum es mir nicht gefällt – und das wars dann schon.
Was meinen nun die Leserinnen und Leser? Darf man, selber Krimiautor, die Ergüsse der Zunft überhaupt kritisieren? Und wenn ja: nur positiv, bitte? Oder, wenn schon, dann mit allen Konsequenzen, notfalls bis zum Verriss? Mir würde ohne letzteren schon etwas fehlen, obwohl ich lieber lobe (was mir jetzt kein Mensch glaubt, ich weiß). Um Antwort wird gebeten.
Josh Rouse: Country Mouse, City House
Josh Rouse ist schon ein ganz Süßer. Nicht nur, dass er uns mit dem besten Reim seit ‚Haus-Maus-Klaus‘ überrascht, nein, er stellt mit „Sweety“ auch einen Song an den Anfang, der nicht nur Diabetiker in die Knie zwingt. Der Song hat zwar alles, was die Musik von Josh Rouse so großartig macht, ist aber dermaßen karamellisiert vorgetragen, dass man sich kurzzeitig freut, dass die Platte nur neun Lieder lang ist. Nicht dass Rouse jemals fordernd oder laut gewesen wäre, aber das ist einfach zu viel.
WeiterlesenPersönlichkeitsveränderung

Seit einem Jahr halte ich mich nun schon in einer seltsamen Zwischenwelt auf. Zunächst schien ja alles noch vertraut, ich schwebte über meinem Redaktionstisch. Dann war mir, als ob ich in einem Wandschrank steckte – in Dieters Treppenhaus! Die Zeichenkräfte wollten mir schwinden… Draußen rasselte eine wahnsinnig gewordene Tastatur, dann roch es nach Grillfest, dann wieder die Tastatur.
WeiterlesenPieke und das falsche Vorbild

Beginnen wir ausnahmsweise mit einem Zitat aus →Wikipedia: „Polohemden waren von Anfang an Teil der Skinhead-Kleidung. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Shirts vom englischen Tennisprofi Fred Perry, Sohn eines Baumwollspinners und Politikers, weil er der erste Wimbledon-Sieger war, der der Arbeiterklasse entstammt.“
WeiterlesenJoe R. Lansdale: Rumble Tumble
Zwischen den Konfektionstümpeln und der literarischen Tiefsee (also etwa zwischen Karin Slaughter und Jan Costin Wagner) muss, wer die Krimiwelt umsegeln will, bisweilen eine Erfrischungsinsel ansteuern. James Cook hat es ja schließlich auch getan. Festes Land mit frischen Lebensmitteln. Joe R. Lansdale.
Lansdale ist ein Genreautor; eine Berufsbezeichnung, die hiererorts sofort nach Heftchen riecht und entsprechend gerümpfter Nase goutiert wird. Er schreibt Western, Horrorgeschichten und Krimis, manchmal weder noch, das famose „Sturmwarnung“ beispielsweise, das zwar als Krimi durchgeht, dem „Genre“ aber eine Nase dreht. Einige dieser Arbeiten sind Standalones, was angesichts der Serienmanie nicht verkaufsfördernd ist, doch Lansdale hat auch seine Serie mit den Protagonisten Leonard Pine und Hap Collins.
Um ein blondes Frauenhaar…

…geht es in Robert Fuchs-Liskas gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1937. Und wo? Natürlich in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“, Ihrem Marktführer in Sachen alte Krimis. Und wie immer konkurrenzlos günstig.
Karin Slaughter: Gottlos
(Vorbemerkung der Redaktion: Krimikritik ist eine Sache für gereifte Menschen. Mindestens 40 sollte man schon sein, erfahren in allen Dingen des Lebens, auch in den Abgründen der menschlichen Seele zu Hause. Keineswegs also ist Krimikritik eine Beschäftigung für Menschen auf dem Höhepunkt ihrer Pubertät, wenn die Hormone verrücktspielen und man – wie unser Azubi Jochen – das Fräuleinchen Anobella immer so komisch anguckt. Zum Beweis veröffentlichen wir im Folgenden eine Rezension dieses Jochen, welche sich mit der bekannten und beliebten Kriminalschriftstellerin Slaughter in einer Art und Weise auseinandersetzt, die wir natürlich vollständig ablehnen. Immerhin stand „Gottlos“ auf der KrimiWelt-Bestenliste, wurde also von den klügsten Krimiköpfen der Republik geadelt. Jochen, der in seiner Freizeit auch Death Metal – Musik rezensiert – „Nur totes Metall ist gutes Metall“ -, kümmert dies nicht. Er ist jung. Er ist verwirrt. Er ist rebellisch. Kurzum: Er ist Azubi bei wtd. Haben Sie bitte Nachsicht!)
WeiterlesenLaura Lippman: No Good Deeds
Wie in vielen US-amerikanischen Städten leben auch in Baltimore eine große Zahl armer Afroamerikaner und gibt es dort große Probleme mit Drogen- und Beschaffungskriminalität. In der Vergangenheit haben sich Laura Lippmans Bücher mit derartigen Themen wenig beschäftigt. Mit „No Good Deeds“ hat sie sich nun dieser Thematik angenommen.
Weiterlesen