Es war spät geworden.

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Nachdem Anobella noch eine Weile von einem afghanischen Imbiss aus dem Chaos in Smarfovjews Friseurladen zugeschaut hatte – Smarfovjew diskutierte das Verbrutzeln Anne Bellers mit einer Polizeistreife und musste schließlich dann in einen Streifenwagen einsteigen –, holte sie ein Fläschchen Wein und radelte zufrieden zu DPR.

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Gert Heidenreich: Im Dunkel der Zeit

Es gibt solche Sätze und solche. Die einen sind eben Sätze, die etwas mitteilen, nackt sind, so selbstverständlich wie Naturvölker nackt sind, die anderen sind Sätze, die man mit Bedeutung à la mode überzogen hat, Supermodels gewissermaßen, die über den Laufsteg der Literatur staksen und ihre Kultiviertheit vorführen. In Gert Heidenreichs „Im Dunkel der Zeit“ gibt es nicht viel von den nackten Sätzen, dafür umso mehr von denen, die den „tieferen Sinn“ spazieren tragen

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Joe Ely – Happy Songs From Rattlesnake Gulch

Nach einer solistischen Schaffenspause hat der Texas-Rock-Veteran mal wieder zugeschlagen – und führt mit dem optimistisch anmutenden Albumtitel sogleich in die Irre. Denn das Gros der Songs – neben zehn neuen Eigenkompositionen noch ein Stück von FLATLANDER-Kollege Butch Hancock („Firewater“) – ist eher ernsthaft bis melancholisch angelegt. Schon den Opener „Baby Needs A New Pair Of Shoes“ heißt es wörtlich zu nehmen: Hier geht es um die Angeschmierten und Vergessenen beim Wirbelsturm „Katrina“ (August 2005), der vor allem New Orleans verwüstete.

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Crime School – Spannungsstudien 3

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Wenn wir über die Erwartungshaltung des krimilesenden Publikums räsonnieren, darf das wichtigste Steuerungswerkzeug nicht vergessen werden: der Klappentext. Der Begriff hat sich längst von seiner ursprünglichen, nur auf gebundene Bücher bezogenen Bedeutung gelöst und meint heute auch den Text auf dem Rückumschlag von Taschenbüchern. Zusammen mit dem Cover ist er die Visitenkarte eines Krimis und normalerweise der erste Eindruck, den sich interessierte LeserInnen vom Inhalt machen können.

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Circa Survive: On Letting Go

‚Aus einem Guss‘ gehört mit Sicherheit zu den ausgelutschtesten Phrasen überhaupt, beschreibt aber „On Letting Go“ vortrefflich. Eigentlich genauso schlimm ist die Feststellung, dass Circa Survive seit ihrem Debüt „Juturna“ (2005) noch weiter gereift sind. Musikalisch bleiben sich die Amis treu und spielen weiterhin ihren kompakten Emo-Prog, der sich schnell und engmaschig wie ein Netz um des Hörers Kopf zieht.

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Tocotronic – Kapitulation

Ein Kollege von mir legt bei etablierten Acts gerne die Messlatte an, wie weit eine Band käme, würde sie ein solches Debüt veröffentlichen. Bei der neuen CD von Paul McCartney war es mal wieder Zeit für diese These, aber auch „Kapitulation“ eignet sich für dieses Gedankenspiel. Fakt ist: Wäre dieses Album das Debüt einer jungen Band, müssten Könige wie Tocotronic oder Kante um den Thron zittern.

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Kapitel VIII

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Was heute passiert: Gemäß Paragraph 139a der SYNDIKATS-Anleitung „Wie man einen Krimi schreibt“, müssen wir heute eine der verdächtigen Personen in Gefahr für Leib und Leben bringen. Frau Paprotta hat sich durch Überweisung einer größeren Summe ebenso erfolgreich diesem undankbaren Schicksal entzogen wie Frau Anne Chaplet, die mit ihren Anwälten drohte, sollten wir ihr fiktiv auch nur ein einziges Haar krümmen. Die Herren Bottini und Horst beherrschen Kampfsportarten und wurden deshalb ebenfalls verschont, weil Paragraph 139a nicht verlangt, dass sich der AUTOR in Gefahr für Leib und Leben bringt. Die Wahl fiel folglich auf das schwächste Glied unserer Verdächtigenkette. Aber lesen Sie endlich selbst…

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Handwerker und wirklicher Dichter

Zum 100. von Robert A. Heinlein preist Dietmar Dath (ja, der ex-SPEX-Chefred) in der FAZ den Autor von „The Puppet Masters“, „Starship Troopers“ und „Stranger in a Strange Land“ über den grünen Klee:

Andere Science-Fiction-Autoren der fraglichen Zeit mögen in tüftlerischen Einzelheiten origineller gewesen sein, stilistisch vielseitiger, philosophisch gewitzter, psychologisch einsichtsvoller, politisch zuverlässiger – aber in die große Trias der modernen Geschichtsüberwinder, Kosmosordner und Zeitentrücker, zu der das Duo Jules Verne und H. G. Wells ergänzt werden will, gehört sein Name als dritter, kein anderer.

Er konnte alles außer irdisch

Pieke fliegt

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„Aufklärung aus der Luft“ heißt die neue Kriminalreportage von Pieke Biermann – und wir fliegen mit. Nein, nicht mit der Bundesluftwaffe über die Camps von Demonstranten, auch nicht mit dem Bundesinnenminister durch die faszinierende Welt der Bits und Bytes zur elektronischen Haussuchung. Sondern – aber das lesen Sie lieber selber. Am 7. Juli wie gewohnt im „Tagesspiegel“, oder Sie hören es im RBB-Inforadio 93,1, um 11 Uhr 45, die Wiederholungen gibt es um 16 Uhr 45 und in der folgenden Nacht um 0 Uhr 45 und 05 Uhr 45. Oder den Mauszeiger aufs Radio fliegen lassen, klicken und podcasten.

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Ronnith Neuman: Tod auf Korfu

Als Lektüre für den nächsten Korfu-Urlaub dürfte Ronnith Neumans „Tod auf Korfa“ allzu sonnige Gemüter schnell ungemütlich beschatten. Historische Dunkelheit, denn was in diesem Kriminalroman beschrieben wird, ist Teil jener deutschen Geschichte, an die erinnert zu werden nicht zum all-inclusive der Reiseweltmeister zählt.

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Crime School – Spannungsstudien 1

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Spannung! Na gut, JEDE Literatur sollte auf ihre Art spannend sein, aber bei Krimis liegen die Nerven, die da gereizt werden sollen, völlig blank vor einem, da hilft keine Begriffsdehnung ins vage Intellektuelle, Spannung in Krimis ist etwas sehr Unmittelbares, Körperliches, eine drängende Forderung, nicht selten die einzige, die Leser von – genau: SPANNUNGSliteratur an ihre Lektüre stellen.

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Spannung! Spannung?

Ohne Spannung ist der Krimi kein Krimi. Was aber ist das, Spannung? In den nächsten Wochen wollen wir uns in der Crime School diesem zentralen Thema zwanglos nähern, morgen geht es los. Für alle aufmerksamen Schülerinnen und Schüler hier schon einmal die Mitmachfrage: Was ist für DICH beim Lesen eines Krimis spannend? Das Sujet kann frei bearbeitet werden, es gibt keinerlei Vorgaben. Wer mitmacht, erhält ein Fleißkärtchen, wer sich verweigert, muss zwei Stunden lang in der Ecke stehen.

Eleanor Taylor Bland: A Dark and Deadly Deception

Eleanor Taylor Bland, die Autorin mit dem ausgeprägten sozialen Gewissen, hat in „A Dark and Deadly Deception“ die Familie im Visier. Weiße, schwarze, „patchwork“, intakte, kaputte, mit Kinder, „ohne Kinder“, mit familiären Banden und ohne solche: Sie dekliniert die Varianten von Familie und ihre sozialen Bezüge durch.
Es ist März und für die Polizei gibt es wenig zu tun in Lincoln Prairie. Für Marti MacAlister die Gelegenheit ihr Lieblingsprojekt zu verfolgen: Die Beschäftigung mit alten ungelösten Fällen. Diesmal ein Skelett, das Arbeiter in einem verborgenen Raum eines alten Gebäudes gefunden hatten. So richtig Spaß macht Marti und ihrem Partner „Vic“ Jessenovic dieser Fall allerdings nicht, erst recht nicht als sich herausstellt, dass die unbekannte Leiche 60 Jahre verborgen war und es keinerlei Informationen zu ihrer Identität und dem Gebäude gibt, in dem sie gefunden wurde.

Da ist es dann direkt eine Erlösung für die beiden Polizisten, als eine „frische“ Leiche erschlagen in dem durch die Schneeschmelze momentan zu einem reißenden Strom angeschwollenen lokalen Fluss gefunden wird. Es handelt sich um eine Schauspielerin, die für die Dreharbeiten eines B-Movies zum ersten Mal in ihrem Leben in Lincoln Prairie war. Ihr Familienschmuck ist verschwunden und auch hier gibt es keinerlei Hinweise auf den Täter.

Nun ja, soweit so gut. Die Idee, zwei Verbrechen zusammen zu montieren, die nichts miteinander zu tun haben und von denen eines in der Gegenwart stattfindet (und gewissermaßen nach „vorne“ erzählt wird) und das zweite sich in der Vergangenheit zugetragen hat, ist erst einmal ganz nett. Der Leser kann natürlich sicher sein, dass Marti und ihr Partner die Fälle lösen werden und sich ganz auf die Geschichte und den Blick für die soziale Realität konzentrieren. Etwa wenn der Patriarch der rumänisch-orthodoxen Kirche nach Amerika reist, um Geld für die verwahrlosten und elternlosen Straßenkinder Bukarests zu sammeln und er durch die Strasse Pittsburghs geht, wo er auf ganz ähnliche Kinder trifft.

Wer Bland liest, weiß, dass er auch eine ordentliche Ladung Romantik bekommt. Romantik, die durch den Blick auf die sozialen Verhältnisse im Gleichgewicht gehalten wird. Aber hier hat sie nicht nur „ihr“ Familienthema, welches schon für sich „romantikgefährdet“ ist (oder doch zumindest von ihr so ausgelegt wird) und einen Patriarchen, der seinen herzenswarmen Auftritt zum Ende des Buches hat, sondern darüber hinaus muss Martis Familie auch noch mit der Tatsache eines deutlich erhöhten PSA-Werts bei ihrem Mann und den daraus resultierenden Ängsten umgehen.

Im Nachherein entpuppt sich auch die Idee der zwei Fälle als gar nicht so leicht zu handhaben. Ständig wechselt die Aufmerksamkeit des Teams zwischen den Fällen hin und her; der Leser fühlt sich nicht so sehr in die Auflösung gezogen wie sonst bei Bland.

Ein Buch mit gewissen Schwächen also. Mit einer starken zweiten Hälfte, denn gute Auflösungen und Rätsel bekommt Bland allemal hin, wird es, da bin ich sicher, „romantisch“ geneigten Krimilesern gut gefallen.

Eleanor Taylor Bland: A Dark and Deadly Deception. 
St. Martin`s Minotaur 2005. 272 Seiten. 20 €

Kapitel VII

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Was bisher noch nicht geschah: Claudia Roth wird nach Gerhard Schröder und Angela Merkel zur dritten Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gewählt – Franz Müntefering erleidet beim Studium der neuesten Arbeitsmarktzahlen einen vorzeitigen Samenerguss – Jan Seghers nimmt als „Jan Ullrich“ an der diesjährigen Tour de Literatur teil und wird prompt beim Dopen mit intravenös verabreichten Fremdwörtern erwischt – Was bisher wirklich geschah, wird Herr Wickius im Folgenden noch einmal knapp zusammenfassen.

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Krimiwelt-Bestenliste Juli 2007

Uh, das mit der Vorabinfo per Verteiler hat diesmal nicht geklappt, aber →hier ist sie dennoch: la liste. Zehn Titel auf sechs Rängen, Markaris hat es von oben nach unten gehauen, Gold für Collins, Silber für Rönkä, Bronze für die deutsche Titelhoffnung Paprotta, die aus dem Stand in die Medaillenränge gehüpft ist (vorläufig; das Ergebnis der Dopingkontrolle steht noch nicht fest). Neu auch: Haefs, McBride, Scholten, Slaughter sowie der Lehmannsche „Allmachtsdackel“.

gestern paul flora entdeckt.

ich kann mir vorstellen, dass dieser zeichner auch raphael gefiele (er kennt ihn bestimmt): >>>paul flora, runterscrollen. ich vorher nie was von ihm gehört. verdächtige besucher, raben, düstere burgen … mich erinnert das manchmal an lyonel feininger. sehr schön >>>die diashow links auf der webseite, und man kann direkt beim künstler kaufen, braucht aber viel geld für. aber warum auch nicht, nach einem langen zeichnerleben? ich hab mir einstweilen >>>hier was rausgesucht.