Selten war es sinnloser die Texte in ein Booklet zu drucken als bei Little Man Tate. Die vier Jungs aus Sheffield haben absolut nichts zu sagen, es sei denn, man sucht den literarischen Unterbau bei den Jungmänner-Ergüssen über Zungenküsse und Mädchen ohne Unterhosen. Aber, um es mit einem Wortspiel auf Kosten der englischen Sprache zu sagen: In „Cheffield“ scheint etwas am Kochen zu sein, das fehlende textliche Eleganz mit hüftbetonter Musik wieder rausreißt.
WeiterlesenLiterarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (3)
Die Literatur ist schon ein merkwürdiges Land mit noch merkwürdigeren Bewohnern. Sprache, so sagen wir, ist ein Werkzeug. In unserer Normalwelt ziehen wir mit dem Vorschlaghammer in den Steinbruch der Wirklichkeit und legen mit dem Skalpell das Innere der Menschen frei. Im Lande Literatur ist alles ganz anders. Dort kann man auch mit dem Vorschlaghammer auf die Psyche klopfen und mit dem Skalpell im Steinbruch arbeiten.
WeiterlesenGreg Iles: @E.R.O.S

Zuerst das Positive: Der Roman ist streckenweise spannend und über weite Teile flüssig zu lesen. Die Biographien der Protagonisten werden halbwegs nachvollziehbar entwickelt und sind, wenn man die maßlose Übertreibung zugunsten des Spektakulären in Kauf nimmt, mit etwas gutem Willen durchaus nachvollziehbar. Außerdem ist der Einblick in die Computertechnologie Mitte der 90er heutzutage sehr spaßig zu lesen (rasend schnelles 14400bps Modem etc). Es ist viel Zeit vergangen seit damals. Von nun an geht’s allerdings bergab…
WeiterlesenA.a.O.
DIe Fortsetzung meiner Reise ins Herz der Finsternis gibts wohl erst morgen. Wer jetzt aber thematisch Blut geleckt hat, kann →hier weiterlesen, wie man den armen Reisenden, der sich so mühselig durch den Dschungel der Begrifflichkeiten machetet, auch noch auf Ab- und Umwege leiten will. Böser, böser JL! Aber das gehört zum literarischen Entdeckungsreisen, ohne das wärs ja keins, sondern ein Sonntagsspaziergang. Also: Danke, lieber, lieber JL!
Duane Swierczynski: The Wheelman
Lennon war schon an vielen Bankeinbrüchen beteiligt, aber dennoch: Wie’s geht, weiß er nicht; denn Lennon ist „The Wheelman“, also derjenige, der Bankräuber nach dem Bruch heimbringt. Nur dieses Mal geht so fast alles schief was schief gehen kann. Am Ende ist das erbeutete Geld weg und die Kollegen sind fort. Lennon bleibt alleine zurück und plötzlich wird er von der russischen Mafia, der italienischen Mafia, kriminellen Expolizisten und weiteren Personen, die er nicht zuordnen kann, verfolgt. Und als wäre das alles nicht genug, taucht da auch noch diese Frau auf, die schwanger ist und an der er sehr hängt.
WeiterlesenDer Chef empfiehlt
Deutschlandfunk 7.2.2006: in der Sendung Büchermarkt (Mod.: Dennis Scheck) wird nicht nur Holteis „Schwarzwaldau“ und dessen Herausgeber gepriesen, sondern auch A. Schenkels „Tannöd“.
WeiterlesenLiterarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (2)
Wo wir stehengeblieben waren
Bei zwei Zitaten und der Aufforderung, ihre literarischen Qualitäten zu beurteilen:
WeiterlesenLiterarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (1)
Ganz oder gar nicht. Die Dinge sind nie „einfach“. Wohl könnte man das Phänomen der „literarischen Krimis“ als sprachliche Schuderei verdammen und sich nicht weiter darum kümmern. Spannender erscheint indes eine Expedition durch jenes wunderbare und geheimnisvolle Land der „literarischen Krimis“. Nun denn, ziehen wir den Tropenanzug an und setzen uns in Bewegung.
WeiterlesenNaked Lunch: This Atom Heart of Ours
„Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ Dass dieser häufig dahin gesagte Satz sich in der Realität doch glücklicherweise ab und an bestätigt, gilt insbesondere für die in Klagenfurt/Österreich beheimatete Band „Naked Lunch“. Nachdem diese, Anfang bis Mitte der 90er Jahre noch unter dem Einfluss des Grunge-Sounds stehende, hoffnungsvolle Band mit dem Album „Superstardom“ 1997 zum vermeintlichen Höhenflug ansetzte, stürzte sie nach Ausflügen in poppig-tanzbare Gefilde, „Love Junkies“ (1999), jäh – teils durch äußere, teils durch selbst verschuldete Katastrophen – in den Abgrund.
WeiterlesenFür das Expertentum

American Football, ARD, 4./5.2.2007
„In 233 Länder“ hören wir, wird der Superbowl übertragen, aber nur die ARD hat einen American Football-Experten namens Boris Becker. Ok, die Frisur sah selten so scheiße aus und er kann einen punt return nicht von einem kickoff return unterscheiden. Aber auf Weisheiten wie
„Deswegen hoffe ich, dass die Mannschaft, die die meisten Punkte macht, auch gewinnt“
möchten wir auch in Zukunft nicht verzichten. Also, ARD, weniger Geld für Kommentatoren, die eh die Hälfte der Zeit daneben liegen („so lange man in Ballbesitz ist kann der Gegner nicht punkten“ – noch nie was von safety gehört?) und arme Reporterschweine, die im strömenden Regen reportieren müssen, dass sie auch nichts Genaues wissen und stattdessen noch mehr Geld für Promiexperten à la Bobbele und co.

Moral
Krimibloggen ist nichts für Klosterschüler. Man muss austeilen und einstecken können, der Kampf um Marktanteile ist, wie in jeder anderen boomenden Branche auch, hart und nicht selten an den Grenzen des Erlaubten. Schließlich geht es um Millionen, was kümmern uns da Menschlichkeit und Moral?
WeiterlesenExkurs
„Literarische Krimis“ und kein Ende. Markiert der Deutsche Krimipreis 2007 tatsächlich einen Wendepunkt, wie es → Tobias Gohlis in der ZEIT vermutet, einen Paradigmenwechsel gar? Oder werden hier lediglich alte Vorurteile bestätigt und neue Moden kreiert, wie die →Reaktion auf Gohlis nahelegt? – Man kann darüber trefflich spekulieren, sollte aber vielleicht auch die Literaturgeschichte nicht geringschätzen, die einen ganz ähnlichen – und überraschenden – Fall von „Emanzipation eines Genres“ kennt.
WeiterlesenFishbone: Still Stuck In Your Throat
Überraschung: Fishbone sind zurück. Die verrückten Crossover-Helden von einst wollen es tatsächlich noch einmal wissen. Mittlerweile steht in ihren Reihen übrigens Rocky George, der legendäre Gitarrist der Suicidal Tendencies. Wenn das nichts ist!
WeiterlesenPieke drängt sich vor

Eigentlich sollte an dieser Stelle lediglich darauf hingewiesen werden, dass das →Krimijahrbuch 2007 immer noch zum Vorzugspreis von 16 Euro (statt später 20) hier geordert werden kann. Noch – aber nicht mehr lange. Doch da flattert, so ein Zufall, die neueste Ankündigung von Pieke Biermann – Schwerpunkt des KJB 2007 – in die Mailbox. MENSCHEN-ORTE-KRIMINALITÄT, die beliebte Serie im RBBinfoRADIO 93,1, wird am 3. Februar 2007 um 11:45 Uhr Isy Michelis, Augenzeugin eines Mordes porträtieren (Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 5:45). Dies hier anzuzeigen, ist allemal wichtiger als so ein Krimijahrbuch mit 340 Seiten zu läppischen 16 Euronen.
WeiterlesenJohnny Clegg: One Life
Nach jahrelanger Pause ein echtes, neues Studioalbum vom „weißen Zulu“ aus Südafrika, und sein herzhaftes, Freude versprühendes Lachen auf dem Cover lässt sich beim Anhören sehr wohl nachvollziehen. Dabei sind einige Songtexte alles andere als erheiternd, beschäftigen sich mit sog. „typisch afrikanischen“ Problemen wie Machtmissbrauch („The Revolution Will Eat Its Children“) oder Kindersoldaten („Boy Soldier“). Das Thema „Apartheid“ mag politisch gesehen der Vergangenheit angehören, gleichwohl ist und bleibt das Zusammenleben der Völker und Volksgruppen in Südafrika spannungsgeladen.
WeiterlesenJohn Harvey: Schrei nicht so laut
Würde man den Inhalt von John Harveys neuem Roman „Schrei nicht so laut“ nacherzählen, um danach zu betonen, man halte das Buch für sehr gelungen, ja, originell – es gäbe wohl eine ganze Menge Unverständnis zu ernten. Gelungen, mag sein; aber „originell“? Das was man von der Handlung und ihrer dramaturgischen Gestaltung zu berichten gehabt hätte, wäre kaum über das Aufzählen von Genreüblichem hinaus gekommen. Selbst den Schluss hält nur für überraschend, wer noch nicht viele Krimis gelesen hat. Warum also ist „Schrei nicht so laut“ ein Buch, das die Kriminalliteratur bereichert?
WeiterlesenZweiraumwohnung: Besser gehts nicht
Das Lied kommt unspektakulär daher, ist aber mal wieder das, was Zweiraumwohnung am besten können: der perfekte Popsong.
Zugegeben, „Nimm mich mit“ war spektakulärer, „Elaine“ origineller, „Wolken ziehen vorbei“ magischer. Am ehesten kommt „Besser geht´s nicht“ noch „Wir trafen uns in einem Garten“ nahe. Schrammelige Gitarren, dezente Elektronik, die im Laufe des Songs immer mal wieder stärker auftaucht. Wie der Froschkönig, der die goldene Kugel vom Grund des Brunnens hochbringt. Und wieder abtaucht. Viel Understatement und Nonchalance – der Song wirkt so dahingesungen, fast wie nebenbei. „Hingeworfen“, mit ein, zwei Federstrichen, würde man in der Malerei sagen. Eine Skizze von einem Lied: leicht, luftig, aber trotzdem erdig.
Sara Paretsky: Engel im Schacht
Die Chicagoer Privatdetektivin Vic Warshawski ist eine Ikone des modernen Kriminalromans: role model für Legionen mehr oder weniger abgekupferter Nachfolgerinnen und eher unfreiwillige Verursacherin des Modetrends „Frauen-Krimi“. All das wird man 2007 mehrfach in gesetzten Worten zu hören bekommen, denn Sara Paretsky, Warshawskis Schöpferin, wird 60.
WeiterlesenJustizmord?
Das sind noch Fragen. Eine Antwort verspricht Artur Landsbergers Kriminalroman, „Justizmord?“ heißt er, wie nicht anders zu erwarten. Ein schönes Stück aus dem Jahr 1928 von einem der erfolgreichsten Autoren der Epoche, in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“, Abteilung frühes zwanzigstes, jetzt nachzulesen. Die Datei wird im schlanken rtf-Format angeboten, die Faksimile-Version liefern wir irgendwann nach.
William Kent Krueger: Mercy Falls
„Mercy Falls“ ist ein ungewöhnlich spannendes Buch mit einem außergewöhnlichen Ende. Die Spannung des Buches resultiert aus der Vielzahl der Episoden, ihrer Dichte und der Qualität der Erzahlung; Kapitel-Enden sind ein Ort des Innehaltens und des Luftholens. Am Ende des Buches jedoch steht, es lässt sich nicht anders bezeichnen, ein großer Cliffhanger, der den Leser atemlos zurücklässt.
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