Crime School: Ha! Reingelegt!

Eigentlich sind es ja die Schüler, die mit ihren Lehrern Schabernack treiben, aber die Crime School ist eben eine besondere Lehranstalt, und deshalb darf hier auch mal der Pauker seine Schutzbefohlenen hinter’s Licht führen. Mit lobenswerten pädagogischen Hintergedanken, versteht sich.

Vor einigen Tagen habe ich euch →die erste Seite eines Krimis zu lesen gegeben und um eure Meinung gebeten. Was dem einen oder anderen wie das berechtigte Interesse eines Autors an des Lesers Urteil vorgekommen sein mag, war in Wirklichkeit gleich in vierfacher Hinsicht ein Experiment.

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Erika Fuchs

Die Grande Dame des deutschen Comics stirbt 98jährig. Sie wurde 1951 Chefredakteurin der „Mickey Mouse“ und bescherte uns als Übersetzerin (Neo)Klassiker wie Tick, Trick und Tracks „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr!“, Daniel Düsentriebs „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“ und „Erikative“ wie „Denk“, „Grübel“ oder „Staun“.

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Saul Williams: Saul Williams

Saul Williams ist einer der wenigen Rapmusiker, die ihre Rolle im HipHop als die ursprünglichste aller sehen: die des Master Of Ceremony. Sein Stil ist so weit von dem eines Goldkettchen-Kehlchens entfernt wie George W. Bush vom Friedensnobelpreis.

Williams Ambitionen sind politischer Natur. Er ist ein Agitator. Einer, der seinen Mund aufmacht. Da passt es nur zu gut, dass Zack De La Roche und Serj Tankian, beide politisch sehr aktiv (nicht erst seit ihrer Engagements bei Rage Against The Machine bzw. System Of A Down), Gastauftritte haben. Williams ist nicht nur von seiner Einstellung her ein Rapper besonderer Art. Er spricht die Texte, betet fast. So wie einst die Jungs von Disposable Heroes Of Hiphoprisy, allen voran deren Wortführer Michael Franti. Williams HipHop auch kommt nicht ausschließlich vom Band. Gitarre, Piano und Schlagzeug gesellen sich zu Samples. Mal geht der Song voll nach vorne los. Mal erwartet einen ein völlig schräger Track.

Saul Williams: Saul Williams
Wichita/V2/Rough Trade
VÖ: 11.4.2005

Various: Verve Remixed/Unmixed 3

Die Idee gibt den Initiatoren Recht. Von Teil eins und zwei der Einzel-CD-Ausgaben „Verve Remixed“ und „Verve Unmixed“ gingen etwa eine halbe Million Exemplare über die deutschen Ladentheken. Auf der einen CD machen sich namhafte Künstler aus der Remix-Szene an Klassikern aus der Jazz-Szene zu schaffen, die auf der zweiten CD in der jeweiligen Originalversion zu finden sind.

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Die erste Seite

Um die erste Seite eines Romans ranken sich Mythen. Mit ihr packt man den Leser, hier ist alles schon angedeutet, was später en detail geschildert wird. Und so weiter. Ich bin da skeptisch.

Schon weil jeder Autor weiß, dass die erste Seite die Visitenkarte seines Romans sein wird. Der Lektor liest ihn als erstes, mancher Bücherwurm im Gedränge der Buchhandlung auch. Ja, und was tue ich, wenn ich das weiß? Genau. Ich gebe mir Mühe mit der ersten Seite. Mit der zweiten dann schon weniger, schweigen wir ganz von Seite 235. Und die Dramaturgie interessiert auch nicht so, ja, und Sprache ist eh nur ein Kommunikationsmittel.

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Crime School: Flauberts Papageien

Sportschuhe? Müssen IMMER drei Streifen haben! Gute Musik? Darf NUR „handgemacht“ sein! Ein Krimi? Muss AUSSCHLIESSLICH im Hier und jetzt spielen!

Willkommen in der Welt der Slogans und Scheuklappen, der Vorurteile und der nachgeplapperten eindimensionialen Weisheiten. Selbst wer sich nicht vorstellen könnte, ein Buch zu schreiben, fände doch, ginge es um die Dummheit der Gemeinplätze, Material genug für einen dicken Wälzer. Gustave Flaubert, der Romane schreiben konnte, hat es bei einem schmalen Bändchen belassen.

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Klarer Fall von Fehlstart

„Children of the Revolution“ besingt ein Lied aus den sechziger Jahren die Aktivisten der Studentenrevolte, die im Jahre 1968 begann.

so beginnt ein Artikel auf europolitan.de über „68er gestern und heute„.
Das „Children of the Revolution“, das ich kenne stammt nicht aus den sechziger Jahren sondern von T.Rex und erschien irgendwann im Sommer 1972. Und was sollen Textzeilen wie

I drive a Rolls Royce
‚cos it’s good for my voice

wohl mit aufrührerischen Studenten zu tun haben?
Zur Entschuldigung und Aufmunterung der Autorin sei an den alten Spruch erinnert, dass, wer sich an die 60er Jahre erinnern könne nicht wirklich dabei gewesen sei.

Bonn

„Politgroupie“, spottet der Chefredakteur, als ich vor dem Stahlzaun stehe und den Flachbau betrachte. Zwei Flachbauten, genauer gesagt. Ein großer, weiter hinten. Und ein kleiner, weiter vorn. Eher eine Art Pförtnerhaus, in dem immer noch Herren über das Rolltor wachen, das den Weg zu den zwei schwarzen Klötzen freigeben soll. In meinem Kopf schwirrt ein ganz anderes Wort. Das einzige, das einem an diesem Ort, vor diesen Klötzen und dem Zaun stehend, einfallen kann: Krisenstab. Mit vielen I´s: Kriiiiiiiiiiiiiiiisenstab. Hier hat er getagt, im heißen Herbst 1977, zwischen Zigarettenschwaden und Cola-Gebizzel. Denn dies hier ist das alte Kanzleramt. In Bonn am Rhein.

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Papa Ratzi

Aus dem Spiegel:

In einem Glückwunschtelegramm an Joseph Ratzinger schrieb Köhler in seiner Glückwunschnote: „Von ganzem Herzen gratuliere ich Ihnen zur Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche“. Dass ein Landsmann Papst geworden sei, erfülle die Deutschen mit „besonderer Freude und auch mit ein wenig Stolz“.

Nur mal so, von Laie zu Laie: Stolz, ist das nicht seit Jahrhunderten die Nr.1 in den Todsündencharts?

Crime School: Lektion 12

Arthur Conan Doyle hat die Blaupause vorgegeben: Ein Verbrechen geschieht. Sherlock Holmes übernimmt. Er recherchiert. Verschafft sich Einblicke in die Vorgeschichte. Sammelt die Informationen in seinem phänomenalen Gedächtnis, einer Hochleistungsmaschine für treffende Schlussfolgerungen. Es dauert nicht lange, und der Fall ist geklärt. Dem wie immer sprachlos staunenden Dr. Watson (so sind sie halt, diese Akademiker), wird am Ende am heimischen Kaminfeuer haarklein erklärt, wie alles zusammenpasst.

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Bodo und Bianca

Torwart-Titan Bodo Illgner und seine Frau Bianca haben gemeinsam einen „fiktiven Tatsachenroman“ geschrieben. Der Spiegel (→ Inside Bianca) findet das Werk der „deutschen Vorläufer der Beckhams“ (Selbsteinschätzung auf → www.bodo-illgner.de) „nur peinlich“ und attestiert den „Stellen“ einen „verschwitzten Charme klebriger ‚Praline‘-Heftchen“. Der der Roman ja nur zu 80% der Wahrheit entspricht mußten die Namen der Protagonisten natürlich geändert werden. Und da haben sich die Illgners wirklich nicht lumpen lassen. Mein Lieblingsname ist der eines Trainers der deutschen Nationalmannschaft: Hans Eckenhauer.
Ganz großes Kino!

Arnaldur Indridason: Menschensöhne

Alle bislang in deutscher Sprache vorliegenden Krimis des Isländers Arnaldur Indridson orientieren sich an einem identischen Zeit-Handlungsschema. Ein Verbrechen geschieht (oder wird entdeckt), dessen Ursachen in der Vergangenheit liegen. So etwas wird auf Dauer fad, und ich gestehe freimütig, dass ich spätestens beim dritten Roman eines solchen „Maschenautors“ aufhöre, mich für seine zukünftigen Produkte zu interessieren.

Bei Indridson ist das anders. „Menschensöhne“, eigentlich der Debütkrimi des Autors, aber nur Nummer Vier der deutschen Veröffentlichungschronologie, fesselt, obwohl man die Dramaturgie rasch durchschaut und die Handlung einer erkennbaren „Musterlösung“ zusteuert.

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Daft Punk: Human After All

„Wir glauben aufrichtig, dass unser neues Album für sich selbst spricht“, verkündeten Thomas Bangalter und Guy Manuel De Homem Christo am 17. Dezember des vergangenen Jahres. Das ist nicht wirklich viel, was die beiden Daft Punker freiwillig über ihr drittes Album zu Protokoll geben wollten. Aber unsereins muss mit der kargen Information auskommen. Reden können andere, Daft Punk kümmern sich währenddessen lieber ums Wesentliche: die Musik.

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