Sammy Hagar And The Wabo’s: Live Hallelujah

Sammy Hagar wird wahrscheinlich auf ewig der ex-Sänger von Van Halen bleiben. Und als Bonusfluch erinnern sich die meisten an Oberposer David Lee Roth. Sammy Hagar versucht erst gar nicht, dieses Stigma loszuwerden und spielt bei seinen Live-Auftritten munter die alten Songs. Inklusive der lustig altmodischen Keyboardintros, aber was soll’s, „Live Hallelujah“ ist pures Entertainment! Sammy Hagar singt immer noch wie ein eingeklemmtes Steroid und seine Band ist so hungrig, dass die 17 Livetracks keine Sekunde langweilig werden. Mit angemessenem Druck und der nötigen Härte gelingen simple Rocker genauso wie Balladen.

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Deftones: Deftones

Ein Album unter dem eigenen Namen herauszubringen ist meist ein Zeichen von Neuanfang oder Rückbesinnung. Bei Deftones ist es ein Kumulieren der bisherigen drei Alben. Speziell „Hexagram“ und „When Girls Telephone Boys“ sind wieder um einiges härter und lassen dem Riffmonster freien Lauf. Dafür loten die Fünf aus Sacramento aber auch die Balladen tiefer aus. „Lucky You“ ist mit seinem stumpfen Beat wunderbar zermürbend und „Deathblow“ wahrhaft beängstigend.

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M83: Dead Cities, Red Seas & Lost Ghosts

M83 – das klingt nach einem smarten Computer, der Musik generiert. Könnte sein. Obwohl M83 zwei Jungs aus dem französischen Antibes sind, deren Musik ähnelt einer elektronischen Variante der sphärischen Klanglandschaften von Mogwai und Sigur Rós. Wobei die zwölf Stücke im Vergleich zu denen der beiden genannten Bands kälter und befremdlicher wirken.

(7 Fritten)

M83: Dead Cities, Red Seas & Lost Ghosts
(Gooom/Labels/Virgin)

Little Feat: Highwire Act Live In St. Louis 2003

Blues, Prog-Rock und Hardrock haben sich Little Feat auf die Fahnen geschrieben. Seit Jahrzehnten zeigen sie auf der Bühne wie auf ihren Alben, dass sie Handwerk verstehen. So auch anlässlich der im August 2003 in St. Louis mitgeschnittenen Shows. Nicht jedermanns Sache, aber gefällig.

(5 Fritten)

Little Feat: Highwire Act Live In St. Louis 2003
(New Little Feat/Eagle Records)

Live: Paul McCartney

München, Königsplatz. 17.5.2003

Das Konzert kann ich am einfachsten beschreiben im Vergleich mit dem Brian Wilson-Konzert vor 16 Monaten in Hamburg. Das Beach Boys-Genie hat damals nur ein wenig Keyboard gespielt (obwohl er fast immer saß) und hat eher durch seine Persönlichkeit und seine Emotionen überzeugt als durch seine Stimme. Ein wunderschönes Konzert in dem Wilson sich allerdings völlig auf seiner Band verlassen musste.

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Autechre: Draft 7.30

Gottverdammt. Was für eine Platte. Ich kann es nicht glauben. Es ist atemberaubend. Für Jahre waren mir Autechre suspekt, ich konnte ihren Sound nicht nachvollziehen. Jetzt aber habe ich mir dieses Album aufgezwungen und irgendwann hat es Click gemacht. Hier sitzt kein Teil auf dem anderen. Der Rhythmus ist verquer und nie durchgehend. Der Kopf hört mit.

(7 Fritten)

Autechre: Draft 7.30
(Warp/Zomba)

Knife In The Water: Cut The Cord

Langsam sind sie, die Jungs und das Mädel von Knife In The Water. Auf ihrem neuen Album kann man sich mal wieder fragen, wie langsam ein Schlagzeuger spielen kann, bevor er überflüssig wird. Das US-Quintett steht felsenfest in der zweiten Reihe hinter artverwandten Bands wie Western Electric oder skandinavischen Melancholikern. Was zum ganz großen Wurf fehlt, sind die richtig großen Songs und eine durchgängige Magie, wie sie z.B. ein Midnight Choir Album ausstrahlt.

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Miles: Don’t Let The Cold In

Ü ber die letzten Jahre hinweg hatten Miles kontinuierlich daran gearbeitet, aus dem Gros der deutschen Bands hervorzustechen. Ihr nunmehr viertes Album „Don’t Let The Cold In“ untermauert das Streben nach Anerkennung. Miles sind reif – reif für die Popohren und reif für die Insel. Nur wenig bezieht sich auf Musik aus Übersee. Lediglich bei „Give It Away“: Hier rocken sie fast schon in Nirvana-Tradition drauflos. Das war es dann auch schon mit der US-Musik. Danach und davor ziehen Miles ganz andere Seiten auf.

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Kaiserschmarren

ran, 11.5.2003. Sat.1.

Beckenbauer scheint sich immer mehr zu einer Art von slow motion Calmund zu entwickeln. Minutenlang plaudert er sinnfrei vor sich hin, ohne sich um die Zwischenfragversuche des Moderators zu kümmern. Und auch in Sachen kreativer Metaphernproduktion kann er es schon mit seinem dicken Vorbild aufnehmen. Das Buch von Effenberg etwa hat er noch nicht gelesen, weil er „noch einen ganzen Bücherschrank in der Warteschleife“ hat.

Die Besten

Ach, ZDF. Du willst, höre ich, den bedeutendsten Deutschen herausfinden. Ganz demokratisch, per Zuschauerabstimmung. Sozusagen Deutschland sucht den Super-Deutschen. Bereits im Vorfeld hast Du aber „Adolf Nazi“ (H. D.-G.) rausgewählt. Darüber amüsieren sich jetzt die Engländer und wir kratzen uns verwundert am Kopf.

Was los, ZDF? Hast Du Angst, dass die Abstimmung zeigt, warum die ganzen Knopp-Geschichtsstunden so erfolgreich waren? Oder leben noch zuviele Zuschauer, die Herrn Schickelgruber schon einmal ihre Stimme gegeben haben?

Doubledrive: Blue In The Face

Eigentlich glaubten Sänger Donnie Hamby, Gitarrist Troy McLawhorn, Bassist Josh Sattler und Schlagzeuger Mike Froedge, es 1999 geschafft zu haben. Ihr Debütalbum „1000 Yard Stare“ war auf den Markt und sie waren mit Kid Rock auf US-Tour. Die Vier dachten, dem Erfolg und dem Durchbruch greifbar nah zu sein. Ein Trugschluss. Der Vertrag mit der Plattenfirma lief aus, die Band tauchte im Nichts ab.

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Hard-Ons: Very Exciting

Ob es an der Jahreszeit liegt? Oder an was gänzlich anderem? Erstaunlich ist, dass immer mehr Bands wieder aus der Gruft emporsteigen und sich reformieren. Der Drang, wieder im Mittelpunkt zu stehen, scheint stärker denn je. Da hätten wir Turbonegro, die Buzzcocks und jetzt auch die Hard Ons. Besonders die Punkrockbands scheinen vom Reunion-Virus infiziert zu sein. Im Januar schon hatten die drei Australier die Foo Fighters auf deren Tour durch Down Under begleitet. Jetzt folgt der globale Nachschlag in Form des Comeback-Albums „Very Exciting“.

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Jah Wobble: Fly

Jah Wobble ist auf einem Trip hängen geblieben. Seine Reise führt ihn durch erträglichen Jazz jenseits der freakigen Improvisation weiter durch die flauschigen Wiesen des TripHop über einige Hügel Drum’n’Bass bis hin zu Trance-mäßigen Elektro. Den Ex-Bassisten von Public Image Limited, kurz auch PIL genannt, hätte es schlimmer erwischen können.

(6 Fritten)

Jah Wobble: Fly
(30 Hertz Rec./Soulfood)

IR8 vs. Sexoturica: Split

Wieder ist Jason Newstedt am Werk. Dieses Mal mit Tom Hunting (Exodus), Andreas Kisser (Sepultura) und Devin Townsend (Strapping Young Lad). Aus dem Oktober ’94 stammt das Projekt IR8 (mit Townsend und Hunting). In sechs Tagen entstanden drei Songs, die verdammt böse und leider auch einfältig klingen. Thrash Metal kann dabei so aufregend sein. Besser sind die drei Lieder von Sexoturica. Newstedt, Hunting und Kisser gaben sich im März 1995 die Punk/Thrash Metal-Kante.

(5 Fritten)

IR8 vs. Sexoturica: Split
(Surfdog/SMIS)

Buzzcocks: Buzzcocks

Völlig unerwartet trudelte vor einigen Wochen diese CD ein. Buzzcocks? Die Buzzcocks? Man wollte es nicht für möglich halten, dass die 77er-Punk-Heroen zu ihren Wurzeln zurückgekehrt sind. Schließlich hatten sie sich zwischenzeitlich dem Punk abgewandt und dem Pop zugewandt. Nach ihrem Auseinanderbrechen hatte zum Beispiel Steve Diggle ganz anderes im Sinn und experimentierte solo mit Computer-Sounds.

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Martin L. Gore: Counterfeit²

Martin L. Gore, das ist der von Depeche Mode, der jahrelang durch seltsame Frisuren und bizarre Klamotten auffiel und dann irgendwann bei den Elektro-Poppern mit Gitarre auf die Bühne stapfte. Wer jetzt bei seinem zweiten Soloalbum deswegen einen akustischen Ausflug erwartet, liegt komplett daneben. „Counterfeit²“ ist, wie auch sein Vorgänger, ein reines Cover-Album und zeigt auf angenehme Weise, dass auch elektronische Musik eine Seele hat.

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