Peter Biskind: Easy Riders and Raging Bulls

Die Szenerie: Hollywood, Sunset Boulevard, rote Ampel, Sommernacht, 1972. Die Protagonisten: Die Regisseure Peter Bogdanovich (in einem Volvo), William Friedkin und Francis Ford Coppola (in einem 600er Mercedes). Friedkin zu Bogdanovich: „French Connection, der aufregendste amerikanische Film der letzten 25 Jahre! Acht Nominierungen! 5 Oscars! Darunter für den besten Film!“ Daraufhin Bogdanovich: „The Last Picture Show, ein Werk, das die Filmgeschichte revolutionieren wird! 8 Nominierungen! Und mein Film ist besser als deiner!“ Coppola zu beiden brüllend: „The Godfather, 150 Millionen Dollar!“

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Felix Culpa: Gone

Das Quintett Felix Culpa hatte anscheinend keine Lust auf irgendwelche Labels zu warten und startet jetzt gemeinsam mit Pointrock Records. Dort erscheint jetzt das Album „Gone“, abhängig von Mund zu Mund Propaganda und dem Internet. Musikalisch erinnern sie mich in den sanfteren Momenten an The Colour Red, die 1994 mit „Daddy“ sowas ähnliches wie einen Hit hatten. Meistens geht es aber etwas rauer zu. Melodischer Indie-Rock mit bollerndem Schlagzeug und verzerrten Schrammelgitarren. Dabei gehen die fünf Jungs so direkt zur Sache, dass man lieber mitspielen als Zuhören möchte. Spielfreude pur, coole Songs – Musikerherz, was willst du mehr? Alle anderen bitte zur Luftgitarre greifen.

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Refluxus (1)

Diese Sendung wurde Ihnen präsentiert…

‚Diese Sendung wurde Ihnen präsentiert von FreiÖl.‘ Es war nur ein kurzer Satz, aufgeschnappt beim Rumzappen – schnell nochmal zurück: Ein Rosamunde Pilcher Film präsentiert von FreiÖl. Kann man Film, Produkt und die gemeinsame Zielgruppe schöner subsumieren? Bislang unerreicht war für mich ‚Der Bulle von Tölz‘, präsentiert von irgendeinem Metzgerverband. Und ich dacht‘ immer, Ottfried Fischer ist Vegetarier…

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Daddy Long Legs: 2nd Birth

Mit den ersten beiden Songs hat sich die Band Daddy Long Legs schon in eine Schublade gespielt: M.Walking On The Water in ihren Anfangstagen. Folk-Rock getragen von einer tiefen, teutonischen Stimme mit etwas eintöniger Modulation. (Der Vertrieb Indigo hört die Parallele zu Peter Heppner von Wolfsheim; das trifft es auch.) Musikalisch erinnert das Quintett aus Celle an The Jinxs mit mehr Folk, Letzte Instanz ohne Mittelalter und Fiddler’s Green ohne Speed-Polka.

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Ronnie Lane: Live In Austin

Rund 10 Jahre verbrachte der „noble Englishman“ aus dem Londoner East End nicht in New York, sondern vornehmlich in der texanischen Musik(er)metropole Austin. 1984 hatte der Mitbegründer der SMALL FACES und Initiator der FACES klammheimlich seine Heimat verlassen und war nach Houston übergesiedelt. Nicht freiwillig, sondern bedingt durch seine heimtückische Erkrankung (Multiple Sklerose). In Texas (und anderswo in den USA) erhoffte er sich Linderung und vielleicht sogar Heilung. Als Musiker war er längst abgeschrieben, seine typisch britische Country-Folk-Rock-Melange wollte eh niemand mehr hören. In die Saiten greifen konnte Ronnie, bedingt durch seine Krankheit, auch nicht mehr.

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Lektion 20: Von Viren und Nähkästchen

Aufregung in der HINTERNET-Redaktion. Unsere neue Dauervolontärin, Fräulein BwieBusen, ist, kaum drei Tage im Amt, auch schon verletzt. Die bezaubernde junge Dame, gerade ins süße pkwführerscheinerwerbsfähige Alter gekommen, wollte einen Surfkursus am Timmendorfer Strand absolvieren und aus diesem Grunde vorbereitende Trockenübungen in den Reaktionsräumen abhalten. Leider geriet sie dabei aus dem Gleichgewicht, stürzte nach hinten und fiel, mit den allerwertesten Pfunden ihres erregenden Körpers, auf ein skandalöserweise herumstehendes Nähkästchen, aus dem eine verdammt spitze Nähnadel ragte…Ui, das tat weh! Dankenswerterweise ist Chef Walter ausgebildeter Rettungssanitäter, und seinen Erste-Hilfe-Maßnahmen – „Machen Sie sich frei, Fräulein BwieBusen! Nein, noch freier!“ – ist es zu danken, daß außer einer ziemlich häßlichen und schmerzenden Wunde das Fräulein mit dem Schrecken davon kam.

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The Stranglers: Live

Sympathische Stimme, flotte Stakkato-Drums, nervöse, spinetteske Keyboardpassagen, sanfte Riffs und schmissige Hooks, die ohne große Probleme reingehen. So lässt sich seit 25 Jahren unverändert die Musik der Stranglers beschreiben. 14 reguläre Studioalben Alben, einige Best Of- und Live-Alben später haben die Würger aus der Urpunk-Zeit ihre Ratte noch einmal über ein CD-Livecover krabbeln lassen.

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Cla: Lustro

Saftige Schrammelgitarren, lustiges Elektronik-Geblubber und süße Pop-Hymnen – was will man mehr? Kaum was. Außer genauer zu wissen, wo Cla eigentlich herkommen. Von irgendwo, wo man portugiesisch spricht, das steht mal fest. Daher wohl auch die Wärme und der manchmal Fotonovela-artige Schmelz ihrer Songs. Bittersüß ist der, rührend und herb eben.

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Szenen einer Ehe (7)

Upps, wie konnte das nur passieren? Ich bin aber auch enttäuscht von Ihnen, meine werten Leser und Leserinnen. Warum haben Sie nicht sofort nachgehakt und sich beschwert? Dann hätte ich nie und nimmer vergessen, von meiner Flitterwoche auf Djerba zu berichten. Von diesem schicken, mit Marmor ausstaffierten Luxushotel, der dazugehörigen überdimensionalen Poolanlage, dem bezaubernden Wetter mit seinen Mittzwanziger-Temperaturen, dem Sandstrand, dem Büffet, das mir morgens und abends das Füllen meines Magens erleichterte, dem fast schon penetrant netten Dienstpersonal, das einem jeden Wunsch von den Lippen abzulesen imstande war, dem türkischen Bad, dem Ausritt meiner Frau, dem idyllischen Golfplatz, den wir nur betraten, um uns vom übernetten Hotelfotograf ein paar „kitschige Fotos“ (O-Ton meiner Schwiegereltern) schießen zu lassen…

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Lektion 19: Wenn der Rechner abstürzt

Neulich abends – ich blätterte gerade in meinem Salat – erreichte mich ein Handy-Notruf von Herrn Reinhold M., dem bekannten Alpinisten und Buchautor. „Hilfe!“ keuchte der Meister, schwer nach Atem ringend. „Ich habe soeben zum 145. Mal zusammen mit meinem Rechner den Mount Everest bestiegen, in der Absicht, dort oben auf dem Gipfel mein neuestes Werk, „Ich habe soeben zum 145.Mal zusammen mit meinem Rechner den Mount Everest bestiegen“ zu verfassen. Und jetzt das! Eine Sekunde nicht aufgepaßt – und dieses Schrottding von Rechner ist abgestürzt. In eine mindestens 400 Meter tiefe Gletscherspalte. Was kann ich tun?“

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Godspeed You Black Emperor! – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven

Man sollte sich von gängigen Modellen der Gitarrenmusik lösen, tastet man sich an Godspeed You Black Emperor! heran. Sie haben eine ungewöhnliche Auffassung von melodischer Rockmusik. Ihr neues Album „Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven“ wird einen auf eine Reise in ein entferntes und unbekanntes Terrain entführen. Es sei denn, man ist bereits mit „Kid A“ von Radiohead oder den Veröffentlichungen von Sigur Ros oder Mogwai vertraut. Dann ist zu erahnen, was einem gutes widerfahren könnte. Egal ob Post-Rock, epischer Rock, orchestrale Instrumental- oder sphärische Filmmusik, eine adäquate Schublade muss für GYBE! erst noch gezimmert werden.

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a.c. acoustics: Understanding Music

Sie gehören zum festen Bestandteil der schottischen Musikszene, die derzeit auf den Eckpfeilern Arab Strap, Mogwai, The Degados, Belle & Sebastian und Looper aufgebaut ist. Fast alle genannten entstammen der kulturellen Metropole Schottlands: Glasgow. So auch a.c. acoustics, die sich 1990 gegründet haben und dank John Peel in Großbritannien schnell einen Namen hatten. Der Kult-DJ spielte ihre Peel Session gleich dreimal. Das können nur wenige Bands von sich behaupten.

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Fatboy Slim: Halfway Between The Gutter And The Stars

Jegliche Skepsis ist unangebracht. Norman Cook alias Fatboy Slim, DJ und Ehegatte der Radio 1-Moderatorin Zoë Ball, hat es wieder einmal geschafft, ein erstklassiges Album zu produzieren. Allerdings eines, dem man mehr Zeit widmen sollte als braucht, um einen Apfel zu schälen oder eine 5 Minuten-Terrine aufzukochen. Unter drei Gängen sollte man nicht vom Tisch gehen dürfen.

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