Englands zynischste Band ist wieder da. Elf Jahre nach den Housemartins und 7 Alben später hat die Band um Paul Heaton und Dave Rotherays ihre lyrische Bissigkeit immer noch nicht verloren. Musikalisch sind sie ein bisschen ruhiger geworden, was allerdings die Texte noch zynischer hervorstechen lässt. In Kombination mit so lieblichen Melodien wie beim Opener „Who’s Gonna Tell?“ knüpft die Band an ihre vergangenen Werke an, obwohl die neue CD um Einiges schwermütiger und introvertierter geworden ist.
WeiterlesenSteve Van Till: As The Crow Flies
Steve Van Till ist Mitglied bei Neurosis und deren Parallelband Tribes Of Neurot. Mit dem apokalyptischen, brachialen Sound der Kalifornier, hat das erste Soloalbum des Gitarristen aber gar nichts zu tun. Zwischen 1996 und 1999 hat er in Zeiten der Muse und Stille zuhause gesessen und eigene Songs auf einer Akustikgitarre geschrieben. Die ähneln eher dem Schema, wie es bekannte Singer/Songwriter anwenden und gewidmet hat er seinen musikalischen Alleingang seiner Frau und seinem Kind.
WeiterlesenRoni Size/Reprazent: In The Mode
Mit „New Forms“ schuf er 1997 einen Meilenstein des Drum’n’Bass und war der Heilsbringer, der Messias der Szene und bekam dafür den Mercury Music Prize überreicht. Mit seinem Kollektiv Reprazent, dem DJ Die, DJ Krust, Suv, Sängerin Onallee, Bassist Si John, Schlagzeuger Rob Merrill und MC Dynamite angehören, setzte er Maßstäbe, die vielleicht nur ein LTJ Bukem noch erreichen kann.
WeiterlesenLektion 17: Fehlermeldungen

Über eines sollten Sie sich im Klaren sein, sobald Sie Ihren Rechner einschalten: SIE machen keine Fehler! Fehler macht allein der PC, und sein größter Fehler ist die Ausgabe von Fehlermeldungen, die als aparte Fenster zur Hölle die Wände unserer heilen Userwelt durchbrechen(poetisch, was?).
Aber was soll’s. Nichts produzieren Computer lieber als Fehlermeldungen. Wir unterscheiden, grob betrachtet, vier verschiedene Arten, uns den letzten Nerv zu rauben: numerisch codierte, alphabetisch explizierende, Ausnahme- und schwerliterarische Fehlermeldungen.
WeiterlesenYeah Yeah Yeahs: Machine

Cover Yeah Yeah Yeahs – MachineOkay, Polly Jean Harvey, die etwas hagere Sexgöttin des Indierock mit ihren großen Ich-schluck-Dich-in-einem-Stück-runter-Junge-Lippen, die mal mit Nick Cave ein wunderbares Duett eingesungen hatte, hat also Acid genommen und mit ihren Begleitmusikern, die von der Jon Spencer Blues Explosion (oder eher doch von Boss Hog?) stammen müssen, einige verrückte Songs aufgenommen.
WeiterlesenThe Wallflowers: Red Letter Days
Würde das neue Album der Wallflowers „Blue Letter Day“ heißen, könnte ich wunderbar einleiten, dass die Versetzung des Dylan-Spross‘ zwar nicht gefährdet ist, aber der kleine Jakob nicht mehr der Klassenprimus ist, der er einmal war.
WeiterlesenThe Masons: The Masons
Packt die Lederjacke aus, schmiert euch Gel oder Wachs in die Haare, zieht die Pornodarsteller/Polizistenbrille an, springt in stone washed blue jeans, stülpt ein hautenges Shirt über, steckt euch eine platt gesessene Kippe an, stöpselt die Gitarre in den Verstärker ein und lärmt los. So müssen sich die Dame und die Herren der Masons gefühlt haben, als sie wieder einmal im Studio losrock’n’rollten.
WeiterlesenDrei Engel für Charlie
Vielleicht ist das der Unterschied zu den Achtziger Jahren: damals waren zu Breitwand-Format aufgeblasene MTV-Clips mühelos als solche zu durchschauen. In den Neunzigern geht das nicht mehr so leicht… Der ganze Trick besteht darin, gar nicht erst zu versuchen, irgendwas zu vertuschen. Die Neuauflage der drei Engel nimmt sich selbst, das Kino und seine Effekte so offensiv auf den Arm, dass es eine Freude ist. Auf jede Action-Szene kommt eine Disco-, Strand- oder Party-Szene, „stylish“ war schon das Zauberwort des Originals, und die Neuauflage wuchert mindestens ebensosehr mit diesem Pfund. Der ganze Streifen ist vollgepackt mit Gimmicks und coolen Song, sogar an eine Autorennen-Szene wurde gedacht, mit prall gefüllten Overalls und Carrerabahn-Flair. Ach, herrlich…
Die Engel 2000 bestechen immer noch durch trendy Frisuren und hippe Outfits, schön sind alle drei – aber diesmal auch sportlich, und zwar nicht nur der Figur nach. Soviel Körpereinsatz hätte man ihnen gar nicht zugetraut. Nicht, nachdem sich ihre Fernsehvorbilder durch federnden Gang und lustiges Sich-in-Deckung-Rollen immer schon völlig verausgabt hatten. Und die Waffen erst… Alles Hi-Tech. Es wird also geballert, an Flugzeuge geklammert oder aus ihnen rausgesprungen und getaucht, was das Zeug hält – wenn die Damen nicht gerade in sexy Schutzanzügen halsbrecherische Touren unternehmen (Matrix und Mission Impossible lassen grüßen) oder Gegner mit asiatischer Kampfkunst niederstrecken. Mancher Fight gerät zeitlich zur Orgie, aber – siehe oben – wie auch immer gearteten „Realismus“ hat sich dieser Film ohnehin nicht auf die Fahnen geschrieben, sondern Style, Tempo, Action und Fun. In dieser Reihenfolge.
Langweilig wird´s also nie. Und lustig ist es obendrein noch. Denn irgendwie sind die Engel ja auch nur Mädels von Nebenan, kriegen keine Muffins hin, und auch mit den Männern hapert es… Clever und rasant, ein Feuerwerk für´s Auge. Irgendwie ist es gelungen, Original und Fälschung zu verschmelzen. Richtig symbiotisch schmiegen sich beide aneinander. Ob es nur ist, dass die 70er ohnehin wieder en vogue sind, oder ob sich in L.A. einfach kaum was verändert hat? Who knows. Ach ja, eine Story gibt es übrigens auch noch: ein Wahnsinniger (optisch irgendwo zwischen Grunger und Start-Up-Unternehmer) versucht mit allerlei datentechnischen Finessen, alle Welt zu täuschen und Charlie zu töten. Spannend und überraschend! In weiteren Nebenrollen: viel Technik, viel EDV und Bill Murray als AB-Maßnahme namens „Bosley“. Selbst wenn alle Opfer gerettet und alle Bösen überführt wären – der trottelige Engel-Koordinator säße noch immer in irgendeiner Falle und müßte befreit werden. Keine schmeichelhafte Rolle, leider auch noch viel zu grandseigneurhaft gegeben.
Ansonsten: klasse! Ein Film, der nach neuen Engel-Barbiepuppen schreit. Und nach Kaugummi-Sammelbilchen, Haarbürsten, Strumpfhosen, Deos, Jeans, Haarteilen…
3 Engel für Charlie
Regie: McG
Darsteller: Cameron Diaz, Drew Barrymore, Lucy Liu,
Bill Murray, Sam Rockwell, Kelly Lynch, Tim Curry
Skyclad: Folkémon
Warum kickt die gleiche Gurkenmannschaft beim neuen Trainer um Längen besser als beim Vorgänger? Warum veröffentlichen Künstler nach einem Label-Wechsel bessere Platten? Skyclad sind zwar weit entfernt von einer Gurkenmannschaft, aber die vergangenen Alben waren nur noch gutes Mittelfeld. Und siehe da, die alte Gleichung „neues Label = neues Glück“ hat wieder mal funktioniert. Ich konnte nie genau festmachen, warum die CDs „Vintage Whine“ und „The Answer Machine?“ nicht wirklich zündeten; „Folkémon“ gibt jetzt die musikalische Antwort.
WeiterlesenMark Olson & The Original Harmony Ridge Creekdippers: My Own Joe Ellen
Seit Mark Olson The Jayhawks verlassen hat, machen die nur noch (sehr gekonnten) Pop. Wahrscheinlich kann Gary Louris gar nicht anders, denn die Roots-Music hat Mark Olson bei seinem Weggang mitgenommen und bei sich in der Scheune eingesperrt. Gemeinsam mit seiner Frau Victoria Williams und den Original Harmony Ridge Creekdippers holpert hier ur-amerikanischer Folk aus den Boxen. 10 staubtrockene Roots-Stücke mit weinerlichen BGVs, Drums die klingen, wie umgedrehte Eimer, abgerundet mit der knödeligen Stimme von Mark Olson.
WeiterlesenJack Frost: Gloom Rock Asylum
Setzt man die Herkunft der Band (Österreich) mit dem Albumtitel in Verbindung, kann man nur zu einem Schluss kommen: Der Doom-Rock hat Asyl in Linz gefunden. Warum ist er geflohen und vor wem? Er scheint sich aber ganz wohl zu fühlen – zumindest in den ersten beiden Titeln. Das Intro „Sober“ und das anschließende „You Are The Cancer“ sind schleppend melodisch und absolut erinnerungswürdig.
WeiterlesenThe 69 Eyes: Blessed Be
„Gib mir den Kajal zurück, ich brauch‘ dein Gegrinse nicht…“ Falls ihr in den nächsten Tagen nichts anderes vorhabt, als euch in eine Winterdepression zu stürzen, dann hört „Blessed Be“. Seit HIM vergisst man zu gerne, dass es einen Haufen (finnischer) Bands gibt, die dem düsteren Rock schon länger frönen. Wer es weniger narzißtisch und dafür etwas härter mag, sollte Bands wie Sentenced oder eben The 69 Eyes antesten.
WeiterlesenBernd Begemann: Sag Hallo zur Hölle
Glanz und Elend der Großstadt wollte er einfangen. Und die Menschen der Großstadt feiern, der Bernd Begemann. Die Erläuterungen zu seinem Album klingen genauso poetisiert wie alles aus dem Mund dieses wohl besten deutschen Singer-Songwriters. Was er anpackt, umgibt er mit einer Aura. Gekleidet in wohlfeile Worte. Gesungen mit samtweicher „Kandisstimme“ (Spex), manchmal auch mehr gehaucht, gehacht (kein Druckfehler!). Und meist liebevoll übertrieben, nein: ausgekostet. Er legt sich halt richtig rein in seine Texte, wie man es sonst nur vom Schlager kennt. Dieses Militant-Emotionale, Affektierte, in sich Versunkene oder einfach nur Herzzerreißende. Mit dem schnoddrigen Charme des Westphalen, der schon zu lange in Hamburg lebt und I´s gern als Ü´s ausspricht. Ürgendwie…
WeiterlesenLoonatikk: Devildance The Killerrock
Mich hat’s nicht wirklich in den Ohren gejuckt, die CD anzuhören. Der Pressetext tönt:“Das schwäbische Trio rockt wieder unbeschwert drauf los und transportiert mit seinem schnörkellosen Rock’n’Roll den Spirit von Elvis Presley ins Jahr 2000″. Ich fand nicht, dass das spannend klingt, aber die Drei rocken wirklich wie die Hölle und sogar der Elvis-Vergleich macht Sinn. High Energy-Rock’n’Roll mit einem Sänger zwischen dem King und Billy Idol. Musikalisch klingen Loonatikk wie eine rau geschmirgelte Version der Stray Cats, aber mit zu viel Rockabilly, um als Rotz- oder Schweinerocker durchzugehen.
WeiterlesenLektion 16: Ein Gespräch mit Herrn AOL

Helle Aufregung in den HINTERNET!-Redaktionsräumen. Herr AOL persönlich hat sich zu einem „roundtable“-Gespräch angekündigt, und nach dem spontanen Ankauf einer solchen Rundtafel sitzen wir gespannt um selbige und starren zur Tür, durch die ER gleich treten wird: Beherrscher des WWW, Weltmeister der Niveaulosigkeit, Zelebrator der schrottigsten Software seit Adams Reinfall mit dem Apfel.
WeiterlesenPatty Larkin: Regrooving The Dream
Patty Larkin sieht auf dem Cover aus wie der Schrecken der Südstaaten. Es fehlt eigentlich nur ein Hauskleid oder eine Kittelschürze, um alle Klischees zu erfüllen. Aber wie so oft im Leben zählen auch bei CD-Boxen die inneren Werte. Patty Larkin ist eine famose Songwriterin mit einer bemerkenswerten Stimme. Leicht belegt, etwas pudrig schickt sie den Hörer auf eine Reise in 14 Etappen, immer mit dem Hintergrund, das Leben zu überdenken. Im Booklet schreibt sie „We are forced to rethink things, to muster our energy and refocus our sights- to regroove, to start again- to regroove the dream.“
WeiterlesenInternal Void – Unearthed
Doom-Fans können sich die Hände reiben, schließlich steht abermals ein Leckerbissen aus dem Hause ‚Southern Lord‘ auf dem Programm. Labelchef Greg Anderson, Mitglied bei Goatsnake, hat sich die Ur-Doomer Internal Void gekrallt, die vor Jahren einmal ein Album („Standing On The Sun“, 1992) über das Berliner Label ‚Hellhound‘ veröffentlicht hatten. Auch im Jahre 2000 klingt deren Musik frisch und zeitgemäß. Sie haben richtig gelesen. Ich schrieb und meine: zeitgemäß.
WeiterlesenDead Man Ray: Berchem Trap

Die Arbeitsweise der in die Band Dead Man Ray involvierten Musiker ist ungewöhnlich, aber zeitgemäß. Sie jammen im Proberaum und schneiden jede Sekunde mit einem 2-Spur-Gerät mit. Am Computer werden die Elemente Gitarrenriffs (insgesamt drei Gitarren, jedoch kein Bass), Schlagzeugrhythmen und Loops zu Songs verwebt, die unzweifelhaft die Handschrift der belgischen Ausnahmemusiker tragen.
WeiterlesenChung: Chung
„Noise’n’Roll“ verspricht die Plattenfirma. Treffender kann man die Musik von Chung nicht beschreiben. Basierend auf klassischen Rock’n’Roll-Strukturen mischen sich tapfer Schweinerock, Punk, Trash-Metal (nur ein bisschen!) und Rockabilly-Licks in den Sound. Dass das nicht leise von statten geht, kann man schon erahnen ohne einen Takt gehört zu haben.
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