Soundtrack: Lola rennt

Wer den Film gesehen hat, weiß, was Sache ist: Thema mit Variationen. Das ist das Prinzip der Geschichte und infolgedessen auch der Musik. Auch die vielen Remixe sind folgerichtiges Produkt dieser Philosophie. Regisseur Tom Tykwer hat die Sache selbst in die Hand genommen, was nie schaden kann, und sich mit den 80er-Veteranen Reinhold Heil (Ex-Spliff) und Johnny Klimek (Ex-The Other Ones) tatkräftige Unterstützung ans Mischpult geholt. Rausgekommen ist ein originelles Techno-Kraftpaket mit knüppelharten Beats und einem Wust greller Synthie-Sounds. Sphärig wabernd, aber straff geführt wummern sich die Aggresso-Songs bis ins Mark.

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Faithless: Sunday 8pm

Für Bands wie Faithless hab ich immer Hammer und Meißel neben dem CD-Player liegen, denn ihre Produkte sind dem Gerät nur schwer wieder zu entreißen, nachdem sie mit meinem Ohr eine perfekte Symbiose eingegangen sind. Nun, an die neue Faithless mußte ich mich erst etwas gewöhnen, denn im Gegensatz zum ziemlich heterogenen Debüt-Album mit seinen griffigen, härteren Songs ist „Sunday 8 pm“ mehr was fürs Chill Out oder für schummrigen Stehblues.

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Frl. Katjas Nähkästchen, Folge 5

Uff, die Wahl ist rum. Obwohl ich es jedesmal wieder liebe, diese Stimmabgabe so richtig live und vor Ort, diese Zeitreise ins Wahllokal (das immer in einer Schule sein muß!) mit seinem vorsintflutlichem Retro-Charme, der nichtmal durch ein einziges winziges Bit Hightech gemindert wird! Dies war meine dritte Bundestagswahl, und jedesmal in einer anderen Stadt. Aber mit Wahllokalen ist es dasselbe wie mit McDonalds-Filialen: sie sehen alle gleich aus und sind deshalb an jedem Ort ein Stück Heimat. Da sind die häßlichen, nackten Sperrholzkabinen, die mausgraue Plastikurne – wie immer herrlich improvisiert mit dem obligatorischen Schnellhefter abgdeckt -, in die man mit betont harmloser Miene seine demokratische Briefbome fallen läßt. Da sind die freundlichen, wie immer geschäftig mit zahlreichen Listen raschelnden Wahlleiter, denen man gern noch mahnend zurufen möchte: Schön aufpassen nachher beim Auszählen!

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Interview: Red Snapper

„Die große, braune Kiste ist ein Baß!“

RED SNAPPER, die Band aus England, die mit ihrem letzten Album „Prince Blimey“ und der dazugehörigen Tour (u.a. mit Prodigy) auch im Rockbereich für Aufsehen sorgen konnte, legt jetzt das neue Album „Making Bones“ vor. Eigentlich schon für den 13.7. diesen Jahres angekündigt, konnte man vermuten, daß die Verschiebung des VÖ’s aus den üblichen produktions-technischen Gründen erfolgte. Aber weit gefehlt:
„Wir dachten, daß die Fußball WM und ein neues RED SNAPPER-Album einfach zuviel für die Menschheit gewesen wäre. Außerdem gehen die Geschäfte für Tonträger im Moment nicht sonderlich gut.“

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Interview: Gry

Die Stimme aus dem hohen Norden
„Ich weiß nur noch, daß ich quasi aus dem Nichts in einen Raum mit vielen Instrumenten kam“ – viele Karrieren haben auf diese Art und Weise begonnen, die uns Gry, eine 22jährige Sängerin aus Kopenhagen, beschreibt. Resultat ihrer Zusammenarbeit mit dem Ex-Einstürzende Neubauten-Haudegen F. M. Einheit ist die CD „Touch of E!“ (Roughtrade), die mit filmreifen Trip-Hop aufwartet. Eine Hyme, ein Melodram, ein Shanty – bunt schillern die Songs allemal und schicken den Hörer auf die eine oder andere Reise durch seine Gefühle und Erinnerungen. Daß Gry schon jetzt mit Größen wie Beth Gibbons (Portishead) und Björk verglichen wird, sei nur nebenbei vermerkt. Martin Schrüfer unterhielt sich mit den beiden Musikern.

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Pole: LP 1

POLE ist Stefan Betke aus Berlin. Er arbeitet in einem Mastering- Studio in Berlin und bei der Gelegenheit ist ihm der namensstiftende Pole-Filter mal irgendwann zu Boden gefallen, was uns, den Hörern, jetzt diesen typischen, an verkratzte Schallplatten erinnernden Sound beschert hat. Ein absolut charakteristischer Sound, der, in seiner Einzigartigkeit und gleichzeitigen Un-Kontrollierbarkeit, aber „nur“ ein Teil eines Gesamt-Sounds ist, der im Tief-Frequenzbereich mit beiden Beinen im Dub und Reggae verwurzelt ist. Deswegen ist LP 1 auch eine rundum entspannte Sache für entspannte Leute geworden.

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Dance Of The Wind

Für den Westen eher ungewöhnlich, lebt die indische Tradition von ihrer mündlichen Überlieferung. Auch die klassische Hindu-Musik wird seit über 5.000 Jahren ohne Notendruck oder Tonträger von Gesangslehrern an ihre Schüler weitergegeben und schafft damit eine starke geistige Bindung zwischen ihnen. Genau dieses Band ist es, daß die erfolgreiche indische Sängerin Pallavi (Kitu Gidwani) abzustreifen versucht. Von Kindesbeinen an wird sie von ihrer Mutter Karuna Devi (Kapila Vatsyayan), selbst eine gefeierte Vokalistin der alten Weisen, in den Gesetzen des ausgeklügelten Melodiesystems unterrichtet.

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Dark City

Finsterer Morgen in einem dunklen Hotelzimmer: Ein Mann (Rufus Sewell) kommt zu sich und erinnert sich an gar nichts mehr. Schon gar nicht an die blutüberströmte Tote neben ihm. Als ihm endlich sein Name John Murdoch zu Bewußtsein kommt, muß er auch schon das Weite suchen, denn Inspektor Bumstead (William Hurt) klopft bereits an die Tür und will ihn als Serienmörder hinter Gitter bringen. Nur stückchenweise spielt ihm sein Gedächtnis während der Flucht Informationen über seine Frau Emma (Jennifer Connelly) und seine Jugend zu. Außerdem begegnet er dem zwielichtigen Psychiater Dr. Schreber (Kiefer Sutherland), der offensichtlich mehr über die mysteriösen Vorgänge weiß, aber kurzerhand immer wieder verschwindet. Im Untergrund macht sich zu gleicher Zeit ein Gruppe ominöser Glatzköpfe per Telekinese Gedanken darüber, wie sie Murdoch noch vor der Polizei schnappen. Sie sind nämlich der Grund für die sich täglich verändernde Realität, die John so dringend zu ordnen versucht – was ihm keinesfalls gelingen darf.

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Love Is The Devil

Love Is The Devil

„Es ist unmöglich, die Lust zu definieren, aber nach meinem Gefühl besetzt der Schrecken so ziemlich dasselbe Terrain.“ Dieser und ähnlich pessimistische Aussprüche sind typisch für Francis Bacon, berühmter Künstler und Mittelpunkt der Londoner Bohème von 1964. Der homosexuelle Maler läßt sich kein Abenteuer entgehen und bittet darum den jungen Ganoven George Dyer, den er gerade beim Einbruch in sein Atelier erwischt hat, ihm als Lustknabe zu dienen. George bleibt und begeht den Fehler, sich in Francis zu verlieben.

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Gonzalo Martinez and his Thinking Congas: s/t

Als ich unlängst über ein Defizit an Latino-Klängen auf dem hiesigen Musikmarkt jammerte, dachte ich dabei weniger an Musik wie diese: Easy Listening aus lateinamerikanischen Billiglohnländern. Auch die Keyboarder-Gewerkschaften, ohnehin durch den Schwund an zahlenden Mitgliedern in die Krise geraten, klagen an. Aber nun gut. Kennt noch jemand die kleinen Spielzeug-Synthie-Computer mit den blinkenden Farbfeldern, wo man entweder vorgeblinkte Melodien nachspielen mußte oder selbst welche eingeben konnte? Do-it-yourself-Casios und -Moogs, die offenbar heute noch Gonzalo Martinez und seinen denkenden Congas gute Dienste leisten.

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Fuck: Conduct

Sie gelten bei der amerikanischen Journaille als schwer zu definieren, die vier Komiker, die unter dem treffenden Namen FUCK ziemlich abgefuckte, coole Musik schreiben, die sich tatsächlich in keine Schublade zwängen läßt. Mit Gitarren-Rock könnte diese Musik ausreichend umschrieben sein, würde dem Ganzen aber keineswegs gerecht werden. 1994 wurde mit der ersten Single der Grundstein für eine Fülle von Veröffentlichungen gelegt, die momentan in dem Release des vierten Albums eine kurze Pause erfährt.

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Dubadelic: Bass Invaders

„Propelled beyond the time zone into a dark dimension of space we rejoin the story after the end of the world.“

Da sitz ich jetzt. Nach dem Ende der Welt. In einer dunklen Dimension des Weltraums und ich bin schon wieder mittendrin in der Story. Ging der erste Teil (Dubadelic-„2000: A Bass Odyssey) bekanntlich damit zu Ende, daß Prinzessin Leia mit Darth Vader in den Honeymoon zum Planeten Deirdre im Quadranten Casopeia 9834 entschwand um endlich einmal vor diesen beiden Blecheimern sicher zu sein sind unsere Helden (Bill Laswell, Spectre, Dr. Israel und The Eye), auch diesmal beschützt von der „Mighty Unseen Force“, wieder unterwegs zur Erforschung des Geheimnisses der verschollenen Dubplates. Und wieder einmal sind faszinierende Abenteuer im Tieffrequenzbereich zu bestehen.

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Sheryl Crow: The Globe Sessions

Das CD-Cover bringt es schon zum Ausdruck, die Platte „The Globe Sessions“ ist klar auf eine Person zugeschnitten: Sheryl Crow. Vorn das Gesicht, hinten ist sie ganz zu sehen, nachdem Aufklappen sieht man sie halb. Legt man die Platte auf geht es weiter, die Stimme von Miss Crow ist eindeutig im Vordergrund, der Rest der Band macht seinen Job. Naja macht auch Sinn, Frauen sind in der letzte Zeit weit oben in den Charts und Sheryl Crow ist ja eh ein Star.

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Clipper: Schön gedacht (Demo-MC)

Sechs Titel von der jungen Band aus dem Saarland. Gut produziert und schön verpackt. Songs der etwas anderen Art mit deutschen Texten von bisher unerreichter Qualität, zumindest das Saarland betreffend. Gut , ich hör‘ euch schon „Hamburger Schule“ rufen und seh‘ euch schon gähnen, aber obwohl „Hamburger Schule“ und „Pullunder Rock“ Begriffe sind, auf die sich Clipper in ihrem Info auch direkt beziehen, werden diese abgedroschenen Schlagwörter der Band nicht gerecht.

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