Swell: Too Many Days Without Thinking

Raum
Um ihr viertes Album aufzunehmen, haben Swell das Haus mit der Nr. 41 in San Francisco verlassen. Bei Swell wohl eine sehr bewußte Entscheidung, denn keine andere Band stellte den Aufnahmeort so in den Vordergrund. Der Raum wurde als natürlicher Resonanzkörper verstanden, der den eigenen Sound der Band schuf. Als Zuhörer konnte man sich der Musik von Swell sehr nahe fühlen. Man befand sich im gleichen Raum. Dieser Eindruck wurde durch die Aufnahmen mit einem Mikrofon, welches die Band einfach aus dem Fenster hing noch verstärkt. Ein Bus hielt vor der Tür, Leute stiegen aus und redeten, Autos fuhren vorbei und Swell begann zu spielen. Ich stellte mir vor in einer Ecke zu sitzen und zuzuhören.

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Eläkeläiset: In Humppa we trust – live

Tja lieber Leser, bei dem Bandnamen ahnt man es schon. Wieder einmal hat sich eine CD aus dem hohen Norden Europas in meinen CD-Player verirrt. Finnischer Humor in Musikform. Bildlich gesprochen: Man nehme einen Haufen wenig oder merkwürdig (Bärte, Cowboyhüte, etc.) gekleidete Finnen, stelle sie auf eine Bühne und lausche ihrere Interpretation moderner Pop- und Rockmusik. Eigentlich spielen sie nur Polka und singen Humppa. Andererseits sind es Songs von Queen, Oasis, Billy Idol, The Cure, The Cranberries, Jim Morrison und anderen. Schon die Auswahl der Musik zeigt daß die Jungs vor wenig zurückschrecken.

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Giuseppe Culicchia – Knapp daneben

Walter ist 21, hat sein Abitur in der Tasche und keine Ahnung, was er in der italienischen Gesellschaft verloren hat. Sicher ist nur, daß er weder den Militärdienst ableisten möchte, noch ein Lohnsklave bei Fiat werden will. Also verweigert er erst mal und schreibt sich in der Wartezeit an der Uni für ein paar Philosophiekurse ein. Zuhause geht ihm sein Vater auf die Nerven. Ständig von dumpfen Gameshows zugedröhnt schnautzt der Walter an, endlich etwas aus seinem Leben zu machen, beispielweise eine Karriere bei Fiat.

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Fred Konkret (1)

Nichts Neues von der Insel-Na und?!

Mangelnder Einfallsreichtum und Eigenbrödlertum- so wird die Musikkultur Großbritanniens in der deutschen Musikpresse oftmals stigmatisiert und kritisiert. Ist diese Art Allergie deutscher Rezensenten auf den englischen Musikmarkt die Folge amerikanischer Indoktrinierung während der Besatzungszeit? Ist dieses sich Wehren gegen den Einfluß der Popkultur schlechthin ein Unverständnis für eine Tradition weil man in Deutschland selbst keine große Pop-Tradition vorzuweisen hat? Fred Scholl geht dem Phänomen auf den Grund.

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Michel Birbæk – Was mich fertig macht ist nicht das LEBEN, sondern die Tage dazwischen

Tacheles ist Sänger in der Band MOM (Männer oder Mäuse, gibts wirklich!). Tacheles hat einige Probleme. Und das macht ihn sympathisch. Die Toureinnahmen reichen gerade mal aus, um die Kosten für Sprit, Verpflegung, Unterkunft, Strafzettel und Bier zu decken. Damit nicht genug wird sein Leben um einige Stufen komplizierter, als seine Ex wieder in der Stadt auftaucht. Diese ließ ihn vor einem Jahr sitzen. Nach einem gemeinsamen intensiven Sexnachmittag ist es wieder um Tacheles geschehen. Alle guten Vorsätze sind vergessen. Das Problem ist nur, daß er nicht genau weiß, ob sie ähnlich fühlt. Eigentlich war das schon immer die große Frage zwischen ihnen. Außerdem gibt es da noch Britta, seine beste Freundin, die ihn liebt.

Das Ganze wäre vielleicht noch zu ertragen, wenn Tacheles‘ Mitbewohnerin mit ihrer dezenten Nymphomanie ihn nicht zu Wahnsinn treiben würde. Oder eine alte Feindin der Bandkarriere ständig Steine in den Weg legte. Klingt nach Chaos, ist Chaos. Kurz, es muß sich etwas ändern. Aber dazu muß Tacheles erstmal herausfinden, warum ihn sein Vater früher immer mit zum Fischen nahm.

Der Roman ist wie ein gutes Rockstück geschrieben: schnell, hektisch, übertrieben, laut, voller Lebensgefühl, aber auch mit leisen nachdenklichen Zwischentönen. Im weitesten Sinn ist es die moderne Version von der Suche nach dem Gral. Ideal zu lesen, wenn man unterwegs ist oder an verregneten Sonntagnachmittagen.

Michel Birbæk
Was mich fertig macht ist nicht das LEBEN,
sondern die Tage dazwischen
Rütten und Loening 29,90 Deutschmark
ISBN 3-352-00531-1

Locust Fudge: Business Express

Und mal wieder eine neue Veröffentlichung der aktivsten Mitglieder in der ostwestfälischen Musikszene. Schneider/Uhe (Ostwestfalen) meets mal wieder Weilheim (Bayern). Erklärtes Ziel der Musiker ist es von den Früchten ihrer (musikalischen) Arbeit leben zu können (siehe auch die Interviews mit Sharon Stoned und Hip Young Things). Da man sich aber nicht beim Massenpublikum anbiedern möchte, muß halt ständig neues und überarbeitetes Material unter die kleine Fangemeinde gebracht werden.

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Boywonder: Deep Fried Peace

Man stelle sich vor: die Zeit nach Erscheinen der legendären „Ten“ von Pearl Jam. Anfang der 90er der große Boom des Sounds aus Seattle. In den folgenden Jahren entwickelten sich alle großen Protagonisten weg von diesem ursprünglichen, sehr markanten Sound in Richtung Standard Moderne Rockmusik der sicher auch sehr interessant und schön ist aber doch kaum vom Rest der Welt zu unterscheiden ist. Die aktuellen Scheiben der Pearl Jam, Soundgarden und wie sie alle heißen könnten auch von der Ostküste oder sogar aus Europa kommen.

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Paul Austers Stadt aus Glas

Mazzuccellis Bilder der Großstadt

Bei Stadt aus Glas handelt es sich um den ersten Teil der New York Trilogie, die hierzulande wie in den Staaten in nicht unwesentlichem Maß für Austers Reputation verantwortlich ist. Um Mißverständnissnen vorzubeugen: es handelt sich bei dieser Trilogie nicht um einen Roman in Fortsetzung sondern um drei Romane, die nur lose miteinander verbunden sind und auch für sich alleine Sinn ergeben. Tatsächlich erschien Stadt aus Glas mitte der Achtziger bei Hoffmann & Campe zunächst separat, noch ehe der letzte Teil der Trilogie im Original vorlag. Diese – wenig bekannte – erste Einführung Austers auf dem deutschen Buchmarkt war allerdings nicht von verkäuferischem Erfolg gekrönt, und so ist es schließlich dem Einsatz des Rowohlt Verlags zu verdanken, daß Paul Auster sich in Deutschland als einer der führenden amerikanischen Autoren etablieren konnte.

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Hans Platzgumer: Aura Anthropica

Hans Platzgumer – was für ein Name – da denkt man doch eher an die lustigen Volksmutanten, als an eine gelungene CD mit weitgehend elektronischem Material. Hans Platzgumer?? Moment … der Kenner erinnert sich – der Mann hinter H.P. Zinker! Aber was ist das jetzt? Wo sind die Gitarren? Sie sind nur noch spärlich zu finden, dafür schöne epische Piano-Läufe, coole Loops, ein „verlangsamter schwermütiger Ambient-Techno-Sound“ wie der Rolling Stone schreibt.

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Chuck Hogan – Hornissennest

Videotheken scheinen die rechten Startrampen für eine Karriere zu sein. Quentin Tarantino gelang von dort aus der Sprung in die erste Reihe der Kult-Regisseure und bei Chuck Hogan könnte sich eine ähnliche Entwicklung abzeichnen. Bis zur Annahme seines Manuskripts „The Standoff“ hat er auch seine Brötchen mit dem Verleih von Schmuddelfilmen verdient.

The Standoff, deutscher Titel „Hornissennest“ ist die Geschichte einer Belagerung in Montana, der Hochburg der Militia, Survivalists, Verschwörungsparanoiker, Separatisten und Waffennarren, kurz, allderjeniger, die sich von der niggerfreundlichen jüdisch durchsetzten linken Regierung im fernen Washington lossagen wollen.

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George A. Romeros „Night Of The Living Dead“

They’re coming to get you, Barbara!

George A. Romero kann als der Vater der Zombies angesehen werden, zumindest so wie wir sie heute kennen. Als er 1968 mit Freunden und Verwandten den Low-Budget Horrorfilm NIGHT OF THE LIVING DEAD drehte, wollte er etwas noch nie Dagewesenes schaffen. Das glückte!
Doch daß dieser Schwarz/Weiß Schocker noch lange Zeit Auswirkungen auf das Horrorgenre haben würde, konnte sich niemand der Beteiligten ausmalen. Zwar gab es vorher schon einige Filme, die sich dem Thema Untote annahmen (White Zombie, 1932 und I walked with a zombie, 1943), doch hier wurden uns nur entmenschlichte Körper gezeigt, die durch Voodoo-Zauber als willenlose Werkzeuge mißbraucht wurden.

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John Woo: The Killer

„Was Alfred Hitchcock für den Thriller war, das ist John Woo für das Action Kino!“, dieser glückliche Ausruf des „Evil Dead“-Regisseurs Sam Raimi auf dem Toronto Filmfestival taucht immer wieder im Zusammenhang mit dem Hong Kong Filmemacher John Woo auf. Und wirklich, keiner inszeniert seine Actionsequenzen visuell so virtuos wie er. Die Zwischenspiele mit wüsten und ultrabrutalen Ballerorgien, die den Zuschauer wie Arien verzücken, lassen die Spannung los, die sich in den Dialogen angesammelt hat. Jedoch nutzt Woo die Gewalt nicht als Schock oder Spektakel, sondern stellt sie als letzten Ausweg verzweifelter Charaktere dar und das macht sie verständlich – für den Zuschauer wie auch für die Charaktere selbst.

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11th Dream Day: Eighth

Mit „Eighth“ überraschen uns EDD, sie veröffentlichen eine neue Platte, mit der keiner mehr rechnen konnte. Eher hätte man eine Randnotiz in einer Musikzeitschrift erwartet, die lautet : „Amerikanische Underground Kultband Eleventh Dream Day hat sich aufgelöst“. Die letzte Platte (Ursa major – 1994) lief nicht übermäßig gut, Konzerte der letzten Deutschlandtournee wurden abgesagt und Mitglieder der Band sind auch in anderen Formationen aktiv. So ist Bassist Dough McCombs bei Tortoise an den Saiten und Universalgenie (Produzent und Mitmusiker) John McEntire ist eh überall (Tortoise, Sea and the cake, Gastr Del Sol) tätig. Mit diesen Bands ist z. Zt sicherlich eine bessere Mark zu machen, deswegen überrascht eine neue EDD-Platte und eine geplante Deutschland-Tournee schon.

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Interview: Stella

„Glaubst Du, wir meinen das nicht ernst?“

„Stella“ sind zwar nicht mehr jung, dafür aber trotzdem neu. Sie kommen aus der Hamburger Schule, haben aber mit ihren Kollegen nicht viel gemeinsam. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist streiten und auf elegante Art und Weise politische Utopien unters Volk zu bringen.

Das Debut nennt sich ==>„Extralife“: Ein elegantes Stück Musik zwischen Rock, Pop und Wave, das es in sich hat. Hinternet-Mitarbeiter Martin Schrüfer sprach mit den Stellas Elena Lange und Thies Mynther.

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Interview: Laika

Erneuerer der abendländischen Popkultur

„Silver Apples On The Moon“ – so hieß eine der eigenständigsten Platten die im Jahre 1994 auf dem Musikmarkt erschienen sind, und trotzdem waren die Reaktionen seitens der Medien bescheiden. ‚Too Pure‘, eine Art englisches Avantgarde-Label, auf dem zwar schon viele kleine Meisterwerke veröffentlicht wurden, das aber im Allgemeinen als eine Art Insider-Nische für spinnerte Künstler betrachtet wird, saß mit Laikas Erstlingswerk mal wieder zwischen allen Stühlen. Lediglich PJ Harvey, die ihr Debut bei selbiger Plattenfirma veröffentlichte, schaffte den Sprung zum Major-Act. Andere hervorragende Bands, wie Stereolab, Mouse On Mars oder auch Moonshake bleiben den Insidern vorbehalten.

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Fred Konkret (2)

Musik mit Klassenbewußtsein

Von Ikonen und Teutonen im Zeitalter 10 nach Techno

Es sind nun ungefähr zehn bis elf Jahre vergangen, seit House und Techno in Deutschland Fuß faßten, die ersten DJ-Plattenläden wie Pilze aus dem Boden schossen und man in den regulären Läden Chicago- und Detroit – Compilations kaufen konnte. In der Zwischenzeit hat Techno (als übergeordneter Spartenbegriff zu verstehen) die traditionelle Rock und Popsparte eingeholt und befindet sich auf der Überholspur. Es ist viel passiert in dieser Dekade der elektronisch erzeugten Klangwelt. Mittlerweile sind Kraftwerk, die heute zu den Elektropionieren zählen, zu Ikonen avanciert, Acid war Anfang der Neunziger Jahre nicht nur ein Synonym für LSD sondern der populärste Clubsound, und die neueste Entwicklung Drum’n’Bass wird zum Rettungsanker für alternde Rockhelden wie zum Beispiel David Bowie. Darüber hinaus sind die tonangebenden Bands diejenigen, die sich der Verquickung von Technosounds und althergebrachten Rockismen bedienen, namentlich The Prodigy, The Chemical Brothers oder Underworld.

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Ben Becker: Und lautlos fliegt der Kopf weg

„Und lautlos fliegt der Kopf weg“ ist die erste CD des Schauspielers Ben Becker. Der Bruder der Chanteuse und ebenfalls Schauspielerin Meret Becker („Noctambule“) begann vor einem Jahr, eigene Lyrik vorzutragen. Musikalische Unterstützung fand er dabei in Ulrik Spies und Jaki Engelken, die bereits für verschiedene Film- und Theaterprojekte die Musik beisteuerten. Der ungewöhnliche Titel ist gleichzeitig Programm: „Das Wort ‚lautlos‘ hat etwas Weiches, der Rest hört sich sehr brutal an. Erst wenn Gegensätze aufeinanderprallen passiert was“.

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Die Schienenmenschen: Angriff der Weißen Garde

Was Chauvel und Simon mit dem ersten Band ihrer Reihe DIE SCHIENENMENSCHEN gelang, verdiente mehr als nur einen Achtungserfolg. Der Meinung waren jedenfalls Publikum und Fachleute beim Comic-Salon in Erlangen. Entsprechend riß man sich auch um die beiden als sich die Gelegenheit bot, Alben, T-Shirts und Was-weiß-ich-alles signieren zu lassen.

Der zweite Band ANGRIFF DER WEISSEN GARDE setzt die Geschichte von Wolf Pearce fort, der ursprünglich als Undercover-Agent in die Jaguar-Gang, einer Bande von schwarzen Schienenpiraten, eingeschleust, von seiner Dienststelle geopfert und enttarnt wurde.

Wider Erwarten hat Pearce das Gemetzel und sogar seine eigene Hinrichtung überlebt. Iki Dread, der Chefmechaniker hat ihn gerettet und bringt ihn zu den Söhnen Judas, einer anderen schwarzen Schienen-Gang, die von Schwester-Mutter Matty angeführt wird. Aber auch dort, als Schwarzer unter Schwarzen, wird Pearce als Eindringling gesehen und auch die Söhne Judas sollen vernichtet werden. Dazu ersinnt Pearce` Ex-Chef eine teuflische Intriege: Er spannt eine Horde von durchgeknallten WASPs für seine Interessen ein, bewaffnet sie und hetzt sie hinter den Söhnen Judas her. . .

Was vordergründig wie ein harter Actioncomic daherkommt, ist hintergründig betrachtet auch einer – aber darüberhinaus auch noch viel mehr. David Chauvel, der Szenarist, beweist einmal mehr, daß auch große Themen in kleinen Bildchen an Intensität gewinnen können und Fred Simons Zeichenstil könnte in die Annalen eingehen als die Ligne-Claire der Neunziger. Unbedingt zu empfehlen.

David Chauvel/Fred Simon
DIE SCHIENENMENSCHEN
Bd. 2 - Angriff der Weißen Garde Carlsen Comics
16,90 DM
ISBN 3-551-72242-0