Live: Paul McCartney

München, Königsplatz. 17.5.2003

Das Konzert kann ich am einfachsten beschreiben im Vergleich mit dem Brian Wilson-Konzert vor 16 Monaten in Hamburg. Das Beach Boys-Genie hat damals nur ein wenig Keyboard gespielt (obwohl er fast immer saß) und hat eher durch seine Persönlichkeit und seine Emotionen überzeugt als durch seine Stimme. Ein wunderschönes Konzert in dem Wilson sich allerdings völlig auf seiner Band verlassen musste.

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Electricity 2002

Das kleinste Bundesland ist außerhalb seiner Landesgrenzen nicht bekannt dafür, eine nennenswerte Elektro-Szene sein Eigen nennen zu dürfen. Elektronische Musik ist nicht das Steckenpferd der Saarländer. Um so erstaunlicher war es als die Landesregierung vor einigen Monaten mitteilte, sie wolle in der Landeshauptstadt ein Festival für elektronische Musik organisieren. Mit internationalem Flair und großen Einzugsbereich versteht sich.

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Live: Alicia Keys

München, Olympiahalle. 10.10.02

Man möchte sie einfach nur anschauen, die ganze Zeit, wie verzaubert. Wie sie Klavier spielt, den Kopf in den Nacken wirft und lächelt, wie sie spricht und singt und sich auf der Bühne bewegt. Alicia Keys, grammy-überhäufter Jungstar aus der Talentschmiede von des ehemaligen Chefs der US-Plattenfirma Arista, Clive Davis. Ganze 21 Jahre alt ist sie, incredible aussehend und gesegnet mit einer gewaltigen Soulstimme, fragt ihr Publikum, das in die Olympiahalle geströmt ist, ob es mit ihr eine Party feiern will. Die Antwort versteht sich von selbst, und so fliegen Alicia Keys schon vor dem ersten Takt die Herzen ihrer Fans zu.

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Live: Xavier Naidoo

München, Olympiahalle, 23.09.02

Biblische Weisheiten im Schunkel-Rhythmus: Xavier Naidoo gab alles für den Herrn

Der Mann will uns ein Rätsel sein: Ist er nun begnadeter Sänger, vorbestrafter Kiffer, streitbarer Sturkopf, ebenso gutaussehender wie militanter Fundamental-Christ oder alles auf einmal? Sein Äußeres gibt vorerst keine Hinweise, die zu einer Antwort führen könnten: Mit Jeans und weißem Hemd gekleidet sieht Xavier Naidoo auf der Bühne der Münchner Olympiahalle ziemlich normal aus. Auch das Bühnenbild ist weit entfernt von Pomp und Plüsch, eng stehen Naidoo und seine Musiker beieinander, lediglich einen kleinen Laufsteg in Richtung Publikum gönnt sich das Konzept. Überraschung geglückt.

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Depeche Mode – One Night in Paris

Depeche Mode - One night in Paris DVD

Sind das wirklich die vier milchgesichtigen Popper, die Anfang der 80er mit fröhlichem Synthie-Pop die Welt erobern wollten?!! Keine Frage, „One night in Paris“ ist ein Monument von Konzertfilm. Und es ruft unwillkürlich immer wieder die Folie von „damals“ wach – so stark ist der Kontrast.

Martin Gore hat mittlerweile ´was von einem alternden Pierrot, in Dave Gahans Gesicht haben die Drogen-Exzesse Spuren hinterlassen, und Andrew Fletcher wirkt immer noch wie ein auf die Bühne verirrter Student, der eigentlich nur beim Aufbau helfen sollte. Trotzdem ist klar: diese Band ist einer der besten Live-Acts überhaupt. Man muss sie dazu nicht aus der Nähe sehen, wie auf „One night in Paris“. Denn die Bühnensprache von Depeche Mode war immer eine aus klaren Zeichen, die man auch von Weitem gut lesen konnte. Die Silhouette von Martin Gore, ein Fels in der Brandung. Und Dave Gahan, ein umherwirbelnder Taifun, der schon lange vor Garth Brooks wusste, dass in den Stadien der Welt der Arm zur Augenbraue wird. Kleine Gesten müssen ins Große übersetzt werden.

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Live: Manfred Mann’s Earth Band

Losheim, Eisenbahnhalle. 3.5.2002

Ich war eigentlich nie ein großer Earth Band-Fan, bin aber mit einem Arbeitskollegen aus Neugier hingefahren. Dass der ursprüngliche Gitarrist/Sänger Mick Rogers immer noch dabei ist (er ist ja schon 1983 zurückgekehrt, aber die Nachricht ist mir irgendwie entgangen) hat mich sehr gefreut. Um so mehr, nachdem er den Dylan-Oldie (und Earth Band-Klassiker) „Father of Day, Father of Night“ gesungen hat. Seine Stimme ist noch stärker und wärmer, als in den Siebzigern.

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Live: Bob Dylan

Frankfurt, Jahrhunderthalle. 15.4.2002
Straßburg, Hall Rhenus. 25.4.2002

Zwei ganz unterschiedliche Konzerte, dank der verschiedenen Atmosphären der beiden Hallen. In der Jahrhunderthalle – einer der neuesten, saubersten und schönsten Konzerthallen, die mir je begegnet ist – hat Dylan eine passende professionelle Show abgeliefert. Wenn man kein so großer Dylan-Fan ist, wäre dieses Konzert das richtige gewesen: die Lieder meist bekannte Oldies, die Band fehlerfrei, der Sound perfekt. Aber mir hat etwas gefehlt, nämlich das Unerwartete, auf das man beim Besuch eines Dylan-Konzerts hofft. In Straßburg habe ich es gefunden.

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Live: Nazareth

Kaiserslautern Kammgarn, 16.4.2002

Eigentlich wäre hier nichts zu sagen – ein ganz normaler Greatest-Hits-Set von den Schotten. Keyboard-Veteran Ronnie Leahy scheint leider eine Allergie gegen alles Analoge zu haben, und Gittarist Jimmy Murrison fügt viel zu viele Achtziger-Metal Licks hinein, schade. Aber: Nazereth hat eine sehr gute Version der Frankie Miller Nummer „Danger Danger“ gespielt, angekündigt als Beitrag zu einem Tribut-Album, das als Hilfe für den kranken Miller gedacht ist. Fans von Frankie Miller – „the real Paul Rogers“, wie er einst (von mir) genannt worden ist – sollten danach Ausschau halten.

Live: White Stripes

Dortmund, FZW, 9. 3. 2002

Nachdem jeder Ausschnitte von diesem Konzert bei Viva Zwei sehen konnte, ist meine Meinung vielleicht genauso irrelevant wie verspätet; Ihr kriegt sie aber trotzdem!

Und zwar: der White Stripes-Hype stimmt! Zehn Tage nach dem Strokes-Konzert, das ganz OK und nicht mehr war, zeigte Jack White, was Charisma bedeutet. (Und übrigens hat Meg das Schlagzeug mit beeindruckender Kraft gespielt.) Jack schauspielerte auf der Bühne, mit verschiedenen Stimmen (und zwei Gesang-Mikros für verschiedene Echo-Effekte), die seinen Blues-Liedern zu gute kamen. Als Zugabe sang er sehr theatralisch ein Marlene Dietrich Stück und ich schnallte plötzlich, dass die ganze Lo-Fi/Bruder-Schwester/kein-Bass-Geschichte nur Nebensache ist. Mit seinem Talent hätte er auch als Frontman eines ganz normalen Quartetts zum Indie-Star werden können.

Live: Iced Earth

Langen, Stadthalle, 4.2.2002

Von wegen verasselte Metal-Headz! Iced Earth haben für Künstler jeglicher Couleur einen Maßstab gesetzt: Wenn 20h auf dem Programm steht, wird auch pünktlich angefangen. Nicht wenige wurden auf dem „Häuserl“ oder vor dem Bierstand vom plötzlichen Beginn überrascht. Jon Schaffer und seine Mannen hatten im Vorfeld 2½ Stunden reinen Metal versprochen und haben das Versprechen mehr als eingelöst. Faire Ticketpreise, eine retrospektivische Setlist und eine Manifestierung des Begriffs „Power-Metal“. Herzliches Beileid an alle, die diese Dampframme verpasst haben.

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Live: Brian Wilson

Congress Centrum Hamburg 22.1.2002

Ein Konzert, das schon Wochen im Voraus meine Gedanken beherrschte. Brian Wilson, der legendäre Beach Boys-Komponist, auf Solo-Tournee: Das gibt es überhaupt erst seit drei Jahren, und bisher niemals in Europa. Sollte ich meine Fantasie freien Lauf lassen und von einem magischen Konzert-Ereignis träumen, oder die Erwartungen niedrig halten und das einfach als Gelegenheit für schöne Nostalgie sehen? Ein Freund in Los Angeles, der Brians Pet-Sounds-mit-Orchestra-Konzert September 2000 im Hollywood Bowl sah, meinte, ich sollte mich ruhig auf etwas Besonderes gefasst machen. Solche Aussagen sind für mich aber gefährlich, und schon zwei Wochen vor dem Konzert konnte ich an nichts anderes denken, sosehr habe ich mich gefreut – meine Arbeit war futsch und mein Sozialleben (ah, das nur) hintan gestellt.

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Live: Subway To Sally

Frankfurt, Batschkapp, 23. 4. 2001

Es ist lange her, dass ich bei einem Konzert eine richtig schlechte Vorgruppe gesehen habe. Urplötzlich unterbrochen wurde diese Serie jetzt von einer Combo mit dem Namen Zombie Joe. Brachialer Rock mit deutschen Texten, einem Sänger, der seine Zwischenansagen beim „Telekolleg Esoterik und Hausfrauenpsychologie“ entlehnt hat und Songs, die sich so ähnlich waren wie genmanipulierter Mais. Als gegen Ende ihres Sets das Publikum in einer ruhigen Stelle spontan „Julia & die Räuber“ von Subway To Sally intonierte, haben mir die vier Jungs von Zombie Joe ein bisschen leid getan.

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Live: Swing Legenden

Hannover, Kuppelsaal. 15.7.2001

mit Max Greger, Paul Kuhn und Hugo Strasser und der SWR Big Band

Max Greger zeigt auf den Saxophonisten der SWR Big Band, der gerade sein Solo beendet hat. „Stellen Sie sich vor, 23 Jahre ist er erst. Da sind ja meine Lackschuhe älter.“ Nicht die letzte coole Ansage des Bandleaders und Saxophonisten an diesem Abend im Kuppelsaal Hannover. Wer hätte das gedacht? Greger, 75 Jahre alt, ist ein Entertainer par excellence. Ein bayerischer Grantler mit urigem Charme, Anzug und blitzblanken Lackschuhen, in denen sich gelegentlich das vom goldglänzenden Saxophon reflektierte Licht widerspiegelt.

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Live: The Jones / Thermo King Diesel

Kaiserslautern Benderhof, 11.5.2001

Ich bin ja ein alte Schwede. Die von mir höchst gespannt erwarteten Jones spielten ein Konzert am Samstag 12.5. im Hellmut hier in Saarbrücken. Ich wusste aber, dass ich an dem Tag Kusel mit Loony rocken musste. Also habe ich herausgefunden – ohne Internet-Hilfe, da die Band noch keine richtige Webseite hat – dass die Jones einen Tag früher im nahliegenden Kaiserslautern ein Konzert vor hatten. Zu meinen weiteren Glück ist an dem Abend eine Arbeitskollegin nach K-Town gefahren, die Zughinfahrt konnte ich mich also auch sparen.

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Live: Donnas / Sahara Hotnights

Köln Underground, 5.5.2001

Vor manchen Konzerten kriegt man ein Signal, dass alles- der Eintritt, die Hinfahrt, das Schwitzen- sich lohnen wird. Im Fall der Donnas war es die Set-Liste. Ich stand direkt vor der Bühne, dank der zahlreichen aggressiven Fotografen wie eine Sardine, als Gitarristin Donna R. kam, um ihre Set-Liste auf die Monitor-Box zu kleben. Mit Spannung habe ich meine Lieblings-Titel gesucht, aber wichtig waren nicht die Titel, sondern die Handschrift. Zuerst dachte ich, das ist doch Computer-Schrift. Die Zeilen waren aber viel zu krumm. In dem Moment hat das Image der Donnas sich als Realität erwiesen: sie sind wirklich Kaugummi-kauende Kinder-Frauen! Als Donna C. kurz danach ihr Schlagzeug aufbaute, lief „Addicted To Love“ von Robert Palmer über die Anlage und Donna C. hat mitgesungen und Kaugummi geknatscht! Aber ihr wollt das alles gar nicht hören, ihr wollt etwas über das Konzert lesen, gell?

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