Carl von Holteis „Schwarzwaldau“ ist der erste wahre Psychokrimi der Literaturgeschichte. Und noch mehr. Wer diesen Roman mit Missfallen liest, weiß zuverlässig, dass in ihm, dem Leser, eine akute oder latente psychische Deformation mit aller Rücksichtslosigkeit wütet, „wie ein anderer Mensch“, sagte schon Freud. Deshalb geben wir der Subskriptionsausgabe, die man sich →hier und jetzt! reservieren kann, einen Gutschein für eine kostenlose psychiatrische Behandlung bei (bei 5000 € Selbstbeteiligung).
Schon ein komisches Völkchen, die Finnen. Von Westen schwedenkrimit es inflationär, von Osten her rollt die Neue-Russen-Krimiflut. Das berührt die nicht. Hat noch nie. Backen ihre eigenen Spannungsbrötchen, und schmecken tun sie auch.
Ein solch formschöner Stempelabdruck wird jedes Exemplar von Carl von Holteis „Schwarzwaldau“ an diskreter Stelle zieren, wenn… ja, wenn das Werklein →hier und jetzt! subskribiert wird! Ein Unikat, eine Wertanlage, der Beginn einer aufregenden, exklusiven Serie, die, unter den Weihnachtsbaum gelegt, jeden Krimifreund entzücken wird. Also schnell! Die Zeit läuft!
Ich bereite mich ja immer „akribisch“ auf alles vor, auch auf die bevorstehende Lektüre von Detlef Opitzens „Büchermorder“. Und da gibt es jetzt bei „literaturkritik.de“ einen →lesenswerten Beitrag von Marcel Atze. Nur eins hab ich nicht verstanden: Das Ganze firmiert doch unter „Literaturkritik“, ja? Und warum wird dann das Buch nicht kritisiert? Bis auf diese etwas dürre Aussage: „ein gekonntes Sprachspiel, das ein großes Lesevergnügen bereitet“. Hm, hätten wir gerne mehr drüber erfahren. Is doch der Clou bei einer Rezension, nich?
Welches Interesse könnten deutsche Terroristen der 70er Jahre und deren französische Kollaborateure haben, nach über 20 Jahren Gefängnis die Spuren von einst wieder aufzunehmen und „hide and seek“ (Versteck) in Paris zu spielen ? Cara Blacks für den Anthony Award nominiertes Buch „Murder in the Sentier“ gibt zwar nicht unbedingt die wahrscheinlichste Antwort auf diese Frage, aber es greift das Terrorismus-Motiv auf und nutzt es, um einen atmosphärischen und recht dicht gewobenen Krimi zu bauen.
Ach, ist das herrlich! Ach, ist das grauslig! Was? Das da: Ein →Autor antwortet auf die Rezension seines Buches durch den geschätzten Mitblogger Menke. Ach, was für eine Logik! Dass ich das noch erleben darf! Danke, Herr Janczyk! Ich wollte und konnte mir zwar Ihren Namen nicht merken, aber jetzt tu ichs! Mein Gott, mein Gott, mein Gott…
Dass 99 Kritiker 99 Meinungen zu einem Buch haben – der Leser registriert es mit Verwunderung. Dass EIN Kritiker zu EINEM Buch 99 Meinungen haben kann – da wird der Leser schier verrückt.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, bereit für den nächsten Hype? Der Trubel um Maximo Park ist noch nicht vorüber, da steht schon das nächste große Ding auf der Matte: Death From Above 1979.
Amusement Parks on Fire ist eine One-Man-Show. Der junge Brite Michael Feerick hat die Basisinstrumente im Alleingang eingeprügelt und verneigt sich auf seinem Debüt vor den großen Gitarrenrockern wie Dinosaur jr. Oder auch Sonic Youth.
Mal ehrlich: Ist Ihnen das auch aufgefallen? Sobald ein Großkopf das Maul aufmacht, ist jedes zweite Wort „teamfähig“ und jedes dritte „Synergieeffekt“. Seit Jahren schon. Was das mit Krimis zu tun hat? Erklär ich jetzt.
Eric Fish hat es gut vor: Erst vor kurzem ist mit „Nord Nord Ost“ das neue Album seiner Stammband Subway To Sally erschienen und jetzt biegt er überraschend mit seinem zweiten Solowerk um die Ecke. Fast unnötig zu erwähnen, dass beide Platten in den nächsten Wochen auch ausgiebig betourt werden.
Die Hansen Band musste man ja schon großartig finden, als vor Monaten die ersten Ankündigungen in Musikmagazinen erschienen. Eine zusammengewürfelte Band um die beiden Grand Hotel van Cleef-Köpfe Thees Uhlmann (Tomte) und Marcus Wiebusch (Kettcar) mit Jürgen Vogel am Mikro, der definitiv ‚cool‘ genug ist, um in einer Rockband singen zu dürfen.
Sie sind Belgiens wohl beste Band und haben das kleine Nachbarland Deutschlands durch Songs wie „Suds & Soda“, „Little Arithmetics“ und „Sister Dew“ auf die internationale Poplandkarte gebracht. Nach einigen vielen Jahren Abstinenz kehren dEUS Heuer zurück. Im Gepäck haben sie ‚Pocket Revolution‘.
Warum hat das Wort „Schwarzwaldau“ auch nicht annähernd die Silbenzahl des Wortes „Trockenbeerenauslese“? Zufall? Mitnichten! Denn bis zu seinem seligen Ende 1880 weigerte sich Carl von Holtei, einen „Weinkrimi“ zu schreiben, sein Verleger mochte sich vor ihm auf dem Teppich wälzen wie er wollte. Die kleine Passage aus „Schwarzwaldau“, dem „Top-Thriller of the 19th century“ (TIME), ist eine gnadenlose Abrechnung nicht nur mit dem „Wein-„, nein, mit dem „Themenkrimi“ überhaupt. Schon dies rechtfertigt, unserer Meinung nach, das schleunige →Vorbestellen! des grandiosen Romans.
Wer Portugal nicht kennt, beschreibt es in einem Wort. Fado. Etwas, das aus Sehnsucht und Traurigkeit gemacht ist. Was sich dahinter verbirgt, davon hat man vielleicht einen genaueren Begriff nach der Lektüre von Francisco José Viegas’ Krimi „Schatten der Tiefe“. Der Preis, den man dafür zu zahlen hat, mag hoch sein, ist aber angemessen.
Da hört man doch schon gleich die Schule des guten alten Thrash Metal heraus. Nicht ganz wie in den Früh-Neunzigern in San Franciscos Bay Area (siehe Violence, Forbidden oder Murdercar), aber doch sehr stiltreu wird hier Thrash Metal feilgeboten.
… machen wir grundsätzlich nicht. Es sei denn, eine geschätzte Krimiautorin zeigt mir ihr leeres Portemonnaie, in dem nicht einmal mehr Zigarettengeld zu finden ist. Also: Bitten wir unsere werte Leserschaft um geschätzte Beachtung beim nächsten book shopping für folgende Neuerscheinung, deren Erwerb das Autorenhonorar entscheidend vermehrt:
(Auf dem Denkstapel landet alles, was ich so aufschnappe und kurz andenke, was weiterzudenken sich vielleicht lohnt, vielleicht auch nicht. Heute: ein paar Gedanken zu Krimis und ihren Verfilmungen und warum das eine nicht das andere ist, aber für die Unsterblichkeit doch eins wie das andere.)
Auf die Frage, wen er für überschätzt halte, →antwortete der belgische Krimiautor Piet Teigeler:
„Raymond Chandler. Most of his immortality comes from Bogart & Bacall who gave his stories another dimension on screen.”
In dieser Aussage steckt zweierlei. Zum einen, dass Teigeler den Buchautor Chandler nicht sonderlich mag. Zum anderen, dass er zu unterscheiden weiß zwischen einem Text und seiner filmischen Adaption. Aber diese „andere Dimension“ des Mediums Film lässt sich nicht nur an Namen und Gesichtern und Gesten festmachen. Buch und Film sind zwei grundverschiedene Medien, und die grundsätzlichste dieser Verschiedenheiten besteht wohl darin, dass uns TV und Film die Bilder diensteifrig in die Augen flimmern, das Buch jedoch das Gehirn braucht, den Kessel für Gedanken und Phantasie, um zu bebildern, was wir da lesen. Lesen ist also Sehen mit Selbstbeteiligung. Wir tragen einen beträchtlichen Teil des Aufwands, der entsteht, wenn wir Wörter in Bilder verwandeln, streichen aber auch eine Löwenanteil des Ertrages ein, denn dieser Film, der da in uns abläuft, ist UNSER Film. Es gibt keine Mitzuschauer. Director’s Cut.
Doch vieles von dem, was wir da so lesen, verweigert sich seiner Visualisierung. Ja, wahrscheinlich das Entscheidende, das Charakteristische. Nehmen wir Chandler. So kongenial Bogart auch immer jenen Philip Marlowe gespielt haben mag, seine Seele, wie sie Chandler in Worte gefasst hat, konnte er uns nicht öffnen. Bogart spielte den zarten Zyniker, den Mann mit dem weichen Keks unter der harten Schale. Chandler meinte mit seinem Marlowe etwas anderes, er war ein Person gewordener Reflex auf die Gesellschaft, sein Zynismus war enttäuschte Liebe, resignatives Mitleiden, Zärtlichkeit, die zu Brutalität geronnen war. Kein Stoff für Bilder, kein Stoff für Filme, nicht einmal für die in uns selbst. Immaterielles.
Dass Chandler tatsächlich einen Teil seiner Unsterblichkeit der Schauspiel- und Regiekunst derjenigen verdankt, die seine Stoffe adaptierten, bleibt unbestritten. Dass er auch ohne die Flimmerversionen seiner Bücher wenigstens unsterblicher wäre als die meisten seiner Kollegen, aber auch.
Ich kenne nur einen einzigen Krimi, der wirklich so verfilmt wurde, wie er geschrieben ist, ohne von seinen Qualitäten zu verlieren: Hammetts „Thin Man“. Wenn ich das Buch lese, sehe ich den Film, wenn ich den Film lese, sehe ich das Buch. Das macht Spaß. Ist aber der Ausnahmefall.
Heut ist zwar Feiertag und damit eigentlich Blogruhe, aber das ist nun doch zu putzig: Kollege Jan Zweyer lädt den Kollegen Marcus Starck nach Koblenz →zum Bier ein. Dabei unterhalten sie sich über die „dunklen Niederungen“, sprich die bösen Blogs, die so viel Theoretisches ablassen und nicht in Jubelstürme ausbrechen, wenn auch nur ein deutscher Krimiautor eine deutsche Krimiseite schreibt. Und schließen damit, den vergangenen Zeiten nachzutrauern, als man noch Postkutsche fuhr und die Rezensionen einmal im Jahr eintrafen und allesamt positiv waren und natürlich völlig kritiklos und die Perücken noch gepudert wurden und überhaupt. Prost! Ein Beitrag zum großen Thema „Kitzel den Autor, bevor er einschläft“.
Passend zur Rezension der neuen CD → „Pure Breed Mongrel“ gibt’s auf der Kitty-Yo/Jahcoozi-Seite neben den Streams des neuen Albums mit „Fish“ ein MP3 und mit „Changing Time“ ein Video zum Download.