T. Jefferson Parker: Silent Joe

„Mouth shut, Eyes open“, unter dieser Maxime wurde Joe von seinem Vater ausgebildet. Abends ist Joe als Leibwächter, Bote und Fahrer seines Vaters unterwegs, tagsüber arbeitet er als Polizist, zuletzt als Aufseher im Staatsgefängnis. Im Alter von fünf Jahren wurde er von seinen jetzigen Eltern adoptiert und wuchs in einem sehr wohlhabenden Elternhaus mit engen Kontakt zu den sogenannten Eliten auf.

Zu Anfang des Buches begleitet Joe seinen Vater, einen hohen Aufsichtsbeamten des Orange County, auf einer seiner dubiosen nächtlichen Touren. Geheimnisvolle Unterhaltungen finden statt, kurze Worte werden ins Telefon gesprochen, viel, sehr viel Geld wechselt den Besitzer und ein etwa zwölfjähriges Mädchen wird im Auto mitgenommen – am Ende ist der Vater tot, erschossen. Joe fühlt sich schuldig und versucht zu rekonstruieren, was er jener Nacht nicht verstand, was sein Vater beabsichtigte und welches Geheimnis dieser vor ihm, seinem Sohn verbarg.

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Kurze Sätze für die Unsterblichkeit

Man lebt so lange, wie man zitiert wird. Nachzulesen bei Hallgrimur Helgason und Arno Schmidt. Alas, dann aber ranhalten!
„Wer liest, sollte nach drei Dingen nicht suchen: der Wahrheit, der Botschaft, dem Nutzen.“

(kurzer Satz, anlässlich einiger Vorüberlegungen zur „Schule der Rezensenten“ gedacht und für tiefschürfend befunden, 7 Kohleschaufeln auf der Zehnerskala)

dpr

Summer Camp -8-

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Zeit für eine kleine Ablaufdramaturgie. Sie wird uns später hoffentlich gute Dienste bei der Feinarbeit der Personenzeichnung und dem Aufbau der Spannungsbögen leisten.

Ganz grob habe ich schon die Kameraführung („Erzählperspektiven“) erwähnt, dieses Zoomen aus der Totalen des Erzählers zu den handelnden fünf Personen und gewissermaßen in sie hinein. Wir können jetzt, bezogen auf die Handlung, weiter differenzieren.

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Vargas, Stein, Rezension(3)

Vorweg: Liest man „Der vierzehnte Stein“ als herkömmlichen Krimi, fokussiert auf Handlungsführung und Plausibilität auf, funktioniert er wie die übliche Dutzendware aus Autorenwillkür und Unlogik.

Zwei Beispiele: Während eines Lehrgangs in Kanada lernt Adamsberg ein junges, etwas seltsames Mädchen kennen und schläft mit ihm. Einige Tage darauf ist das Mädchen tot, erstochen mit einem Dreizack, der Mordwaffe des diabolischen Richters. Er ist, so die einzige logische Folgerung, Adamsberg nach Kanada gefolgt, und hat das Mädchen getötet, um Adamsberg zu belasten.

Logisch? Also ich weiß nicht. Woher wusste er, dass Adamsberg ein Mädchen kennenlernen würde? Warum setzt er sich überhaupt der Gefahr aus, den Kommissar auf diese Weise auszuschalten? Weil er ihm auf der Spur wäre? Ist er doch gar nicht! Keiner glaubt ihm!

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Das unterirdische Zitat

… stammt heute aus einer →Mitteilung der „Sisters In Crime“ zur Wahl ihrer neuen Präsidentin, Beatrix Kramlovsky, und lautet:

Tatsache ist, dass Autorinnen trotz einzelner Ausnahmen nicht so oft rezensiert werden wie ihre männlichen Kollegen. So empfiehlt die KrimiWelt-Bestenliste von Welt und Arte TV im Juli von acht Titeln nur einen Kriminalroman von einer Frau; in den Vormonaten sah das ähnlich aus.

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Vargas, Stein, Rezension(1)

Ein Buch rezensieren: lesen, sich was dabei denken, aufschreiben. Ist man einigermaßen geübt: kein Problem. Doch dann kommen die Ausnahmen. Lesen, sich was dabei denken … und das Gefühl nicht loswerden, „falsch“ gelesen zu haben. Das ist mir bei Fred Vargas, „Der vierzehnte Stein“, passiert, und deshalb gibt es eine lange Rezension in drei Teilen. Wir beginnen mit dem deprimierenden Anfang.

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Rankin & Leven

Wer Ian Rankin nicht nur lesen, sondern auch hören will, der hat jetzt dazu Gelegenheit.

„Jackie Leven said“ heißt eine Doppel-CD, auf der Rankin eine „Familiengeschichte“ liest, die von Jackie Leven musikalisch untermalt wird. Zwei schottische Originale, und ihre Zusammenarbeit ergibt Sinn. Der Singer/Songwriter Leven, ehemals bei der unverächtlichen Band Doll By Doll, nennt eine turbulente Biografie sein Eigen, die aus einem Rankin-Roman abgekupfert sein könnte. Aufgenommen wurde das Ganze in der Edinburgher Queen´s Hall, 35 Minuten dauert die Lesung, und obwohl ich die Musik nicht gehört habe, nehme ich an, dass sie des Meisters Text würdig kommentiert. Denn Leven ist ein Guter. Einige der Songs beziehen sich zudem unmittelbar auf die Kriminalromane Rankins.

Die Plattenfirma zum Projekt:

„The first CD contains the story, Jackie Leven Said, written and read by Ian Rankin, from Ian and Jackie’s live show at the 2004 Edinburgh Festival. Ian tells the story in short chapters which are illustrated by musical interludes and complete songs performed by Jackie and keyboard player Michael Cosgrave. The story evokes the suffering (and healing) of a Scottish family coming back together for a funeral in Fife on the east coast of Scotland.“

Ian Rankin: Black and blue

(Es hat zwar ein paar Jahre gedauert, doch das Warten hat sich gelohnt. „Das Souvenir des Mörders“, deutsche Übersetzung von „Black and blue“ des schottischen Autors Ian Rankin, wird allseits als Meisterwerk gelobt. Dr. Bernd Kochanowski hat das Original gelesen und kann nur zustimmend nicken.)

Sie sind mir suspekt: Diese endlosen Krimi-Serien mit zehn und mehr Büchern, die immer um die gleiche Zentralfigur kreisen. Was uns unter dem Vorwand der Entwicklung einer Person angeboten wird, entpuppt sich häufig als Masche. Aber, so muss ich zugeben, manche Autoren wie Ian Rankin schaffen es, ihre Serien weiter zu entwickeln und uns immer wieder mit neuen Inhalten und anderen Erzählstrategien zu überraschen.

Als Kritik am Seriengedanken ist es aber wohl nicht aufzufassen, wenn deutsche Verlage, eigentlich Sachwalter der Interessen eines Autors, bei ausländischen Autoren die eigentliche Reihenfolge des Erscheinens der Bücher einer Serien verändern. Ökonomische Gesichtspunkte sind hier wohl eher im Vordergrund zu sehen. So kommt denn, unter dem Titel „Das Souvenir des Mörders“, der deutschsprachige Leser erst jetzt in den Genuss des 1997 erschienenen und im gleichen Jahr mit dem „Gold Dagger“ ausgezeichneten Buchs „Black and Blue“ von Ian Rankin.

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Preisfrage – Auflösung

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Ihr habt es natürlich alle sofort gewusst: Der gestern so kontrovers „rezensierte“ Roman ist kein geringerer als – na?

– Friedrich Dürrenmatts „Der Verdacht“. Die Urteile stammen aus dem unerschöpflichen Quell von amazon.de.

Ich könnte jetzt eine noch viel tückischere Frage nachschieben. Die: „Welche der beiden Besprechungen triffts denn nun am Besten?“ Ist gar nicht tückisch? Na, dann bin ich mal gespannt, ob mir jemand die Frage mit kurzer Begründung beantwortet!