Interpretationsfrage

„Schon gehört? Gestern hat dpr den deutschen Kriminalroman über den grünen Klee gelobt. Dass ich das noch erleben darf!!!“

„Äh… ich glaube aber, dass…“

„Nein, nein, ich weiß es genau! In Deutschland gibt es keine drittklassigen Krimis, hat dpr gesagt. Bei wem der sich wohl wieder einschmeicheln will?“

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Standortfrage

An welchem Detail des Klappentextes von Jasper Ffordes neuem Roman „Im Brunnen der Manuskripte“ kann man unzweifelhaft erkennen, dass die Handlung niemals in Deutschland spielen kann?

Da, an dem:

„(…) in einem drittklassigen, unlesbaren Krimi, der wahrscheinlich nie veröffentlicht wird (…)“

Stella Blomkvist: Der falsche Zeuge

Als halber Isländer sehe ich mich in der selbstverständlichen Pflicht, isländische Kriminalromane auch dann zu Ende zu lesen, wenn sich diese Ausdauer eigentlich gar nicht lohnt. Okay, noch ist Island nicht Schweden, und auf der Insel der Literaten hat noch nicht jeder einen Krimi geschrieben. Und was die Qualität betrifft, so ist Arnaldur Indridason eh der bessere Mankell.

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Extremlesen

Es sei eingeräumt, dass Extremlesen im Vergleich zum →Extrembügeln eine eher unspektakuläre Sportart ist. Es gibt auch noch keine Weltmeisterschaften, keine Rekorde, keine Regeln – bis auf eine. Man nehme wenigstens zwei Bücher, wie sie in Thematik, Dramaturgie und Sprache unterschiedlicher nicht sein können und lese sie parallel. Hier zehn Seiten, dort zehn Seiten, und zwischendurch, vielleicht auf der täglichen Zugfahrt, schmökere man sich durch ein drittes Werk, Stella Blomkvists „Der letzte Zeuge“ etwa (Rezension folgt).

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Crime School: Lektion 15

Die „atmosphärische Dichte“, sagte ich in Lektion 14, vollbringe in Boris Akunins Roman „Pelagia und der rote Hahn“ das Kunststück, selbst ein für sich nicht „realitätskompatibles“ Handlungselement so zu integrieren, dass es kompatibel wird.

Doch „atmosphärische Dichte“ ist ein nebulöser Sammelbegriff; gerne genommen (auch von mir, ich gebe es zu), selten so expliziert, dass man wüsste, worum es eigentlich geht. Einige zufällig zusammengegoogelte Beispiele mögen dies verdeutlichen:

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Crime School – Das Buch

Unsere Crime School ist ja ein sehr spontanes Bildungsinstitut. Als ich damit anfing, hockte in meinem Kopf eine allgemeine Vorstellung von Literatur, nichts sonst, und ich wollte sehen, wie weit sie sich dem „Genre“ Kriminalroman überstülpen lässt – oder nicht. Heute, die 15. Lektion wird pünktlich am Montag erscheinen, sehe ich klarer – und auch wieder nicht. Ein Abenteuer ist die Crime School weiterhin – für den „Lehrer“ und die Schüler, die aktiven (wenige) und die passiven (scheinen erstaunlich viele zu sein).Angedroht hatte ich es bereits: Vielleicht wird aus der spontanen, flitterigen Crime School irgendwann ein seriöses Buch. Tja, und jetzt könnte es soweit sein. Aber das liegt an euch.

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Crime School: Das Rätsel der 3. Ebene – gelöst!

„Ratlos“ ist die Schar der Schüler, und da hält es einen verantwortungsvollen Lehrer natürlich nicht mehr. Er muss den geistigen Blockaden, den intellektuellen Scharaden in den noch unreifen, weil im Wachstum begriffenen Gehirnen seiner Schutzbefohlenen ein für alle mal ein Ende setzen! Wo kämen wir schließlich hin, wenn Schüler (zumal auf dem 2. Bildungsweg, sprich: gescheiterte Existenzen, bisherige Faulenzer, die sich in der Krimitheoriebranche schweres Geld von leichter Arbeit erhoffen) die-kreuz-die-quer zu denken anfangen und nicht mehr aufhören! Also hier: trara: die Lösung.

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Außerschulisches

Auch außerhalb der Crime School macht man sich Gedanken über Krimis und ihre, hm, nennen wir’s mal: literarische Relevanz. Im →Forum von Tom’s Krimitreff etwa fragt Thomas Esther, die einen Roman von Charles Todd gelobt hat:

„man kann über Charles Todd lesen, dass er sehr literarische Krimis schreibt. Würdest du dies bestätigen?“

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Glauser 2005

„Der Glauser“, Deutschlands Krimipreis Nummer 1, ist vergeben. Anlässlich der „Criminale“, einer von der Autorenvereinigung „Syndikat“ organisierten Veranstaltung mit dem üblichen Brimborium (Lesungen, Lesungen, Lesungen, danach Preisverleihung à la Oscar), wechselten wie jedes Jahr dezente Koffer mit knisternden Scheinchen den Besitzer. Wen’s interessiert, der lasse sich all das bei Ludger Menkes →„Nachtbuch“ auf der Zunge zergehen, wo der Chef selbst eine bebilderte kritische Hofberichterstattung gebloggt hat. Da die diesjährige „Criminale“ im Sauerländischen stattgefunden hat, hoffen wir nun auf eine Fortsetzung 2006 im Saarländischen. Auf dass wir die Herrschaften mit gutem saarländischen Bier und exzellentem saarländischen Schwenkbraten zuschütten können.

Crime School: Lektion 14

„Realitätskompatibel“ sollten Krimis sein. Schlägt Bernd jedenfalls vor und übersetzt „kompatibel“ mit „verträglich“. Schlecht für alles, was in der Realität nicht vorkommt, Übersinnliches etwa, weil es sich nicht mit der allgemeinen Vorstellung dessen was wirklich sei, vereinbaren lässt.

Dem könnte ich zustimmen, wenn ich nicht im vorigen Jahr einen Roman des sehr fleißigen und guten Boris Akunin gelesen und sogleich mit allerhöchsten Weihen ausgestattet hätte. „Pelagia und der rote Hahn“ heißt der Krimi und ist Abschluss einer Trilogie um die detektivische Nonne Pelagia im Russland des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

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Die 3. Ebene – ein unmoralisches Angebot

Haaaaalllllooooo! Ja, wo sind denn die Krimitheoretiker? Noch nichts eingefallen zur ominösen 3. Ebene? Wollt ihr kein Gratisbuch? Okay, dann mache ich euch hiermit ein Angebot, dem ihr nicht werdet widerstehen können!

Der- oder diejenige, der / die der Lösung am Nächsten kommt, d.h. mir in kürzeren oder längeren Worten klarmacht, wie die 3. Ebene logischerweise aussehen müsste, der- oder diejenige also wird —

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Crime School: Die 3. Ebene – na?

Ganz Deutschland rätselt über das Geheimnis der 3. Ebene! Gibt es sie überhaupt? Steckt dahinter bloß wieder eine sinistre Absicht des Lehrers, der seine Schüler als Ideenmelkkühe zu missbrauchen gedenkt? Und was hat das alles mit UNSEREM Papst zu tun?

Nichts, natürlich. Aber Angst und Schrecken, die die 3. Ebene derzeit landauf, landab verbreitet, haben sich auch lähmend auf die Phantasie der Crimeschüler ausgewirkt. Erst ein einziger hatte den Mut, mir seine Mutmaßung (aha, kommt also von Mut, das Wort!) zu mailen. Bernd, der Unerschrockene, schreibt:

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Bad Times

Kürzlich in der →„Märkischen Oderzeitung“: Man parliert über den „deutschen Krimi-Boom“. Keine „Un-Literatur“ mehr, auch deutsche Krimis haben jetzt eine Chance, und eine Buchhändlerin stellt fest, die Leser bevorzugten „Storys mit Happy End, wo am Schluss die Ordnung wieder hergestellt wird.“

Soweit so belanglos. Dann aber kommt Friedrich Ani zu Wort. Ich muss gestehen, dass ich noch nichts von ihm gelesen habe, aber das wird nachgeholt. Denn Ani scheint jemand zu sein, der zumindest denken kann, und dann sollte es auch mit dem Schreiben einigermaßen hinhauen. Ani also sieht das alles skeptischer:

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