Fred Vargas: Die dritte Jungfrau

Man handelt Fred Vargas als die Krimiautorin, die den Gordischen Knoten der Authentizität, der „nachvollziehbaren Logik“ mit einem Schlag aufgelöst hat – durch die Einführung eines eigenen Koordinatensystems. Seither schreibt sie Polizeiromane, in denen Polizisten agieren, wie Polizisten nirgendwo auf der Welt agieren, Kommissare kombinieren wie sonst nur Insassen von Nervenheilanstalten. „Magischer Realismus“ heißt das und bedeutet: von Wirklichkeit keine Spur. „Die Dritte Jungfrau“ ist, vielleicht mehr noch als der Vorgängerroman „Der vierzehnte Stein“, ein solches scheinbar abseits der Ratio angelegtes Werk. Verstehen wird es aber nur, wer die Wirklichkeit im Auge behält.

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Akteneinsicht

gewährt nun auch Axel „Fortsetzungskrimi“ Bussmer. Er →bloggt jetzt nämlich, nennt das Ganze „Kriminalakte“ und hat schon mal ein Porträt von Harlan Coben im Angebot. Geben wir unserem Azubi Jochen zu lesen, der sich furchtbar grämt, dass seine heutige schöne Sandford-Rezi laut „Alligatorpapieren“ (werden zur Strafe nicht verlinkt) von dpr persönlich stammen soll. Der wiederum ist sauer, weil ihm der Alligator eine Azubirezension zutraut und überlegt, die epochale „Crime School“ (gibts am Freitag wieder) bei Suhrkamp zu platzieren. Wahrscheinlich hat sich aber bis heute abend wieder alles in Wohlgefallen aufgelöst.

Ein bisschen Luxus

ist das Schreiben eines digitalen Fortsetzungskrimis ja schon. Kann sich nicht jeder leisten. Axel Bussmer (nur gute Freunde dürfen ihn auch mit scharfem S benamsen), Krimifreunden u.a. als Mitarbeiter eines gewissen Jahrbuchs bekannt, leistet es sich einfach. Sein jetzt bei →„Berlin kriminell“ gestarteter Roman „Ein bisschen Luxus“ ist auf 28 Folgen angelegt. Ein Student ist verschwunden, det Janze spielt in Berlin, was praktisch ist, denn der Autor lebt dort, was verständlich ist, denn das Autor ist gebürtiger Pfälzer, was ein lebenslanges Trauma ist. Also mal reinlesen.

Blankes Entsetzen

packt uns bei dem Gedanken, hunderte von Kriminalromanen schreiben zu müssen – und mit 47 Jahren zu sterben. Matthias Blank war so einer. Ein Vielschreiber unter zahllosen Pseudonymen, in allen Sätteln der schnell produzierten Unterhaltung stets bereit für den Ritt durchs Triviale.

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Kapitel I

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Wickius, der die Kriminalliteratur wie kein anderer kennt und jeden tatsächlichen Mordfall dank seines überragenden Krimiwissens löst, Wickius also: ist zurück! Und steckt mitten in seinem schwierigsten Fall! Es geht um Leben und Tod! Um Deutschland! Ein Verbrechen sondergleichen findet statt, jetzt, hier, während Sie das lesen! Die Zeit ist knapp und sie verrinnt unerbittlich! Wird Wickius Deutschland retten können? Lesen Sie halt selbst! Am Ende des Kapitels wird, wie es gute Wickius-Tradition ist, eine krimiliterarische Frage gestellt! Wer sie beantworten kann, wird in die Ruhmeshalle der Unsterblichen aufgenommen!

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Schöne Bescherung

Vor einer Stunde noch war ich ohne „Feuertod“, den neuen Kriminalroman einer gewissen Astrid Paprotta. Jetzt hab ich ihn doppelt. Dass ich das Werk nun 2x lesen muss, ist nicht das Problem. Wäre der erste Krimi von A.P., bei dem ich das nicht täte. Aber muss ich ihn auch 2x rezensieren? Einmal ehrlich und einmal genau andersrum? Mit solchen Problemen kämpft man als Rezensent. Davon haben die Verlage und Autorinnen natürlich keine Ahnung.

Noch Fragen?

Man muss, sagt der Verleger, die KrimileserInnen über die Schiene des Basisdemokratischen erreichen. Wenigstens das gute Gefühl, nicht nur zu konsumieren, sondern interaktiv an der Entstehung eines Meilensteines der deutschen Kriminalsekundärliteratur mitgearbeitet zu haben, das sollte man ihnen schon geben. Dann kaufen sie nämlich auch. Und, schließt der Verleger, nur darum geht es im Biz. Also.

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Titus Keller: Aussortiert

„Aussortiert“: reichlich wirr, glanzlos, wenn auch halbwegs routiniert in Sprache gehauen, das Personal beliebig, das Ende ärgerlich, die Spannung nicht auffindbar. Punkt. Damit könnte es sein Bewenden haben. Wäre nicht der Autor ein „Literat“, der den Geheimniskrämer spielt, aber eigentlich nichts zu verkaufen hat.

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Crime School – das Partywissen -1-

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Was ist das eigentlich, Krimi? Wo kommt er her, wie hat er sich entwickelt, was sollte ich wissen, wenn mich jemand danach fragt? Die zweite Staffel der „Crime School“ möchte das Wissen vermitteln, das Sie zum Mittelpunkt jeder Intellektuellenparty macht, wenn die Stimmung feuchtfröhlich ist und die Sitten so enthemmt sind, dass man auf „das Kulturelle“ zu sprechen kommt. Partywissen. Aber nicht nur. Was wir hier in loser Folge erörtern, dient auch als Grundlage einer papiernen „Crime School“, die im nächsten Jahr erscheinen soll. Didaktisch aufbereitet, tiefergehend. Wer unseren Internetkurs besucht, wird sich das nötige Basiswissen erarbeiten können, um dann mit Hilfe des Buches darauf aufzubauen. Beginnen wir mit einer sehr leidigen Frage: Was war eigentlich der erste deutsche Krimi? Gab es das überhaupt vor Friedrich Glauser? Krimis? Ein Überblick, der nicht alles erklären kann, aber einen Rahmen um die disparaten Dinge legt.

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Crime School – die Zeit ist reif

Tatsächlich; manchmal sind LeserInnen doch zu etwas gut. Seit Jahr und Tag liegt mir der Verleger in den Ohren, doch endlich mal mit „Was ist Krimi?“ rüberzukommen, aber ich murkse und murkse und nichts gefällt mir. Da, gestern, rebellieren die LeserInnen: WIR WOLLEN DIE GUTE ALTE CRIME SCHOOL zurück! Also noch mal reinschnuppern. Und siehe: DAS ist es! SO könnte mans machen! Krimigrundwissen als Schulstoff, Geschichtliches und Thematisches und Formales zur Kriminalliteratur häppchenweise querbeet, unterhaltsam und dennoch bildungsbürgerlich relevant!

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Pieke kapert

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Pieke „Jahresschwerpunkt“ Biermann steht nicht unter Artenschutz. Sie wird wohl manchmal von Produktpiraten nachgemacht, aber so schlecht, dass man gerne beim Original bleibt. Zum Beispiel, wenn eine neue Krimireportage ins Haus kommt. „Gekapert vom Zoll“ heißt es am am Sonnabend, 12. Mai 2007 in DER TAGESSPIEGEL und im RBB-Inforadio 93,1 um 11:45 Uhr (*Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 05:45 auch als Podcast und im Internet unter www.inforadio.de, Suchfunktion: “Recht und Ordnung”).

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Tag- und Nachtbücher

Läuft alles wie geplant, steckt der Krimikritiker seine Nase täglich in zwei Bücher. Eins für tagsüber, eins für die Nacht. Welches man wann zu sich nimmt, ist eine spontane Entscheidung, aber meistens liegt man damit richtig, denn es gibt sie tatsächlich, die Tag- und Nachtbücher.

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Dieter Kühn: Geheimagent Marlowe

Wer Dieter Kühns Biografien kennt, den wird das Motto, das er seiner neuesten voranstellt, nicht schockieren. Ein Zitat von Johannes Bobrowski ist es: „Wir häufen hier eine historische Unwahrheit auf die andere, um ein zutreffendes Bild zu bekommen.“ Wohlan. Das hat Dieter Kühn schon immer so gehalten, von Oswald von Wolkenstein bis Maria Sybilla Merian oder Clara Schumann. Die sogenannte ernsthafte Wissenschaft meldete nicht selten ächzend ihre Bedenken an, aber am Ende hat Kühn Bobrowskis Credo immer glänzend bestätigt. So auch diesmal mit „Geheimagent Marlowe“.

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world leading crime fiction blog

Bitte wundern Sie sich nicht, wenn in zukünftigen amerikanischen Krimis keine Messer mehr von hinten direkt ins Herz gestoßen werden. Das ist nämlich anatomisch ziemlich unwahrscheinlich, und jetzt weiß es auch der Amerikaner. Dank unseres Kollegen Bernd natürlich, der endlich die Aufnahmeprüfung bei Crimespace bestanden und auch gleich sein schwieriges Werk begonnen hat, den Amis eine richtige →Mordkultur beizubringen. Als nächster wird Azubi Jochen dem Verein beitreten und die Amerikaner davon überzeugen, nicht mehr so viel Harlan Coben zu lesen. Und wenn erst Frau Anobella mit ihrem Fortsetzungkrimi „Killing Mainz“ vertreten sein wird, haben wir es geschafft: die Krimiweltherrschaft für wtd. An uns kommt keiner mehr vorbei. Wir sagen, wo’s langgeht.