Rocko Schamoni & Jogging Mystique: Showtime

Na Leute, könnt ihr euch auch noch an Zeiten erinnern, in denen sich „Jugend“ und „CDU“ noch weitestgehend ausgeschlossen haben? Sowohl begrifflich, als auch inhaltlich.
Das war ungefähr zu der Zeit, als uns Rocko Schamoni, damals noch mit dem Beinamen „King“ ausgestattet, mit seinem Beinahe-Radiohit „Ich will Liebe“ den Sommer versüßte. Ja, Goldene Zeiten.

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Red Stars Theory: Life In A Bubble Can Be Beautiful

Es war 1995 als es James Bryan Bertram (früher Built To Spill, jetzt 764-Hero) zu neuen Aufgaben drängte. Allerdings wollte er, der auf „Life In A Bubble Can Be Beautiful“ Bass und Gitarre spielt sowie singt, nicht alleine neue Ufer erforschen, sondern konnte gleich mit der Unterstützung durch Gitarrist Anthony James Palmasani, Bassist Jason Matthew Talley und Allrounder (i.e. Schlagzeug, Gesang, Gitarre) Jeremiah Green (Modest Mouse) rechnen. Eine 10-Inch und eine Single später, war aus dem Quartett ein Fünfer geworden. Violinist Seth David Warren war neu hinzugekommen. Zusammen ließen sie sich ausgiebig Zeit, um einen gemeinsamen Nenner zu finden und damit eine Basis für ein musikalisches Miteinander zu schaffen.

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Tiamat: Skeleton Skeletron

Würde man Tiamat-Mastermind Johan Edlund Böses wollen, könnte man z.B. darüber schreiben, daß er ein ganzes Album aufnehmen kann, ohne ein einziges Mal zu singen. Oder, daß seine Keyboard-Harmonien immer etwas ähnlich klingen; aber nur, wenn die Songs nicht von Sisters Of Mercy „entlehnt“ sind. Aber wer will dem schwedischen Großmeister schon Böses? Nachdem er 1997 mit „A Deeper Kind Of Slumber“ die Zuhörer in eine Traumwelt aus Klängen entführte, hat er für sein neues Opus die E-Gitarre und den Refrain als Stilmittel wiederentdeckt.

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Air: Premiers Symptomes

Nein, es ist kein neues Album, das uns da aus Frankreich gereicht wird. Es ist lediglich ein Aufguss bereits älteren Stoffes aus dem Hause Air. Gott sei Dank aber kein laues Instant-Süppchen, sondern eine kräftige Suppe mit viel Würze und Substanz. Mit der Veröffentlichung von „Moon Safari“ änderte sich für Jean Benoit Dunckel und Nicolas Godin bekanntlich einiges. Über Nacht waren sie nicht nur im Underground zu begehrten Stars geworden. Wer sich in schimpfte, musste „Moon Safari“ sein eigen nennen. Alles andere war Frevel. Demnach waren 800.000 Damen und Herren weltweit für einen gewissen Zeitraum in.

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Ulme: Green Growing Soul

Für den Juli dieses Jahres hatten Ulme einen Studiotermin anberaumt, um den ‚Ordinary Diva‘-Nachfolger in Angriff zu nehmen. Natürlich wieder im Troisdorfer „blu Box Studio“ und natürlich wieder unter der fachmännischen Leitung von Guido Lucas. Denn keiner versteht es derart gut, die Energie der ausgefallenen und komplexen Ulme-Stücke einzufangen. Für Bands, die sich dem noisigen Gitarrensektor verpflichtet haben, ist ein amtlicher Sound eminent wichtig. Sonst gibt’s am Ende nur dumpfen Brei.

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Steve Marriott & The Official Receivers: s/t


Hat er das denn wirklich verdient?

Acht Jahre nach seinem tragischen Ableben geht der Ausverkauf mit dem musikalischen Nachlass des Shouters aus dem Londoner East End weiter. War die Compilation „Clear Through The Night“ (s.u.) auch für den Nicht-100%igen Fan noch von Interesse, so macht sich bei dieser Doppel-CD Frust breit. Der Titel verspricht eine Zusammenstellung des Live- und Studio-Materials, das das kurzlebige „Gerichtsvollzieher“-Projekt 1987 eingespielt hatte. Nach mehreren Jahren im praktischen Trio-Format hatte Steve den Drummer aus alten HUMBLE PIE-Zeiten Jerry Shirley in die Wüste geschickt („He’s only in it for the money!“) und durch Richard Newman (einen „jungen Wilden“) ersetzt. Mit Mick Weaver vervollständigte ein versierter Keyboarder das Quartett. Folglich wurde der Sound noch voller, noch souliger. Dies unterstreicht denn auch die erste CD mit einem durchaus ansprechenden Konzertmitschnitt (leider ohne nähere Angaben).

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Fetish 69: Geek

1993 erzählten sie uns auf „Antibody“ vom Wiener Aktionismus, dann verschwanden sie im Untergrund. Plötzlich tauchte „Purge“ (1996) auf, doch ebenso schnell wie das geschah war die Band wieder vom Erdboden verschluckt. Nach erneuter Totenstille versuchen es Fetish 69 heuer ein drittes Mal, die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu erregen. Im Rahmen der diesjährigen Popkomm durfte ich ihr neuartiges Soundgemisch bereits live geniessen. Ich war begeistert und verblüfft.

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Filter: Title Of The Record

Haben sie nun Knatsch, oder nicht? Können sie sich auf den Tod nicht ausstehen oder haben sie sich doch gern? Die Rede ist von Trent Reznor alias Nine Inch Nails und Richard Patrick alias Filter. Eins ist klar: Die Medien und die Industrie zwingen sie zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Nicht nur werden beide immer nach ihren Verhältnis befragt, fast zeitgleich kommen ihre Alben auf den Markt. Filter haben immerhin vor- und die Meßlatte hoch gelegt. Die Schreibzunft ist sich fast einig: „Title Of The Record“ ist das Album des Jahres.

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Julian Dawson: Under The Sun

Wer die vergangenen Alben von Julian Dawson kennt, ist höchste Qualität gewöhnt und weiß, daß man seine Veröffentlichungen ungehört kaufen kann. Obwohl von Kritikern in höchsten Tönen gelobt, blieb ihm bislang der ganz große Erfolg verwehrt. „Under The Sun“ ist sein erstes Album bei Blue Rose und vereinigt Julian Dawsons Stärken in zwölf Songs. Im Vordergrund steht seine unverwechselbare Stimme, die alle Nuancen zwischen Warmherzigkeit und tiefer Traurigkeit mit einem Ton ausdrücken kann. Bedingt durch diese Eigenschaft und seine Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, gehe ich so weit, ihn auf eine Stufe mit Altmeister James Taylor zu stellen. Ähnlich wie diesem gelingt es Julian Dawson, komplexe Folk-Rocksongs zu schreiben, die man sofort mitsummen kann – ohne daß die Melodie irgendwann zu nerven beginnt. Und Melodie gibt es auf „Under The Sun“ im Überfluß.

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Interview: Misfits

Vorbildlich

1976 gründeten Jerry Only (Bass) und Glenn Danzig (Gesang) die legendären MISFITS, von denen es weit mehr Bootlegs und Compilations denn reguläre Alben gibt. Dank der Mithilfe von Gitarrist Bobby Steele fand die Band schnell zu ihrem Punk-Sound. Einer erfolgreichen Karriere stand eigentlich nichts im Wege, doch erst nachdem sie 1983, als Glenn Danzig ausstieg, um SAMHAIN und später DANZIG zu formieren, abtauchten, wurde ihr Schaffen honoriert.

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Freischwimmer, 5 Years Kitty-Yo

Fünf Jahre Kitty-Yo. Ein Grund zum Feiern und auch ein Grund zur Werkschau. Auf zwei CD’s oder wahlweise auch vier LP’s bietet das Berliner Label einen Überblick über die bisherigen Veröffentlichungen und auch einen Einblick in die zu erwartenden Releases neuer Künstler.
Gleichzeitig auch ein Blick auf die immense Entwicklung, die „deutsche“ Popmusik in den letzten fünf Jahren erlebt hat. Woran Kitty-Yo ja auch erheblich beteiligt war. Eine Entwicklung weg von der Dominanz der Gitarre, über Experimentierfreudigkeit, hin zum verstärkten Einsatz digitaler und analoger Elektrik. Pop im weitesten Sinne. Aufgeblasen, gedehnt, überdehnt, wie eine Gasblase, immer nach allen Richtungen in Bewegung aber stetig aufsteigend. Im Labelkatalog finden sich dann auch Bands/Projekte/Individuen, die in ihrem Kontext „im weitesten Sinne“ agieren, an ihre Grenzen gehen. Das ist natürlich nicht immer gut zu verkaufen, aber das ist auch nicht der prinzipielle Ansatz einer Kitty-Yo-Veröffentlichung.

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The Jon Spencer Blues Explosion: Acme Plus

Arme Jungs. Am 22. Juli dieses Jahres wurde der JSBX das gesamte Equipment gemopst. Kein Scheiß, zumindest beteuert das die Plattenfirma. Kein Werbegag und keine Finte, sondern bittere Realität. Equipmentklau ist in den Staaten derzeit voll in. Die Amis eben: die einen zu viele Burger, die anderen zuviel fat free. Das haben sie nun davon. Dem Rest der Welt immer einen Schritt voraus (in Richtung Abgrund). Doch zurück zum Thema:

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Radiotron: Dangerous Love Songs

Nikolai Tomás (Ex-Poems fo Laila) ist wieder da, und die 80er-Jahre hat er auch im Gepäck, allerdings geschickt verknüpft mit hochaktuellen Milleniums-Moden. Also der Reihe nach: Tomás ist Poet geblieben, Chansonnier, um genau zu sein. Jetzt aber nicht mehr mit Gitarren und Folklore, sondern als Synthie-Popper. Der Synthie-Pop der 90er heißt „Elektronik“, wenn´s edel gemacht ist, auch „Club-Music“. Alles drei verbindet Tomás sehr geschickt.

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