Paal Flaata — das ist der Mann, der fünf grandiose Alben lang das Herz von Songwriter Al deLoner auf der Zunge trug und Midnight Choir zu einer der unvergleichlichen Bands machte. Beim ersten Hören seines Soloalbums „Rain“ drängt sich vor diesem Hintergrund eine Frage theologischen Ausmaßes auf: Warum versucht Paal Flaata an machen Stellen zu klingen wie Morten Harket auf seinem Soloalbum?
WeiterlesenKategorie: Musik
Dredg: Catch Without Arms
„Uplifting News“ heißt der Bonus-Track von Dredg‘ s drittem Album. Besser kann man die neuen Stücke nicht beschreiben. Die Gesangslinien von Gavin Hayes sind wahrhaft ‚uplifting‘. In der tiefsten Schwermut schwingt sich seine Stimme erhaben auf und vermittelt den Eindruck, alles schaffen zu können. Selbst auf dem harten, schroffen Untergrund von „The Tanbark Is Hot Lava“ suggeriert seine Stimme ein Daunenkissen. Dabei spielen Dredg nicht mit vordergründigen Emotionen, ihre Songs sind tief und verlieren trotz einer neu gewonnenen Eingängigkeit nie die Magie. Direkt beim Opener „Ode To The Sun“ möchte man laut ‚Danke‘ rufen. Alles beim Alten und doch alles neu.
WeiterlesenLori McKenna: The Kitchen Tapes
Man soll ja nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, aber die Vorstellung, wie irgendeine dieser Hitparaden-Bratzen am Küchentisch mit einer Gitarre sitzt und versucht, in gut einer Stunde ein paar Songs einzuspielen, ist wirklich zu drollig. Für Lori McKenna kein Problem. Mit technischer Minimalausstattung (MiniDisc-Recorder, kleines Mikro) hat sie einen Großteil der elf Songs am 17.März 2001 praktisch ‚in Echtzeit‘ eingesungen.
WeiterlesenYann Tiersen – Les Retrouvailles
Der französische Komponist Yann Tiersen ist mit seinen Arbeiten für „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und „Good-Bye Lenin“ in den Fokus der Zuhörer gerutscht. Dass auch seine ’normalen‘ Alben eine große, visuelle Kraft besitzen, ist unbestritten und wird von „Les Retrouvailles“ eindrucksvoll belegt.
Yann Tiersen nimmt sich jede künstlerische Freiheit, die er braucht, und ist bei einer simplen Klaviermelodie („Le Matin“) genauso pointiert wie beim großen Besteck des Titelsongs. Sein Hang zu Kettenkarussell-Assoziationen ist auch auf „Les Retrouvailles“ unverkennbar, wird aber weiter verfeinert durch eine unglaubliche Instrumentenvielfalt und beeindruckende Kooperationen. Gesungen wird wenig, aber wenn, dann erheben Leute wie Liz Fraser, Jane Birkin, Stuart A. Staples oder Dominique A ihre Stimmen.
„Les Retrouvailles“ beginnt mit netten Klimperinstrumentals und steigert sich mit jedem Titel. Speziell zum Ende hin beweist der Multiinstrumentalist Yann Tiersen, dass er den Stempel ‚Komponist‘ zu Recht trägt. Wer so bewegend bildreiche Musikstücke schreibt, den darf man nicht mit der Schublade ‚Instrumentalmusik‘ abqualifizieren.
Yann Tiersen
Les Retrouvailles
Virgin/EMI
VÖ: 20.5.2005
Alkaline Trio: Crimson
Von Allen, die zum Musizieren in die Gruft hinabsteigen, haben Alkaline Trio mit Sicherheit den größten Humor. Mit „Crimson“ gibt es bereits zum fünften Mal morbide Punkhymnen, die sich im Wesentlichen um Schmerz, Tod oder Mord drehen.
WeiterlesenShadow Gallery: Room V
Ähnlich wie ihre britischen Kollegen von Threshold musizieren Shadow Gallery immer hart in der Nähe zum Melodic Metal. Aber wenn progressive Abfahrt ansteht, kann man – ähnlich wie bei Threshold – nur nüchtern feststellen: Wer kann, der darf. Inhaltlich schließt „Room V“ mit dem dritten und vierten Akt an das Konzeptalbum „Tyranny“ (1998) an und wartet mit erstaunlich vielen überbrückenden Instrumentals auf, die den musikalischen Rahmen zusammenhalten.
WeiterlesenEnnio Morricone: Fateless OST
Ennio Morricone muss man nicht mehr erklären. aber immer mal wieder darauf hinweisen, dass der Komponist nicht nur Italo-Western vertont hat. „Fateless“, die Musik zum gleichnamigen Film von Lajos Koltai, wurde in Ungarn eingespielt und drückt nachhaltig auf’s Gemüt. Manche Tracks sind typische untermalende Scores, aber der Titelsong oder „Return To Life“ bestehen auch als solitäre Kompositionen. Lohnenswert.
(7 Fritten)
Ennio Morricone: Fateless OST EMI VÖ: 30.5.2005 www.emimusic.hu/fateless
Modey Lemon: The Curious City
Bei Modey Lemon wird meines Erachtens der Krawallfaktor überbetont. Ihr Debüt „Thunder + Lightning“ war zwar total wirr, aber so kaputt dann auch wieder nicht. Auch bei „The Curious City“ kippen die Augen öfter auf weiß, aber die Garagenrocker haben die Melodien entdeckt und rocken nachvollziehbarer drauf los.
WeiterlesenLife Of Agony: Broken Valley
Dass Life Of Agony ihre alten Sachen mit Kraft und Dynamik auf die Bühne bringen, haben sie bei ihrer Reunion-Tour ausgiebig bewiesen und sind mit mächtigem Groove durch wahrscheinlich jeden Magen gefahren. Aus dem Zusammenschluss ist nun ein Album erwachsen, an das Ende der Neunziger wahrscheinlich niemand mehr geglaubt hätte. Dabei versuchen die vier New Yorker mit aller Kraft den Spagat zwischen Bewahren der alten Trademarks und dem berühmten Schritt nach vorne.
WeiterlesenLevellers: Truth & Lies
Als Levellers mit „Green Blade Rising“ eine Umkehr einläuteten, war man in erster Linie erleichtert, dass solche Arschgranaten wie „Hello Pig“ der Vergangenheit angehörten. Zwei Jahre später liegt nun „Truth & Lies“ im Player und wirft die Frage auf, wen die Briten trotz aller Angriffslustigkeit heute noch hinter dem Ofen hervorlocken wollen.
WeiterlesenEvergrey: A Night To Remember
Ein paar Wochen nach der Live-CD „A Night To Remember“ erscheint nun die angekündigte Doppel-DVD. Wer gelassen genug war abzuwarten, kann jetzt zugreifen. Evergrey haben mit dem Saal des Storan Theaters in Göteburg eine wirklich geeignete Location ausgedeutet, um den Liveauftritt visuell zu unterstützen. Neben dem kompletten Konzert gibt es eine zweite DVD mit rund sechseinhalb Stunden Bonusmaterial mit Interviews, Dokumentationen, sechs Promo-Videos und der berühmten Mucker-Lektion ‚wer spielt was durch welchen Amp‘. Für Fans interessant und informativ, alle anderen müssen selbst entscheiden, wie viele wackelige Aufnahmen aus dem Probenraum sie sich anschauen wollen.
WeiterlesenFar From Finished: East Side Of Nowhere
Die meisten Bands aus dem Hause I Scream sind mir zu heftig; Far From Finished bilden eine arschtretende Ausnahme. Straßenköter-Punk zum Mitgröhlen für struppige Lebewesen, die sich von Laterne zu Laterne hangeln.Wenn man bei Dropkick Murphys die keltischen Elemente abzieht, kommt man ziemlich exakt bei Far From Finished raus. Riesenspaß!
(7 Fritten)
Far From Finished: East Side Of Nowhere
I Scream/Cargo
VÖ: 23.5.2005
The HaveNots: Never Say Goodnight
Ich hatte schon lang keine Platte mehr auf dem Schreibtisch, bei der die musikalische Qualität und das Cover so weit auseinander lagen. Das Bild von „Never Say Goodnight“ ist hochgradig abschreckend, aber spätestens seit Ron Sexsmith wissen wir, dass Männer mit verkniffenen Lippen und komischen Frisuren wunderbare Musik machen können. Liam Dullaghan heißt der Mann und die Blondine ist seine Partnerin Sophia Marshall. Konträr zur leicht tranigen Erscheinung der beiden ist ihr Debütalbum eine wunderbare Sammlung von elf Songs mit wurzelnahem Songwriting irgendwo zwischen Klimperpop und schwermütigem Folk.
Weiterlesen1978. Ein Jahr und seine 20 Songs
Wie hieß der Chic-Hit Le Freak ursprünglich? Und wem war er gewidmet? Wo hat sich John Travolta den Tanzstil für Saturday Night Fever abgeguckt? Wer sang I will survive auf Deutsch? Wie war Patti Smith beim Rockpalast-Auftritt drauf? Und wer hat ein ganzes Synthiepop-Album mit Rockklassikern eingespielt?All dies: Wissen zur Musik des Jahres 1978 mitgeteilt in einem stylischen Büchlein mit minimalistischem Cover. Die CD zum Jahr steckt auf der letzten Seite. Und wer auf das Lied der Schlümpfe, Boney M. oder Amanda Lear hofft, der wartet vergebens. Die Schlagworte heißen zwar unter anderem Disco und Pop aber eben auch Punk, Latin, Soul und Independent. Singer-Songwriter haben hier ihren Platz. Selbst afrikanischer Highlife ist drauf.
WeiterlesenTurin Brakes: JackInABox
Dass Turin Brakes nicht nur Lust auf sanfte Gitarren haben, zeigte schon ihr Zweitwerk „Ether Song“. Wer insgeheim auf die Rückkehr zu den Klängen der Anfangstage gehofft hat, wird bei „JackInABox“ schnell feststellen, dass das Londoner Duo diesmal noch einen Schritt weitergegangen ist. Die zwölf neuen Songs wurden deutlich hörbar nicht in Skandinavien in einer Hütte am See einspielt.
WeiterlesenMägo de Oz: Gaia
Ja, der Name ist blöd, die Covergestaltung zeugt von seltsamem Humor und auch das Freibeuter-Outfit ist nicht wirklich erste Wahl. Wer aber über dieses Gebirgsmassiv der Vorurteile geht, erlebt eine mitreißende Band, die das Ohr und die Beine schneller kapern, als die acht ihre Seemannsklamotten anziehen können.
WeiterlesenThe Seer: Arrival
The Seer sind in erster Linie eine Liveband und haben über all die Jahre ihre Spielfreude zumindest auf der Bühne nicht verloren. Dafür sind aber ihre Alben Schritt für Schritt ein bisschen schwächer geworden.Nach dem völlig vermurksten „Rise“ drehen The Seer auf ihrem neuen Album „Arrival“ die Zeituhr ein paar Jahre zurück und verlassen sich wieder auf folkig eingängige Rocknummern, mit denen sie die Clubs rocken können. Speziell die ersten beiden Songs „Away From Here“ und „Nothing Else“ werden die Fans begeistert aufnehmen und sich nicht an meinem Innovationsgemurmel stören. „Arrival“ ist zwar scheinbar ein Rückschritt, zeigt aber, dass The Seer am besten funktionieren, wenn sie sympathisch drauf los rocken.
WeiterlesenMylo: Destroy Rock’n’Roll
Der eine will den Rock’n’Roll vor dem Tode bewahren (siehe die Rezension des neuen Alec Empire-Albums), der andere möchte ihn zerstören. Logisch, dass Alec Empire die Gitarre als Waffe sucht und Mylo alias Myles MacInnes auf die Electro-Musik vertraut.
WeiterlesenSteve Thorne: Emotional Creatures – Part One
„Emotional Creatures“ ist so innovativ wie ein Bausparvertrag, aber auch so verlässlich. In Sachen ‚Dino-Rock‘ gehört das neue Album von Steve Thorne definitiv zu den frischeren. Von folkiger Seligkeit („God Bless America“) bis zu rockigen Wuchtbrummen („Gone“) bedient er eine breite Schicht zwischen Jethro Tull und Marillion.
WeiterlesenMaria McKee: Peddlin‘ Dreams
Es ist ein Elend – während Acts wie Katie Melua oder Norah Jones aus dem Stand durch die Decke gingen, kämpfen Qualitätsgaranten wie Natalie Merchant oder Maria McKee nur noch um Aufmerksamkeit in Insiderkreisen.Maria McKee’s neues Album erscheint über Cooking Vinyl, was hoffen lässt, dass die Wahrnehmung etwas höher ausfällt als bei „High Dive“. Verglichen zu den Jahren davor befindet sich die Dublinerin im Moment in einem wahren Veröffentlichungstaumel. Zwei Studioalben und eine Liveplatte in nur drei Jahren ist für Mrs. McKee eine beachtliche Schlagzahl. Dabei ist „Peddlin‘ Dreams“ bewusst direkter gehalten als die lang gereiften Vorgänger, was der Qualität keinen Abbruch getan hat.
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