Snowy White & The White Flames: The Way It Is…

Das Albumcover suggeriert es schon: Ein älterer Herr hat sich nochmal die Gibson umgeschnallt und schüttelt sich Paradiesvögel aus dem Ärmel. Der Opener „No Stranger To The Blues“ und die Neuaufnahme von Snowy Whites größtem Hit „Bird Of Paradise“ gehen gerade noch durch, der Rest flattert etwas flügellahm vor sich hin. Für Künstler und Zielgruppe bleibt nur die Schublade ‚mainstreamiger alte-Männer-Blues‘.

(4 Fritten)

Snowy White & The White Flames: The Way It Is...
White Flames/Soulfood
www.snowywhite.com
VÖ: 11.4.2005

Such A Surge: Alpha

Im letzten Jahr feierten sie ihr 13. Jahr. Eine beachtliche Zahl. Fünf Such A Surge-Alben und zwei ihres Nebenprojekts Pain In The Ass brachten sie in dieser Zeitspanne zustande. 2003 war das letzte Studioalbum ‚Rotlicht‘ erschienen. Seitdem ist einiges passiert im Umfeld der Band. Zum einen stieg Gründungsmitglied und hauptamtlicher Gitarrist Dennis Graef aus. Er wurde durch das einstige Road Crew-Mitglied Lutz Buch ersetzt. Dann haben sie noch von ihrem einstigen Label getrennt und letztendlich bei Nuclear Blast ein neues Zuhause gefunden.

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Pink Turns Blue: Phoenix

Zehn Jahre waren sie weg vom Bildschirm, dann im letzten Jahr eine Tournee und im Zuge dieser wieder erste Festivalauftritte nach der Pause. Und nun sogar ein neues Album. Pink Turns Blue wollen es wirklich wissen. Der Zeitpunkt für ein Comeback könnte kaum besser gewählt sein. In den letzten Monaten sind zuhauf Platten auf den Markt gekommen, die mit dem New Wave der Achtziger einiges gemein haben. Es sei etwa an Interpol oder an VHS Or Beta erinnert.

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Kool Savas & Azad: One

„Zwei der besten Rapper in Deutschland vereint“? Das behaupten Kool Savas, Berliner Rap-Senkrechtstarter, und sein Frankfurter Kollege Azad. Zwischen den Zwei gibt es „keine Competition, wir sind eins, Junge“ rappt Azad in „Monstershit“. Dann soll der Beat aufgedreht und der Arsch bewegt werden, damit der „Ghetto R’n’B“ losrocken kann. Aua! Muss deutscher HipHop in den letzten Jahren auf so plumpe, platte und – sorry – infantile Art und Weise, US-Strassen-Rap kokettieren? Hier ist nicht die Bronx! Und dann diese unzähligen Anglizismen. Man will schon fast das Wort „Deutschrap“ nicht mehr in den Mund nehmen.

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Farin Urlaub: Am Ende der Sonne

Was haben Reinhard Mey und Farin Urlaub gemeinsam? Die Verehrung für Dr. Erika Fuchs. Der eine erwähnt sie in einem Songtext (Reinhard Mey), der andere widmet ihr gleich das ganze Album. Dr. Erika Fuchs ist die Übersetzerin unzähliger Disney-Comics und hat die deutsche Sprache für die Sprechblasen von Mickey, Donald und Dagobert geschmeidig gemacht. Also keine schlechte Referenz für Zwei, die es verstehen, mit der deutschen Sprache umzugehen.

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Wir sind Helden: Von hier an blind

Bei der Popularität von Kettcar und dem kometenhaften Erfolg von Wir sind Helden bleibt es nicht aus, dass die Musik auch Leute anspricht, mit denen man eigentlich nicht den Musikgeschmack teilen wollte. Deswegen die Nase rümpfen, sich Schritt für Schritt distanzieren? Besser nicht — die Helden legen ihr zweites Album vor und bleiben ein Phänomen. Aller Voraussicht nach wird „Von hier an blind“ ein großes Publikum ansprechen, aber hier klebt immer noch das Label ‚unabhängig‘ dran.

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Cho-Jin: Woanders

Die Schublade hätte ich beinahe zu schnell zugeschlagen. Die junge Düsseldorfer Band (!) veröffentlicht ihr Debütalbum auf dem Label von Wölli (!!) und huldigt direkt in der Strophe des Openers „Schattenläufer“ Düsseldorfs Rock-Export Nr. 1. Als Cho-Jin dann auch noch im Refrain gefährlich in Richtung Crossover/NuMetal abrutschen, scheint dieser kurze Kampf schon verloren. Aber bereits im zweiten Song „Carpe Diem“ stehen die Jungs wieder auf und präsentieren sich Schritt für Schritt als erstaunlich reife und druckvolle Band.

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Brendan Benson: The Alternative To Love

Brendan Benson hat nach dem letzten Boxenstopp ein bisschen langsam ins Rennen zurückgefunden. Führte er mit „Lapalco“ das Feld an, schlingert „The Alternative To Love“ etwas unentschlossen im Mittelfeld. Die drei lebenswichtigen Harmonien B, E und A (Beach Boys und Beatles) sind zwar immer noch vorhanden, werden aber von etwas durchsichtigen Popsongs und bratzigen Gitarren in die zweite Reihe gestellt. An sich ein nettes Album, aber es gibt eine Menge Leute, die das mindestens genauso gut können.

(6 Fritten)

Brendan Benson: The Alternative To Love
V2/Rough Trade
www.brendanbenson.com
VÖ: 14.3.2005

Evergrey: Live – A Night To Remember

Die schwedische Band Evergrey ist in Sachen wuchtiger Prog-Metal eine Bank. Fünf starke Alben in Folge, von denen die schlechteren Momente immer noch taugen, um die halbe Konkurrenz wegzuwischen. Nach heutigen Veröffentlichungsmaßstäben haben sich Evergrey verhältnismäßig lange Zeit für ihr erstes Livealbum gelassen, biegen jetzt aber mit einem prallen Werk um die Ecke. Ein Heimspiel in Göteborg haben sie für die Nachwelt konserviert, das mit Streichquartett, Backgroundchor und Gastvocals mit einigen Extras aufwartet. Das begeisterte Publikum feiert seine Helden euphorisch und Evergrey sind mit mächtig Druck und Fingerfertigkeit zu Gange.

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Favez: Old And Strong In The Modern Times

Darf man einer großartigen Band empfehlen, sich aufzulösen? Nein! Aber wenn Favez sich mit diesem Gedanken tragen, sollten sie es jetzt tun.Ihr fünftes Werk „Old And Strong In The Modern Times“ ist die Essenz aus allen bisherigen Alben. Ungestüm wie „(From Lausanne, Switzerland)„, aber gleichzeitig mit ‚Hits‘ gesegnet wie „Gentlemen, Start Your Engines“ und „Bellefontaine Avenue“. Neben dem auffallend gelungenen Songwriting wächst hauptsächlich Drummer Fabrice über sich hinaus. Im treibenden Opener „Looking For Action“ schiebt er Chris Wicky ein furioses Schlagzeuggeboller unter die Stimme, gegen das Wicky mit dem ihm eigenen Enthusiasmus ansingt. Mindestens unentschieden! Aus Fan- oder Musikersicht kann man nur eine Plattitüde verwenden: „Die Band platzt vor Spielfreude“.

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The Wedding Present: Take Fountain

Bei Hochzeitsgeschenken ist schon mal die ein oder andere Netzhautpeitsche dabei, die man gar nicht so schnell aus dem Keller zerren kann, wie die Verwandtschaft um die Ecke biegt. Chefdenker David Gedge hatte seine Band The Wedding Present für acht Jahre auf Eis gelegt und sich stattdessen mit Freundin im gemeinsamen Projekt Cinerama ausgetobt. Die ist jetzt weg und als Trennungsgeschenk für die Hörer gibt es wieder The Wedding Present. „Take Fountain“ ist ein feiner Ausflug in elf kleine Schrammelhymnen, die sich – wen wundert’s – um Liebe, Verlust und Sex drehen.

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Janove Ottesen: Francis‘ Lonely Nights

Manchmal fragt man sich wirklich, wo die Radiosender diesen ganzen Schrott auftreiben. Betrachtet man allein die ersten zehn Wochen des neuen Jahres, kann man fast in Verzückung geraten ob der vielen Kleinode, die schon veröffentlicht wurden oder in den Startlöchern stehen. Dazu gehört sicherlich „Francis‘ Lonely Nights“ von Janove Ottesen. Dabei ist das Solodebüt des Kaizers Orchestra Sängers in keiner Weise mit seiner Stammband zu vergleichen.

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Paradise Lost: Paradise Lost

Ich fand Paradise Lost mal richtig großartig. Meiner Sympathie konnte das laue Album „Believe In Nothing“ nichts anhaben und selbst bei „Symbol Of Life“ habe ich noch versucht, die guten Songs zu finden. Die Mannen um Greg Mackintosh und Sänger Nick Holmes haben in den vergangenen Jahren viel Prügel für ihre Outputs einstecken müssen und reißen sich auf ihrem zehnten Album mächtig am Riemen, um die Kurve wieder zu kriegen.

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