Joe R. Lansdale: Rumble Tumble

Zwischen den Konfektionstümpeln und der literarischen Tiefsee (also etwa zwischen Karin Slaughter und Jan Costin Wagner) muss, wer die Krimiwelt umsegeln will, bisweilen eine Erfrischungsinsel ansteuern. James Cook hat es ja schließlich auch getan. Festes Land mit frischen Lebensmitteln. Joe R. Lansdale.
Lansdale ist ein Genreautor; eine Berufsbezeichnung, die hiererorts sofort nach Heftchen riecht und entsprechend gerümpfter Nase goutiert wird. Er schreibt Western, Horrorgeschichten und Krimis, manchmal weder noch, das famose „Sturmwarnung“ beispielsweise, das zwar als Krimi durchgeht, dem „Genre“ aber eine Nase dreht. Einige dieser Arbeiten sind Standalones, was angesichts der Serienmanie nicht verkaufsfördernd ist, doch Lansdale hat auch seine Serie mit den Protagonisten Leonard Pine und Hap Collins.

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Karin Slaughter: Gottlos

(Vorbemerkung der Redaktion: Krimikritik ist eine Sache für gereifte Menschen. Mindestens 40 sollte man schon sein, erfahren in allen Dingen des Lebens, auch in den Abgründen der menschlichen Seele zu Hause. Keineswegs also ist Krimikritik eine Beschäftigung für Menschen auf dem Höhepunkt ihrer Pubertät, wenn die Hormone verrücktspielen und man – wie unser Azubi Jochen – das Fräuleinchen Anobella immer so komisch anguckt. Zum Beweis veröffentlichen wir im Folgenden eine Rezension dieses Jochen, welche sich mit der bekannten und beliebten Kriminalschriftstellerin Slaughter in einer Art und Weise auseinandersetzt, die wir natürlich vollständig ablehnen. Immerhin stand „Gottlos“ auf der KrimiWelt-Bestenliste, wurde also von den klügsten Krimiköpfen der Republik geadelt. Jochen, der in seiner Freizeit auch Death Metal – Musik rezensiert – „Nur totes Metall ist gutes Metall“ -, kümmert dies nicht. Er ist jung. Er ist verwirrt. Er ist rebellisch. Kurzum: Er ist Azubi bei wtd. Haben Sie bitte Nachsicht!)

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Enough is enough!

Es reicht, Georg ist fällig. Aus diesem Grund gibts jetzt ein Ratespiel: Wer zuerst unter den Beitrag postet, wer der Autor des folgenden Absatzes ist, in dem in so BEFREIENDER Weise mit dem Apostroph umgegangen wird (die nicht das Schriftbild zerreißt und kaputtmacht), der gewinnt ein Hinternet-T-Shirt. So was gibts, schön schwarzweiß, Zeichnung von Raphael Wünsch drauf, die Redaktion schickts.

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Kapitel XIV

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Was bisher geschah: Wickius, der mehrere Mordfälle und den merkwürdigen Exidus deutscher Krimischaffender aufklären möchte, befindet sich auf IDIOT, einer künstlichen Insel, die in der Südsee als Trainingszentrum für die aus Deutschland verschwundenen Autorinnen und Autoren dient. Eingerichtet wurde sie von der KRIMILOGE, einem seit der Mitte des 19. Jahrhunderts existierenden Verein zur Förderung der deutschen Kriminalliteratur. So jedenfalls hat es ihm ein kauziger alter Mann erzählt. Aber ob das auch stimmt? Lesen wir mit Kommissarin Anne Beller weiter in den Papieren, welche Wickius per Flaschenpost geschickt hat…

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Michael Marshall: Engel des Todes

Ganz sicher: Michael Marshall ist Fan der Lindenstraße. Jedes Kapitel wird mit großen Spannungsaugen beendet und in einen neuen Handlungsstrang geführt, damit Mutti auch ja nicht mit dem Gucken aufhört.
In der Spannungsliteratur gehört dieses Modell schon seit ein paar Jahren ins
Museum, aber das scheint Marshall nicht zu kümmern. Nicht, dass → „Der zweite Schöpfer“ die Krimi-Welt aus den Angeln gehoben hätte, aber die trockene, angedeutete Erzählweise hatte ihren Reiz.

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Pentti Kirstilä: Klirrender Frost

So allmählich geht es einem mit Pentti Kirstilä wie mit Reginald Hill. Man liest ihre Bücher und ist sauer, sie wieder nicht bei einer Schwäche erwischt zu haben. Dabei segeln sie ja manchmal durchaus in vorgeblichen Untiefen, aber anstatt ihre Schifflein auf Grund laufen zu lassen, manövrieren sie sie auch noch aus der größten Banalität, dem vorhersehbarsten Plot. Sehr souverän und überlegt, was die Sache noch ärgerlicher macht.

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Gewalt

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„Selbst von der Toten ließ er nicht ab. Schnitt mit seinem Messer in ihren Körper. Schnitt ihr die Scham heraus. (…) Seine Erregung ließ nicht nach, als er ihre Scham in seinen Händen hielt, das Stück herausgeschnittenes Fleisch. Daran roch. Daran leckte. Daran kaute, sich die Scham über sein eigenes Glied stülpte, sich so vorstellte, nun endlich in sie eindringen zu können. Endlich in sie eindringen. Zuletzt legte er der Toten das Stück Fleisch auf das Gesicht. ‚Da, leck an dir selbst, friss dich selbst, Schlampe!’“

(Andrea Maria Schenkel, „Kalteis“, S. 121 f)

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Allan Guthrie: Hard Man

Wie der Mongolensturm über Europa, wie Katrina über die Golfküste, wie Feuersbrünste in den Städten nach Bombenangriffen. „Hard Man“ fegt über den Leser hinweg. Das Buch inszeniert Gewalt, wie es nur selten ein Buch tut. Gewalt so real und unscheinbar wie Gewalt nur sein kann, die in den Vorstädten vorkommt und die so leicht in der Zeitung zu überblättern ist. Keine Gewalt, die sich, zum gedeihlichen Pläsier des Wohlstandbürgers, aus dem Wahn eines Menschen Bahn bricht und keine dieser schicken Grauslichkeiten, mit denen Gerichtsmedizinerinnen die Welt unterhalten.

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Kapitel XIII

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Was bisher geschah: Ein toter Krimiblogger, eine kryptische Liste, Mordversuche und schwerstgetötete schwule Friseure, KrimiAutorinnen, die plötzlich verschwinden und auf einer künstlichen Insel in der Südsee wieder auftauchen. Mittendrin: Wickius. Wickius, aus den Klauen der Beller in die Klauen eines mächtigen Feindes geraten. Wickius, der eine Flaschenpost geschickt hat, in der er seine Abenteuer auf der künstlichen Insel reportiert. Die Fortsetzung seines Berichts.

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Gabriele Wolff: Im Dickicht

Ich bin ja immer zu spät mit allem, also auch mit der 64 Seiten und Schluss!– Reihe des Nautilus-Verlags, aber das Buch von Gabriele Wolff habe ich eben in einem Zug gelesen. Kann sein, dass es daran liegt, dass die Protagonistin mit einer Zaunwinde kämpft, die alle anderen Pflanzen im Garten ersticken will und die ich auch im Garten habe. Kann aber auch sein, das es daran liegt, dass die Geschichte in Neuruppin spielt, und dass das das Fontaneland (und Schinkelland) ist, dass ich so liebe und gar nicht genug drüber lesen kann. Kann schließlich noch sein, weil die Autorin sich mit Würstchen auskennt und die Wiener den Bratwürsten (grob, fett, grauenhaft; Anmerkung von Anobella) vorzieht.

Jedenfalls hat mir das Büchlein gut gefallen und ich habe es in einem Stündchen ausgelesen. Die Perspektiven wechseln zwischen einer Frau (der Zaunwindenbekämpferin) und dem Ermittler (Ich-Erzähler) ab. Viele schöne Beobachtungen werden geteilt, zum Beispiel das Unbehagen einer Mutter an ihrem halbwüchsigen Sohn: „Als sie die Haustür öffnete, stand ihr Sohn bereits davor. Nein, er stand nicht, er kippelte auf seinem Skateboard hin und her, wobei er, den Kopf gesenkt, in einer der vielen Taschen seiner unförmigen Hose kramte. Er trug einen Helm, Knieschützer und das Trikot der deutschen Nationalmannschaft“ oder dies: „Es tat gut, Dinge anzusehen. Zuckerschoten, Paprika, Weintrauben. Eingelegte Weinblätter, Oliven, Schafskäse, Lammkoteletts, Wildschweinleberwurst und Roastbeef.“

Genau. Wenn man in Neuruppin ist – einem grandios verschlafenen, hübsch klassizistischen Provinzstädtchen in Brandenburg – dann schaut man sich nach sowas die Augen aus.

Suspense ist es, Suspense mit einem Ermittler.

Der Quellcode

(Ein erster, noch nicht überarbeiteter Versuch, Derek Raymond und den Noir-Roman in den Griff zu bekommen. Oder, besser: sich ihm zu nähern. Seien Sie wie ich auf das Endergebnis gespannt. Die Monografie „Derek Raymond – the Man in Noir“, von der wir noch gar nichts wissen, außer dass sie ab sofort →hier subskribiert werden kann.)

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