Das letzte Tabu

Ja, ja, ich weiß. Zum Tabubruch aufzurufen ist in etwa so originell wie sich bei 35 Grad im Schatten ein kühles Mineralwasser zu gönnen. Zum Zwecke der Förderung des Krimis machen wir jetzt aber eine Ausnahme und rufen laut in die Landschaft hinein: Brecht das letzte Tabu der Kriminalromans! Und das wäre…?

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Das Grundlagenwerk

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Fünfzehn Jahre lang hat Mirko Schädel daran gearbeitet, jetzt ist sie da: Die „Illustrierte Bibliographie der Kriminalliteratur im deutschen Sprachraum 1796 bis 1945“, zwei Leinenbände im Schuber, je 512 Seiten im Großformat, ca. 10.000 Einträge mit über 1300 farbigen Cover-Abbildungen. Das hat seinen Preis: 175 €. Und dieser Preis ist nicht nur angemessen, sondern angesichts der Leistung geradezu ein Witz. Ab 2007 sind 198 € zu berappen. Zu bestellen bei →Achilla Presse (auf der Startseite „Neuheiten“ anklicken). Ein guter Tag für die alten Krimis!

KrimiWelt-Bestenliste August 2006

Was haben Leonardo Padura (Adiós Hemingway), Robert Littell (Kalte Legende) und Jenny Siler (Ticket nach Tanger) gemeinsam? Sie sind neu auf der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste, Padura gar ganz oben. Und: Alle drei Romane handeln von Identitätssuche, von den Verschränkungen Wirklichkeit / Fiktion. Und sind gelungen. Die komplette Liste gibt es wie immer →hier zum gefälligen Studium.

Folge 3: Der Schreibstil

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Kurz vor dem Offenbarungseid? Mehr Krimis gelesen als Georges Simenon geschrieben hat? Stets bereit, die Tinte aus der Feder sprudeln zu lassen, bevor die Ideen aus dem Hirn fontänen? Mit einem Wort: Skrupellos genug, ein(e) deutsche(r) Kriminalschaffende(r) zu werden? Nun denn, wohlan. In unserer neuen kleinen Sommerreihe erklären wir dir, wie du es schaffst, ein Erfolgskrimiautor zu werden und nach 300 Seiten die ersten Millionen an die Pforte deiner Sparkasse klopfen zu hören. Wir geben dir die ultimativen Ratschläge, wie du wenigstens vier Millionen Krimileser erreichst. Das ist wissenschaftlich bewiesen! Und wie du somit, bei einem durchschnittlichen Honorar von zwei Euro pro Buch (gebunden, Schutzumschlag) 8 Millionen Euro vor Steuern einsacken kannst. Denn vier Millionen mal 2 macht acht Millionen. Das ist mathematisch bewiesen! Heute: – Und wie schreib ich den ganzen Mist?

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Ballermann 6 präs. Die Weltmeister Hits 2006

Nun ist die WM vorbei und ich kann mich endlich überwinden, dieses Machwerk zu rezensieren. Das Presse-Info sagt: Rote Karte für alle Party-Muffel -Weltmeisterliche Party-Kracher zum Abfeiern!!! Das ist durchaus als Drohung zu verstehen, denn wer nicht mitfeiert, könnte ja in einen Raum gesperrt werden, in dem diese Doppel-CD komplett durchläuft – von Jürgen Drews „FC Deutschland“ bis zum Bonus Track „Der Theodor im Fussballtor“.

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Leonardo Padura: Adiós Hemingway

Die Literatur, stellt Mario Conde am Ende fest, sei eine einzige große Lüge. Die Literatur ist aber auch die Wirklichkeit. Und die Wirklichkeit Literatur. Was die Sache mit der Lüge relativiert. Wenn nämlich alles Lüge ist, dann auch die Wahrheit, und wenn alles wahr sein kann, dann die Lüge allemal auch. Mario Conde weiß das, weil sein Schöpfer Leonardo Padura es weiß. Und mit „Adiós Hemingway“ einen wunderbaren kleinen Roman darüber geschrieben hat.

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Ian Rankin: Die Sünden der Väter

Goldmanns abenteuerliche Übersetzungs- und Veröffentlichungspolitik würde ich mir gerne mal erklären lassen. Aber wahrscheinlich gibt’s da nichts zu erklären, denn die Beliebigkeit, in der die John Rebus Romane durcheinander gewürfelt werden, kann eigentlich keinem Plan folgen – hoffe ich zumindest. Denn wenn dem doch so wäre hieße es ja, dass Menschen existieren, die absolut kein Interesse am Inhalt ihrer Arbeit haben. Und das gibt es doch nicht. Nicht heute, nicht in Deutschland. Naja, immerhin verkürzen sich die Abstände vom Erscheinen des Originals zur Übersetzung. Waren es bei „Knots & Crosses“ – „Verborgene Muster“ noch 12 Jahre, ist der Abstand mit dem vorliegenden Roman auf die Hälfte geschrumpft. Und es ist endlich der Roman, in dem Samantha Rebus Unfall, der zu ihrer (vorübergehenden) Lähmung führt, einen wichtigen Handlungsstrang einnimmt. So zeigt „Die Sünden der Väter“ wie wichtig eine chronologische Veröffentlichung ist. Gerade unter markttechnischen Gesichtspunkten, was den ein oder anderen unbelesenen Schlipsträger ja tangieren dürfte.

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