Summer Camp -6-

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Neben der Erzählperspektive sind es natürlich die „sprechenden Personen“, die den Stil eines Romans bestimmen. Man wird einen sechzehnjährigen Schüler des begonnenen 21. Jahrhunderts kaum „Mich dünkt, ich habe mich in Sie verliebt, Mademoiselle!“ ausjauchzen lassen, und ein wohlbestallter Professor wird nicht mit „Hassema ne Fluppe, Mann?“ den Smalltalk auf einer Party beginnen.

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Lesetipp: Carl von Holtei

Wer sich zu den Wurzeln des „deutschen Krimis“ begeben möchte, der lese bitte nicht Schiller, Kleist oder ETA Hoffmann. Sondern, zum Beispiel, ihn hier: Carl von Holtei.

Wenn ich es recht überblicke, hat von Holtei einen Roman und eine Novelle verfasst, die man ohne weiteres „Krimi“ nennen kann: →„Schwarzwaldau“ von 1856 und →„Ein Mord in Riga“,wohl etwas später entstanden, und, die Verlinkungen zeigen es schon, beide aktuell im Buchhandel nicht lieferbar.

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Bachmann a gogo

Liebe Designer des Bachmannpreises, mal eine Frage: was habt Ihr Euch eigentlich dabei gedacht, als Hintergrunddeko zum diesjährigen Wettlesen überdimensionale „Mensch ärger dich nicht“-Spielfelder aufzustellen? Gibt’s da eine tiefere Bedeutung? Alles nur ein Spiel? Ein reines Glückspiel gar?

Wie? Das sieht einfach gut aus? Nein, das nun definitiv nicht!

Laura Lippman: Butchers Hill

Je mehr Kriminalromane ich lese, desto wichtiger werden mir die Einzelheiten. Das Nebenpersonal. Die fleißigen Handlanger der Story, einzig geschaffen, den Erzählfluss am Laufen zu halten, Stichwortgeber für den Helden, die Heldin und den ersten Kreis der sie umgebenden Geschöpfe, die Auftraggeber, Verdächtigen, Opfer.

Sie nicht als bloße Objekte zu erschaffen, ist eine humane Geste des Verfassers / der Verfasserin, die besagt: Seht her: Ich nehme meine Arbeit ernst. Ich bin nicht darauf fixiert, eine mehr oder weniger spannende Story in all ihren essentiellen Punkten abzuhaken. Ich erzähle euch eine Geschichte, zeige euch eine Welt, und wie in jeder vernünftigen Welt hat auch hier alles was atmet seine Biografie. Und sei es nur ein kleiner Ausschnitt daraus. So gesehen, ist Laura Lippman mit „Butchers Hill“ ein sehr humaner Roman gelungen.

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S.J. Rozan: Winter and night

(Neu: Rezensionen fremdsprachiger Krimis auf der Grundlage der Originale. Nebeneffekt: Man freut sich auf Bücher, deren deutsche Übersetzung noch aussteht oder fragt sich, warum dieser Krimi bis heute nicht ins Deutsche übertragen wurde. So wie S.J. Rozans „Winter and night“ aus dem Jahr 2003. Der Rezensent wundert sich…)

„Du bist nichts, Dein Team ist alles“ so steht es in den Umkleideräumen des Hamlin Training Centers, welches Heranwachsende aus Warrenstown zu guten American Football Spielern ausbilden will. Eine eigenartige Faszination übt dieser Sport ja aus. Die einzelnen Spielzüge können ausgefuchste taktische Meisterleistungen und Zeichen einer ausgefeilten Choreographie sein, … aber … trotz Schutzausrüstungen: Er geht auf die Knochen. Er ist rau. Um die Unterordnung des Einzelnen unter die Mannschaft, auch darum geht es im Buch „Winter and Night“ von S.J.Rozan.

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Kein Krimi

… aber in den letzten Wochen mehrmals an dieser Stelle erwähnt: Hallgrimur Helgasons famoser Roman „Vom zweifelhaften Vergnügen, tot zu sein“. Dazu gibt es jetzt für Interessierte →hier eine Rezension. Lieblingszitat: „Die Schriftsteller sollten schreiben, was ein Seemann in Seenot gern lesen würde.“ Genau so.

Menke ist schuld! Danke, Alfred!

Den Hinweis in den →„Alligatorpapieren“ gestern habe ich einfach nur so hingenommen. Blödes Schickimickiliteraturgebabbel. Als dann Ludger Menke sich in seinem →„Nachtbuch“ darüber echauffierte, hab ich mir das Gebabbel angetan und konnte Ludgers Urteil nur traurig abnicken. Als dann wiederum die →„Alligatorpapiere“ auf Ludgers Blogeintrag hinwiesen, habe ich mir die Seite →„README“ mal etwas genauer angeguckt. Ojoiojoi!

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Shadow Gallery: Room V

Ähnlich wie ihre britischen Kollegen von Threshold musizieren Shadow Gallery immer hart in der Nähe zum Melodic Metal. Aber wenn progressive Abfahrt ansteht, kann man – ähnlich wie bei Threshold – nur nüchtern feststellen: Wer kann, der darf. Inhaltlich schließt „Room V“ mit dem dritten und vierten Akt an das Konzeptalbum „Tyranny“ (1998) an und wartet mit erstaunlich vielen überbrückenden Instrumentals auf, die den musikalischen Rahmen zusammenhalten.

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Report München

Ja, man kann gegen Oskar Lafontaine einiges ins Feld führen. Seinen Populismus etwa. Dass er Maßnahmen geisselt, die er vor Jahren noch selbst empfohlen hat. Dass sich ein „Linker“ ausgerechnet die Bildzeitung als publizistische Heimstatt erwählt. Ja vielleicht sogar, dass er damals mir nichts, dir nichts in den Sack gehau’n hat (als ob Nibelungentreue mehr als eine Tertiärtugend wäre).

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de Quincey revisited

Eigentlich lese ich ungern, wenn ich mit dem Zug fahre. Nur wenn der abzuarbeitende Stapel gar zu hoch ist, greife ich auch während der gewohnt unzuverlässigen und servicemäßig lausigen Fahrt mit der Bahn zum Buch. Zu Thomas de Quinceys „Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet“ etwa.

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Unsere Besten – mal wieder

Beim Zappen die falsche Abzweigung genommen und im ZDF gelandet, wo eine quietschfidele Susanne Fröhlich auf einem Sofa herumgrinst. Blond am Freitag fängt aber füh an?! Und die andere Blondine? Das ist doch Johannes Baptist Kerner! Alles klar, hier feiert das ZDF („in Zusammenarbeit mit Galeria Kaufhof„) in großer Abendshow die besten deutschen Erfindungen. Oder so.

Frau Fröhlich soll erklären, wie so ein Telefon funktioniert: „Da wird Sprache in Schall umgewandelt„. Aha.

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