Saga: Marathon

Saga, Asia und Journey waren für mich immer Bands, die durch sagenhaft kitschige Comic-Cover aufgefallen sind und die mein Freund Udo rauf und runter gedudelt hat. Ermattet durch seine Penetranz ist es ihm irgendwann gelungen, mich für Journey zu erwärmen, mir für Saga Respekt abzuringen und Asia verdränge ich bis heute. Insofern hat „Marathon“ für mich eher etwas drolliges, weil es mich ziemlich wundert, dass es eine Band schafft, über Jahre dermaßen an ihrem Sound festzuhalten.

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GUZ: Geheime Weltregierung

GUZ – das stand früher mal für einfache, kluge und äußerst originelle Popmusik. Low-Fi-Pop, eher schräg als schmeichelnd. Aber trotzdem eingängig, ja fast naiv. Das ganze als eine Art bilaterale Beziehung zwischen Hamburg und der Schweiz. Besser gesagt: Schaffhausen, wo GUZ alias Olifr Maurmann herkam. Irgendwie war er mit seiner Band Aeronauten in die „Hamburger Schule“ hineingeraten, wo sie die irrsten Späße von allen trieben. Mit Texten, die so antiintellektuell waren, wie es nur ging. Und mit viel Understatement vorgetragen wurden.

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Anouk: Graduated Fool

Lange hat es gedauert, bis Frau Teeuwe mit einem neuen Album über den Deich geschwappt kam. Dabei herausgekommen ist „nur“ ein ganz gewöhnliches Rockalbum. Wer ein aufwändig produziertes Werk erwartet hat, bekommt mit „Graduated Fool“ das puristische Gegenteil: Gesang, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Schluss, aus. Soweit das Booklet nichts verschweigt oder meine Ohren mich nicht betrogen haben, hört man kein anderes Instrument oder Samples irgendeiner Art.

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Kritischer Sportjournalismus

Das Aktuelle Sport Studio, 15.3.2003. ZDF

Wird Rolf Töpperwien eigentlich von meinen Fernsehgebühren bezahlt? Oder steht er auf der Lohnliste des FCB? Oder wie sonst erklären sich die vorsichtig-verständnisvollen Fragen an Olli Kahn (ja, Herr Kahn, hier sollte es um Fußball gehen und nicht ums Privatleben, wer hätte dafür mehr Verständis als ich…).

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Yael Hedaya: Zusammenstöße

Fliehkräfte der Liebe

„Ich weiß nicht, ob Menschen überhaupt zu einer umfassenden, den andern als Ganzes erfassenden Liebe fähig sind“, sagt die Schweizer Autorin Sybille Berg über Yael Hedayas ersten Roman „Liebe pur“. „ Das wäre, was für mich das Wort bedeutet: den andern erkennen, Wohlgefallen an ihm haben, ohne Ansprüche und Erwartungen. Kann das jemand? Bitte melden…“ Auch Hedayas zweiter Roman ist eine Liebesgeschichte. „Diesmal geht sie gut aus“, sagt sie selbst. Doch ihre Welt bleibt kühl.

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David Olney: Border Crossing

Seine Songs treffen mitten ins Herz. Das weiß z. B. Emmylou Harris. Olney ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, geadelt durch Townes VanZandts Aussage, neben „Mozart, Lightnin‘ Hopkins und Bob Dylan“ zu dessen Lieblingskomponisten zu zählen! Den Singer/Songwriter mit der kernigen Stimme kennen leider nur wenige, und dieses vorzügliche Album aus dem Jahre 1992 galt quasi als „verschollen“. Jetzt liegt es endlich, ergänzt durch zwei Live-Aufnahmen, wieder vor.

(8 Fritten)

David Olney: Border Crossing
(CoraZong/CMM)

Wackelpudding mit Schnäuzer

Gabi Bauer, 12.3.2003. ARD.

Lustig zu sehen, wie Gabi Bauer mit Charme und Beharrungsvermögen versuchte, einen Pudding namens Jürgen Möllemann an die Wand zu nageln. Dabei wollte der doch nur sein am nächsten Tag erscheinendes Buch promoten. „Nichts als die Wahrheit“. Oder doch „Klartext“? Egal. Am Ende schwoll Mr. 18 Prozent sichtlich der Kamm, ob der Unbotmäßigkeit dieser immer wieder nachfragenden Interviewpartnerin. „Ach, wär‘ ich doch wieder zu Beckmann gegangen. Oder zu Kerner…„.

Eloy: Timeless Passages

Art Rock deutscher Prägung hat unter anderem einen Namen: Eloy. Das ist die Band deren Cover stets Phantasiewelten zur Schau stellen. Auf zwei CDs wird die Entwicklung der Band noch einmal rekonstruiert. 22 Songs, darunter eine bis dato unveröffentlichte Live-Version von „Poseidon’s Creation“ und einem Remix von „Illuminations“. Also: Anschnallen, wenn es auf die Reise durch die Traumwelten von Bandleader Frank Bornemann geht.

(7 Fritten)

Eloy: Timeless Passages - The Very Best Of Eloy
(Harvest/EMI)

Deine blauen Augen

Das Aktuelle Sport Studio, 8.3.2003. ZDF.

Nachdem ich einen entthronten Klitschko-Weltmeister mit Veilchen im Interview sah wurde mir endlich der Sinn dieser „Mit dem Zweiten sieht man besser“-Kampagne bewußt.

Studio Braun: Fear Of A Gag Planet

Die Jerky Boys machten den Anfang. Ein paar verrückte New Yorker, die in den Neunzigern Firmen wie Privatleute mit gefakten Anrufen nervten, die Gespräche auf Band mitschnitten und auf CD veröffentlichten. Was im multikulturellen New York funktionieren kann, das sollte auch in Hamburg, dem deutschen Tor zur Welt, möglich sein. So kam es, dass Heinz Strunk, Hans Fuchs und Bims Brohm mit Telefonbuch, Kassettenrekorder, Telefon und viel Unsinn im Kopf bewaffnet ihre neue Mission in Angriff nahmen.

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t.A.T.u.: 200 KM/H in the Wrong Lane

Ich schäme mich nicht dafür, dass ich die Bildzeitung lese; ich schäme mich, dass ich ohne Bild manche Ereignisse gar nicht mitbekommen würde. Neulich an einem Donnerstag schlug ich die Zeitung auf und las von zwei russischen Teenie-Lesben, die zur Zeit die europäischen Charts stürmen. Wie Homer Simpson blätterte ich weiter zum täglichen Bericht über die jüngste Leverkusen-Krise, um einige Sekunden später nochmals zurück zu blättern: Zwei russische Teenie-Lesben? Gibt es eine alte Bekannte von mir bei der Plattenfirma, der ich irgendwann meine Fantasien anvertraut habe? Ich spreche gar nicht von sexuellen Fantasien – ich meine den Traum, in dem ich Malcom McLaren bin und die Welt mit skandalöser Popmusik dominiere. Man braucht ja bekanntlich nur eine gute Idee. Und t.A.T.u. ist eine sehr gute Idee.

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Midnight Choir: Waiting For The Bricks To Fall

Norwegen rockt! Nein, nicht Turbonegro und Konsorten, sondern inzwischen auch die Leisetreter. Nachdem Madrugada auf ihrem aktuellen Album schon ordentlich losscheppern, haben sich auch Midnight Choir einen großen Schritt von ihrem symphonischen Klang entfernt. Sollen doch die Isländer elegische Popsongs machen, Midnight Choir haben dieses Feld kampflos geräumt und sind auf ihrem fünften Album deutlich in die härtere Ecke gerückt. „Hart“ nicht im Sinne von wilden Gitarren, sondern „hart“ im Sinne von mystisch und düster.

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