Selten hat ein Lied mich vor seiner Veröffentlichung so neugierig gemacht wie Neil Youngs „Let’s Roll“. Drei verschiedene Schreiber der deutschen Version von „Rolling Stone“ haben sich in der April-Ausgabe damit beschäftigt, das Stück als patriotisches Gewäsch zu diskreditieren. Es geht um die Passagiere des United-Flugs 93 vom 11. September 2001, die ihre Entführer zwangen, das Flugzeug in den Boden zu fliegen, statt in das White House oder irgendein anderes Gebäude.
WeiterlesenWu-Chronicles: Chapter 2
Einmal mehr öffnet der Wu-Tang Clan seine Archive und offeriert eigene Raritäten, fast schon vergessene Remixe und rare B-Seiten, die heute nur noch schwer aufzutreiben sind. Da sollte jedem Wu-Tang Clan-Fan das Wasser im Mund zusammenlaufen. Alle Ursprünge zu erwähnen, ist ob der Fülle an Tracks (17!) unmöglich.
WeiterlesenMother Tongue: Streetlight

Wie viele Jahre es letztendlich sind, die Mother Tongue im Nirgendwo der Musikwelt abgetaucht waren, ist schon nicht mehr nachzuvollziehen. Eine halbe Ewigkeit ist es her. Aufgegeben hatten sich Mother Tongue nie. Weitermachen und durchhalten hieß es. Die Ausdauer könnte sich in den kommenden Wochen auszahlen. Nämlich dann, wenn „Streetlight“ auf den Markt gekommen ist und jeder, der mit Rockmusik liebäugelt, über diese rundum großartige Scheibe gestolpert ist.
WeiterlesenTigerbeat: No. 1

Huch, die neue Platte von Jon Spencer und seiner Blues Explosion? Fast. Nicht New York, sondern Hamburg ist der Brutkasten dieser vorzüglichen trashigen Rock’n’Roll-Band. International Frehn, The Rev D und Angry S.E. (klasse Pseudonyme!) verstehen ihr Handwerk und sich nicht als Kopisten. Sind sie auch nicht. Jedoch haben sie die Musikgeschichtsbücher gut und eingehend studiert. Besonders die Kapitel über The Make-Up und über eben jene Blues Explosion. Da kommt Freude auf.
WeiterlesenThe Goo Goo Dolls: Gutterflower
Über das vergangene Album der Goo Goo Dolls „Dizzy Up The Girl“ (s.u.) habe ich seinerzeit geschrieben, dass der Staub noch an den Stiefeln klebt; inzwischen sind die Schühchen aber blank geputzt.
WeiterlesenAynsley Lister: Supakev n Pilchards
Auch wenn Aynsley Lister nicht mit einem neuen Studioalbum aus dem Quark kommt, kann er solche Live-Überbrücker gerne dazwischen schieben. In reinster Form, nur mit einer Stomp-Box und seiner Gitarre bewaffnet, hat er sich in England auf die Bühne gestellt und durch zwölf (überwiegend) Blues-Klassiker geklampft.
WeiterlesenUnleashed: Hell’s Unleashed
Unleashed machen zwar schwer auf Death-Metal-Band, aber es reicht eigentlich schon aus, Motörhead gut zu finden, um mit diesem Album Spaß zu haben. Klassisches Hardrock-Riffing mit Death-Elementen versetzt war ja schon immer recht geeignet, um die Hölle zu entfesseln. Mission geglückt.
(7 Fritten)
Unleashed: Hell's Unleashed
Century Media/SPV
Dan Bern: New American Language
Hinternet-Bühne auf für einen der entdeckenswertesten Künstler. Bereits das Vorgänger-Doppelalbum „Smartie Mine“ aus dem vergangenen Jahr hat mich schon komplett aus den Angeln gehoben, aber was Dan Bern mit seinem insgesamt vierten Album abliefert, ist sein bisheriges Meisterstück. Klang der Vorgänger noch nach Singer/Songwriter mit musikalischer Begleitung, glänzt „New American Language“ mit echter Bandleistung.
WeiterlesenSparta: Austere
Jetzt es geht es los, die musikalische Post-At The Drive-In-Ära. Mars Volta haben just eine EP auf den Markt gebracht, da wollen die anderen Ex-Mitglieder der aufgelösten Emo-Heroen nicht lange auf sich warten lassen. Sparta sind Tony Hajjar (Schlagzeug), Paul Hinojos (Gitarre), Matt Miller (Bass) und Jim Ward (Gesang, Gitarre, Keyboards). Miller spielte vor Sparta bei Belknap, der Rest in eben jener sagenumwobenen Band, die von El Paso aus Rock revolutionierte und alles auf den Kopf stellte.
WeiterlesenSeán Tyrrell: Belladonna

Im November/Dezember 2001 war Tyrrell mit seinem Spezi Fergus Feeley auf Europatournee und hatte da schon eine Menge neuer Songs im Gepäck (siehe Konzertkritik). Viele davon sind nun hier auf dem neuen Album versammelt, das – nach dem geheimnisvollen Lied „Belladonna In The Bar“ – einen recht zweideutigen Titel trägt. Denn „Belladonna“ meint bekanntlich nicht nur eine „schöne Frau“, sondern bezeichnet auch die hochgiftige Tollkirsche!
WeiterlesenEntwine: Time Of Despair
Ich bin mir nicht sicher, ob die Omnipräsenz von HIM für Bands wie Entwine Segen oder Fluch ist. Wenn man eine finnische Band mit bombastischen Sounds und düsterem Sänger hört, denkt man unweigerlich an die Mannen um Ville Valo. Dabei bemüht sich Sänger Mika Tauriainen von Entwine nach allen Kräften, um einiges variationsreicher zu agieren als der Schlaks von HIM.
WeiterlesenLive: Manfred Mann’s Earth Band
Losheim, Eisenbahnhalle. 3.5.2002
Ich war eigentlich nie ein großer Earth Band-Fan, bin aber mit einem Arbeitskollegen aus Neugier hingefahren. Dass der ursprüngliche Gitarrist/Sänger Mick Rogers immer noch dabei ist (er ist ja schon 1983 zurückgekehrt, aber die Nachricht ist mir irgendwie entgangen) hat mich sehr gefreut. Um so mehr, nachdem er den Dylan-Oldie (und Earth Band-Klassiker) „Father of Day, Father of Night“ gesungen hat. Seine Stimme ist noch stärker und wärmer, als in den Siebzigern.
WeiterlesenSoulmotor: Revolution-Wheel
Soulmotor ist das Projekt von Tesla-Bassist Brian Wheat und während jene mit „Replugged Live“ vor kurzem souveränen Bluesrock gezockt haben, will es in modernen Gefilden nicht so recht klappen. „Revolution-Wheel“ ist eine nicht wirklich schlechte Mischung aus Modern-Rock, Grunge und Alternative, die aber zu schwach ist, um in der Flut der Veröffentlichungen zu überstehen.
(4 Fritten)
Soulmotor: Revolution-Wheel
Sanctuary/Zomba
Live: Dr. Feelgood/Climax Blues Band
Ensheim, Sporthalle. 30.4.2002
Aus Solidarität mit Ensheim, wo ich eine Zeit lang gewohnt habe, wollte ich schon immer das alljährliche „Rock in den Mai“ Blues-Fest besuchen. Dieses Jahr konnte ich nicht mehr nicht mehr wiederstehen, da nicht nur der vorjährige Headliner Dr. Feelgood auf dem Programm stand, aber auch die Climax Blues Band.
WeiterlesenMary Lorson & Saint Low: Tricks For Dawn
Und es gibt doch Engel: In dem Moment, in dem Mary Lorson ihren Mund öffnet, und die Worte „Morningless dreamer I’m here by your side“ singt, ist man von diesem Album gefangen. War der Vorgänger wie ein Kokon dicht verwebt, ist „Tricks For Dawn“ offen, transparent und doch verspielt. Man weiß gar nicht, ob man zuerst die ausgefeilten Arrangements, das pointierte Songwriting oder Mary Lorsons Gesang extrem herausstreichen soll.
WeiterlesenSunstorm: The Comeongohigher EP
Sie versprühen den Geist des zeitgenössischen Rock’n’Roll à la Oasis. Sie kokettieren mit Post-Space Rock, wie er von Lupine Howl und deren Ex-Band Spiritualized zelebriert wird. Sie spielen mit den unnachahmlichen Sounds einer Hammond-Orgel. Verdammt britisch für eine Band aus Los Angeles. Das trifft alles auf den ersten Song „High Resolution“ zu. „Mojave’s Town“ indes erinnert in den ersten paar Takten an Radiohead und Sigur Ros, ehe die Stimme von Jerold Balcolm ertönt und – in Verbindung mit der verträumten Inszenierung – leichte Parallelen zu Chris Issak offenbart. Es könnten auch Coldplay Pate gestanden haben.
WeiterlesenMúm: Green Grass Of Tunnel

Eine engelsgleiche Stimme, die zu wohlüberlegter Elektronik (sanfte Beats, flächige Keyboards und Samples), gemischt mit Indie-Instrumentarien (Glockenspiel, Akkordeon Bass, Cello), den Hörer mit der magischen kraft einer Fee wach küsst. Sie können sagen, was sie wollen, seitdem Sigur Rós sich in die Herzen Avantgardebegeisterter gespielt haben und isländischen Pop zurück auf die Landkarte des Pop gebracht haben, ist nichts Zauberhafteres von jener entlegenen Insel gekommen. Múm, um bei Sigur Rós zu bleiben, lassen kleinere Parallelen in ihren Melodien erkennen. Beider Musik klingt himmlischer, nicht irdischer Natur. Sie ist unbeschwert, warmherzig und zuckersüß. Wir dürfen uns auf das Album „Finally We Are No One“ freuen. Das kommt Ende Mai.
WeiterlesenMary Lorson & Billy Coté: Piano Creeps
„Piano Creeps“ ist eine dieser Scheiben, die man nur in bestimmten Stimmungen hören kann. Wenn die Stille die Fantasie nicht wirklich fördert, ist „Piano Creeps“ eine Platte, die man auflegen sollte. Mary Lorson (Saint Low) und ihr Partner Billy Coté projizieren mit zwölf Songs direktes Kino in deinem Kopf. Bei drei Songs darf Mary Lorson singen, ansonsten herrschen verhaltene Töne und Klangfarben, die allesamt in jeden schrägen Independent-Film gepasst hätten.
WeiterlesenKristofer Åström & Hidden Truck: Northern Blues
Schonmal Pizzateig gemacht? Ist gar nicht so leicht das Ganze breit anzulegen, ohne zu dünn zu werden oder unschöne Verdickungen zu akzeptieren. Zumindest was den musikalischen Hefeboden angeht, sind die Nordlichter die eindeutig besseren Pizzabäcker. Zum zweiten Mal vor dem Holzofen steht Kristofer Åström (sonst Sänger bei Fireside), der mit seinem neuen Album „Northern Blues“ den Teig in die Breite walkt. Dünn wird er dabei nicht; die Songs haben Substanz und wer „Blues“ als Gemütszustand begreift und nicht als Musikrichtung, wird dieses bittersüße Album lieben.

