The Kingsbury Manx: Let You Down

Im Dezember letzten Jahres begaben sich The Kingsbury Manx in ein Aufnahmestudio Richmond, Virginia. Dort mussten sie unter der Leitung von Brian Paulson das schwere Erbe des von der britischen Presse geliebten Erstlings antreten. Die Touren im Vorprogramm von Calexico und Stephen Malkmus sorgten zusätzlich für viel Anerkennung seitens Kritiker und Fans. Insofern dürften The Kinsbury Manx in Europa erfolgreicher und bekannter sein als in ihrer Heimat USA.

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Melomane: Resolvo

Ausgerechnet das dunkle, prollige Brooklyn gebiert das musikalische Edelweiß dieses Herbstes: eine Truppe gestandener Instrumentalisten namens „Melomane“.

Verschroben, verspielt und voll Poesie: „Resolvo“ verzaubert. Schwerfällig und rustikal, aber auch traumhaft schwebend, hängt es irgendwo zwischen rumpeliger Trucker-Polka und zarter Psychedelik. Streift Folklore, Jazz und gleitet ab in unwirklich-leuchtende Klangwelten. Experimentiert mit Sound-Collagen, symphonischen Arrangements, simplen Folk-Mustern und Harmoniegesang. Für den schillernden Klang sorgen typisches Rock- und Folk-Equipment, aber auch Streicher, Bläser, warm wabernde Orgel und fremdartig-irreales Vibraphon.

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The Flower Kings: The Rainmaker

Waren mir Yes auf ihrem aktuellen Album „Magnification“ zu flügellahm, spannt jetzt der Adler seine Schwingen. Die Frickel-Schweden um Roine Stolt breiten wieder das ganze Spektrum der U-Musik vor dem Hörer aus und machen es ihm schwer zu entscheiden, welches denn nun tatsächlich das beste Album von The Flower Kings ist. Die erlesenen Zutaten sind immer ähnlich: Mörderlange Epen wie das 11-minütige „Last Minute On Earth“ oder präzises Songwriting wie das charmante „World Without A Heart“, das seine Qualitäten schon in gut vier Minuten offenbart.

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Evergrey: In Search Of Truth

Als ich „In Search Of Truth“ das erste Mal gehört habe, war mein erster Gedanke, ob es eine gute Idee gewesen sei, einen Keyboarder fest in das Line-Up der Band zu integrieren. Beim zweiten Blick habe ich dem Mann dann aber doch etwas viel Bürde auf die Schulter geladen, denn von der Mannschaft des vergangenen Albums „Solitude Dominance Tragedy“ sind eigentlich nur noch Mastermind Tom S. Englund und der Schlagzeuger Patrick Carlsson an Bord. Vielleicht lässt sich so die Veränderung des Evergrey-Sounds erklären, der mit dem neuen Album um einiges progressiver und symphonischer geworden ist.

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Björk: Vespertine

Björk war nie hip, durfte aber trotzdem immer große Erfolge feiern. Sicherlich wird sie mit „Vespertine“ an diese anknüpfen können. Und das obwohl ihr neues Album keineswegs massenkompatibel und charttauglich ist. Schließlich hat die Isländerin, die beteuert, seit Jahren fast ausschließlich elektronische Musik zu hören, mit dem kalifornischen Minimal-Elektro-Duo Matmos zusammengearbeitet und sich der Dienste von Matthew Herbert und Console, Solokünstler und Mitglied bei The Notwist, bedient.

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Tori Amos: Strange Little Girls


„Strange Little Girls“ist kein Märchenalbum, das Sagen über seltsame, kleine Mädchen verbreitet. Ebenso wenig ist es ein gewöhnliches Studioalbum einer Frau, die über Jahre hinweg mit ihrer Musik nicht nur Männerherzen verzaubert hat. Die rothaarige Sängerin Tori Amos hat sich ein neues Konzept zurechtgelegt, um den Tour-Studioalbum-Tour-Zirkel aufzulockern: Man nehme Songs männlicher Künstler und packt diese auf eine Platte.

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The 4 Of Us: Classified Personal

Das irische Quartet The 4 Of Us ist wie Frischhaltefolie: Es gibt viele bessere Möglichkeiten, die Reste zu verpacken, aber manchmal ist halt nichts Anderes da. Einmal von der Rolle, kriegt man sie nie mehr glatt, sie schrumpelt zusammen oder klebt an Stellen, an denen sie nicht kleben soll. „Classified Personal“ wirkt auf den ersten Blick auch etwas durchsichtig und unnütz, aber ist die CD erstmal im Player klebt sie auch überall fest, legt sich wie ein Vakuum um den Kopf und dichtet die Ausgänge ab.

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Interview: Princess Superstar

Sexgeile Feministin

Princess Superstar kämpft für die Rechte der Frauen und setzt dazu gerne und oft ihre üppige Oberweite ein. Irgendwie muss man ja Aufmerksamkeit erregen.

Erst einmal eine kurze Einleitung, was euch auf „Princess Superstar Is“ (Rapster/Zomba) erwartet: Die liebe Princess Superstar ist ein Biest – Feministin, Reimmeisterin und Sexbesessene in Personalunion. Sie ist eine heißblütige Vertreterin einer neuen Girlpower-Bewegung. Einem Movement, das selbstbewusst und bestimmt auftritt. Dazu zählen unabhängige Frauen, die sich selbst um ihre Sachen kümmern, die genug Kraft haben und sich nicht unterbuttern lassen. Ein eigenes Label, vier Soloalben und ein sicheres Auftreten gehören in den Augen der New Yorkerin ebenso dazu. Nichts ist ihr heiliger als die eigene Unabhängigkeit. Die kann ihr kein Major der Welt bieten. Wenn während einer ihrer Auftritte plötzlich ein Zuschauer auf die Bühne klettert, ihr seine Aufwartung macht und ihr den Bauch küsst, findet sie das amüsant, schmeichelhaft und insbesondere sexy. Letztgenanntes Attribut passt auf ihre Texte und Songs gleichermaßen. Sie zollt dem Old School-HipHop Tribut und würzt ihre (schlüpfrigen) Reime mit viel Witz und Ironie. Was nicht heißen soll, sie würde sich nicht über die Rolle der Frauen im HipHop, also die der dekorativen Sexpüppchen in den Videoclips, echauffieren. Das macht sie zu Schwestern im Geiste mit Bahamadia und Beth Orton, die auf diesem grandiosen Album mitgewirkt haben.

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Stephan Eicher’s Favourite Hotel*s

Best Of-Alben sind oft unnütz: Vertragserfüllung, lieblos zusammengestellt und man steht als Fan grübelnd davor, ob man sich für zwei neue Lieder wirklich nochmal alle anderen mit kaufen soll. Umso erfreulicher, wenn ein Künstler seine 19 liebsten Songs selbst zusammenstellt, sie mit einem umfangreichen Booklet und eigenen Liner-Notes versieht und die Erstausgabe in einen Papp-Schuber mit einer zweiten CD zusammen packt. Auf dieser sind nochmal 12 Titel, die unter der Überschrift „Lost and Found“ allerlei Remixes, Demoversionen, Backstage-Aufnahmen, auf den komischsten Medien im Originalzustand aufgenommen, präsentiert.

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DJ Krush: Zen

Japans Altmeister DJ Krush mit seiner Shaolin Weisheit in Form von Breaks und Rap hat wieder Speck angesetzt- will sagen, dass er den Pfad der Tugenden seines Vorgänger – Albums „Kakusei“ verlassen hat und das bloße Beatgefrickele mit Fleisch versehen hat. Und was für welches! Die Augenschmaus – Legende der Brand New Heavies N`Dea Davenport könnte die Gallionsfigur bilden und steuert ihr sexy Organ „With Grace“ bei (welch ein blödes Wortspiel).

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Eels: Souljacker

Soll ich all den vielen Fans des Scientologen Beck mal auf die Füße treten? „Souljacker“ ist besser als das, was Beck zuletzt zustande gebracht. Es geht in die selbe Richtung, nur weiter, nur schöner, nur großartiger, nur atypischer. Schön, dass es solche Alben gibt, die einer Berg- und Talfahrt der Gefühle durch das Land der gekreuzten Genres ähneln. Wer auf dieser Platte nicht mindestens zwei oder drei Stücke findet, denen er sich bedingungslos und mit Freude hingeben kann, der hat keine Ahnung von Musik. Arroganz galore!

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Sally Oldfield: Flaming Star

Sieben neue Songs und eine überarbeitete und längere Version von „Mirrors“ (aus dem Jahre 1980) hat Sally Oldfield auf „Flaming Star“ anzubieten. Die Kompositionen stehen ganz im Zeichen ihres „spirituellen Wachstums“, d.h. sie klingen esoterisch und weltmusikalisch. Mit der Zeit aber auch unheimlich langweilig und banal.

(2 Fritten)

Sally Oldfield: Flaming Star
(New World Music/Indigo)

Biohazard: Uncivilization

Ein Wunder, dass es Biohazard noch immer gibt und sie noch nicht den Kopf in den Sand gesteckt haben. „Uncivilization“ ist ein knallharter, tonnenschwerer Nu Metal/Hardcore-Brocken, auf dem die New Yorker keine Kompromisse eingehen. Mit Unterstützung von Phil Anselmo, Pete Steele, Sen Dog, Hatebreed und anderen Supportern im Rücken werden sie ihrem Tough Guy-Image gerecht.

(6 Fritten)

Biohazard: Uncivilization
(Steamhammer/SPV)

Her Space Holiday: Ambidextrous

Sie verstehen ihr Handwerk und verleihen auf dieser Remixscheibe den Originalen von Ruby, Elastica, Bright Eyes, Brave Captain und sich selbst einen eigenen Touch. Dieser rekrutiert sich aus Elektro, Postrock und drüber gespielten Klassikinstrumenten (Glockenspiel, Streicher, Klarinette und Harfe). Überaus angenehm und sehr anders; nicht zu vergessen: abwechslungsreich.

(8 Fritten)

Her Space Holiday: Ambidextrous
(Clearspot/EFA)

Ruby: Short-Staffed At The Gene Pool

Es ist fast eine Gesetzmäßigkeit, dass Künstler, die mit ihrer Erstveröffentlichung einen bahnbrechenden Erfolg hatten und dann in der Versenkung verschwanden, um dann Jahre später noch einmal mit einem heiß erwarteten Nachfolger aufzutrumpfen, zum Scheitern verurteilt sind. So geschehen bei den Stone Roses (noch im Rahmen), Goldie (nicht mehr im Rahmen) und – um ein nationales Beispiel zu nennen – Liquido (war meiner Meinung noch nie im Rahmen – die Verkaufszahlen sprechen hier aber eine andere Sprache).

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