Butterfly Jones: Napalm Springs

Hätten Butterfly Jones sich an alten Vinyl-Zeiten orientiert, wäre mit dem zehnten Song Schluss gewesen. So zerschießen sie sich mit vier überschüssigen „Mehrtiteln“ fast den guten Gesamteindruck. Aber halt nur fast, denn was die Jungs vorher zehn Titel lang abfackeln, kommt extrem gut. Eingängiger Rock mit Streichern, Surf-Reminiszenzen, psychedelischen Klängen, fetten Refrains oder auch mal ganz schlicht wie bei der schönen Ballade „Wonder“.

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Adema: Adema

Nachdem die Nu-Metal-Welle schon deutlich abflacht, funktionieren viele neue amerikanische Bands nach dem Baukastenprinzip: Das Beste aus beiden Welten. Auf der einen Seite der wuchtige Pathos von Bands wie Creed, auf der anderen Seite die Dicke-Hosen-Musik. Bands wie Liquid Gang (leider schon wieder aufgelöst), Staind oder jetzt Adema schmiegen sich zwischen diese beiden Pole und sprechen eigentlich alle die an, die es weder extrem hart noch extrem kompliziert wollen. Auch wenn sich eine Schwemme dieser Bands abzeichnet, ist der Mittelweg vielleicht gar kein schlechter.

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Frl. Katjas Nähkästchen, Folge 20 (Teil 4)

Das SO36 in Kreuzberg steht auf meiner Liste mit dem Pflichtprogramm. Vor 20 Jahren löste der Schuppen gerade im Saarland große Wanderungsbewegungen unter jungen Menschen aus. Immer wieder hör ich bei meinen Interviews mit ausgewanderten Saar-Künstlern: „und dann das Live-Programm im SO36…!“ Als bedürfe es keiner weiteren Erklärung. Legendär eben. Der Name Programm. Ein Mythos. Jaja, das SO36…, wiegt der Chefredakteur wissend das Haupt. Und jetzt reicht´s mir. Ich will wissen, was es damit auf sich hat, mit diesem SO36. Dem früheren Punk-Club. Einmal selbst dringewesen sein. Mitreden können. Wenn auch spät.

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Frl. Katjas Nähkästchen, Folge 20 (Teil 3)

Ohne MTV und VIVA im Hotel-TV sitze ich in der Hauptstadt, für vier Wochen der musikalischen Aktualität entrissen. Da gab´s doch einen Song, den ich noch im Hinterkopf hatte: die Gorillaz, „Clint Eastwood“. Einen Discman hab ich ja dabei. Und neben dem Hotel ist ein Saturn-Mediamarkt. Vielleicht…? Lief immerhin schon als Video auf MTV, kann mich erinnern. Vielleicht erklimmt´s so langsam die Charts? Vielleicht find ich´s ja? Ich schwing die Hufe und enter den Saturn. Such bei G wie Gorillaz: nix. Such bei T wie The Gorillaz: nix. Naja, vielleicht in den Top Forty, mit ein bißchen Glück… Ich roll die Charts von hinten auf: nix, nix, nix – och! Platz 1! So kann´s geh´n. Überhaupt ist der Saturn die bessere Adresse. Jedenfalls im Vergleicht zum Kaufhof, aber das bin ich ja aus Saarbrücken gewohnt. Damals hab ich den Soundtrack zu „Blue Note – The Story of modern Jazz“ gesucht. Gibt´s nicht in Deutschland, hieß es im Kaufhof. Ist nur in Amerika veröffentlicht. Und Importieren ginge auch nicht. – Amerika? Importieren? Aber… Aber… Aber der hatte auf der Berlinale Premiere!

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No Use For A Name: Live In A Dive

Die erste CD aus einer Reihe von Live-Alben auf Fat Wreck. No Use For A Name (mit Comic im Booklet) machen ihre Sache gut, punkrocken das Haus und peitschen die Menge zu Höchstform an. Jedes Bandmitglied durfte seine Faves zur Setlist beisteuern und obendrein das Misfits-Cover „Martian“ und „Redemption Song“ von Bob Marley.

(6 Fritten)

No Use For A Name: Live In A Dive
(Fat Wreck/SPV)

Frl. Katjas Nähkästchen, Folge 20 (Teil 2)

Übrigens: Ich hab eine neue Brieffreundschaft. Mit der Telekom. Eigentlich will ich nur einen Handyvertrag abschließen, und das geht in meinem Fall nur postalisch. Jetzt faxen wir uns munter Formulare hin und her, die Telekom und ich. Uns fehlt leider noch eine Unterschrift, Frl. Katja. Und noch eine. Und noch eine… Auf dem Blatt ist kaum noch Platz, ich blick schon lange nicht mehr durch. Aber eines Tages wird er kommen, der Tag der Lieferung. Hallo Frl. Katja! Hier sind ihr Handy und die drei Waschmaschinen…

Mein Zimmer liegt im zehnten Stock. „Möchten Sie gern hoch wohnen oder lieber tiefer?“ hatte die Frau an der Rezeption beim Einchecken gefragt. Das Hotel ist 123 m hoch, es hat über 30 Stockwerke. „Tiefer.“ Ich hab ja große Angst vor Hotelbränden und denke, die Sprungtücher eher zu treffen, wenn der Abstand nicht zu groß ist. „Ach“, sagt Gabi, die mich begleitet, „wenn´s brennt, nimmst Du einfach den Aufzug.“

Im Fernsehen blamieren sich gerade Deutschlands döfste Promis. Helmut Karasek weiß nicht, seit wann der aktuelle Papst in Betrieb ist. Und alle zusammen wissen nicht, dass Linux ein Betriebssystem ist. Günter Jauch betont „Vulkanier“ auf der letzten Silbe, i-e-r zusammengenommen. Wie Scharnier. Spock wird´s vernommen haben, irgendwo im Weltall. Marcel Reif macht als einziger etwas richtig. Er legt die Stirn in Dackelfalten und sieht aus wie George Clooney. Dirk Bach weiß, dass man Essensreste im „Doggy Bag“ mitnimmt. Keine Überraschung. Im Ersten setzt Sabine Christiansen ihre Ich-guck-jetzt-Eure-Schularbeiten-nach-Brille auf und stellt die Gäste vor. Walter Leisler Kiep wirkt verheult. Er bedankt sich für die Einladung und grüßt erstmal seine ganze Familie. Egon Bahr guckt professionell desinteressiert. In Wahrheit sammelt er Material für seinen neuen Roman. Backstage. Die Show ist nur das notwendige Übel. Dann schlaf ich ein.

Ich stöber so durch die Stadt. Mal wieder in den Zille-Hof. Fasanenstraße, kurz hinterm Kempinski. Meine Mutter schimpft am Telefon: aufgeräumte Flohmärkte seien einfach das Letzte. Und im Zille-Hof sei alles so akkurat in Regale geräumt. Ich dagegen würde mich über mehr Ordnung im Zille-Hof sehr freuen. Wenn zum Beispiel in der Vinyl-Abteilung die Disco-Platten nicht munter verstreut zwischen Volksmusik und Weihnachtsliedern stünden. Ich werde trotzdem fündig. Bei den Singles. „Lied der Schlümpfe“, „Was wird sein, fragt der Schlumpf“, „Polonäse Blankenese“, „Ja wenn wir alle Englein wären“, „Silverbird“ – und Walter Scheels „Hoch auf dem gelben Wagen“! Coverphoto: Charles Wilp. Lokalkolorit: Schloß Gymnich bei Köln. Heute im Besitz der Kelly Family. Über die Leidensgeschichte dieses Schlosses ließe sich ein langes, dramatisches Fernsehfeature drehen… Die Preise im Zille-Hof sind noch dieselben wie vor 15 Jahren. LPs zwei Mark, Singles eine Mark.

Am Prenzlauer Berg gibt es sogar einen riesigen Biergarten namens „Prater“. Fast ein Drittel seiner Fläche sind Fahrradständern vorbehalten – und noch immer bleiben massig Bänke übrig, unter riesigen Laubbäumen mitten zwischen noch riesigeren Häusen, mitten in Berlin… Hinter manchem Haus drängeln sich noch drei weitere, was dazu führt, dass die mittleren nicht mal im Sommer richtig Licht kriegen. Ich werde auf einen Hinterhof geführt, in dem sich DDRler einen richtigen kleinen Park angelegt haben, mit Spielplatz, Spazierwegen und improvisiertem Skulpturengarten. Als der protzige Fassadenschmuck irgendeines Prunkgebäudes entsorgt werden sollte, haben die Bewohner dieser Häuser einfach zugegriffen und die Brocken auf ihren Hof geschleppt. Hier liegen sie nun rum, sind Gebrauchskunst, wie der Kletterbaum für uns Kinder im Garten meiner Eltern. Recycling auch ein paar Straßen weiter: die Kulturbrauerei war mal das, was ihr Name schon verrät, eben nur für Bier. Jetzt ist sie eine Art Holiday Park für Freunde alternativer Kultur, vom Programmkino bis zum Theater. Mich erinnert das ganze Gelände an die Industriekultur meiner saarländischen Wahlheimat, und nun sind es schon drei Dinge, die mir in Berlin Heimat bedeuten: „The House of Villeroy&Boch“ am Ku´damm, die Stimme von Karl-Heinz Kaul in den ARD-Trailern und die Prenzlauer Hütte, äh, Kulturbrauerei. Eine Saarbrücker Straße gibt es in Berlin auch. Die sieht ungefähr so aus, wie der übrige „urige“ Prenzlauerberg. Einzig ein saniertes Haus macht auf Extrawurst: das Haus, das Alfred Biolek gekauft hat. Und der Marmor im S-Bahnhof neben der Thüringischen Landesvertretung stammt aus Hitlers Reichskanzlei, ja-ha. All diese Dinge lerne ich von einem Mann, den ich vorher nur von Zeit zu Zeit in Briefmarkengröße aus meiner Zeitung blicken sah: Bernard Bernarding, der Berlin-Korrespondent der Saarbrücker Zeitung.

Um die Ecke liegt der Kollwitzplatz, der Inbegriff Prenzlbergscher Ausgeh-Idylle. In dem stilvollen Altbau gegenüber des Spielplatzes wohnt Wolfgang Thierse, der Aufhebens und Sicherheitsmaßnahmen gleichermaßen scheut. Einziger Tribut an seine Prominenz: das Tor zu einem jüdischen Friedhof hinter seinem Haus bleibt nun durch eine Kette verriegelt. Hier endet meine Privatführung durch den Prenzlauerberg, veranstaltet durch einen saarländischen Autor, der schon ganze vier Wochen länger in Berlin ist als ich. Er wird auch noch etliche Monate länger bleiben, denn er hat ein Stipendium für ein komplettes Berlin-Jahr. Frl. Katja hat sich immerhin vier Wochen erschrieben, kein schlechter Schnitt. Jetzt wäre wieder mal ein Heiratsantrag eines Lesers fällig…

Embrace: If You’ve Never Been

Es ist aus dem Titel nicht klar ersichtlich, was man wohl noch nicht war. Traurig? Betroffen? Einsam? Verloren vielleicht? Wahrscheinlich, nimmt man die einfühlsame, epische Musik auf dem neuen Album der Band aus Yorkshire als Maßstab. Episch und auch bombastisch. Die Songs wurden bis kurz vorm Platzen zu prachtvollen Epen aufgeblasen, die über die Felder hallen, bis weit in die nächste Stadt hinein.

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Mariah Carey: Glitter

Die psychischen Probleme der Popsirene Mariah Carey scheinen schwerwiegender zu sein, als angenommen. Sie ließ vor einiger Zeit verlauten, ausgebrannt und erschöpft zu sein. Was verständlich ist, arbeitete sie zeitgleich an dem Film „Glitter“ (ab 15. November in europäischen Kinos zu sehen) und dem gleichnamigen Album, das die Musik für das Stück Zelluloid stellen wird. Andererseits könnte man ihr auch vorwerfen, vom vielen Posen – Brüste und Po raus, Bauch rein! – ausgelaugt zu sein. Aber lassen wir das.

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V.A.: Comfort Zone

Chill Out, Lounge, oder Home Listening- alles Begriffe, die einen Musikstil umschreiben, bei der man auf grund der schwebenden Flächen, eines langsamen, dezenten Rhythmus und Tupfer klassischer Instrumente, wie Rhodes Piano, Trompete und Stimme, ausruhen kann. Das ganze wird dann noch leicht jazzy durch das sparsame Verwenden von Jazz Akkorden angemalt. Natürlich darf die Elektronik moderner Geräte wie Nordlead nicht fehlen. Voilà, fertig ist die Sosse! Natürlich schmeckt so ein Süppchen selten deftig, sondern allzuoft wird der Beigeschmack fade, denn mittlerweile überschwemmt der Chillout Sector den Markt mit Samplern wie diesem. Es beschleicht mich das Gefühl von Beliebigkeit, Geblubber und Gedaddel auf Teufel komm raus….Nur nicht aufregen- schließlich höre ich ja Chill Out.

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Shakra: Power Ride

Es gibt Alben, da muss man eigentlich nur den Namen und den Albumtitel rufen und schon weiß man, wie der Hase läuft. Bei Shakra ist es zwar eine Rennschnecke, die auf dem Backcover zu sehen ist, aber es steht einfach bei dem Titel „Power Ride“ schon zu vermuten, dass hier ordentlich gerockt wird: Straight, laut und eingängig. Gerockt im Sinne von fetten Melodien und einprägsamen Hooks.

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Orbital: The Altogether

Alle Jahre wieder bescheren uns die Gebrüder Hartknoll eine neue Lektion wie sich elektronische Musik in England anzuhören hat – großspurig, ravend, ohne minimale Ausflüge auskommend. So die Bestandsaufnahme bis dato. In Verbund mit den anderen Größen der Insel so wie Underworld, Prodigy und den Chemicals sind Orbital einen Tick weniger Hauruck und versuchen doch eine Menge Abwechslung in ihr Programm einfließen zu lassen.

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