Besser geht’s nicht

Der Autor Melvin Uldall (Jack Nickolson) ist ein echtes Ekel. Zwanghaft hat er an jedem und allem etwas auszusetzen. Insbesondere Schwule, Hunde und Schwarze hat er Sprüche-mäßig im Visier. Sein Nachbar weiß das nur zu gut: Er ist schwul, hat einen Hund und einen schwarzen Freund. Auch die Belegschaft seines Stammcafés, in dem er sein tägliches Frühstück einnimmt, macht einen weiten Bogen um den sarkastischen Zankapfel. Ledglich Carol (Helen Hunt) kann dem ungeliebten Gast noch Paroli bieten. Als sie einige Tage nicht zur Arbeit erscheint, geht er diesem Mysterium nach. Er findet die alleinerziehende Mutter bei ihrem asthmakranken Sohn. Nun zeigt Melvin zum ersten Mal menschliche Regungen und bietet ihr seine Hilfe an. Damit entwickelt sich zwischen den beiden eine sonderbare, zarte Beziehung. Unterdessen muß Uldalls Parade-Opfer Simon aus einer vorrübergehenden Notlage heraus bei seinem gehaßten Nachbarn einziehen. Als es das ungleiche Trio während einer Reise gemeinsam in nur ein Auto verschlägt, bricht die Rivalität der äußerst konträren Persönlichkeiten los. Dabei löst sich der schon sanft geknüpfte Beziehungsknoten und fügt sich bald umso fester wieder zusammen.

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RIP Carl Wilson (1946-1998)

It’s always a crass feeling when you have to condense your feelings about an artist down to a few sentences because they have passed away. But the fact is I’ve been thinking about Carl Wilson since first reading that he was suffering from cancer sometime last year. And somehow it’s not that hard to bring it down to one moment that summs up what his voice and music have meant to me. It’s an obvious moment perhaps nine out of ten fans would choose, which I guess qualifies it as his greatest legacy: his vocal on „God Only Knows“ from the 1966 album Pet Sounds.

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Herrn Hases haarsträubende Abenteuer, Bd 1 – Walter

Es wird Nacht im Paris der Jahrhundertwende und Herr Hase, Inspektor Bäcker und der Journalist haben eine Begegnung der besonderen Art. Eigentlich wollten sie sich mit Martin Walter treffen, einem Medizinprofessor und begnadeten Mäuseforscher. Doch statt des Professors erwartete sie ein gar fürchterliches Monster. Panik, Chaos, Flucht.

Doch, dank Rotwein, schlechtem Gewissen und journalistischer Neugier, stolpern, bzw. hoppeln, die drei in ein bizarres Abenteuer. Dabei geraten sie abwechselnd in die Hände oder auch Pfoten von Agenten verschiedener Mächte und begreifen sehr schnell, daß es von enormer Bedeutung ist, die Nerven zu bewahren.

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Sampler: Tibetan Freedom Concert


Der Mönchstaat Tibet ist seit 1949 von China besetzt. Sein Oberhaupt, der Dalai Lama, lebt im indischen Exil und versucht von dort aus die Geschicke in seiner Heimat zu lenken. Stichworte sind gewaltloser Widerstand und Religiöse Transzendenz. Sympathie für seine politischen Anliegen waren dem Dalai Lama auf seinen Reisen in den Westen zwar entgegengebracht worden, wirkliche Unterstützung blieb aber mit Rücksicht auf Peking immer aus. So gelang es der Exilregierung bisher nicht, auch nur einen Staat zu ihrer diplomatischen Anerkennung zu bewegen. 1989 bekam der Dalai Lama wenigstens den Friedensnobelpreis verliehen, dem in den nächsten Jahren weitere internationale Auszeichnungen folgten.

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Stephen Fenichell: plastic – unser synthetisches Jahrhundert

Mehr als lästig und unästhetisch: Bücher, womöglich in Leinen gebundene Hardcover, die in Folie eingeschweißt sind wie Fertiggerichte aus der Kühltruhe auf denen man auch guten Gewissens den Aufdruck „Futter Synthetik“ anbringen könnte. Aber nicht immer. Manchmal fügt sich doch das eine zum anderen zu einem Gesamtheitlichen Etwas wie beispielsweise bei Stephen Fenichells Werk über die Geschichte des Plastiks. Auf eine verständliche und unterhaltsame Art, wie sie von deutschsprachigen Autoren viel zu selten anzutreffen ist, dokumentiert der Amerikaner seine Haßliebe zum synthetischen Stoff, aus dem die Träume des ausgehenden 20. Jahrhunderts sind.

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V.A.: Metalbox

Lange war sie angekündigt, wie oft schon verschoben? Egal, jetzt ist sie da und instinktiv muss ich an die Lesung mit Martin Büsser während der es auch um „Sammler“, respektive „Plattensammler“ ging. Spätestens nachdem mir die Dose fast durch die schweiss-nassen Finger gerutscht und auf den Boden geknallt wäre, wurde mir klar,daß ich wohl doch Junkie bin.
Hopsa, jetzt hab‘ ich mich dann doch geoutet! Aber das Teil ist wirklich zu schön: Kreisrunde, silberne Blechdose (Für die Älteren: Wie damals die Metalbox von P.I.L.), der Deckel geprägt mit dem wohl besten und effektivsten Label-Logo zumindest bis zur Jahrtausend-Wende, dem Metallheadz-Logo eben. Ein Sammler-Traum! Selbst wenn der Inhalt komplette Scheisse wäre, hätte ich trotzdem das wirklich dringende Bedürfnis, das Teil zu besitzen!

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Michael Lewin: 2 Romane

Michael Lewin: Der stumme Handlungsreisende
Michael Lewin: Anruf vom Panther

Die Welt ist rund, sie dreht sich, und je nach dem, wo man steht – oben oder unten – kommt man auch ein Stück weit mehr rum als andere. Oder auch nicht, wie im Fall von Albert Samson, dem billigsten aller billigen Privatdetektive. In diesem wie in so vielen anderen Sommern ist es heiß in Indianapolis, heiß im armseligen Wohnbüro und die Geschäfte laufen nicht schlecht; sie laufen überhaupt nicht. Auch das letzte As im Ärmel, eine Anzeige:

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Down & Out – The sad soul of the black south

Vergeßt alles, was ihr bis jetzt für Soul hieltet! Das hier ist der echte Scheiß! Weder der aller Orts so beliebte Weichspülersound, der im Moment die Charts überschwemmt noch der Soul-Sound der späten Siebziger und frühen Achtziger, bei dem man sich doch eher peinlich berührt der ersten Alkoholexzesse erinnert, kann den Stücken und Interpreten dieser feinen Zusammenstellung aus dem Hause Trikont aufrichtig ins Gesicht sehen. Denn eins ist bei den beiden Erstgenannten klar: Die Zielgruppe ist immer fest im Blick. Und die ist in der Hauptsache weiß. Immer.

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Sampler: Shake the nations

Auf zum 3-jährigen Jubiläum. Jawoll, denn gejubelt werden darf eigentlich bei jeder Wordsound-Veröffentlichung. Tragischerweise ist momentan leider nicht mehr alles erhältlich, aber das soll jetzt wohl geändert werden!Zur anstehenden Wiederveröffentlichung des gesamten Wordsound-Backkatalogs erscheint jetzt die Doppel-CD „Shake the nations“, auf der eigentlich alle Artists des Labels vertreten sind.

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Live: Portishead

München, Colosseum, 31.01.1998

Zwischen Himmel und Erde
Selten leuchteten die Sterne so schön. Zusammen mit nachtblauem Scheinwerferlicht bildeten sie den Hintergrund der Bühne des Konzerts der TripHopper „Portishead“ im Münchner Colosseum.
Ein paar Meter vor den Sternen ist ein Engel vom Himmel gefallen, goldene Lichtkegel vom Dach der Halle herab deuten an, welchen Weg er bestritten hat. Betörend singt er mit hoher Stimme von Liebe, Leid und Chaos. Der Engel ist eine Frau: Beth Gibbons. Die Hände über dem Mikrophon gefaltet, verharrt sie nahezu während des ganzen Konzerts in einer betenden, bittenden Pose.

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Interview: Rare

Wir versuchen, instinktiv und spontan an die Dinge heranzugehen

Es tut sich was in Irland! Jüngste musikalische Entdeckung von der grünen Insel ist das Trio „Rare“. „Rare“ wurde vom ehemaligen „Undertones“/“That petrol emotion“-Gitarristen Sean O`Neill gegründet. Außerdem gehören der Bildhauer(!) Locky Morris und Mary Gallagher, eine ehemalige Dozentin für Kunstgeschichte(!) zur Band. Nicht minder interessant wie die Besetzung ist die Musik, die „Rare“ macht: Eine ziemlich gute Mischung aus Rock, Pop und TripHop. Am 27. März erscheint das Debüt-Album der Iren, „Peoplefreak“. Anläßlich einer Promotour von „Rare“ durch Deutschland sprach Hinternet-Mitarbeiter Martin Schrüfer mit Sean O`Neill.

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Pieke Biermann – Vier, fünf, sechs

Keine Frage, es ist ein hartes Gewerbe, einen Ermittler oder Ermittlerin immer und immer wieder in die triste Welt des Verbrechens zu schicken und das fortwährend mit dem nötigen Maß an Originalität und einer Portion Unterhaltung zu verbinden. Drehbuchautoren können ein Lied davon singen. Pieke Biermann, das Fräuleinwunder des deutschen Kriminalromans, auch.

Das Lied, das sie mit den Taktzahlen vier, fünf, sechs anstimmt, kommt auch nicht richtig in die Gänge. Die Mitspieler können sich anfangs nicht so recht auf ein gemeinsames Tempo und Thema einigen. Nach einer gewissen Zeit hat sich dieses Problem ausgependelt und eingeränkt, aber, was kommt ist nichts, was Kritiker vom Hocker haut.

Der Krimifan kommt mit dieser Situation sichtlich besser zurecht. Er weiß schließlich, warum er zu Pieke Biermann gegriffen hat. Er weiß auch warum er eine weitere Episode aus dem Leben von Kommissarin Karin Lietze verfolgen will. Es ist letztlich eine Frage der Einstellung: Auch beim hundertsten Mal schmeckt Muttis Kuchen, warum also darauf verzichten.

Schreiben kann Pieke Biermann, und das Szenario paßt auch gut in die Zeit des großen Sandkastens Berlin, in dem sich die Bauunternehmer die Förmchen in die Hand geben und von den Großen, die im Sandkasten das Sagen haben gegen kleine Gefälligkeiten das Wasser reichen lassen. Als aber ein Ordnungshüter mit gehörigem Wumms in die Luft fliegt, sieht es so aus, als ob die ganzen schönen Sandburgen davon Risse bekommen und auseinanderzubröckeln drohen…

Pieke Biermann
VIER, FÜNF, SECHS
Goldmann Manhattan 18,- DM
ISBN 3-442-54030-5

Colin Bateman – Der Engel mit der Rosenschere

Dan Starkey, Kolumnist bei einem Belfaster Tagesblatt und ausgerüstet mit einer Vorliebe für Cola als morgendliches Erfrischungsgetränk und der Fähigkeit, von einem Schlamassel nahtlos in den nächsten zu geraten, trifft fast der Schlag. Bei ihm um die Ecke bahnt sich ein wahres Wunder an. Durch glückliche Umstände wird ein Hinterhofboxer irischer Meister – und Herausforderer für Mike Tyson. Als ob das noch nicht Wunder genug wäre, soll Starkey das Team nach New York begleiten und ein Buch über den Titelkampf schreiben.
Entgegen seiner Befürchtungen ist Fat Boy McMaster, der irische Übergewichtsmeister, ein netter Kerl, der seine Lage realistisch einschätzt und hofft, bis zur vierten Runde durchzuhalten und seine öffentliche Hinrichtung zu überleben.

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Wallace & Gromit: Jahrbuch für Käseliebhaber

Die Idee sich ein Handy zuzulegen und ein Filofax war ja vielleicht vor zwei, drei Jahren zwar auch nicht gerade originell, um als Mann/Frau von Welt zu gelten, aber wenigstens an und ab erfolgreich. Anno 1997, wo’s zum Jogginganzug auch gleich die farblich passende Telefonprothese gibt, ist diese Pose jedoch endgültig abgehalftert. Und wer heute noch mit bibelgroßen Kalendern rumrennen muß ist einfach nur zu bedauern. Wen interessiert ein Visitenkartensammeltascheninlet, wenn er mal über das Alter der Sammelbildchen und Quartettspiele hinausgekommen ist? Was ist von einem Faltplan der Tokioer U-Bahn zu halten, wenn er von Personen Gassi geführt wird, deren Japankenntnisse zwischen Nintendo und Sony angesiedelt sind? Alles Schnickschnack für Schrumpelmenschen.

Die Frau und der Mann von Welt, die mit Stilsicherheit und Charakter aufwarten, präsentieren sich im kommenden Jahr mit dem „Wallace & Gromit Jahrbuch für Käseliebhaber“ und beweisen damit wieder einmal auf der ihnen eigenen weltmännischen Art, daß sie die Nase vorne und im Wind haben. Da gibts nicht viel zu basteln, neue Inlets zu kaufen, pseudowichtige Notizen reinzukritzeln und ähnlich Entwürdigendes.

Das „Wallace & Gromit Jahrbuch für Käseliebhaber“ ist ein ausgereiftes und wohldurchdachtes Konzept, wie es von einem Künstler wie Nick Park zu erwarten ist. Das Buch ist komplett und vom Fleck weg zu verwenden: Persönliche Angaben sind bereits eingetragen, alle wichtigen Geburtstage markiert, Urlaubsfotos eingelegt und alles Wesentliche, was an den einzelnen Tagen des nächsten Jahres passieren wird, ist bereits heute notiert und nachzulesen. Dazu gibt es jede Menge Informationen über Käse, unter anderem eine Geruchsprobe, die durch anrubbeln ihr ganzes Aroma entfaltet. Und damit ist dieses Jahrbuch auch im Dunkeln zu finden – und dem Filofax, im wahrsten Sinne des Wortes eine Nasenlänge voraus. Sonst noch Fragen?

Wallace & Gromit
Jahrbuch für Käseliebhaber
Aardman animation & ehapa 19,80 DM
ISBN 3-7704-0215-4

Ein Yankee namens Blueberry

Totgeglaubte leben länger

1963 erblickte ein junger Yankee namens Leutnant Blueberry das Licht der Welt. Den Mann, der ihm die Worte in den Mund gelegt hat, Jean-Michel Charlier, hat er bereits überlebt. Vielleicht wird er auch noch seinen Zeichner Jean Giraud, auch bekannt als Moebius, überleben, der die Reihe seitdem in Eigenregie fortführt. Blueberry ist eine Kultfigur und einfach nicht totzukriegen. Bereits die nächste und übernächste Generation seiner Bewunderer investiert ihr Monatssalär oder Taschengeld in seine Abenteuer.
Einer von ihnen ist der 1960 geborene Daniel Pizzoli. Ihn trieb es bis in die USA, in die Indianerreservate in Arizona, an die Originalschauplätze von Blueberrys Abenteuer. Seine Leidenschaft ist nicht abgeklungen, im Gegenteil, er hat sie zu Papier gebracht. Das Ergebnis ist eine Dokumentation mit dem Titel ‚Ein Yankee namens Blueberry‘.

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Storm: Der Voyager-Virus

Ist es nicht schön, wenn altbekannte Feindbilder weiterexistieren können? In dem ersten Band der ‚Chroniken aus der Zwischenzeit‘ der Storm-Reihe muß sich Storm mit blechernen Anhängern einer längst vergessenen politischen Ideologie herumschlagen. Eben noch mit seiner rothaarigen Gefährtin beim Skilaufen, wird er schwuppdiwupp auf einen anderen Planeten entführt. Dort fand vor einigen Jahren eine Revolution statt und seitdem ist dieser von einer stählernen Mauer umgeben. Kommt einem doch irgenwie bekannt vor, oder?

Um die Geschichte auf 48 Seiten strecken zu können, wird Storm von den unerschrockenen Widerstandskämpfern befreit, von den Bösen entdeckt, verfolgt und so weiter. Der Obermotz des Planeten heißt übrigens Stahlin, und die Revolution fand frei nach dem Motto statt: Arbeitsroboter aller Länder vereinigt Euch! Alles klar? Aber wie kommt ein Planet am anderen Ende der Galaxis nach ein paar Millionen Jahren an das Ideengut des Kommunismus, mag sich der kritische Leser fragen. Kein Problem, denn Papier ist ja bekanntlich geduldig und schuld ist die Raumsonde Voyager! Denn noch auf der Erde vor dem Start ins All speisten subversive Elemente heimlich die Werke von Marx und Engels in den Computer ein. Stilistisch, graphisch, inhaltlich ist der Comic ein würdiger Nachfolger der alten Storm-Reihe.

Zugegeben, das Ganze ist zwar keine High-End Unterhaltung, aber Pulp hat ja auch seine Vorzüge. Denn wenn man weiß, worauf man sich einläßt, folgt keinerlei Enttäuschung.

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