Beatsteaks: Smack Smash

Kaum stehen die Beatsteaks vor der Aufgabe, ihr Majordebüt aufzunehmen, entscheiden sie sich für die älteste aller Aufnahmemethoden: die Songs live einzuspielen. Sie engagierten Moses Schneider und besuchten vier Berliner Studios. Dort mussten sie im Schweiße ihres Angesichts fehlerfreie Versionen ihre neuen Songs auf Band kriegen. Ein hartes Stück Arbeit. Doch die zahlte sich aus.“Smack Smash“ ist kein Kompromissalbum, kein verwässertes Major-Ding. Es ist irgendwo zwischen Punkrock und Rock’n’Roll. Es kracht, es rockt, es föhnt.

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Live: Seán Tyrrell

St. Wendel-Alsfassen, Felsenmühle. 7.12.2001

„If Guinness could sing it would sound like Seán!“

Es wirkte abgespannt und müde, was kein Wunder war, hatte er doch am Abend zuvor noch im winterlichen Innsbruck gastiert. Jetzt war Seán Tyrrell mit seinem Kompagnon Fergus Feeley in St. Wendel-Alsfassen eingetroffen, und er wusste, dass er hier eine Art „Heimspiel“ vor sich hatte. Zum vierten Male trat Seán in der „Felsenmühle“, dieser urigen Musikkneipe in historischem Gemäuer, auf. Die gemütliche Atmosphäre ließ ihn und Fergus bald entspannen, und nach einem kurzen Soundcheck ging’s denn auch los.

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UFO: You Are Here

Was macht Michael Schenker bei UFO außer Querelen? Gitarre spielen. Obwohl er das Gesicht der Band entscheidend mitgeprägt hat, sind der Kern von UFO ebenso Bassist Pete Way und Sänger Phil Mogg. Die beiden treiben das Raumschiff seit Jahren weiter durch die Erdumlaufbahn. Nach zwei Alben mit Michael Schenker haben sie ihn jetzt wieder verloren und haben neben Keyboarder Paul Raymond Jason Bonham an die Drums und Vinnie Moore an die Gitarre geholt.

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Voice Of A Generation – The Final Oddition

Voice Of A Generation geben seit vielen Jahren dem Underground-Punk ein Zuhause. Mit den Peepshows und den Jungs von Millencolin im Rücken holt eine der ältesten schwedischen Street Punk-Bands erneut zum Rundumschlag aus.

Mitsing-Refrains („Justice“), viele Eier in der Hose wie auch kompromisslose und kritische Texte („Democracy Is Dead“, „Casualties Of War“) mit viel Tempo („Itching Fingers“, „Baseballbat“) und Härte („Bastard“) – das sind Voice Of A Generation anno 2004. Eigentlich haben sie sich über die Jahre nicht verändert, wurden nie schlechter. Satt dessen haben sie die Faust immer wieder geballt und eine neue Schippe draufgelegt.

Im Februar und im April werden sie zum wiederholten Male durch Deutschland touren. Dann kann sich jeder seine Ladung Street Punk im Moshpit abholen.


Voice Of A Generation
The Final Oddition
Burning Heart/SPV
VÖ: 2.2.2004

Chris Eckman: The Black Field

Ist Chris Eckman bei den Walkabouts eher für die schrägeren Songs zuständig und tobt er sich bei Höst mit etwas abseitigen Klängen aus, überrascht „The Black Field“ mit direktem Moll-Folk. Chris Eckman hat die Gitarre auf dem Schoß und klagt sich durch neun düstere Songs.

Es klingt unerwartet, aber in der Grundstimmung erinnert sein Soloalbum an Justin Sullivans „Navigating By The Stars“: In Moll gehaltene Emotionen, die sich zwischen Aufbruch und Einigeln nicht entscheiden können. Und wie auch Gefühle nicht immer greifbar sind, lassen sich auch die Songs schwer einfangen. Mit „The Black Field“ ist Chris Eckman kein phänomenales Album gelungen, aber es wäre schade, wenn es dieses Werk nicht gäbe.


Chris Eckman
The Black Field
Glitterhouse/Indigo
VÖ: 16.2.2004

Thursday: War All The Times

Der Titel macht es schon unmissverständlich klar: Es geht um Krieg. Aber nicht Krieg im eigentlichen Wortsinn, sondern um Kampf: Den Kampf mit sich selbst, mit der Umwelt und letztlich auch um den Nationen umfassenden Wahnsinn. Thursday sind bei weitem nicht mehr so hart wie auf dem Vorgänger „Full Collapse“, haben es aber trotzdem geschafft, ein Album voller Zorn aufzunehmen. Zorn ohne Aggression, stattdessen Verzweiflung, Fragen und dazwischen der unerschütterliche Glaube, dass die Hoffnung eben doch zuletzt stirbt.

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Los Placebos: Respect Is Due

Nein, Briten sind es nicht. Los Placebos stammen aus Deutschland. Aber ihr Frontmann darf stolz auf sein British English sein. Authentizität hoch zehn. Sowieso wissen die Placebos mit ihrem Ska-Reggae-Gebräu zu begeistern – selbst in Verbindung mit deutschen Texten. Partystimmung ist Trumpf. Die wird auch nicht durch ruhige Lieder („Traffic Jam“, „Nutville“) beeinträchtigt.

(7 Fritten)

Los Placebos: Respect Is Due
(FireTorch/Alive)

Lambchop: AWCMON/NOYOUCMON

Zwei Jahre nach „Is A Woman“ überrascht Nashvilles bekanntester Fliesenleger Kurt Wagner mit einem Doppelalbum und insgesamt 24 Songs. Die Alben können für sich alleine bestehen, zeigen aber doch beide einen deutlichen Hang zur ganz großen Leinwand.Gefühle werden auf Cinemascope-Dimension breitgewalzt und mehr als ein Mal hat man den Eindruck, Lambchop haben Musik für einen Film komponiert. Irgendwo zwischen 50er Jahre Screwball-Comedy und Musical sind besonders die Instrumentals extrem beschwingt.

Im Gesamtklang ist „AWYOUCMON“ ein sanfter, während bei „NOYOUCMON“ auch mal eine bratzige E-Gitarre ihr Recht bekommt. Wenn man mit einer Lupe sucht, lassen sich auf „NOYOUCMON“ eher Schwächen ausmachen, während „AWCMON“ über alle Zweifel erhaben ist.

So oder so, Lambchop wischen mit leichter Geste alle Konkurrenten vom Tisch und bleiben in der eigenwilligen Schnittmenge aus Soul, Folk, Jazz und Country die Platzhirsche.


Lambchop
AWCMON/NOYOUCMON Do-CD
Labels/EMI
VÖ: 9.2.2004

Franz Ferdinand

Glasgow mal wieder. Da kommt keine schlechte Musik her. Ehrlich nicht. Ganz hoch gehandelt wird derzeit das Debüt von Franz Ferdinand. Vier Jungs, die es nach Glasgow verschlug und die sich im Umfeld der dortigen Art School kennen lernten. Die Majors wurden schnell auf sie aufmerksam, doch gingen sie zu Domino Records. All der Trubel macht ihnen nichts aus: „Es ist aufregend, wenn auch ermüdend“, erklärt Bassist Bob Hardy.

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Damien Rice – O

Wäre Ryan Adams nach „Heartbreaker“ nicht zum Chef-Eklektiker mit Express-Lieferung geworden, könnte man bei seinen Alben heute vielleicht auch noch dauerhaft „O“ sagen. Auch wenn Damien Rice’s „O“ in Irland schon 2002 veröffentlicht wurde, verdient es die Platte wie kaum eine andere, besprochen zu werden.

Laut dem Sticker auf dem CD-Booklet, sind sich vom Guardian bis zur Sunday Tribune alle einig und ich kann auch nur in das gleiche Horn tröten: Damien Rice macht nichts neues, aber er macht alles richtig. Melancholische, kleine Kopfschussstücke zwischen Lebensfreude und Suizid mit betörenden, weiblichen Vocals von Lisa Hannigan, zarten Gitarren und viel, viel Cello.

Ich wollte eigentlich durch diese Kritik kommen, ohne Jeff Buckley und Nick Drake aus dem Hut zu zaubern, aber manchmal muss es eben sein. Also: Kopfhörer auf und in den sakralen Jubel des Schlusstitels „Eskimo“ einstimmen.


Damien Rice
O
14th Floor/Warner
VÖ: 25.8.2003
Link: www.damienrice.com

Clann Zú: Rúa

Intensität ist für Clann Zú, eine von Australien nach Irland übergesiedelte Band, alles andere als ein Fremdwort. Gänzlich außergewöhnlich ist die Stilvielfalt ihrer düsteren, fast schon apokalyptischen Songs, die auf Gefühlsregungen wie Verzweiflung und Chaos basieren. Keltische Folklore, Punk, Ambient-Rock, Elektronisches und Klassik vermischen sie zu zehn aufregenden, spannenden und ungewöhnlichen Songs.

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Bernd Begemann live

Kamp Bielefeld. 6.2.2004

Bernd, was soll das? „Eine Rückwendung ins Lokalpatriotische“ sieht die FAZ im Opener dieses Abends „Ich stamme aus den Hügeln“. Mit Recht, steht zu befürchten. Aber der besserwisserische Kritiker wird später mit dem ironisch/sarkastischen „Bad Salzuflen weltweit“ und der „Deutschen Hymne ohne Refrain“ versöhnt – was immer auch das „dieses Land verstehen“, das doch „droht“ und ’niemanden verschont‘, bedeuten soll.

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