Marr: Express And Take Shape

Das geschmackssichere Label Grand Hotel van Cleef macht es richtig – mit Ausnahme der famosen Death Cab For Cutie nehmen sie nur Bands aus ihrem direkten Umfeld unter Vertrag. Aber obwohl Marr zur Hälfte aus Tomte-Mitgliedern besteht, sucht man musikalische Parallelen vergebens. Das Quartett hat sich mit seinem Debütalbum auf anspruchsvollen Indierock konzentriert und beackert damit ein Feld, das alles andere als brach liegt. Die hohe, manchmal etwas schneidende Stimme von Jan Elbeshausen hebt Marr allerdings von anderen Vertretern der Zunft ab.

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Gus Black: Uncivilized Love

„Uncivilized Love“ ist ein echter Glücksfall. Hat die berühmte goldene Mitte häufig etwas von musikalischem Konsens-Schmusen, trifft Gus Black einfach nur den richtigen Ton.Angenehm melodieverliebt, nicht zu nölig schraddelt er sich durch 13 Folk/Pop/Rock-Wunder. Seine Stimme erinnert manches Mal an Mike Peters (The Alarm), während sie an anderen Stellen in weiche, volle Klänge wechselt.

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Hatebreed – The Rise Of Brutality

In diesem Fall ist der Name in doppelter Hinsicht Programm. Will meinen: Bandname wie Albumtitel treffen auf die hier dargebotene Musik bestens zu. Hatecore nannte man das früher mal. Heute würde man es hasserfüllten Hardcore mit Metal-Einflüssen taufen.

Jamey Jasta kotzt (im positiven Sinne!) die Texte regelrecht ins Mikrofon. Es ist atemberaubend, wie die Band durchgehend dieses hohe Tempo durchhält ohne ein Anzeichen von Schwäche zu offenbaren. Wenn das live auch gelingt, dann aber Hut ab. Der Song „Straight To Your Face“ springt einem – wie der Name schon sagt – mit beiden Füssen ins Gesicht. Brutalst. Er ist den beiden NYHC-Bands Agnostic Front und Madball gewidmet, denen Hatebreed vollsten Respekt zollen. Nach 32 Minuten ist Schluss und man hat keinesfalls den Eindruck, das Album sei viel zu kurz. Man fühlt sich ausgebrannt und erschöpft nach dieser Wagenladung Hass.


Hatebreed
The Rise Of Brutality
Roadrunner/Universal
VÖ: 3.11.2003

Conjure One

Auf den ersten Blick mag eine Kurzbeschreibung dieser Musik einige Leser (zu Recht) abschrecken: „esoterischer TripHop“ ist ein Attribut, das mit Conjure One in Verbindung zu bringen ist. Ethno und Ambient sind weitere Genres, aus denen die Einflüsse kommen. Hinter der Band steckt Rhys Fulber. Der ist in der Industrial- und EBM-Ecke kein Unbekannter. Er war Mitglied von Frontline Assembly und hat Alben für Fear Factory, die Nu Metaller P.O.D. und gar Sarah Brightman produziert. Eine fürwahr seltsame Mischung.

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Iced Earth: The Glorious Burden

Ich glaube, ich bin ein bisschen metal-müde. Während ich vor drei, vier Jahren mein kleines Metal-Revival hatte und mich mit Freude durch alle Sub-Genres gewühlt habe, sind inzwischen nur einige Prog-Rocker und melodische Knüppler wie In Flames übrig geblieben. Wobei Iced Earth mit Hammer-Songs wie „Watching Over Me“ oder ihrem genialen Live-Album „Alive In Athens“ immer noch ziemlich gut in der Rangliste liegen. Aber irgendwie waren Jon Schaffer und seine austauschbaren Mannen früher härter.

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Atomic Kitten: Ladies Night

Hier nun eine Art Live-Kritik, das heißt beim Hören wurde diese spontan runtergeschrieben und im Nachhinein noch mal überarbeitet. Es geht los: „Perfekt geschminkt und gestylt sind sie, die drei Damen von Atomic Kitten. Das Auge hört schließlich mit. „Alles Wird gut“ geben sie dem Hörer im tollen Opener „Ladies Night“ mit auf den Weg. „Be With You“, eine der Singles, entführt einen in eine Kylie Minogue-Disco. Aalglatt, da gibt es nichts zu mäkeln.

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The Carlsonics – s/t

The Carlsonics von the Carlsonics

Jahrelang hegte Aaron Carlson den Wunsch, in einer Band zu spielen. Erst versuchte er es als Gitarrist, jetzt als Sänger. Viele Jahre gingen ins öde Land, ehe er die richtigen Jungs fand und es zur Initialzündung kam. Tony Fletcher, Autor von „Keith Moon: The Life and Death of a Rock Legend“, beschrieb die Musik der Carlsonics folgendermaßen: „Sie klingen wie die Stones, sie reißen einen mit wie Primal Scream und rocken wie die Hives“. Das war wohl die Seligsprechung für Carlsons Band.

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Disorder On The Border: Vol. 1

Bei dieser „Grenz“-Musik geht einem so richtig das Herz auf! Wer zwei Ohren hat für relaxte, dabei ganz und gar unprätentiöse Klänge und Melodien, der kommt bei diesem „unplugged“-Kleinod voll auf seine Kosten.

Die drei alten Recken Hart, Rickard & Watkins bringen bei ihrem Album „Vol. 1“, dem offenbar noch weitere folgen sollen, ihre langjährige Erfahrung als Sessionmusiker für namhaft(er)e Künstler der britischen Rockszene ein. Gary Rickard (Gitarre, Gesang) und Geraint Watkins (Akkordeon, Gesang) spielten bereits in den 1980ern gemeinsam bei den Pubrock-Legenden, den BALHAM ALLIGATORS, später als Studiomusiker für Ron Kavana, Wizz Jones, Mark Knopfler, Bill Wyman, Nick Lowe u.v.a. mehr. Charlie Hart (Fiddle, Gesang) jammte mit Ian Dury, Pete Brown und war Mitglied bei Ronnie Lane’s SLIM CHANCE.

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Necro: Brutality Pt. 1

Necro, der seinen wahren Namen um keinen Preis verraten möchte, ist ein verrückter Gesell. Der in Brooklyn geborene Rapper war früher Gitarrist in nicht näher genannten Rockbands, die schon für Napalm Death und Biohazard eröffneten. Er ist als Produzent von Musik und – bitte festhalten! – Pornovideos bekannt und Inhaber des Labels, das nun sein Album „Brutality Pt. 1“ auf den Markt bringt.

„Brutality Pt. 1“ ist ein gefundenes Fressen für die Zensurbehörden. Splatter-Comic-Cover, derbe Texte und viel nackte Haut im Booklet. Eminem sollte sich Acht nehmen. Hier kommt ein Hardcore-Rapper, der noch mehr fluchen kann. Zwar hat Necro keinen Dr. Dre hinter sich stehen. Seine Tracks sind trotzdem nicht minderer Qualität. Unterstützt wird Necro von Ill Bill und Goretex (Non Phixion).


Necro
Brutality Pt. 1
Psycho+Logical/Groove Attack
VÖ: 3.11.2003

Sophia: People Are Like Seasons

Nein, ich will mich nicht beklagen. Musikkritiken schreiben macht Spaß, aber zumindest ich bekomme alle paar Monate eine Sinnkrise. Wenig Neues, viele Mutanten und manches Mal scheint es keine Worte mehr zu geben, um das ewig Gleiche zu beschreiben. Wenn dann allerdings das neue Jahr mit einem musikalischen Highlight wie „People Are Like Seasons“ beginnt, kommt der musikmissionarische Eifer mit einem Schlag zurück.

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VA: The Art Of Rebellion

Eigentlich steht ja das Buch im Vordergrund: Street-Art aus L.A., N.Y., Paris, London etc. Verwurzelt in der Graffiti-Szene, aber eher an Grafik als an Tags orientiert, dokumentiert der englisch-sprachige Schinken eine Menge Grafiken und Sticker aus dem Straßenleben (angeblich zum ersten Mal). Ästhetisch zwar interessant liefert das Buch aber leider wenig Hintergrundwissen zu den Künstlern, abgesehen von kurzen Hobby+Like/Dislike-Fragebögen. Das einzige häufiger autauchende Sujet neben dem bei illegaler Straßenkunst naheliegenden ‚All cops are bastards‘ besteht aus einigen wenigen bauchlinken Anti-George-Bush-Grafiken.

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Mark Ronson: Here Comes The Fuzz

Mark Ronson ist Produzent, Songschreiber und DJ. Ein Allrounder also. Sein Ruf ist makellos. Bis dato durfte er Remixe für Jay-Z, Outkast und Moby basteln und das sehr gelungene Debüt von Nikka Costa, Tochter von Produzent Don Costa (siehe Paul Anka) und zudem Patentochter des verstorbenen Crooners Frank Sinatra, produzieren. Ronson ist demnach in der Szene und vor allen Dingen bei den A&Rs der Majors bekannt wie ein bunter Hund.

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The Long Winters – When I Pretend To Fall

Langsam sollte ich wahrscheinlich mit dem musikalischen Jahr 2003 abschließen, aber es gibt noch zu viele Perlen, die aus verschiedenen Gründen hier noch kein Forum gefunden haben. „Verschrobener Alternative-Rock“ beschreibt wahrscheinlich am besten, was The Long Winters veranstalten. „When I Pretend To Fall“ begeistert mit einer schier unendlichen Bandbreite.

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Terry Lee Hale – Tender Loving Hell

Auch weniger bekannte Künstler haben irgendwann mal ein Best-Of-Album verdient. Terry Lee Hale tourt seit Jahren durch die kleinen Clubs der Welt und spielt seine ruhigen, sanften, oft etwas traurigen, meist zurückhaltend gespielten und arrangierten Singer-/Songwriter-Songs.

In Rezensionen unbekannter Künstler muß ja immer alles eingeordnet werden, damit sich Leute eine Vorstellung bilden können. Man stelle sich Terry Lee Hale musikalisch also irgendwo zwischen Don McLean und den Walkabouts vor. Letztere sind hier übrigens recht einflußreich vertreten: In Musik, Gesang und Produktion tauchen immer wieder Mitglieder der Folkrock-FreundInnen aus Seatlle auf. Walkabouts-Fans werden auch Herrn Hale mögen. Prägnante Unterschiede sind die hier meist dominierende Akkustik-Gitarre und die weniger poetisch-bildhaft-verschlüsselten, eher direkten und Geschichten erzählenden Texte. Die meisten Songs sind in intimen Settings aufgenommen, jedes Knarzen auf der Saite ist zu hören. Die Musik dieses Menschen sagt: Werde mein Freund und komm mal vorbei, wenn ich in einer Kneipe in Deiner Nähe auftrete.

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