Linksliberal

Man wäre ja schon gerne dabei, wenn es am 9. und 10. März 2007 in →Schloss Genshagen nahe Berlin wieder einmal heißt: „Krimis in Deutschland, Frankreich und Polen – Spiegelbild der Gesellschaft?“. Eins der Themen: „Die großen Geschichten der kleinen Leute. Wessen Geschichte erzählen Krimis?“ Darunter aber unvermittelt noch eine zweite Frage: „Die Leser von Krimis: das linke Bildungsbürgertum?“ Und gleich eine dritte: „Gibt es noch Krimis fürs ‚Volk'“? Ich gestehe, von Frage zu Frage verwirrter zu werden.

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Paul Levine: Solomon vs. Lord

Der 12jährige Bobby ist nur eine Nebenfigur in Paul Levines „Solomon vs. Lord “, aber dennoch eine der tragenden Figuren des Buches. Er hat eine Inselbegabung (Savantsyndrom). Eine sehr seltenen Kombination – die Kinogänger werden es dank „Rain Man“ wissen –von Defiziten, meistens im emotionalen Bereich, und singulären Hochbegabungen in einzelnen intellektuellen Bereichen.

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Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (5)

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Fassen wir bündig zusammen. Von „literarischen Krimis“ spricht, wer Entwicklungen ignoriert, einen unvollständigen Literaturbegriff hat, keine große Faktenkenntnis oder sich darin gefällt, „Krimi“ und „Literatur“ gegeneinander auszuspielen. Was literarisch sein soll, möge sich gefälligst vom Genre entfernen. Vergessen wollen wir aber bei alledem nicht die Wohlmeinenden, denen es um das Ansehen des Kriminalromans zu tun ist, welches unter allen Umständen – und seien es solche fragwürdiger Herkunft – befördert werden soll.

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Wider die Gleichmacherei

aus einem Beitrag in der Wochenendausgabe der Süddeutschen von Dirk Stempel, im Hanser-Verlag für Rechte und Lizenzen zuständig, zum aktuellen „Übersetzerstreit“:

Die Höhe des Seitenhonorars. Es war bisher frei verhandelbar zwischen Übersetzer und Auftraggeber und wird bestimmt unter anderem durch das Medium, für das übersetzt wird (Hardcover, Taschenbuch, Presse, Funk…), durch die Qualität der Geschäftsbeziehung und natürlich durch den Text selbst. Denn es wird auch zukünftig ein Unterschied sein zwischen einem Text von Celan und einem Kriminalroman.

Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (4)

„Als er abends im Bett lag und versuchte einzuschlafen, dachte er, so ist das Leben, eine Unmenge von Rolltreppen, die niemals anhalten, und niemand weiß, von wo und von wem sie gesteuert werden, sicher ist nur, dass es ohne das geringste Mitgefühl, ohne Logik oder gar Absicht geschieht. Manchmal führen sie in die richtige Richtung und wir sind eine Zeit lang glücklich.“

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Steve Skaith Band: Imaginary Friend

Es ist wahrscheinlich unmöglich eine Kritik über Steve Skaith zu schreiben, ohne unermüdlich auf seine ehemalige Band Latin Quarter hinzuweisen.

Auf der vor kurzem erschienenen und sehr lohnenswerten DVD „Live At Full House Rock Show“ zeigt allein der bedrückende Schlusstitel „America For Beginners“ die zeitlose Qualität der Band. Obwohl mehr als zwanzig Jahre alt, ist der Text treffender und spitzer als die meisten aktuellen Tiraden in Richtung USA.

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The Shins: Wincing The Night Away

„Sea Legs“, verehrter Leser, hochgeehrte Leserin, ist ein Übersong!
Wer -wie ich- obsessiver Perlentaucher in der allzu oft allzu stillen See des gefühligen Indiepops ist, der wird auf „Wincing The Night Away“ durchaus fündig. Er darf nach schon sehr kurzem Tauchgang verzückt den Opener „Sleeping Lessons“ aufsammeln, er darf die erste Single des dritten Albums der Shins, „Phantom Limb“ behutsam in seinen Hüftbeutel tun, er darf am naiv-schönen „Red Rabbits“ nicht vorbei schweben, er greift bei „Turn On Me“ ebenso lustvoll zu wie bei der Indie-Akustikballade „A Comet Appears“ oder bei „Black Wave“, „Split Needles“ und „Girl Sailor“. Überhaupt hat das Album nur zwei Perlen, die dem hohen „Best Of“-Anspruch des erfahrenen Indiepopperlentauchers nicht ganz genügen: „Australia“ und „Pam Berry“ sind dennoch zwei Songs, die ein Stück über dem Durchschnitt liegen und daher weit weg von „unhörbar“ sind.

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Little Man Tate: About What You Know

Selten war es sinnloser die Texte in ein Booklet zu drucken als bei Little Man Tate. Die vier Jungs aus Sheffield haben absolut nichts zu sagen, es sei denn, man sucht den literarischen Unterbau bei den Jungmänner-Ergüssen über Zungenküsse und Mädchen ohne Unterhosen. Aber, um es mit einem Wortspiel auf Kosten der englischen Sprache zu sagen: In „Cheffield“ scheint etwas am Kochen zu sein, das fehlende textliche Eleganz mit hüftbetonter Musik wieder rausreißt.

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Literarische Krimis – eine Reise ins Herz der Finsternis (3)

Die Literatur ist schon ein merkwürdiges Land mit noch merkwürdigeren Bewohnern. Sprache, so sagen wir, ist ein Werkzeug. In unserer Normalwelt ziehen wir mit dem Vorschlaghammer in den Steinbruch der Wirklichkeit und legen mit dem Skalpell das Innere der Menschen frei. Im Lande Literatur ist alles ganz anders. Dort kann man auch mit dem Vorschlaghammer auf die Psyche klopfen und mit dem Skalpell im Steinbruch arbeiten.

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Greg Iles: @E.R.O.S

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Zuerst das Positive: Der Roman ist streckenweise spannend und über weite Teile flüssig zu lesen. Die Biographien der Protagonisten werden halbwegs nachvollziehbar entwickelt und sind, wenn man die maßlose Übertreibung zugunsten des Spektakulären in Kauf nimmt, mit etwas gutem Willen durchaus nachvollziehbar. Außerdem ist der Einblick in die Computertechnologie Mitte der 90er heutzutage sehr spaßig zu lesen (rasend schnelles 14400bps Modem etc). Es ist viel Zeit vergangen seit damals. Von nun an geht’s allerdings bergab…

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A.a.O.

DIe Fortsetzung meiner Reise ins Herz der Finsternis gibts wohl erst morgen. Wer jetzt aber thematisch Blut geleckt hat, kann →hier weiterlesen, wie man den armen Reisenden, der sich so mühselig durch den Dschungel der Begrifflichkeiten machetet, auch noch auf Ab- und Umwege leiten will. Böser, böser JL! Aber das gehört zum literarischen Entdeckungsreisen, ohne das wärs ja keins, sondern ein Sonntagsspaziergang. Also: Danke, lieber, lieber JL!

Duane Swierczynski: The Wheelman

Lennon war schon an vielen Bankeinbrüchen beteiligt, aber dennoch: Wie’s geht, weiß er nicht; denn Lennon ist „The Wheelman“, also derjenige, der Bankräuber nach dem Bruch heimbringt. Nur dieses Mal geht so fast alles schief was schief gehen kann. Am Ende ist das erbeutete Geld weg und die Kollegen sind fort. Lennon bleibt alleine zurück und plötzlich wird er von der russischen Mafia, der italienischen Mafia, kriminellen Expolizisten und weiteren Personen, die er nicht zuordnen kann, verfolgt. Und als wäre das alles nicht genug, taucht da auch noch diese Frau auf, die schwanger ist und an der er sehr hängt.

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