Naked Lunch: This Atom Heart of Ours

„Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ Dass dieser häufig dahin gesagte Satz sich in der Realität doch glücklicherweise ab und an bestätigt, gilt insbesondere für die in Klagenfurt/Österreich beheimatete Band „Naked Lunch“. Nachdem diese, Anfang bis Mitte der 90er Jahre noch unter dem Einfluss des Grunge-Sounds stehende, hoffnungsvolle Band mit dem Album „Superstardom“ 1997 zum vermeintlichen Höhenflug ansetzte, stürzte sie nach Ausflügen in poppig-tanzbare Gefilde, „Love Junkies“ (1999), jäh – teils durch äußere, teils durch selbst verschuldete Katastrophen – in den Abgrund.

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Für das Expertentum

American Football, ARD, 4./5.2.2007

„In 233 Länder“ hören wir, wird der Superbowl übertragen, aber nur die ARD hat einen American Football-Experten namens Boris Becker. Ok, die Frisur sah selten so scheiße aus und er kann einen punt return nicht von einem kickoff return unterscheiden. Aber auf Weisheiten wie

„Deswegen hoffe ich, dass die Mannschaft, die die meisten Punkte macht, auch gewinnt“

möchten wir auch in Zukunft nicht verzichten. Also, ARD, weniger Geld für Kommentatoren, die eh die Hälfte der Zeit daneben liegen („so lange man in Ballbesitz ist kann der Gegner nicht punkten“ – noch nie was von safety gehört?) und arme Reporterschweine, die im strömenden Regen reportieren müssen, dass sie auch nichts Genaues wissen und stattdessen noch mehr Geld für Promiexperten à la Bobbele und co.

Moral

Krimibloggen ist nichts für Klosterschüler. Man muss austeilen und einstecken können, der Kampf um Marktanteile ist, wie in jeder anderen boomenden Branche auch, hart und nicht selten an den Grenzen des Erlaubten. Schließlich geht es um Millionen, was kümmern uns da Menschlichkeit und Moral?

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Exkurs

„Literarische Krimis“ und kein Ende. Markiert der Deutsche Krimipreis 2007 tatsächlich einen Wendepunkt, wie es → Tobias Gohlis in der ZEIT vermutet, einen Paradigmenwechsel gar? Oder werden hier lediglich alte Vorurteile bestätigt und neue Moden kreiert, wie die →Reaktion auf Gohlis nahelegt? – Man kann darüber trefflich spekulieren, sollte aber vielleicht auch die Literaturgeschichte nicht geringschätzen, die einen ganz ähnlichen – und überraschenden – Fall von „Emanzipation eines Genres“ kennt.

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Pieke drängt sich vor

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Eigentlich sollte an dieser Stelle lediglich darauf hingewiesen werden, dass das →Krimijahrbuch 2007 immer noch zum Vorzugspreis von 16 Euro (statt später 20) hier geordert werden kann. Noch – aber nicht mehr lange. Doch da flattert, so ein Zufall, die neueste Ankündigung von Pieke Biermann – Schwerpunkt des KJB 2007 – in die Mailbox. MENSCHEN-ORTE-KRIMINALITÄT, die beliebte Serie im RBBinfoRADIO 93,1, wird am 3. Februar 2007 um 11:45 Uhr Isy Michelis, Augenzeugin eines Mordes porträtieren (Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 5:45). Dies hier anzuzeigen, ist allemal wichtiger als so ein Krimijahrbuch mit 340 Seiten zu läppischen 16 Euronen.

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Johnny Clegg: One Life

Nach jahrelanger Pause ein echtes, neues Studioalbum vom „weißen Zulu“ aus Südafrika, und sein herzhaftes, Freude versprühendes Lachen auf dem Cover lässt sich beim Anhören sehr wohl nachvollziehen. Dabei sind einige Songtexte alles andere als erheiternd, beschäftigen sich mit sog. „typisch afrikanischen“ Problemen wie Machtmissbrauch („The Revolution Will Eat Its Children“) oder Kindersoldaten („Boy Soldier“). Das Thema „Apartheid“ mag politisch gesehen der Vergangenheit angehören, gleichwohl ist und bleibt das Zusammenleben der Völker und Volksgruppen in Südafrika spannungsgeladen.

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John Harvey: Schrei nicht so laut

Würde man den Inhalt von John Harveys neuem Roman „Schrei nicht so laut“ nacherzählen, um danach zu betonen, man halte das Buch für sehr gelungen, ja, originell – es gäbe wohl eine ganze Menge Unverständnis zu ernten. Gelungen, mag sein; aber „originell“? Das was man von der Handlung und ihrer dramaturgischen Gestaltung zu berichten gehabt hätte, wäre kaum über das Aufzählen von Genreüblichem hinaus gekommen. Selbst den Schluss hält nur für überraschend, wer noch nicht viele Krimis gelesen hat. Warum also ist „Schrei nicht so laut“ ein Buch, das die Kriminalliteratur bereichert?

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Zweiraumwohnung: Besser gehts nicht

Das Lied kommt unspektakulär daher, ist aber mal wieder das, was Zweiraumwohnung am besten können: der perfekte Popsong.
Zugegeben, „Nimm mich mit“ war spektakulärer, „Elaine“ origineller, „Wolken ziehen vorbei“ magischer. Am ehesten kommt „Besser geht´s nicht“ noch „Wir trafen uns in einem Garten“ nahe. Schrammelige Gitarren, dezente Elektronik, die im Laufe des Songs immer mal wieder stärker auftaucht. Wie der Froschkönig, der die goldene Kugel vom Grund des Brunnens hochbringt. Und wieder abtaucht. Viel Understatement und Nonchalance – der Song wirkt so dahingesungen, fast wie nebenbei. „Hingeworfen“, mit ein, zwei Federstrichen, würde man in der Malerei sagen. Eine Skizze von einem Lied: leicht, luftig, aber trotzdem erdig.

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Justizmord?

Das sind noch Fragen. Eine Antwort verspricht Artur Landsbergers Kriminalroman, „Justizmord?“ heißt er, wie nicht anders zu erwarten. Ein schönes Stück aus dem Jahr 1928 von einem der erfolgreichsten Autoren der Epoche, in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“, Abteilung frühes zwanzigstes, jetzt nachzulesen. Die Datei wird im schlanken rtf-Format angeboten, die Faksimile-Version liefern wir irgendwann nach.

William Kent Krueger: Mercy Falls

„Mercy Falls“ ist ein ungewöhnlich spannendes Buch mit einem außergewöhnlichen Ende. Die Spannung des Buches resultiert aus der Vielzahl der Episoden, ihrer Dichte und der Qualität der Erzahlung; Kapitel-Enden sind ein Ort des Innehaltens und des Luftholens. Am Ende des Buches jedoch steht, es lässt sich nicht anders bezeichnen, ein großer Cliffhanger, der den Leser atemlos zurücklässt.

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Die Goldene Krimikrone

Krimipreise gibt es wie Sand am Meer, aber keiner reicht an die Goldene Krimikrone heran, die wir heute zum ersten Mal vergeben. Im September baten wir die 379 führenden deutschsprachigen Krimirezensenten um ihre Meinung, von A wie Aachener Wirtschaftsmagazin über I wie Itzehoer Volksbote bis Z wie Zwieseler Post. 298 antworteten, 34 davon ablehnend, doch 262 erzählten uns, wen SIE für die wichtigste und einflussreichste Persönlichkeit der Krimigeschichte halten. Und, voilà, hier ist das Ergebnis:

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Geld spielt keine Rolle

Alexandra Gerlach vom Deutschlandfunk befragte den schleswig-holsteinischen Justizminister zum Ablasshandel im Fall Peter Hartz →Döring: Verständigung wie im Fall Hartz dient der Prozessökonomie

Gerlach: (…) Wenn ich jetzt ein armer Schlucker bin und stehe vor Gericht, kann mich nicht freikaufen, ich benutze diesen Begriff jetzt ganz bewusst, was passiert dann mit mir?
Döring: Das hat nichts damit zu tun, ob man arm oder reich ist. Natürlich hat es damit was zu tun, ob man einen guten oder einen teuren Anwalt sich leisten kann oder nicht, (…)

Karel Svoboda

Der tschechische Komponist erschiesst sich 68jährig im Gartens eines Hauses in der Nähe von Prag.
Zu seinen bekanntesten Kompositionen gehören die Musiken zur „Biene Maja“, „Pinocchio“, „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ sowie diverse Schlager für Karel Gott (“Lady Karneval“).

KrimiWelt Bestenliste Februar 2007

Damit war zu rechnen: John Harvey hat mit „Schrei nicht so laut“ die Spitzenposition der aktuellen Bestenliste erreicht. Dass er es verdient hat, wurde hier schon mehrfach angedeutet und wird bald in einer ausführlichen Rezension untermauert. Reggie Nadelsons „Rote Wasser“ ist der Shootingstar des Monats, von 0 auf 2, die Autorin eine Garantin für intelligente Krimis, eine Rezension wird hier aber nicht zu erwarten sein, da das Buch bei Piper erschienen ist und Piper mich nicht liebt.

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Kryptischer

Na, in Ordnung, auf mehrfachen diskreten Wunsch. Der komplette letzte Satz lautet:

„Ich drücke auf die Klinke und öffnet die Tür —„

Wer diesen Satz versteht, hat gute Chancen, den Roman zu verstehen. Wer „falsch!“ schreit, ist auf dem Holzweg und soll sich schleichen.

Luca: Sick Of Love

Wer schon mit Howe Gelb und mit Calexico auf einer Bühne und in der Funktion des Toningenieurs mit ihnen im Studio stand, der hat natürlich etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Sollte man meinen. Doch irgendwie ist das, was Nick Luca auf „Sick Of Love“ uns da in die Ohren schickt, nicht der Weisheit letzter Schluss. Netter bis süßer Indiepop mit ein paar Country-Einwürfen – mehr ist das nicht.

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