Aus aktuellem Anlass: → Foren und Haftung: Von der Demontage eines interaktiven Mediums (Telepolis)
Ein Lexikon, ein Ärgernis
Geschenkt: Der Autor ist Einzeltäter, Idealist, manchmal etwas zu salopp in seiner Sprache, ein Lektorat sprengt das Budget. Das Werk erscheint als „book on demand“, Risiko beim Autor, da drückt man wohlwollend ein Auge zu, vielleicht auch mehr, aber nicht beide, bitte. Ein Auge zugedrückt haben dankenswerterweise →Thomas Przybilka und →Jan Christian Schmidt bei ihren Besprechungen von Alex Flückigers „Lexikon der internationalen Krimiautoren“. Und eigentlich wollte ich beide zudrücken, also garnichts dazu sagen, Gründe siehe oben. Geht aber nicht.
WeiterlesenAndrew Vachss: Down here
Andrew Vachss bezeichnet seine Bücher als „Trojanische Pferde“ und meint damit die Verwendung des Krimigenres als Medium, damit Menschen sich mit seiner Botschaft auseinander setzen. Der sexuelle Missbrauch von Kindern und sexuelle Gewalt im Allgemeinen sind seine ewig wiederkehrenden Themen. Hauptberuflich als Anwalt, arbeitet er nur für kindliche und jugendliche Klienten, die Opfer von sexueller oder häuslicher Gewalt wurden. Lange bevor die Öffentlichkeit durch die Dutroux-Affaire sensibilisiert wurde, hatte er schon zahlreiche seiner Bücher geschrieben, die mit ihrer Schonungslosigkeit auch Leser verstörten.
WeiterlesenDie Jahrestopzwölf
2005 ist beinahe passé – und hier sind die zwölf Krimis, die ich euch rechtzeitig vor Weihnachten ans Herz legen möchte. Alphabetisch geordnet. Der eine oder andere (Ani!) musste draußenbleiben, weil ich ein möglichst breites Spektrum abdecken wollte. Und nicht vergessen: Auch 2005 habe ich nicht die gesamte Jahresproduktion lesen können! Wer selbst Listen hat, kann sie natürlich dazulegen!
Elisabeth Herrmann: Das Kindermädchen. Rotbuch 2005. Ein wichtiges Thema, das unter „Krimi“ nicht begraben wird, sondern von ihm ausgegraben. →Rezension beim Krimiblog
Norbert Horst: Todesmuster. Goldmann 2005. Polizeikrimi von einem Polizisten, der dazu auch noch schreiben kann. Sehr gut! →Rezension
Renate Kampmann: Fremdkörper.Kindler 2005. Deutscher Gerichtsmedizinerinnenkrimi. Aber kein Abklatsch. Handwerklich gut gemachter Thriller. →Rezension
Pentti Kirstilä: Nachtschatten. Grafit 2005. Eine Spätentdeckung aus dem Jahr 1977. Feiner Plot! Interessanter Ermittler! →Rezension
John LaGalite: Zacharias Europa 2005. Konzentriert, verstörend, hingetuscht und überraschend. →Rezension
Iain Levison: Betriebsbedingt gekündigt. Matthes & Seitz 2005. Das kommt dabei raus, wenn man Hartz IV konsequent weiterdenkt. →Rezension
Laura Lippman: Butchers Hill. Rotbuch 2005 Schöne Details, gutes Handwerk, Personal, das persönlich ist. →Rezension
Peter O’Donnell: Modesty Blaise und die Klaue des Drachen. Unionsverlag 2005. Weils wieder einmal viel Spaß gemacht hat! →Rezension
Astrid Paprotta: Die Höhle der Löwin. Beweist, dass Psychologie etwas anderes ist als das Variieren von Binsenweisheiten. Souverän geschrieben! →Rezension beim Krimiblog
David Peace: 1974. Liebeskind 2005. Rasant, brutal, ein Rausch. Die Wirklichkeit hochgerechnet. →Rezension plus →Alternativrezension
P.J. Tracy: Der Köder. Rowohlt 2005. Ernstes Thema souverän gemeistert. Und spannend dazu!
→Rezension
Fred Vargas: Der vierzehnte Stein. Aufbau 2005. Es lebe der magische Realismus im Krimi! Aber können muss mans. Sie kanns. →Rezension 1 – →Rezension 2 – →Rezension 3
Milo Dor
Der Schriftsteller („Tote auf Urlaub“, „Die weiße Stadt“ ) stirbt 82jährig in einem Wiener Krankenhaus..
Weihnachtsmann Ludger
„Wünsch dir was!“ – so das Thema des →aktuellen Wochenvotings bei Ludger Menke seinem Blog. Ach was, Ludger, wir sind doch alle wunschlos glücklich mit dir! Mehr Rezensionen, mehr Platzpatronen, mehr… ja, ja, trotzdem her damit! – Und danke, dass du mich dran erinnert hast: Bald ist Weihnachten! Und ich hab ja auch was für euch! Eine Liste, jau! Äh…Moment, ich muss sie noch in einen neuen Eintrag tippen, dauert bloß’n paar Minuten…
Hanns Dieter Hüsch
Der deutsche Kabarettist stirbt 80jährig.
Dienstgang
Bei den Meinungsäußerungen über deutsche Krimis (→Krimicouch und →Toms Krimitreff) ist mir aufgefallen, dass insbesondere die mangelhafte Präsenz deutschsprachiger Spannungsliteratur in Buchhandlungen Erwähnung findet. Nun habe ich, ehrlich gesagt, noch nie darauf geachtet, vielleicht, weil ich in Buchhandlungen selten die Krimiabteilung frequentiere. Aber im Laufe der Woche werde ich mich zu einem Dienstgang aufraffen und einigen hiesigen einschlägigen Etablissements meine unangemeldete Aufwartung machen. Welche Erfahrungen wissen die Leser dieses Blogs zu berichten?
Fristverlängerung
„Lieber dpr! Ich bestelle hiermit das Krimijahrbuch 2006. Leider bin ich etwas spät dran und habe daher keinen Anspruch mehr auf den beigelegten Exklusivbeitrag für Vorbesteller. Das liegt aber daran, dass ich keine Briefmarke für meine Mail zur Hand hatte und mir erst heute morgen besorgen musste. Krieg ich den Exklusivbeitrag trotzdem?“
WeiterlesenNamen, Schurke!

Diese und ähnliche, im Tone fürchterlicher Drohung vorgetragenen Aufforderungen erreichen mich nicht allein aus notorischen →Mäkelblogs. Etliche Leser schreiben mir: „Ich hab die Mail mit der Vorbestellung des Krimijahrbuchs schon geschrieben, aber bevor hier nicht ma Tacheles geredet wird und Namen genannt werden, schick ich sie nicht ab!“ Ach, dieser Schall, dieser Rauch! Nun gut, was tut man nicht alles für den Rollsroyce des Verlegers. Hier sind ein paar Namen.
WeiterlesenErfreulich unaufgeregt
…äußern einige nette Leute auf der →Krimicouch und bei →Toms Krimitreff ihre Ansichten zu deutschen Krimis. Weiter so und schon mal vielen Dank bis hierhin. Auch wenn am Ende natürlich nichts „Repräsentatives“ dabei herauskommen wird. Aufschlussreiches auf jeden Fall. →Hier im Blog hat sich die Aufregung inzwischen gelegt, die Stille der inneren Einkehr obwaltet, das Schweigegelübde lastet schwer auf der mönchischen Seele, keine Chance für William von Baskerville. Der jetzt ma aber hurtig in seine Jahrbuchwerkstatt wankt.
JR Ewing: Maelstrom
Motor Music waren die enthusiastischsten unter den Labels, denen JR Ewing ihr neues Album zukommen ließen. So lag es auf der Hand, das fertig produzierte Album dem noch jungen Label aus Berlin anzuvertrauen. Ohne einen Plattenvertrag ins Studio zu gehen, das störte die Herren aus Oslo wenig. Dafür haben sie laut Eigenaussage ein zu großes Selbstbewusstsein.
WeiterlesenQuo vadis, deutscher Krimi?

Oder: Wie soll das noch enden, wenn arrivierte deutsche Krimiautorinnen jetzt schon auf „Amerikanisch“ schreiben und sich ausgerechnet von Andrea Fischer zurück in ihre Muttersprache übersetzen lassen? Ein schlichtes und verzeihliches Versehen des schweizer Nachrichtenmagazins →„Facts“? Ja, wollen wir doch hoffen. Aber für einen gesunden Lacher war dieser Zufallsfund schon gut.
Wenig Schnaps, aber eine Schnapsidee

(Das „Krimijahrbuch 2006“: wie es wurde, was es wird. Einblicke in die Werkstatt eines Herausgebers.)
WeiterlesenThe Dance Inc.: All is lost
The Dance Inc. aus dem Hause Audiolith wollen anscheinend die Popclubs stürmen: „Catpurr“, der erste Track der neuen EP „All is lost“, ist ein stampfender Pophit mit zart-fragendem Gesang, der schon bald zwischen Depeche Mode und House die Tanzflächen füllen könnte.
WeiterlesenCharles Todd: Dunkle Spuren
Charles Todd, das amerikanische Mutter-Sohn-Duo, hat einen Gordischen Knoten durchschlagen und schreibt englische Landhauskrimis mit düsterer Unterkellerung. Und das alles mit einer einzigen genialen Idee. Was auf Dauer zu wenig sein dürfte.
WeiterlesenLive: Starsailor
Luxemburg, den atelier, 29.11.2005.
Hat diese Band schlechte Lieder im Repertoire? Irgendwie nicht. Es lag auch sicherlich nicht an der allerhöchstens durchschnittlichen Vorgruppe, den Wire Daisies, dass Starsailor einen dermaßen positiven Eindruck hinterließen.
Leicht hatte es der besagte Support nicht. Im „Atelier“ warteten am frühen Dienstag Abend doch alle nur auf James Walsh & Co. Andererseits war der Soft Rock à la Texas oder Cranberries mit dem aufdringlich leidenden Gesang von Frontfrau Treana Morris, der an Sinead O’Connor oder Tracy Chapman erinnerte, völlig belanglos. Was zuvor noch nervte, ward in dem Moment vergessen, in dem Starsailor loslegten.
WeiterlesenHerbert L. Strock
Der US-amerikanische Filmregisseur stirbt 87jährig nach einem Verkehrsunfall im kalifornischen Moreno Valley an Herzversagen.
WeiterlesenKrimijahrbuch-Werkstatt 1
Von wegen „eingeschränkter Betrieb“… Sitze gerade an einer Konzeption zum „deutschsprachigen Krimi 2005“ fürs Jahrbuch und habe einige während der vergangenen Monate aufgeschnappte Leserstimmen im Hinterkopf, die „den deutschen Krimi“ reichlich geschmäht haben. Müsst ich mir jetzt mühselig aus den Foren zusammensuchen. Oder, noch besser, doch mal rasch bei den Lesern hier und anderswo nachfragen: Haltet ihr den deutschen Krimi wirklich für schlechter als den nichtdeutschen? Und warum oder warum nicht? Wäre doch auch mal was für den Menke und seine Frage der Woche…
