Extremlesen

Es sei eingeräumt, dass Extremlesen im Vergleich zum →Extrembügeln eine eher unspektakuläre Sportart ist. Es gibt auch noch keine Weltmeisterschaften, keine Rekorde, keine Regeln – bis auf eine. Man nehme wenigstens zwei Bücher, wie sie in Thematik, Dramaturgie und Sprache unterschiedlicher nicht sein können und lese sie parallel. Hier zehn Seiten, dort zehn Seiten, und zwischendurch, vielleicht auf der täglichen Zugfahrt, schmökere man sich durch ein drittes Werk, Stella Blomkvists „Der letzte Zeuge“ etwa (Rezension folgt).

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Aimee Mann: The Forgotten Arm

Das Statement vorneweg: „The Forgotten Arms“ ist ein fantastisches Album, getragen von der lakonisch zurückhaltenden Stimme Aimee Manns.Aber bevor die Lobeshymnen weitergehen, muss ich auch eine kleine Kritik einschieben: Obwohl ihre sechste Platte deutlich anders klingt als der Vorgänger „Lost In Space“, lässt sich nicht verleugnen, dass Aimee Mann bestimmte Harmonien und Gesangslinien bevorzugt und diese auch gerne mehrmals verwendet.

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Crime School: Lektion 15

Die „atmosphärische Dichte“, sagte ich in Lektion 14, vollbringe in Boris Akunins Roman „Pelagia und der rote Hahn“ das Kunststück, selbst ein für sich nicht „realitätskompatibles“ Handlungselement so zu integrieren, dass es kompatibel wird.

Doch „atmosphärische Dichte“ ist ein nebulöser Sammelbegriff; gerne genommen (auch von mir, ich gebe es zu), selten so expliziert, dass man wüsste, worum es eigentlich geht. Einige zufällig zusammengegoogelte Beispiele mögen dies verdeutlichen:

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Ocean Colour Scene: A Hyperactive Workout For The Flying Squad

Innovativ kann man Ocean Colour Scene nun wirklich nicht nennen; sie in die Rubrik „Retro-Band“ zu stecken greift aber auch zu kurz und wäre unfair. Oasis haben sie einmal anerkennend , wenn auch übertrieben, „beste britische Band“ genannt. Nun, dass Frontman Simon Fowler und seinen Kumpels diese Art von eigentlich altmodischer Rockmusik Spaß macht, kann man auch auf ihrem jüngsten Opus in der Tat heraus hören, was sich auch – zumindest ging es mir so – auf den/die HörerIn überträgt.

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Tyler: Don’t Play

Tyler ist ein österreichisches Quartett, das mit „Don’t Play“ sein Album mit einer deutlichen – zumindest stimmlichen – Millencolin-Schlagseite veröffentlicht und sich im weiteren Verlauf einmal quer ein paar Punk-Möhren oder Rock-Bohnen aus dem Gemüsegarten zieht. Dabei bleibt die Eigenständigkeit auf der Strecke, aber wenn man nicht gerade auf dem Innovationstrip ist, kann man das nett hören.

(6 Fritten)

Tyler: Don't Play
Der freie Raum für Musik/Edel
VÖ: 25.4.2005
www.officialtyler.com

Befreit! Lieder und Texte nach dem 8. Mai

Da immer weniger Menschen wissen, wann der Krieg tatsächlich aufgehört hat, ist „BEFREIT!“ mit Sicherheit ein wichtiges Werk. Unter der Regie und Produktion von Dieter Dehm stellen Künstler wie Konstantin Wecker, Götz George oder Peter Sodann ältere oder aktuelle Beiträge zur Verfügung. Ob man das inhaltsreiche Interview mit Prof. Rudolf Hickel nachträglich mit einer Posaune untermalen muss, lass ich hier mal unbeantwortet. Vielleicht ist es nur die verzweifelte Hoffnung der Initiatoren, unsere aufmerksamkeitsschwache Gesellschaft wenigstens für ein paar Sekunden bei einem Thema zu halten.

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Crime School – Das Buch

Unsere Crime School ist ja ein sehr spontanes Bildungsinstitut. Als ich damit anfing, hockte in meinem Kopf eine allgemeine Vorstellung von Literatur, nichts sonst, und ich wollte sehen, wie weit sie sich dem „Genre“ Kriminalroman überstülpen lässt – oder nicht. Heute, die 15. Lektion wird pünktlich am Montag erscheinen, sehe ich klarer – und auch wieder nicht. Ein Abenteuer ist die Crime School weiterhin – für den „Lehrer“ und die Schüler, die aktiven (wenige) und die passiven (scheinen erstaunlich viele zu sein).Angedroht hatte ich es bereits: Vielleicht wird aus der spontanen, flitterigen Crime School irgendwann ein seriöses Buch. Tja, und jetzt könnte es soweit sein. Aber das liegt an euch.

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Crime School: Das Rätsel der 3. Ebene – gelöst!

„Ratlos“ ist die Schar der Schüler, und da hält es einen verantwortungsvollen Lehrer natürlich nicht mehr. Er muss den geistigen Blockaden, den intellektuellen Scharaden in den noch unreifen, weil im Wachstum begriffenen Gehirnen seiner Schutzbefohlenen ein für alle mal ein Ende setzen! Wo kämen wir schließlich hin, wenn Schüler (zumal auf dem 2. Bildungsweg, sprich: gescheiterte Existenzen, bisherige Faulenzer, die sich in der Krimitheoriebranche schweres Geld von leichter Arbeit erhoffen) die-kreuz-die-quer zu denken anfangen und nicht mehr aufhören! Also hier: trara: die Lösung.

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Live: Ten Years After, Spencer Davis Group, Iron Butterfly

4.5.05, Stadtgarten Bünde, Liverpool Club

Überraschung: Ten Years After, heute wohl vor allem bekannt durch ihren Woodstock-Auftritt 1969, sind nicht zu einem lahmen Altherren-Verein geworden. Das liegt nicht nur am neuen Frontmann Joe Gooch, der mit seinen schätzungsweise Mitte 30 zum jüngeren Viertel der Anwesenden gehörte: Die Band rockt einfach ziemlich. Blues, meist in der Turbovariante, jede Menge großartiges Bass- und Gitarrenspiel, immer nach vorn, kein bißchen leise.

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Älterwerden, wieder mal…

„Man ist so alt, wie man sich fühlt. Und außerdem lass ich mir nicht vorschreiben, wann ich reif genug für welche Literatur bin“, erkläre ich dem Chefredakteur in der Bahnhofsbuchhandlung und kaufe „BRIGITTE Woman“. Die Zeitschrift für die Frau ab 40.

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Außerschulisches

Auch außerhalb der Crime School macht man sich Gedanken über Krimis und ihre, hm, nennen wir’s mal: literarische Relevanz. Im →Forum von Tom’s Krimitreff etwa fragt Thomas Esther, die einen Roman von Charles Todd gelobt hat:

„man kann über Charles Todd lesen, dass er sehr literarische Krimis schreibt. Würdest du dies bestätigen?“

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Glauser 2005

„Der Glauser“, Deutschlands Krimipreis Nummer 1, ist vergeben. Anlässlich der „Criminale“, einer von der Autorenvereinigung „Syndikat“ organisierten Veranstaltung mit dem üblichen Brimborium (Lesungen, Lesungen, Lesungen, danach Preisverleihung à la Oscar), wechselten wie jedes Jahr dezente Koffer mit knisternden Scheinchen den Besitzer. Wen’s interessiert, der lasse sich all das bei Ludger Menkes →„Nachtbuch“ auf der Zunge zergehen, wo der Chef selbst eine bebilderte kritische Hofberichterstattung gebloggt hat. Da die diesjährige „Criminale“ im Sauerländischen stattgefunden hat, hoffen wir nun auf eine Fortsetzung 2006 im Saarländischen. Auf dass wir die Herrschaften mit gutem saarländischen Bier und exzellentem saarländischen Schwenkbraten zuschütten können.

Crime School: Lektion 14

„Realitätskompatibel“ sollten Krimis sein. Schlägt Bernd jedenfalls vor und übersetzt „kompatibel“ mit „verträglich“. Schlecht für alles, was in der Realität nicht vorkommt, Übersinnliches etwa, weil es sich nicht mit der allgemeinen Vorstellung dessen was wirklich sei, vereinbaren lässt.

Dem könnte ich zustimmen, wenn ich nicht im vorigen Jahr einen Roman des sehr fleißigen und guten Boris Akunin gelesen und sogleich mit allerhöchsten Weihen ausgestattet hätte. „Pelagia und der rote Hahn“ heißt der Krimi und ist Abschluss einer Trilogie um die detektivische Nonne Pelagia im Russland des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

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