Wer ihn sich damals gekauft hat und das Teil mit Spielen über Datasette gefüttert hat braucht diesen Beitrag der Tonkultur nicht unbedingt, es sei denn die Ladezeit zum reinen Musikhören wäre dem interessierten Liebhaber zu lang. Seit Spex (03/01) und Intro die Ministeck und 8 – bit Pixelästehetik auf das Schild einer neuen Retrocoolness gehoben haben schau ich auch öfters mal auf den Flohmärkten nach diesen braunen Plastikkasten mit Riesenfloppy und Joystick. Zugegeben war ich als die Dinger damals auf den Markt kamen eher genervt von den pickligen Strebern, die in der Schule zu Mathe auch noch Basic lernten und von dem Ding angefixt waren.
WeiterlesenThomas D.: Lektionen in Demut
Die Rolle des Predigers steht Thomas D. gut. Endlose Beschwörungsformeln murmelnd, reist er auf düsteren Sphärenklängen durch sein persönliches Universum. Durch eine Welt aus monsterhaften Elektronik-Riffs, TripHop-Flair, pathetischen Parolen, apokalytischen Drohungen und viel Schwermut. „Lektionen in Demut“ ist kein Album, sondern ein geschlossenes System.
WeiterlesenM. A. Numminen: Dägä Dägä Finnwelten
„Neorustikal“ nennt Mauri Antero Numminen seine Musik. Ein Begriff, der von der finnischen Gastronomie und Textilindustrie dankbar adaptiert wurde…
In Finnland ist M.A. Numminen (Jahrgang 1940) Kult. Und Universalgenie. Der studierte Philosoph und Soziologe hat als Filmemacher, Kinderbuch- und Romanautor gearbeitet. Sowie als Entertainer, Komponist, Sänger und Bandleader. Neben Marx, Marcuse und Wittgenstein (gut ein Drittel der Songs ist deutschsprachig) gehört Numminens Leidenschaft dem Tango.
WeiterlesenLindberg Hemmer Foundation: Brazilian Architecture
Solche Musik läuft in diesen Yuppie-Schuppen, wo mittelmäßiges Essen und wässrige Cocktails für viel zu viel Geld verkauft werden. Oder sogar in Kaufhausfahrstühlen. Fahrstuhl- oder Yuppiemusik, klingt wie ein vernichtendes Urteil.
Aber mal ehrlich: die Musik ist nicht das schlimme an Yuppie-Schuppen und Fahrstühlen, sondern das Publikum. Außerdem steht die Lindberg Hemmer Foundation aus Dänemark dazu, was sie macht: ein Album, das schon so ein bisschen was wie Kultstatus genießt, heißt „Skandinavian Supermarket Music at It’s Very Best“.
WeiterlesenFuture Pilot AKA: Tiny Waves, Mighty Sea
Er wird hoffentlich nicht nur kleine Wellen schlagen, der Multiinstrumentalist Sushil K. Dade aus Glasgow. Innerhalb von drei Tagen (17. bis 19. Februar 2000) spielte er in einer umgebauten Mühle, dem Studio von Teenage Fanclub am Ufer des Clyde River, seine Songcollagen ein. Dabei gingen ihm u.a. Musiker von Belle & Sebastian, Teenage Fanclub, The Pastels, The Delgados und Bill Wells Octet zur Seite.
WeiterlesenBackyard Babies: Making Enemies Is Good

Der erste Eindruck des lange erwarteten „Comebacks“ der Backyard Babies ist gar nicht gut. Der Opener „I Love To Toll“ ist ein Totalausfall. Eine Ansammlung schlechter Songideen, die mit dämlichen Klischees konfrontiert werden: Cocaziehen und sexy Frauengelächter. Braucht man das? Sollten sie sich mehr Gedanken um Image und Aussehen als um Songstrukturen, rotzige Riffs und Melodien gemacht haben?
WeiterlesenPopshopping Vol.1
Na, können Sie damit noch ´was anfangen: Strahlerküsse, Minikillers, Moulinex, Fa, Ford Taunus und Opel Rekord? Lange her, schon klar. Zwischen 1960 und 1975, als „Easy Listening“ noch keine Retro-Mode, sondern hochangesagt war. Auf den Plattentellern und in der Werbung. Die Kreuzung aus beidem hieß „Schallfolie“. Eine biegsame, bunte Folie mit Abspielrillen. Ein give-away eben. Und das, was drauf war, war Kunst. Gutbezahlte, strikt funktionale Auftragskunst. Klang gewordene Brotjobs, die neben den strengen Vorgaben der Marketing-Etagen trotzdem noch Platz ließen für die Genialität ihrer Schöpfer. Zwischen 1960 und 1975: als die Werbekomponisten noch Klaus Doldinger, Christian Bruhn, Gert Wilden, Klaus Wüsthoff, Johnny Teupen und Luigi Pelliccioni hießen.
WeiterlesenCowboy Junkies: Open
Rockmusik im neuen Jahrtausend. Das ist also das, was rüber gerettet wurde: kraftvolle Rhythmen, kernige Gitarren. Na wenn’s so einfach ist, warum ist gute Rockmusik dann so selten geworden? Weil sich wenige Bands so im Zaum haben wie die Cowboy Junkies. Sie beherrschen ihr Metier, können richtige Melodien schreiben und haben mit Margo Timmins eine zauberhafte Sängerin. Sie könnten also leicht verdaulichen Folkrock in der Art machen, dass sie eine ernste Konkurrenz für R.E.M. wären, aber sie wollen lieber ihre Hörer fordern. Das zeigt sich schon daran, dass sie ihre Musik vermeintlich schlecht abmischen.
WeiterlesenBardo Pond: Dilate

Einen passenderen Support hätten Mogwai für ihre gerade beendete Europatournee nicht einladen können. Die amerikanische Formation, die meines Wissens nach schon einige Alben unters Volk gebracht hat, versteht sich bestens mit den Soundtüftlern aus Glasgow und zelebriert auf ihrem neuen Album eine ähnlich tranceartigen Klanglava.
WeiterlesenWaldeck: The Night Garden
Nachts im Garten (am besten barfuss) ist wie mit geschlossenen Augen Massive Attack zu hören oder mit beleibtem Körper im hochprozentigen Salzwasserbad zu treiben. Getragen von der Melodie entschwebt man in Gedanken dem Alltag, begleitet von Erinnerungen an „Mezzazine“.
(6 Fritten)
Waldeck: The Night Garden (Modul/BMG Ariola)
Seventh Key: Seventh Key
Hinter dem Bandnamen verbirgt sich Billy Greer, sonst in Lohn und Brot bei den Rock-Dinos Kansas. Wer jetzt ähnliche Klänge erwartet, kann gleich wieder weghören. Während Kansas im vergangenen Jahr mit „Somewhere To Elsewhere“ eine appetitliche Scheiblette kredenzt haben, setzt ihr Bassist auf melodischen Hardrock.
WeiterlesenShadow Gallery: Legacy
Obwohl ich einen ausgeprägten Hang zu Prog-Rock/Metal habe, sind Shadow Gallery bisher komplett an mir vorbeigerauscht. Dabei ist „Legacy“ schon ihr viertes Album. Schande über mich – Ruhm und Ehre über die Band. Auffallend ist, wie melodisch und strukturiert die sechs Mannen aus Pennsylvania an ihre mörderlangen Epen herangehen.
WeiterlesenIan McNabb: Ian McNabb
Ian McNabb war früher bei Icicle Works und ich hab‘ das erste Mal von ihm Notiz genommen, als er 1993 im Vorprogramm von Big Country spielte. Das Debüt „Truth And Beauty“ konnte die Live-Vorschusslorbeeren zwar nicht ernten, aber die beiden nachfolgenden Alben waren trotz gewisser Längen OK. Nach sehr amerikanischen Klängen (auf „Head Like A Rock“) wendet er sich auf seinem selbstbetitelten Werk wieder melodischem Pop mit unüberhörbar britischer Prägung zu.
WeiterlesenLucyfire: This Dollar Saved My Life At Whitehorse
Schaltet das Gehirn aus und aktiviert das SD+R-Zentrum. Gruftkopf Johann Edlund -sonst Vorsteher der Düsterband Tiamat- hat mit Lucyfire ein zweites Projekt am Start und hier lautet die Devise „Spaß“. Breit grinsend schwingt er die Klischeekeule und covert ZZ Top („Sharp Dressed Man“), reimt lustige Verse („I want Sex, Drugs & Rock’n’Roll – give it to me baby ‚til I loose control“) und freut sich diebisch, dass er im Opener die Zeile „Baby, come on“ singt.
No Means No: Generic Shame
Sex is politics, politics is sex. Sex is philosophy, philosophy is sex. Das ist nur ein Auszug aus dem, was No Means No auf ihrer neuen EP vermitteln möchten. Anlässlich ihrer für Mai angesetzten Deutschlandtour erscheint nun dieser Bonus, der die Band in bekannt unnachahmlicher Form präsentiert.
Weiterlesen35007: Sea Of Tranquillity
Der Scherz ist keiner mehr und dürfte bekannt sein. 35007 heißt Loose. Zahlen auf den Kopp und schon ist das Rätsel, das kein großes ist, gelöst. Die Jungs waren in den vergangenen Monaten nicht von Glück verfolgt. Während ihrer letzten Tour wurde ihnen in Rom das gesamte Equipment gestohlen. Dann stieg auch noch Sänger Euwout aus und zog von Holland nach Australien um. Seitdem sind Loose (bis auf weiteres) ohne Gesangspart unterwegs und trotz der dummen Ärgernisse nicht klein zu kriegen.
WeiterlesenDisgrace: Turku
Vom Metal zum Rock’n’Roll, das kann nur in Turku, de finnischen Glasgow passieren. Kurz und knapp haben Disgrace ihre Songs gehalten, die mit Lemmy Kilmister-Stimme und der durchtriebenen Energie von The Cult und den Soundtrack Of Our Lives ein kurzweiliges Hörvergnügen garantieren. Kein Überhit, aber ein sehr feines Album.
(7 Fritten)
Disgrace: Turku
Tug/Indigo
Prefuse 73: Vocal Studies & Uprock Narratives
Prefuse 73 setzt sich zwischen einige Stühle, die im Normalfall mitnichten unter einen Hut zu bringen sind. Hört man sich die 16 Tracks in Ruhe an, kann man Postrock, Elektronika und HipHop als Grundlagen dieses fast ausschließlich instrumentalen Albums ausmachen. Man könnte fast meinen, es mit einem dieser umtriebigen Musiker aus Chicago zu tun zu haben. Jedoch kommt Scott Herren, der Mann hinter Prefuse 73, aus Atlanta, Georgia.
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