Das Bierbeben: No future no past

Was ist das bloß? Gerüchteweise (und Gerüchte scheinen ein Teil dieses etwas heimlichtuerischen Projektes zu sein) gestartet als bierseliges Politparolen-Punkprojekt auf Jan Müllers (Tocotronic) kleinem Punkarsch-Label, hatte die bunte Sammlung einzelner amtierender und ehemaliger Mitglieder bekannter und unbekannterer Berliner und Hamburger Punk-Intellektuellen-Diskursrock-Sonstwas-Kombos die Idee, den Primitiv-Punk durch minimalistischen tanzbaren Techno zu ersetzen.

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The Resentments – The Resentments

Der Begriff „Feierabend-Band“ mag vielleicht etwas abwertend klingen, aber im Prinzip beschreibt er genau den Ansatz, den die Resentments (gegen wen hegen die eigentlich ihren Groll?) mit ihrer Musik verfolgen: Sie fabrizieren diese eben ganz locker und entspannt, ohne Druck seitens einer Plattenfirma, die etwas „hypen“ muss. Die einzelnen Musiker stehen in der Regel bei namhafteren Solisten „im Brot“ oder verdienen ihr Geld als Studiocracks.

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Alles Pop? Kapitalismus & Subversion

„Macht ihr Popmusik?“
Schorsch Kamerun: „Die Frage interessiert mich langsam nicht mehr, weil eine Beantwortung schon wieder Popthema ist.

“Dieses Buch ist ein Sammelsurium von Texten von, mit & über Pop. Die HerausgeberInnen & Schreiberlinge konnten sich dabei offensichtlich nicht richtig auf eine inhaltliche Linie einigen: Einmal gilt Popkultur als Inspirationsquelle für Theorie, dann wieder als Gegenstand der Kritik, immer wieder aber auch unreflektiert als Projektionsfläche für eigene Sehnsüchte. Demnach sind einige Texte & Interviews durchaus spannend & vielleicht gar erkenntnisbringend zu lesen, andere sind vollkommen egal, naiv oder gar dumm, manche recht informativ & wieder andere so knietief im DeleuzeGuattariDerridaFocault-Sprech (vielleicht aber auch einfach Freestyle?), dass sie mir fast gar nichts mehr sagen, was aber auch an meinen allgemeinen Schwierigkeiten mit post- & postpostmoderner Theorie liegen mag.

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Josh Ritter: Golden Age Of Radio

Chronologisch in der falschen Reihenfolge, im Musikerlebnis die richtige. Josh Ritters aktuelles Werk „Hello Starling“ ist ein gutes Singer/Songwriter-Album, verblasst aber gegen sein Debüt „Golden Age Of Radio“. Insofern wundert es nicht, dass einige Kritiker über das zweite Werk nicht mehr ganz so erfreut waren. Da bei mir dieser Ernüchterungsschock ausfiel, mag ich beide Alben, aber „Golden Age Of Radio“ ist eindeutig das besonderere Werk. Knorzig, direkt und mit zwölf wunderbaren Songs, die an Dichte und songwriterischer Qualität nichts zu wünschen übrig lassen. Hört euch am besten beide Alben an und quält euch selbst mit der Entscheidung welches das „schlechtere“ ist.

Josh Ritter
Golden Age Of Radio
Setanta/Rough Trade
VÖ: 16.2.2004
Link: www.joshritter.com

BiggaBush: BiggaBush Free

Früher war Glyn „Bigga“ Bush Mitglied der renommierten Formation Rockers HiFi. Seit dem mehr oder weniger endgültigen Aus der Rockers im Jahr 1998 – einige der Ex-Mitglieder gehen ja weiterhin mit dem Namen hausieren, wie zuletzt auch im Rahmen der 2003er Ausgabe des Electricity Festivals – hatte sich Bush Remixen zugewandt und dann seinem Projekt Lightning Head. BiggaBush heißt die neue Aufgabe, der sich der Dub- und Bass-Fanatiker fortan stellt.

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Die Aeronauten – Zu gut für diese Welt (Best of)

Vor so ca. einem Jahrzehnt sah ich die Aeronauten als Vorband von Tocotronic und fand sie gar nicht so toll. Das tut mir inzwischen furchtbar leid, denn die Aeronauten sind ein bemerkenswerter Haufen! Die Schweizer touren und produzieren scheinbar rund um die Uhr, spielen eine schmissige Mixtur aus poppigem Garagenrock und Soul und sind (neben schwachen Momenten, aber wer hat die nicht?) immer wieder witzig, traurig und weise.

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Live: Chris Jagger Trio

Neustadt/W., Konfetti/Wespennest, 07.05.2004

New-Orleans-Sounds im pfälzischen Newtown: Ein neues Album ist laut Chris Jagger (voc, g, harp) erst in Planung, gleichwohl begab sich sein Trio (mit Charlie Hart/fi, acc und Ben Waters/pi, acc) nach längerer Pause mal wieder auf eine Deutschlandtournee. Wenige Wochen zuvor hatten Charlie und Chris noch in der Londoner „Royal Albert Hall“ vor über 1500 begeisterten Zuschauern als Mitglieder der Ex-SLIM-CHANCE-Band zu Ehren des 1997 verstorbenen (SMALL) FACES-Gründers Ronnie Lane aufgespielt. Dass sie an sich aber den intimeren Rahmen von Pubs und kleinen Clubs bevorzugen, kam auch bei ihrem Gastspiel im Neustadter „Konfetti“ zum Tragen. Das gemütliche Lokal war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die drei praktisch mittenmang.

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Live: Sportfreunde Stiller, Campus

Capitol, Hannover, 16. Mai 2004.

Fazit: Sie Roque. Trotz widriger Umstände (Bayern ist nicht Meister und bangt um Tabellenplatz zwei, 1860 steht mit anderthalb Beinen schon in der zweiten Liga) lieferten Sportfreunde Stiller auf ihrer „Burli“-Frühjahrstour ein schönes Konzert in Hannover ab. Rockend, freundlich, zuverlässig.
Das Capitol – ein ehemaliges Kino, das jetzt als Konzertsaal rund 2.200 Menschen fasst (den Balkon gibt’s immer noch, wenn alle hüpfen, kann er furchterregend schwanken) – war schon Wochen vorher ausverkauft. Das lag ganz sicher auch an der angekündigten Vorband: Franz Ferdinand, die heiß gehandelte Kunsthochschulen-Combo aus Glasgow. Die kamen aber nicht. Ein Todesfall in der Familie eines der Musiker war Grund für die Absage der Schotten. Kurzfristig sprang die Münchner Band Campus ein. Schlechter Hallensound, aber gute Gruppe. Sollte man im Auge behalten.

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Dead Moon, Bielefeld

Eigentlich bin ich ja gar nicht mehr so heiß auf Konzerte. Hätte es nicht die Möglichkeit einer Rezension gegeben, hätte ich die 15€ wohl kaum zusammengekratzt. Das Forum ist mit Gästelistenplätzen etwas knauseriger als andere Veranstalter in Bielefeld, weswegen es bei dem Preis diesmal gar nicht so einfach war, Leute zum Mitkommen zu motivieren – hat aber letztendlich geklappt.

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Amplifier: s/t

Jeder kennt in irgendeiner Form die Geschichte vom charmanten Meisterdieb, der nicht zu fassen ist. In dieser Hinsicht dürfte das britische Trio Amplifier der Thomas Crown der Rockmusik sein. Die drei klauen wie die Raben, aber man kann es ihnen nicht übel nehmen. Stattdessen reißt man begeistert den Lautstärkeregler in die Höhe und freut sich an effektüberladener, theatralischer Gitarrenmusik. Wer generell Bands mag, die beim Rocken dick auftragen (Muse, The Tea Party, Oceansize), wird sich allumfassend für „Amplifier“ begeistern.

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The Alarm: In The Poppy Fields

Lieber Mike,
ich bin echt ein großer Fan von dir, ich hab die alten Alarm-Scheiben auf Vinyl, die neueren auf CD, war traurig über den Band-Split und deine Erkrankung und habe mich gefreut, als du wieder gesund warst. Deine Soloalben habe ich alle drei gekauft, genauso wie dein Nebenprojekt Coloursound und als du 2000 im Vorprogramm von Big Country gespielt hast, stand ich mit erhobenen Händen laut singend im Publikum: „…going out in the blaze of glory…“. Ja, du bist eine echte Frontsau, du hast es drauf, die Massen zu begeistern und wenn du den „Spirit Of ’76“ beschworen hast, dann war ich immer gerne dabei.

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